F. F. von Raet von Bögelscamp: Bey­trä­ge zur Geschich­te West­pha­lens — Teil 1


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Bent­heim-Stein­fur­ti­sche, Lagi­sche, Obe­rys­sel­sche

und sons­ti­ge Bey­trä­ge zur Geschich­te

WESTPHALENS,

zugleich ein Ver­such einer

Pro­vin­zi­al-Geschich­te

der merk­wür­di­gen

Graf­schaft Bent­heim.

_______________________________

Aus Urkun­den und gleich­ar­ti­gen Nach­rich­ten

von

F. F. von Raet von Bögelscamp.

___________________

Ers­ter Theil.

Dis­ci­te ex iis, quae antea fac­ta sunt;

Hoc enim est opti­ma dis­cen­di ratio.

Der ster­ben­de Cyrus zu sei­nen

Söh­nen bey Xeno­phon.

_________________________________

Burg­stein­furt, 1805.

Gedruckt und ver­legt von Aug. Friedr. Den­hard,

aka­de­mi­scher Buch­dru­cker u. Buch­bin­der.

Nicht pagi­niert

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erster_band_widmung

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Nicht pagi­niert

 

 

Sei­ner Erlaucht

LUDEWIG

Regie­ren­den Gra­fen zu Bent­heim, Stein­furt, Teck­len­burg und Lim­burg; Herrn zu Rhe­da, Weve­ling­ho­ven, Hoja, Alpen und Hel­fen­stein; Erb­vogt zu Cölln, Erb­ban­ner­herrn zu Baten­burg, Herrn zu Havi­ker­werth und Ravens­horst; Rit­tern des König­lich Däni­schen Ele­phan­ten, und des Chur­pfalz-Baie­r­i­schen Ordens vom gold­nen Löwen etc. etc.

Ehr­furchts­voll gewid­met.

 

Nicht pagi­niert

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Nicht pagi­niert

 

 

 

 

 

Nicht pagi­niert

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erster_band_eingangszitat_unpaginiert_1

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(3)

“Es war nicht mög­lich, den Hof, wor­auf ein­mal ein Graf oder Edel­vogt eine lan­ge Rei­he von Jah­ren gewohnt hat­te, bey Ernen­nung sei­nes Nach­fol­gers vor­bei zu gehen; auf dem­sel­ben waren Heer­wa­ge, Heer­pfan­ne, Heer­rol­le, und was man sonst auf dem Hofe eines Land­o­bers­ten suchen muß; es waren dahin die Gar­ben oder das Korn, was zur Löh­nung des Gra­fen gehör­te, viel­leicht so lan­ge Men­schen dach­ten, gelie­fert: der Mus­ter­platz lag, wie leicht zu erach­ten, dem­sel­ben am nächs­ten und so am bequems­ten für Alle (und im Gesich­te aller auf der Bent­heims Höhe) die Graf­schaft hat­te dar­auf zu ihrer Sicher­heit an man­chen Orten eine Burg mit gemei­ner Hand errich­tet und unter­hal­ten. Und da jede Ver­än­de­rung in der­glei­chen Sachen beson­de­re Schwie­rig­kei­ten hat, der Mensch sich auch bald gewöh­net, der Fami­lie eines Man­nes, wel­cher eine gerau­me Zeit sein Vor­ge­setz­ter gewe­sen, mit meh­rer Ehr­furcht, als einer Andern zu begeg­nen, da sie eine beße­re Erzie­hung geno­ßen, so war die Erb­lich­keit der Offi­ci­er­stel­len im Heer­ban nach der Anla­ge Carls (des Gro­ßen) unver­meid­lich, und ihre Höfe ver­bes­ser­ten sich mit der Zeit durch vie­les, was zum Diens­te gehör­te. Da auch die Gra­fen und Edel­vög­te zugleich Rich­ter in Frie­dens­zeit waren, so ver­ei­nig­te sich al-

(3)

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(4)

les zu Ihrer und Ihrer Nach­kom­men Erhö­hung. Auf sol­che Art ent­stan­den vie­le Gra­fen, Edle Hrn. und sogen­an­te Dynas­ten (von Bent­heim, Stein­furt, Emblich­heim, Laer) und die­ses hob die Gleich­heit unter den Weh­ren auf!”

