Anton Fried­rich Büsching: Neue Erd­be­schrei­bung (7. Teil)

Büsching

§. 1.

Von der Graf­schaft Bent­heim hat Johann Wes­ter­berg eine Char­te gezeich­net, wel­che Ger­hard Valk und Peter Schenk her­aus­ge­ge­ben haben. Man sieht sie auch auf den oben, von dem Hoch­stif­te Müns­ter ange­führ­ten Char­ten.

§. 2. Sie ist von der nie­der­län­di­schen Pro­vinz, Ober-Yssel und Land­schaft Dren­te, und dem Hoch­stift Müns­ter umge­ben, unge­fähr 10 Mei­len lang, und 2, 3 bis 4 Mei­len breit.

§. 3. Das Land ist frucht­bar und ange­nehm, ernäh­ret sei­ne Ein­woh­ner hin­läng­lich, und ver­schaf­fet ihnen auch vort­heil­haf­te Aus­fuh­ren. Auf den Ber­gen um Ben­rheim und Gil­de­haus sind vort­re­f­li­che und ein­träg­li­che Stein­brü­che, aus wel­chen die Stei­ne, inson­der­heit nach den Nie­der­lan­den

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und in das Hoch­stift Müns­ter gefüh­ret wer­den. In den Ebe­nen sind frucht­ba­re Aecker, gute Wie­sen und Wei­den. Die Vieh­zucht ist gleich­falls gut. Hol­zun­gen und Wäl­der sind reich­lich vor­han­den, und in denen­sel­ben ist eine vort­re­f­li­che Wild­bahn. Unter denen durch­flies­sen­den Flüs­sen ist inson­der­heit die Vech­te zu bemer­ken; wel­che aus dem müns­ter­schen Amte Horst­mar kömmt, auf der Grän­ze nicht weit von Ohne die stein­fur­ti­sche Aa, und unweit Nien­haus die Din­kel, wel­che auch in dem müns­ter­schen Amte Horst­mar ent­springt, auf­nimmt, und, nach­dem sie die gan­ze Graf­schaft der Län­ge nach durch­flos­sen, in die Pro­vinz Ober-Yssel tritt. Sie ist nicht nur sehr fisch­reich, son­dern kan [sic!] zur meis­ten Jah­res­zeit mit klei­nen Fahr­zeu­gen, Prah­men und Holz­flös­sen befah­ren wer­den, wel­ches den Han­del der Graf­schaft nicht wenig beför­dert.

§. 4. In die­ser Graf­schaft sind 3 Städ­te und 1 Fle­cken. Die Ein­woh­ner sind arbeit­sam, und han­deln mit Garn, Wol­le, Lei­ne­wand, Honig, Vieh, Stei­nen, Holz und andern Gütern und Waa­ren, wel­che meh­rent­heils nach Hol­land gebracht wer­den, wohin auch die jun­ge Leu­te bey­der­ley Geschlechts gern in Diens­te gehen, und zum Thei­le sich daselbst nie­der­las­sen.

Auf den Land­ta­gen erschei­nen theils Deput­ir­te der Pro­vinz Ober-Yssel, oder des Prin­zen von Ora­ni­en, wel­che wegen ihrer bent­hei­mi­schen Güter die ers­te Stim­me haben, theils die Besit­zer der ade­li­chen Häu­ser Brand­lecht, Laer, Lan­gen, Ravens­horst und Wol­da, theils die Klös­ter Ferns­we­gen [sic!] und Wiet­mar­sen, theils die Bür­ger­meis­ter deren 3 Städ­te, wel­che aber nur eine gemein­schaft­li­che Stim­me haben.

