Real und vir­tu­ell: Bad Bent­hei­mer Kul­tur­nacht ein­mal anders

Von Susan­na Aus­trup

Bad Bent­heim Es war ein Expe­ri­ment, aus der Not gebo­ren. Am Sonn­abend ging die vier­te Bad Bent­hei­mer Kul­tur­nacht Coro­na-bedingt größ­ten­teils vir­tu­ell über die Büh­ne. Es gab aller­dings auch zwei Live-Schau­plät­ze. Im Haus Wes­ter­hoff wur­de die Foto­aus­stel­lung „Silence“ eröff­net und im Bent­hei­mer Ate­lier fand trotz Stark­re­gens das Kunst­pro­jekt „Archi­tek­tur­spie­ge­lun­gen“ mit Illu­mi­na­ti­on des alten Lei­di­ger Hau­ses in der Kip­ker­stie­ge statt.

Wer woll­te, konn­te am Sonn­abend das Wet­ter aus­blen­den und die von der Bad Bent­hei­mer Bür­ger­stif­tung orga­ni­sier­te Kul­tur­nacht gemüt­lich vom hei­mi­schen Sofa aus am Com­pu­ter­bild­schirm anse­hen, statt auf das Event zu ver­zich­ten. Ein kla­rer Vor­teil. Ein dickes Plus war auch, dass alle Akteu­re mit ihrer Vor­stel­lung auf der digi­ta­len Platt­form unge­teil­te Auf­merk­sam­keit genie­ßen konn­ten. Über­haupt: Den Zuschau­ern bot sich die Gele­gen­heit, das Gesche­hen je nach Lust und Lau­ne nach­voll­zie­hen. Statt rea­le Wege zurück­zu­le­gen, war es mög­lich, sich ganz bequem und ohne Zeit­ver­lus­te durch das kom­plet­te Pro­gramm (die GN berich­te­ten aus­führ­lich) zu kli­cken.

Die pro­fes­sio­nel­len Vide­os wur­den von einem Team aus Fabi­an Bit­ter, Jas­per Hes­ping, Nils Kock und Kai Lam­me­ring pro­du­ziert. Die Künst­ler hät­ten mit der digi­ta­len Platt­form ganz ande­re Chan­cen, sich zu prä­sen­tie­ren, fand Nina Klu­dig, die zur Aus­stel­lungs­er­öff­nung im Bent­hei­mer Ate­lier aus dem benach­bar­ten West­fa­len ange­reist war. Kunst wer­de so für vie­le Men­schen noch greif­ba­rer. Da die sozia­len Netz­wer­ke das Medi­um der jun­gen Gene­ra­ti­on sei­en, kön­ne man sie auf die­sem Weg viel bes­ser errei­chen. Und doch: „Das Kunst­werk an Ort und Stel­le zu betrach­ten, ist schon ein­zig­ar­tig“, schränk­te Klu­dig ein.

Die Kunst­nacht bot mit den bei­den real zu besich­ti­gen­den Aus­stel­lun­gen eine Chan­ce zur Pro­be. Die Foto­gra­fin His­ke van Keu­len prä­sen­tier­te im Haus Wes­ter­hoff Foto­gra­fien aus ihrem Pro­jekt „Silence“. Die Idee dazu wuchs, als ihr Sohn mit einer Fehl­ent­wick­lung der Wir­bel­säu­le (Spi­na bifi­da, auch als „offe­ner Rücken“ bekannt) auf die Welt kam. „Ich woll­te fest­hal­ten, was mei­ne Fami­lie mit ihm erlebt hat“, erklär­te die Künst­le­rin am Sonn­abend. Die Foto­gra­fien, in denen Mensch und Natur im Mit­tel­punkt ste­hen, spie­geln Ver­letz­lich­keit und ein Zur-Ruhe-Kom­men wider. Van Keu­lens Auf­nah­men spre­chen das Urbe­dürf­nis nach Gebor­gen­heit an, ihr Betrach­ten weckt Sehn­sucht und Empa­thie. Ergänzt wur­de die Schau durch einen Vor­trag über das The­ma „Stil­le“ von Yvo Kou­wen­ho­ven.

Hef­ti­ge Regen­güs­se am Abend mach­ten dem Team vom Bent­hei­mer Ate­lier, das ange­sichts der Coro­na-Situa­ti­on bewusst auf eine Außen­ver­an­stal­tung gesetzt hat­te, zu schaf­fen. So fand die Eröff­nung der Aus­stel­lung „Archi­tek­tur­spie­ge­lun­gen“ des Nord­hor­ner Künst­lers Christ­hard Pas­ter­nak, samt Illu­mi­na­ti­on des alten Lei­di­ger Hau­ses in der Kip­ker­stie­ge, vor einem klei­nen Publi­kum statt. Im Schau­fens­ter des Ate­liers konn­ten die Besu­cher die ein­drucks­vol­le, 16 Minu­ten dau­ern­de Pro­jek­ti­on auf einem Bild­schirm ver­fol­gen. Die ästhe­ti­sche Kraft der flüch­ti­gen Bil­der ver­lieh dem denk­mal­ge­schütz­ten Gebäu­de, das seit vie­len Jah­ren leer steht und lang­sam ver­fällt, als Kunst­ob­jekt eine neue Bedeu­tung. „Ich glau­be, dass jun­ge Leu­te das inter­es­sant fän­den“, sag­te Klu­dig.

Die Prä­sen­ta­ti­on der Illu­mi­na­ti­on per Bild­schirm ist noch in die­ser Woche im Schau­fens­ter des Bent­hei­mer Ate­liers zu sehen. Auch eine Wie­der­ho­lung des Events ist beab­sich­tigt. Die Aus­stel­lung „Silence“ im Haus Wes­ter­hoff ist Sams­tag und Sonn­tag von 14 bis 17 Uhr geöff­net. Alle Vide­os sind wei­ter­hin unter buergerstiftung-badbentheim.de zu sehen.

Copy­right © Graf­schaf­ter Nach­rich­ten 2020 — Wei­ter­ver­wen­dung und ‑ver­brei­tung nur mit Geneh­mi­gung.