Möser Osna­brü­cki­sche Geschich­te,

Theil II, S. 376.

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(I)

 

ÜBERSICHT

 

EINLEITUNG Sei­te 1

§. 1. Merk­wür­dig­keit der Geschich­te der Graf­schaft Bent­heim 1

§. 2. Die Grafsch. Bent­heim hat ihre uralte Ver­fas­sung so ziem­lich erhal­ten und ist aus der Ver­ei­ni­gung meh­re­rer Mar­ken ent­stan­den 2

§. 3. Aus­bil­dung die­ser Ver­fas­sung durch die Stif­tung der Gräf­li­chen Wür­de und die Ein­füh­rung des Lehns­we­sens 4

§. 4. Ent­ste­hung der Land­stän­de 6

ERSTE ABTHEILUNG.

URSPRUNG DER GRAFSCHAFT BENTHEIM.

§. 5. Ent­ste­hung des Schlos­ses Bent­heim 9

§. 6. Grün­dung des­sel­ben durch Dru­sus gegen die Tub­an­ter 11

§. 7. Geschich­te des­sel­ben unter den Fran­ken 12

§. 8. Ent­ste­hung der Gra­fen v. Bent­heim 13

§. 9. Ursprüng­li­che Geo­gra­phi­sche Aus­deh­nung der Grafsch. Bent­heim 15

§. 10. Tub­an­ti­en 17

§. 11. Gren­zen gegen Müns­ter 19

 

(I)

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II

§. ZWEITE ABTHEILUNG Sei­te.

AELTESTE GESCHICHTE DER GRAFSCH.

UNSICHERE GRAFEN.

 

§. 12 His­to­ri­sche Nach­rich­ten aus dem ach­ten Jahr­hun­der­te. Ein­füh­rung des Chris­t­enth­ums 21

§. 13. Ric­fried ers­ter Graf von Bent­heim oder Tub­ant im zehn­ten Jahr­hun­dert 22

§. 14. Wolf­gang, Ric­fri­ds Nach­fol­ger. Soll Tub­ant oder einen Theil der Twen­te von (B)entheim haben abkom­men las­sen 23

§. 15. Otto I. und Johann I. im eilf­ten und zwölf­ten Jahr­hun­dert 24

DRITTE ABTHEILUNG.

MITTLERE GESCHICHTE.

BENTHEIMISCHE GRAFEN AUS DEN HÄUSERN PFALZ UND HOLLAND.

§. 16. Grä­fin Ger­trud, Otto’s von Rhein­eck Gemah­lin 25

§. 17. Ver­ge­bung der Pfarrey zu Uel­sen an das Peters­stift zu Uet­recht 27

§. 18. Graf Otto ist Zeu­ge bei einer Schen­kung des Dynas­ten Rudolph von Stein­furt. Beträcht­lich­keit der Besit­zun­gen der Hrn. v. Stein­furt im 12ten Jahrh. 27

§. 19. Ent­ste­hung des Stifts Witt­mar­sen 28

§. 20. Bischöf­lich Müns­teri­sche und Päpst­li­che Bestä­ti­gung die­ser Stif­tung 33

§. 21. Tod der Grä­fin Ger­trud 35

§. 22. Graf Otto der Zwei­te oder Drit­te 36

§. 23. Krieg mit dem Bischof von Uet­recht -

§. 24. Ermor­dung des Gra­fen Otto 38

§. 25. Ueber­ge­bung des Schlos­ses zu Benth.