§. 5. Graf Arnold I führ­te 1544 die evan­ge­lisch-luthe­ri­sche Leh­re in die­sem Lan­de ein; sein Enkel Arnold II aber ver­ur­sach­te, daß die reform­ir­ten Gemei­nen die stärks­ten wur­den, und seit 1668, da Graf Ernst Wil­helm römisch-katho­lisch gewor­den, haben sich die Katho­li­ken ver­meh­ret, wel­che aber nur zu Bent­heim öffent­li­che und ander­wärts auf denen Amt­häu­sern gehei­me got­tes­dienst­li­che

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Uebung haben; und damit kei­ne Neue­run­gen gesche­hen, so sind inson­der­heit die Gene­ral­staa­ten Beschüt­zer des Reli­gi­ons-Zustan­des in der Graf­schaft.

§. 6. Die Geschich­te der Gra­fen zu Bent­heim wird ihrem Haupt-Inhal­te nach also erzäh­let. Man fin­det im 10ten, 11ten und 12ten Jahr­hun­der­te Gra­fen von Bent­heim, wel­che Tur­nie­ren bey­ge­wohnet haben. Des Gra­fen Johann eini­ge [sic!] Toch­ter und Erbin der Graf­schaft, Ger­trud, wur­de ums Jahr 1122 mit einem Pfalz­gra­fen beym Rhein ver­mäh­let, mit wel­chem sie einen Sohn Otto, und eine Toch­ter Sophia, zeu­ge­te; jener starb ohne Erben, daher die­se die Graf­schaft Bent­heim erbe­te, und an Die­te­rich VI, Gra­fen von Hol­land, ver­mäh­let wur­de. Ihr Sohn Otto regie­re­te ums Jahr 1190 die Graf­schaft Bent­heim. Sei­nes Enkels Egbert ältes­te Toch­ter Hed­wig wur­de eine Gemah­linn des edlen Herrn Arn­ten von Güt­ters­wick, wel­ches um des­wil­len anzu­mer­ken ist; weil nach dem 1224 erfolg­ten Tode Bern­hards, des letz­ten Gra­fen von Bent­heim von dem alten Stam­me, die Graf­schaft Bent­heim an Eber­win, edlen Herrn zu Güt­ters­wick, einen Sohn Arnolds, gekom­men. Die­ses ers­te Gemah­linn Mech­tild war eine Erbinn der Herr­schaft Stein­furt und Gro­nau; die zwey­te aber war Gis­ber­ta, eine Toch­ter Otten von Bron­khorst, mit wel­cher die sol­mi­schen Güter an Bent­heim und Stein­furt gekom­men. Mit die­ser zeu­ge­te er die Söh­ne Bern­hard und Arnold: jener bekam die Graf­schaft Bent­heim, die­ser die Herr­schaft Stein­furt. Bern­hards Sohn Eber­win ver­grö­ßer­te die Graf­schaft Bent­heim durch das Gericht Emblich­eim; und unter Arnolds Soh­ne, wel­cher auch Eber­win hieß, wur­de die Herr­schaft Stein­furt 1495 auf dem Reichs­ta­ge zu Worms zu einer Graf­schaft erho­ben. Bey­de Eber­wi­ne errich­te­ten 1487 ein ewi­ges Erb­ver­bünd­niß, kraft des­sen die bey­den Graf­schaf­ten Bent­heim und Stein­furt unzer­trenn­lich bey­sam­men blei­ben, und falls, eins von die­sen Häu­sern kei­ne männ­li­che Erben übrig hät­te, das ande­re, mit Aus­schlies­sung des sonst erben­den weib­li­chen Geschlechts, dem­sel­ben in der Regie­rung fol­gen sol­le.

