Die Bürgerstiftung Bad Bentheim wurde im Februar 2013 von 80 Menschen aus der Region gegründet. Zehn Jahre später blickt sie auf rund 30 unterstützte Projekte zurück. Satzungsgemäß fördert sie Kunst und Kultur, Bildung und Erziehung, Jugend- und Altenhilfe sowie Brauchtum und Heimatpflege.
Wie die Stiftung arbeitet
Die Stiftung geht auf drei Wegen vor: Sie entwickelt eigene Projekte, wirkt bei Vorhaben anderer mit und fördert Initiativen finanziell. Laut der Ersten Vorsitzenden Dr. Angelika Rieckeheer, die seit der Gründung dabei ist, sind dadurch in Bad Bentheim und der Obergrafschaft viele Angebote entstanden, die es vorher nicht gab.
Den Anfang machte die Kultur. Das erste Projekt war die Kulturnacht im Oktober 2013: Neun Museen und Galerien sowie die Freilichtbühne öffneten von 18 bis 23 Uhr mit Führungen, Lesungen, Konzerten und Fotoexkursionen. Die fünfte Kulturnacht folgte am 17. Juni 2023. Dazu kommen der Bürgerbrunch und der Kinder- und Jugendkunstpreis als feste Termine.
Von der Idee zur Gründung
Die Anfänge reichen bis 2007 zurück. Bürgermeister Dr. Volker Pannen, der die Gründung angestoßen hatte, erinnert sich, wie lange es dauerte, 80 Menschen zu finden, die 1.000 Euro ihres Privatvermögens dauerhaft einbringen. Inzwischen sind es 108 Stifterinnen und Stifter. Ihr Kapital bleibt unangetastet und soll Erträge sichern. Durch die lange Niedrigzinsphase fielen diese aber kaum an, wie bei allen Stiftungen in Deutschland. Der Zweite Vorsitzende Stefan Drolshagen sagt, dass die Stiftung daher von Beginn an auf Spenden angewiesen war.
Die Spendenbereitschaft ist hoch: Die Einzelspenden reichen von 20 Euro bis zu mehr als 20.000 Euro.
Kleine Projekte, große Wirkung
Vorstandsmitglied Arend Lödden betont, dass die Stiftung gerade auch kleinere Vorhaben fördert, die selten im Rampenlicht stehen. Ein Beispiel ist „Balou und du“: Zwölftklässler des Missionsgymnasiums Bardel begleiten Grundschulkinder bei Freizeit und Hausaufgaben. 2022 unterstützte die Stiftung das Programm mit 900 Euro aus Spenden von Privatpersonen und Kaufleuten.
Das Programm „10 x 500“ wurde 2023 zum dritten Mal aufgelegt. Zehn Projekte erhalten je 500 Euro, zusammen 5.000 Euro. Daraus entstand unter anderem die Plattdeutsch-Audiothek mit Geschichten zum Anhören und einem frei zugänglichen Online-Kurs mit 16 Lektionen. Die Aufnahmen machten Bentheimer und Gildehauser ehrenamtlich, der Kurs ist auch als gedrucktes Kursbuch erhältlich.
Die Stiftung braucht dabei nicht nur Geldstifter, sondern auch Ideen- und Zeitstifter, die Impulse geben und Projekte ehrenamtlich unterstützen.
Das Batavia-Portal
Das größte Projekt bisher ist das Batavia-Portal. Die Planungen vor Ort begannen 2019. Das Tor, ein kunsthistorisch bedeutendes Zeugnis der niederländischen Kolonialzeit in Ostindien, wird aus Bentheimer Sandstein im Schlosspark nachgebaut, getragen von vielen ehrenamtlichen Steinmetzen. Die Einweihung mit Symposion war für den 7. Oktober 2023 vorgesehen.
Die Kosten liegen bei etwa 240.000 Euro. Die eine Hälfte kommt von Kreis, Land, Bund und Stadt, die andere hat die Stiftung durch Spenden eingeworben. Sie hat sich mit der Kritik am Projekt auseinandergesetzt, unabhängige Wissenschaftler hinzugezogen und versteht das Portal als Ort, an dem das koloniale Erbe eingeordnet und offengelegt wird.
Ausblick
Die Stiftung wünscht sich weitere Ideen aus der Bevölkerung. Eine davon ist ein Ruisdael-Wanderweg zu den Orten, an denen Jacob van Ruisdael (1628/29–1682) seine Gemälde mit Blick auf die Burg Bentheim malte.