II

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III

an das Stift Uet­recht zum offe­nen Hau­se und Bet­hau­se 39

§. 26. Grä­fin Sophie und ihr Gemahl Graf Die­te­rich der sechs­te von Hol­land 40

§. 27. Witt­mar­sen. Mildt­hä­tig­keit der Grä­fin Sophie. Wall­fahr­ten der­sel­ben und Tod 41

§. 28. Kin­der der­sel­ben 42

§. 29. Graf Otto der Vier­te. Zwist zwi­schen ihm und sei­nem ältes­ten Bru­der Gra­fen Flo­renz dem Drit­ten v. Hol­land, Been­di­gung des­sel­ben durch Kai­ser Frie­de­rich den Ers­ten 43

§. 30. Anmer­kung über die­se Kai­ser­li­che Ent­schei­dung 44

§. 31. Krieg mit Dren­te und Coe­ver­den 46

§. 32. Der Graf von Bent­heim als Zeu­ge u. Ver­wand­ter des Kai­sers in der Kai­ser­li­chen Ent­schä­di­gungs­ur­kun­de über die Vel­au 49

§. 33. Zoll­frei­heit der Bent­hei­mer in der Graf­schaft Hol­land 50

§. 34. Gemah­lin­nen des Gra­fen Otto. Strei­tig­kei­ten des­sel­ben mit sei­nem Schwie­ger­va­ter Gra­fen Hein­rich v. Are­n­sherg 51

§. 35. Ande­re Gemah­lin des­sel­ben, Grä­fin v. Cap­pen­berg 52

§. 36. Ver­wand­schaft des Bent­hei­mi­schen Hau­ses mit dem Gräf­lich Hal­l­ermund­schen 52

§. 37. Wall­fahrt des G. Otto nach Jeru­sa­lem. Komt als Zeu­ge in einer Kai­serl. Urkun­de wegen Spey­er und in einer Müns­ter­schen mit Simon von Teklen­burg und und Rudolph von Stein­furt vor - [Anstel­le der Sei­ten­zahl steht hier ein Gedan­ken­strich]

III

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IV

§. 38. Fer­ne­re Nach­rich­ten v. Gra­fen Otto S. 54

§. 39. Inlän­di­scher Krieg in Hol­land 57

§. 40. Bal­du­in, Otto’s Sohn und Nach­fol­ger 58

§. 41. Diplom, wor­in er als Zeu­ge vor­komt. Bestä­ti­gung der Zoll­frei­heit der Bent­hei­mer in Hol­land 59

§. 42. Krie­ge, wor­in er ver­wi­ckelt wur­de. Gefan­gen­schaft 69

§. 43. Erscheint als Zeu­ge in der Stif­tungs­ur­kun­de des Klos­ters Mari­en­burg 62

§. 44. Wie auch mit dem Dynas­ten Ludolf von Stein­furt in einer Ver­gleichs-Urkun­de zwi­schen den Brü­dern Engel­bert Fürst­bi­schof von Osna­brück und Gra­fen Otto v. Teklen­burg. Tausch mit dem Gra­fen von Hol­land über eini­ge Güter 63

§. 45. Mit­wir­kung zu dem Ver­gleich zwi­schen dem Hrn. Ludolp v. Stein­furt u. des­sen Bru­ders Sohn glei­ches Namens über das Schloß Stein­furt. Got­tes­haus Klar­holz etc. im Jahr 1240 65

§. 46. Ver­grö­ße­rung der Herrsch. Stein­furt durch die Frey­grafsch. Laer und das Amt Rüschau 65

§. 47. Fer­ne­re Nach­rich­ten vom Gra­fen Bal­du­in. Bedient sich in einer Urkun­de des Titels: Von Got­tes Gna­den. 66

§. 48. Schutz- und Trutz-Bünd­niß zwi­schen Otto von Fürst­mar und Ludolph von Stein­furt von 1244 67

§. 49. Gra­fen Bal­du­ins Urkun­de zum Bes­ten des Stifs [sic!] Witt­mar­sen von 1246 69

§. 50. Bestä­ti­gungs­ur­kun­de Bischofs Otto v. Uet­recht, Gra­fen v. Hol­land, Vet­ters des Gra­fen Bal­du­in über alle Besit­zun-

IV

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V

gen der Kir­che zu Mid­del­burg in See­land für den Gra­fen Die­te­rich von Cle­ve von 1248, wor­in des Gra­fen Bal­du­in zuletzt gedacht wird 72