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Eber­win zu Bent­heim über­leb­te sei­nen eini­gen Sohn, und Eber­wins zu Stein­furt Sohn Arnold bekam bey­de Graf­schaf­ten, in wel­chen ihm sein Sohn Eber­win folg­te, und bis 1562 regier­te. Die­ser heyra­the­te Anna, Erbinn von Teck­len­burg, und ist der ers­te Graf zu Bent­heim, Teck­len­burg und Stein­furt. Sein Sohn Arnold bekam mit sei­ner Gemah­linn Mag­da­le­nen, einer Erb­toch­ter von Neu­e­nar, die Graf­schaft Lim­burg, samt den Herr­schaf­ten Alpen, Hel­fen­stein und Len­nep, imglei­chen die cöl­ni­sche Erb­vog­tey, und ande­re neu­e­na­ri­sche Anwart­schaf­ten. Damit nach sei­nem Tode unter sei­nen Söh­nen kein Streit ent­stün­de, ver­ord­ne­te er 1591 in sei­nem letz­ten Wil­len, was ein jeder erben soll­te. Der ältes­te, Eber­win, bekam Bent­heim; der zwey­te, Adolph, Teck­len­burg und Rhe­da; der drit­te, Arnold Jobst, Stein­furt; den übri­gen 3 Söh­nen wur­de eine Sum­me Gelds bestimmt, jedoch auch ver­ord­net, daß sie, nach unbe­erb­tem Abster­ben der ältern Brü­der, zur Regie­rung gelan­gen soll­ten. Als der ältes­te Sohn Eber­win starb, trat der 2te Sohn in sei­ne Rech­te, behielt aber Teck­len­burg, und über­ließ, dem 3ten Bent­heim; der vier­te, Wil­helm Hein­rich, bekam Stein­furt. Adolphs, Gra­fen von Bent­heim zu Teck­len­burg, zwey­ter Sohn Moritz regier­te die Graf­schaft Teck­len­burg vie­le Jah­re, und hat­te 2 Söh­ne, näm­lich Hans Adolph und Fri­de­rich Moritz, wel­che regie­ren­de Gra­fen von Bent­heim zu Teck­len­burg und Lim­burg waren, und von dem letz­tem der jet­zi­ge regie­ren­de Graf von Bent­heim zu Teck­len­burg und Lim­burg ein Sohn ist. Arnold Jobst, Graf zu Bent­heim, theil­te nach des Gra­fen Wil­helm Hein­rich zu Stein­furt Tode die Graf­schaft Stein­furt mit dem obge­dach­ten Gra­fen Moritz von Teck­len­burg, und hin­ter­ließ 2 Söh­ne, Ernst Wil­helm und Phil­ipp Con­rad; jener, wel­cher katho­lisch gewor­den, regier­te wäh­rend der Min­der­jäh­rig­keit sei­nes Bru­ders die Graf­schaft Bent­heim und hal­be Graf­schaft Stein­furt allein. Als aber der­sel­be die Voll­jäh­rig­keit erlan­get hat­te, ver­glich er sich mit ihm dahin, daß er, Graf Phil­ipp Con­rad, mit der hal­ben. Graf­schaft Stein­furt vor-

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lieb neh­men, hin­ge­gen er und sei­ne Erben nach sei­nes Bru­ders Ernst Wil­helm Tode die eini­gen Nach­fol­ger in der Graf­schaft Bent­heim seyn soll­ten. Indes­sen mache­ten die Söh­ne, wel­che Graf Ernst Wil­helm in ers­ter Ehe mit einer bür­ger­li­chen Per­son, Ger­trud von Zelst, (wel­che aber Kai­ser Leo­pold 1666, nebst ihren Kin­dern, in den rcichs­gräfl. Stand erho­ben,) gezeu­get hat­te, an die Regie­rungs­fol­ge Anspruch, und wur­den end­lich in einem zu Bie­le­feld 1690 getrof­fe­nen Ver­glei­che für Reichs­gra­fen erkannt, auch bestimmt, nach dem Tode ihres Herrn Vaters die Graf­schaft Stein­furt mit allem Zuge­hör zu besit­zen, auch noch 1000 Rthlr. jähr­lich aus der Graf­schaft Bent­heim zu bekom­men. Als nun Graf Wil­helm 1693 starb, kam Ernst der ältes­te sei­ner vor­hin gedach­ten Söh­ne zum Besit­ze der Graf­schaft Stein­furt, von wel­chem der jetzt regie­ren­de Graf zu Bent­heim-Stein­furt ein Enkel ist; hin­ge­gen des oben genann­ten Gra­fen Phil­ipp Con­rad Sohn, Arnold Mau­ritz Wil­helm, wel­cher bis dahin die Graf­schaft Stein­furt beses­sen hat­te, bekam die Graf­schaft Bent­heim. Die­ses [sic!] Enkel, Graf Fried­rich Karl Phil­ipp, hat 1753 sei­ne Graf­schaft mit aller Lan­des­ho­heit an Chur Braun­schweig-Lüne­burg, gegen einen Vor­schuß und Ueber­neh­mung sei­ner Schul­den, auf 30 Jah­re ver­pfän­det und über­ge­ben, aber 1757 sie den­noch von Frank­reich wie­der in den Besitz der­sel­ben set­zen las­sen, in wel­chem er aber nur bis 1758 geblie­ben, da die Graf­schaft wie­der von Chur­braun­schweig ein­ge­nom­men, wor­den ist. 1760 bemäch­tig­ten sich ihrer die Fran­zo­sen aber­mals, wur­den aber bald wie­der ver­trie­ben.

§.7. Der gräf­lich-bent­hei­mi­sche Titel ist; Graf zu Bent­heim, Teck­len­burg, Stein­furt und Lim­burg etc. Herr zu Rhe­da, Weve­ling­ho­ven, Hoya, Alpen und Hel­fen­stein, Erb­vogt zu Cöln, etc. Das Wapen ]sic!] wegen Bent­heim sind 19 gol­de­ne Pfen­ni­ge im rothen Fel­de; wegen Teck­len­burg 3 rothe Her­zen im sil­ber­nen Fel­de; wegen Stein­furt ein rother Schwan mit schwar­zem Schna­bel und Füs­sen, im gol­de­nen Fel­de; wegen Lim­burg ein rother gekrön­ter Löwe, im sil­ber­nen Fel­de; wegen

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Rhe­da ein schwar­zer Löwe, auf des­sen Lei­be 3 gol­de­ne Rin­ge, am Ende des Schwan­zes aber eine gol­de­ne Rose, im sil­ber­nen Fel­de; wegen Wewe­ling­ho­ven 2 sil­ber­e­ne Quer­bal­ken, im rothen Fel­de; wegen Hoya 2 schwar­ze aus­wärts gekehr­te Bären­klau­en, im gol­de­nen Fel­de; wegen Alpen ein sil­ber­ner Löwe, im rothen Fel­de; wegen Alpen ein sil­ber­ner Löwe, im rothen Fel­de; wegen Hel­fen­stein ein Löwe in einem von roth und Sil­ber get­heil­ten Fel­de; wegen der Erb­vog­tey Cöln 5 gol­de­ne Quer­fä­den, im rothen Fel­de.

§. 8. Der Graf von Bent­heim-Bent­heim hat Sitz und Stim­me sowohl
im west­phä­li­schen Reichs­gra­fen-Col­le­gio, als auf den west­phä­li­schen Kreis­tä­gen, auf wel­chen letz­tern er nach Lip­pe fol­get. Die Graf­schaft ist zu den Reichs-Anla­gen auf 6 zu Roß, 20 zu Fuß, oder 152 Fl., zu jedem Kam­mer­zie­le aber auf 121 Rthlr. 66 3/4 Kr. ange­set­zet.

§. 9. Die Graf­schaft Bent­heim wird in die obe­re und unte­re Graf­schaft abget­hei­let; jene ist, nebst der so genann­ten Herr­lich­keit Emblich­eim, ein Reichs­lehn; die­se aber ist vor Alters von dem Bischof zu Uet­recht, nach­ge­hends von der Pro­vinz Ober-Yssel, und durch deren Abtre­tung von dem Prin­zen von Nas­sau-Ora­ni­en zu Lehn getra­gen; wor­über gegen das Ende des 17ten Jahr­hun­derts bey Ver­wech­se­lung der Lan­des­herr­schaft zwi­schen Bent­heim und Stein­furt ein noch nicht ent­schie­de­ner Streit ent­stan­den ist. Bey­de Thei­le der Graf­schaft sind auch, in Anse­hung man­cher Lan­des­ge­bräu­che, Sta­tu­ten und Rech­te, von ein­an­der unter­schie­den. Wir bemer­ken nun