§. 51. Nach­rich­ten von den Gra­fen v. Dalem und Diepen­heim und Ver­schwä­ge­rung die­ses Hau­ses mit Bent­heim durch Ver­mäh­lung mit des Gra­fen Bal­du­ins Toch­ter Ber­ta 74

§. 52. Nach­rich­ten von der Herr­schaft Har­ber­gen, damals Blan­ken­burg; von der Graf­schaft Twen­te und dem Hofe Phili­pink­hof im Kirch­spiel Ensche­de 78

§. 53. Graf Otto der Fünf­te von Bent­heim, Bal­du­ins Sohn. Des­sen Erb­fol­ge in die Graf­schaft Teklen­burg durch Ver­mäh­lung mit der Grä­fin Heil­wig von Teck­len­burg 79

§. 54. Thei­lung von 1267, wodurch Graf Otto sei­nen Bru­der mit den Gütern in Hol­land, Uet­recht, See­land und Gel­dern abfin­det, mit Bera­t­hung sei­nes Vet­ters Ludolf von Stein­furt 81

§. 55. Allo­dia­le Güter in Gel­dern, wel­che Graf Otto in der Thei­lung für sich behält 84

§. 56. Con­ces­si­on für das Klos­ter Mari­en­kamp 85

§. 57. Feh­den mit Bischof Hen­rich von Uet­recht 86

§. 58. Fer­ne­re Nach­rich­ten vom Gra­fen Otto. Auf­nah­me ins teut­sche Ordens-Haus zu Uet­recht 87

§. 59. Egbert, Gra­fen Otto’s Sohn und Nach­fol­ger 89

§. 60. Con­ces­si­on für das Stift Witt­mar­sen im Jahr 1285 90

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§. 61. Bischöfl. Müns­ter­sche Bezeu­gungs-Urkun­de des Ver­kaufs meh­re­rer Güter an das Stift Witt­mar­sen von 1285, wor­in unter andern Lut­bert, Com­man­deur der Mal­te­ser Com­men­de in Stein­furt u. Her­mann Von Borch­horst als Zeu­gen vor­kom­men 92

§. 62. Beleh­nung der Her­ren v. Stein­furt mit der Vog­tey Borch­horst 1270 93

§. 63. Bal­de­win, edler Rit­ter von Stein­furt 1288 94

§. 64. Dama­li­ge beträcht­li­che aus­wär­ti­ge Besit­zun­gen des Hau­ses Stein­furt

§. 65. Nach­rich­ten von Nien­borg, in der Nähe von Bent­heim 96

§. 66. Pri­vi­le­gi­um des Gra­fen Egbert für die Stadt Schüt­torf von 1299 97

§. 67. Ver­ord­nung in Rück­sicht der Pfarrey Schüt­torf von 1299 100

§. 68. Letz­te Nach­rich­ten vom Gra­fen Egbert 102

§. 69. Des­sen Sohn und Nach­fol­ger, Graf Johann der Zwei­te 103

§. 70. Gibt die Burg­graf­schaft Uet­recht an den Lehn­herrn-zurück 1307 104

§. 71. Erwirbt das Goge­richt zu Ems­bü­ren 1308 und wird damit und mit dem Gericht zu Nord­horn belehnt 104

§. 72. Erwer­bung der Thur­ni­schen oder Thor­ni­schen Güter 107

§. 73. Fer­ne­re Bege­ben­hei­ten im Jahr 1312 und folg. 108

§. 74. Der Fle­cken Bent­heim erhält sei­ne eige­ne Pfarr­kir­che 1321 110

§. 75. Thei­lung unter des Gra­fen Johanns

VI

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VII

 

Schwes­ter­kin­dern, den Gebrü­dern Egbert und Johann Dynas­ten v. Alme­lo 111

§. 76. Graf Johann ver­kauft das Gericht Emblich­heim u. sons­ti­ge Güter an Gott­fried von Bor­ke­lo 1324 113

§. 77. Nach­rich­ten von dem Hau­se Bor­ke­lo 115

§. 78. Im fünf­zehn­ten Jahr­hun­dert kam die Herr­lich­keit Emblich­helm an die Gra­fen von Bent­heim zurück 118

§. 79. Nach­rich­ten vom Hau­se Brand­lecht 120

§. 80. Kir­che zu Uel­sen 121

§. 81. Ver­kauf der Bent­hei­mi­schen Leh­ne im Stif­te Uet­recht an den Bischof Johann von Uet­recht 1328 122

§. 82. Stadt Neu­en­haus in. der Graf­schaft Bent­heim 124

§. 83. Nach­rich­ten von Otten­stein

§. 84. Fer­ne­re Bege­ben­hei­ten unter der Regie­rung des Gra­fen Johann 126

§. 85. Lehens-Urkun­de von 1332, wor­in die­ses Gra­fen zuletzt gedacht wird 127

§. 86. Kin­der des­sel­ben 128

§. 87. Graf Simon, Johanns Sohn u. Nach­fol­ger 130

§. 88. Urkun­de von 1333 und folg., wor­in der­sel­be zuerst erscheint 131

§. 89. Kir­che zu Schüt­torf 133

§. 90. Kir­che zu Gil­de­haus. Mal­the­ser Com­men­de zu Nord­horn. Nach­rich­ten vom Ursprun­ge die­ser Stadt 134

§. 91. Urkun­de von 1343, wor­in Gtaf Simon zuletzt vor­komt 136

§. 92. Drey Feh­den des­sel­ben mit dem Bischof Lud­wig von Müns­ter 137

VII

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VIII

 

§. 93. Feh­de eben die­ses Bischofs mir Hrn. Ludolf von Stein­furt, wor­in das Stein­fur­ti­sche Schloß: die Schwa­nen­burg zerst­ort wird 138

§. 94. Graf Otto der sechs­te von Bent­heim Simons Bru­der und Nach­fol­ger, Dom­propst zu Müns­ter und Pader­born 149

§. 95. [sic!] Resi­gnirt die Dom­props­tey zu Müns­ter auf sei­nen Bru­der Chris­ti­an unter Begüs­ti­gung des Bischofs von Pader­born Bal­du­in aus dem Hau­se Stein­furt 1360 141

§. 96. Vor­fäl­le in den Jah­ren 1848 [rec­te: 1348] u. 1249 133

§. 97. Johann Slo­et nimt ver­schie­de­ne Güter vom Gra­fen von Bent­heim zu Lehn 1351. Kai­ser­li­che Beleh­nung Bal­du­ins von Stein­furt mit der Frey­graf­schaft Laer 1357 144

§. 98. Fer­ne­re Vor­fäl­le in den Jah­ren 1357–1359 145

§. 99. Schen­kung an die Kir­che zu Velt­hau­sen, wel­ches damals unter dem Gericht Uel­sen stand 146

§. 100. Vor­fäl­le im Jahr 1364 147

§. 101. Mit die­sem Jah­re hört die Regie­rung des Gra­fen Otto auf. Zer­stö­rung der Burg zu Brand­lecht

§. 102. Graf Ber­nard der ers­te v. Bent­heim, der berühm­te, Otto’s Nach­fol­ger 148

§. 103. Des­sen Ver­mäh­lung mit Per­net­ta, Toch­ter des Hrn. Bal­du­in v. Stein­furt 1370. Fer­ne­re Bege­ben­hei­ten der­sel­ben 149

§. 104. Vor­fäl­le in den Jah­ren 1465 bis 1371 151

§. 105. Feh­de mit dem Bischof von Müns­ter, Flo­renz von Weve­ling­ho­ven 1374. Frie­de im Jahr 1379. Neue Hän­del im Jahr 1381 153

 

VIII

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IX

 

§. 106. All­ge­mei­ner dama­li­ger Krieg in West­pha­len, so wie in Teutsch­land 155

§. 107. Schutz­bünd­nis des Dynas­ten v. Stein­furt mit dem Bisch­ofe von Müns­ter und dem Hrn. v. Otten­stein auf vier Jah­re 156