I. Die obe­re Graf­schaft,
zu wel­cher fol­gen­de Aem­ter gehö­ren:

I. Das Amt Schüt­torf, in wel­chem

1) Bent­heim, ein ziem­lich gros­ser Fle­cken, wel­cher theils auf einem Ber­ge, theils am Fus­se des­sel­ben liegt. Das gräf­li­che Resi­denz­schloß steht nord­wärts auf einem beson­dern hohen Fel­sen, ist mit Thür­men umge­ben, und hat seit 1668 ein müns­ter­sche Besat­zung, wel­che Graf Ernst Wil­helm bey sei­ner Reli­gi­ons­ver­än­de­rung unter gewis­sen Bedin­gun­gen ein­ge­nom­men. Es ist eines der ältes­ten Schlös­ser die­ser Gegend, und es soll schon Dru­sus, Kai­ser August Stief­sohn, hie­selbst ein Cas­tell auf­ge­füh­ret haben. 1760 wur­de es von den Fran­zo­sen beschos­sen und ein­ge-

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nom­men, gleich dar­auf aber von den Alli­ir­ten wie­der erobert. In der Stadt ist eine reform­ir­te Kirch­spiels-Kir­che, und seit des Gra­fen Ernst Wil­helm Zeit auch eine katho­li­sche Kir­che.

2) Schüt­torf, die ältes­te Stadt in die­ser Graf­schaft, liegt an der Vech­te. Graf Egbert hat sol­che im 13ten Jahr­hun­der­te ange­legt, und mit guten Pri­vi­le­gi­en ver­se­hen, sein Enkel Simon aber hat sie mehr befes­ti­get: allein, im 30jährigen Krie­ge ist der Wall abge­tra­gen, und die Gra­ben sind aus­ge­fül­let, so, daß nur noch die Mau­ern vor­han­den sind. Die hie­si­ge gräf­li­che Burg Alte­na hat mehr­mals zum Witt­wen­sit­ze gedie­net.

3) Ohne, ein Kirch­dorf an der Vech­te, des­sen Kir­che für die ältes­te in hie­si­ge Gegend gehal­ten wird. 1754 brann­te es ganz ab, ist aber wie­der auf­ge­bau­et.

4) Gil­de­hauß, ein gros­ses Kirch­dorf, wel­ches wegen der bey dem­sel­ben befind­li­chen Stein­gru­ben und ande­rer Nah­rung, einer Stadt nichts nach­gie­bt.

5) Lan­gen, ein ade­li­ches Haus, nahe bey Bent­heim, gehö­ret der Fami­lie von Etz­bach, und hat Sitz und Stim­me auf den Land­ta­gen.

6) Ravens­horst, ein ade­li­ches Haus derer von Hövel, liegt im Kirch­spie­le Gil­de­hauß, und hat sich und Stim­me auf den Land­ta­gen.

Anmerk. Der Rich­ter zu Schüt­torf ist zugleich Gograf von Ems­bü­ren, im Hoch­stif­te Müns­ter, woselbst der Graf von Bent­heim con­cur­ren­tem Juris­dic­tion­em hat. S. oben. >

2. Das Amt Nort­horn, in wel­chem

1) Nort­horn, eine klei­ne offe­ne, aber von der Vech­te umge­be­ne Stadt, wel­che gute Hand­lung treibt. Sie ist haupt­säch­lich von dem Gra­fen Bern­hard I ange­le­get und ein­ge­rich­tet wor­den.

2) Frens­we­gen, ein Klos­ter, nahe bey Nor­t­hovn, wel­ches mit can. reg. Ord. August. besetzt, und woselbst vor der Kir­chen­ver­bes­se­rung des 16ten Jahr­hun­derts der gräf­lich-bent­hei­mi­sche Begräb­niß­ort gewe­sen ist. Graf Bern­hard hat es 1394 vor­nehm­lich ein­ge­rich­tet, hat sich auch selbst zuletzt in das­sel­be bege­ben. Es hat auf den Land­ta­gen Sitz und Stim­me.