§. 108. Gra­fen Bern­hards von Bent­heim Bünd­nis mit Herrn Bal­du­in v.Steinfurt, des­sen Sohn Ludolf und andern auf sechs Jah­re 1387 158

§. 109. Bünd­nis mit Bischof Flo­renz von Uet­recht 1389. Gutes Ver­neh­men mit dem Bischof Otto von Müns­ter 159

§. 110. Ver­set­zung der Kir­che zu Velt­hau­sen nach Neu­en­haus 160

§. 111. Sons­ti­ge Bege­ben­hei­ten in den Jah­ren 1365 und 1369 162

§. 112. Pri­vi­le­gi­um für die Stadt Neu­en­haus, Brü­cken­geld zu erhe­ben 1370 165

§. 113. Johanns von Beve­ren Schen­kung an die Kir­che zu Bent­heim 1372. Ver­kauf des Hofe Sebe­l­in­gen und ande­rer Güter an die Gräf­li­che Kam­mer 166

§. 114. Sons­ti­ge Bege­ben­hei­ten in den Jah­ren 1372 und 1373 69 [rec­te: 169]

§. 115. Schuld­ver­schrei­bun­gen des Gra­fen Otto v. Teklen­burg und Ande­rer 170

§. 116. Belehnnng Bein­richs von Wul­len mit dem Hof zu Epe und andern Gütern 1380. Haus Laer 172

§. 117. Kauf des Holz­ge­richts im Oster­wal­de. Ver­kauf einer Mar­ken­ge­rech­ti­geit auf dem Gut Mas­se­link. Hen­richs v. Büren Ver­pfän­dung eines Wohn­hofs in Müns­ter -

§. 118. Ver­kauf des Guts Sing­ra­ven an den

 

IX

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X

Gra­fen von Bent­heim S. 174

§. 119. Johann von Bes­ten; Ver­kauf einer Was­ser­müh­le im Gericht Rhei­ne an Gra­fen Bern­hard. 1386 175

§. 120. Jähr­li­che Pen­si­on für die Grä­fin Per­net­te 1386 176

§. 121. Ver­ord­nung wegen Witt­mar­sen 177

§. 122. Gil­de­brief für die Schmie­de zu Schüt­torf 1387 177

§. 123. Graf Ber­nard wird zum Obmann zwi­schen dem Gra­fen von Teklen­burg und den Hrn. von Stein­furt erwählt 1388. Beleh­nung Johanns von Duys­ter mit einem Zehn­den im Kirch­spiel Beke 179

§. 124. Ent­ste­hung des Klos­ters Frens­we­gen 1394 180

§. 125. Dota­ti­on des­sel­ben durch Gr. Ber­nard 184

§. 126. Fer­ne­re Pri­vi­le­gi­en. Schüt­tor­fer Augus­ti­ner Frau­en­klos­ter 186

§. 127. Nach­rich­ten von Frens­we­gen aus der Chro­nik des Pri­o­rs Johann von Vroon­ho­ven im sieb­zehn­ten Jahr­hun­dert 188

§. 128. Lie­be der Gra­fen v. Bent­heim aus dem Hau­se Güters­wyk für Frens­we­gen 190

§. 129. Wohlt­ha­ten Johanns von Bevern für Frens­we­gen 191

§. 130. Frens­we­ger Nach­rich­ten von der gräfl. Bent­hei­mi­schen Fami­lie 193

§. 131. Nach­rich­ten zur Geschich­te des Gra­fen Ber­nard 1398 194

§. 132. Beleh­nung Hen­richs von dem Toer­ne 1399 195

§. 133. Arnold v. Güters­wyk, Gehül­fe des Gr. Ber­nard in der Regie­rung: Beleh-

X

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XI

nung des letz­tern mit dem Wil­de­fors­te in der Brech­te. 1400. 1401 196

§. 134. Ver­kauf des Guts zum Schot­brin­ke an Chris­ti­an von dem Toer­ne. Beleh­nung Fried­richs von Beve­ren 197

§. 135. Bernds von Brand­lecht Lebens-Emp­fäng­niß 1401. Ver­kauf eini­ger Güter des Burg­gra­fen Rein­old von Cor­ver­den 1402 198

§. 136. Her­manns von Gode­lingn Beleh­nung 1403. Ort­wins de Boe­se Ver­kauf an die Kir­che zu Gil­de­haus 199

§. 137. Ehe­be­re­dung Ever­wyns v. Güters­wyk, zukünf­ti­gen Gra­fen von Bent­heim mit Herrn Ludolfs von Stein­furt Toch­ter Met­te und Erb­ei­ni­gung zwi­schen bei­den Lini­en 1404 201

§. 138. Graf Ber­nard von Bent­heim als Schieds­rich­ter zwisch. der Stadt Grö­nin­gen und dem Bischof von Uet­recht 1404. Ver­kauf des gro­ßen und klei­nen Zehn­den in der Bau­er­schaft Her­se­dar­pe im Kirch­spiel Brand­lecht 1407 206

§. 139. Päpst­li­che Bestä­ti­gung der Pri­vi­le­gi­en des Stifts Witt­mar­sen 1408 so wie des Klos­ter Frens­we­gen 1418 208

§. 140. Ehe­stif­tung zwi­schen Johann v. Geh­men und Aleid von Güters­wyk 1408 -

§. 141. Lehens-Ver­ord­nung des Gr. Ber­nard über die Erb­fol­ge in gewis­se Bent­hei­mer­mi­sche Leh­ne 1413 214

§. 142. Schen­kung an Herr­mann Rat­har­dyn­ge 1415. Adel­heids von Güters­wyk Ehe­be­re­dung mit Johann v. Külen­burg -

§. 143. Vor­fäl­le in den Jah­ren 1416 und 1417 217

XI

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XII

§. 144. Ehe­be­re­dung zwi­schen Ludolf v. Stein­furt und Kune­gun­de von Brunk­horst zu Bor­ke­lo 1417 218

§. 145. Ever­win v. Güters­wyk, Regie­rungs­ge­hül­fe des Gra­fen Ber­nard von Bent­heim. Nach­rich­ten von Hrn. Ludolf v. Sti­en­furt [sic!] 1419 220

§. 146. Erlö­schung der Gra­fen von Bent­heim aus dem Hau­se Hol­land mit dem Tode des Gra­fen Bern­hard 1421 221

VIERTE ABTHEILUNG.

NEUERE GESCHICHTE.

Bent­hei­mi­sche und Stein­fur­ti­sche Gra­fen aus dem Hau­se Güters­wyk.

§. 147. Graf Ever­wyn der Ers­te, Stamm­va­ter der Gra­fen von Bent­heim u. Stein­furt, und her­nach auch von Teklen­burg Rhe­da 224

§. 148. Ael­te­re Nach­rich­ten vom Hau­se Güters­wyk 225

§. 149. Verm­wäh­lun­gen 228

§. 150. Gra­fen Ever­wyns des Zwei­ten, Ever­wyns des I. Sohns, Ver­mäh­lung mit Inbur­ga von Meklen­burg 230

§. 151. Nach­rich­ten von der Fami­lie von Dedem 231

§. 152. Krieg des Gra­fen Ever­wyn I. mit dem Fürst­bi­schof Fried­rich v. Uet­recht 234

§. 153. Ver­hand­lun­gen zwi­schen bei­den nach die­ser Feh­de 1418 236

§. 154. Fürst­bi­sch­offs Fried­rich aus­ge­stell­te Urkun­de 237

§. 155. Ver­gleichs­mäs­si­ge Ver­pfän­dung der Stadt Neu­en­haus und des Kirch­spiels

XII

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XIII

Uel­sen an den­sel­ben S. 238

§. 156. Ver­bin­dun­gen des Gra­fen Ever­wyns I. mit Fürst­bi­sch­off Rudolph von Uet­recht, Fried­richs Nach­fol­ger 241

§. 157. Bünd­nis des Gra­fen von Bent­heim und Hrn. von Stein­furt mit Uet­recht, Deven­ter, Cam­pen und Zwoll gegen Gel­dern 1427 243