3) Wiet­mar­sen, oder Witt­mar­schen, ein ade­li­ches frey­welt­li­ches Frau­en­stift, an der müns­ter­schen Grän­ze, wel­ches 1152 mit Erlaub­niß der ver­wit­we­ten Grä­fin Ger­trud von Bent­heim gestif­tet wor­den, und anfäng­lich ein Bene­dic­ti­ner Manns-Abtey gewe­sen; die Mön­che aber haben sich im 13tcn Jahr­hun­der­te von hier weg- und nach Uet­recht bege­ben, wor­auf es ein ade­li­ches Bene­dic­ti­ner Non­nen­klos­ter, und 1675 ein frey-welt­li-

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ches Stift gewor­den, wel­ches unter dem Schut­ze des Bisth­ums Müns­ter steht. Zu dem­sel­ben gehö­ret eine Bau­er­schaft glei­ches Namens, nebst andern Eigen­be­hö­ri­gen in der Graf­schaft Bent­heim, daher das Stift einen eige­nen Amt­mann hält. Es hat auf den Land­ta­gen Sitz und Stnn­me.

4) Brand­lecht, ein ade­li­ches Haus derer von Dros­ten, hat auch Sitz und Stim­me auf den Land­ta­gen,

3. Das Amt Emblich­eim wird auch noch zu der Ober-Graf­schaft gerech­net, und als eine beson­de­re Herr­lich­keit ange­se­hen, auch in den kai­ser­li­chen Lehn­brie­fen beson­ders mit ange­füh­ret. In die­ses Amt erstre­cket sich aus der Land­schaft Dren­te ein gros­ser Morast. Man bemer­ke

1) Emblich­eim, in gemei­nen Reden Embli­kamp genannt, ein Dorf, unweit der Vech­te.

2) Laer­wold, ein Dorf an der Vech­te, woselbst das ade­li­che Haus Laer, wel­ches der aus­ge­stor­be­nen Fami­lie von Laer gehö­ret hat, und das ade­li­che Haus Wol­da, denen von Ben­tink zustän­dig, sind, [sic!] so bey­de auf den Land­ta­gen Sitz und Stim­me haben.

II. Die unte­re Graf­schaft, zu wel­cher gehö­ren

I. Das Amt Nien­hus, in wel­ches sich aus dem Hoch­stif­te Müns­ter ein gros­ser Strich Mohr erstre­cket. Dahin gehö­ret

1) Nien­hus oder Neu­en­haus, eine Stadt an der Din­kel, wel­che nicht weit von hier in die Vech­te fällt. Das hie­si­ge ehe­mals ziem­lich fest gewe­se­ne Schloß ist jetzt fast ganz ver­fal­len. Graf Johann II hat es am Ende des 13ten Jahr­hun­derts zuerst ange­le­get, und es hat die Anbau­ung vie­ler Häu­ser ver­an­las­set, ans wel­chen end­lich eine Stadt gewor­den, die von dem Gra­fen Bern­hard 1376 die ers­ten Stadt­frey­hei­ten erhal­ten hat. Das Schloß wur­de 1417 von dem Bischof Fried­rich zu Uet­recht, mit Hil­fe der Städ­te Deven­ter, Cam­pen und Zwoll, ein­ge­nom­men, und als es zurück gege­ben wur­de, muß­te der Graf es für ein ütrech­ti­sches Lehn erken­nen, wofür man her­nach die gan­ze Graf­schaft hat aus­ge­ben wol­len.

2) Velt­hau­sen, ein Dorf, eine hal­be Stun­de Weges von Nien­hus, in einer frucht­ba­ren Gegend. Es sind daselbst die ade­li­chen Häu­ser Schu­len­burg und zum Esch oder Oeding­hof.

2. Das Amt Ulsen, in wel­chem

1) Ulsen, das größ­te Kirch­spiel in der Graf­schaft.
2) Wil­sum, ein Kirch­spiel.