§. 158. Ueber­tra­gung des Drost­amts Twen­te an den Gra­fen von Bent­heim 1433 245

§. 159. Sons­ti­ge Ver­hand­lun­gen mit dem Fürst­bi­schof von Uet­recht -

§. 160. Ver­gleich zwi­schen ihm und dem Gra­fen von Bent­heim 1447 247

§. 161. Ver­gleich zu Vol­lenho­ven, die Vieh­trift in der Mark Lan­ge­loe, Kirch­spiels Har­ber­gen betref­fend 1487 249

§. 162. Revers des Gra­fen Ever­win 2. an den Bischof von Ueteecht, den Zoll zu Neu­en­haus betref­fend 1490. Pro­te­sta­ti­on gegen die Gerichts­bar­keit des Frey­stuhls zu Laer 1481 252

Anhang. Geschich­te der Herr­lich­keit Lage 254

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erster_band_subskribenten_XVt

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XV

Sub­scri­ben­ten­ver­zeich­niß.

___________

 

Sr. Erlaucht, der regie­ren­de Herr Reichs­graf Lud­wig von Bent­heim und Stein­furt u. s. w. 12 Exem­pla­re auf Schreib­pa­pier.

Ihro Durch­laucht, die Fürs­tin Julia­ne von Bent­heim und Stein­furt, gebohr­ne Her­zo­gin von Hol­stein-Glücks­burg. 6 Ex. Schrp.

Ihro Durch­laucht, die Fürs­tin Hen­ri­et­te von Solms-Lich, gebohr­ne Grä­fin von Bent­heim-Stein­furt. 1 Ex. Schrp.

Der Herr Erb­graf Alexis von Bent­heim und Stein­furt. 1 Ex. Schrp.

Ihro Hoch­gräfl. Excel­lenz, die regie­ren­de Grä­fin von Bent­heim-Teck­len­burg zu Rhe­da.

Der Herr Erb­graf Emil von Bent­heim-Teck­len­burg, eben­das.

Der Herr Graf Carl von Bent­heim-Teck­len­burg, eben­das.

Der Herr Rhein­graf Fried­rich in Coes­feld. Schrp.

Die Frau Abtis­sin von Lan­gen­horst, gebohr­ne Grä­fin von Mehr­feld. 1 Ex. Schrp.

Ihre Excel­lenz, die ver­wit­we­te Frau Reichs­grä­fin von Rech­te­ren Alme­lo zu Alme­lo. 1 Ex. Sch.

Das gnä­di­ge Fräu­lein von Kauf­mann, Hof­da­me der Durch­lauch­ti­gen Fürs­tin von Bent­heim und Stein­furt. 1 Ex. Schrp.

Herr Canz­lei­rath u. Pro­fes­sor v. Bohy 1 E. Schr.

Herr Stadt­se­cre­ta­ir Fat­ken.

Herr Doct. Med. J. H. Gempt.

Herr Recep­tor Gempt.

XV

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XVI

Herr Kam­mer­se­cre­ta­ir Höning.

Herr Jus­tiz­ratz Iken. Schr­pap.

Herr Regie­rungs­rath und Prof. Mels­bach. Schr.

Herr Kauf­mann J. R. Nie­hen­ke. Schrp.

Herr Regie­rungs­rath von Rein­hard. Schrp.

Herr Cano­ni­cus Strä­ter.

Herr Rath van der Swaagh.

 

ALMELO.

Herr Rich­ter Pagen­ste­cher. 1 Ex. Schr­pap.

 

BENTHEIM.

Herr Hof­rich­ter von Bees­ten.

Herr G. S. Bra­nus.

Herr Rich­ter Buch. Schr­pap.

Herr Hoch­gräfl. Berg­meis­ter Dit­wahr.

Herr Nego­ti­ant J. G. Drees. Schrp.

Apo­the­ker Drees.

Gograf und Archi­var Dun­cker. Schrp.

Die ver­wit­we­te Frau Land­syn­di­ca Hof­mann geb. Iken. Schrp.

Herr Rent­meis­ter Hoog­klim­mer. Schrp.

Herr Emp­fän­ger Kock.

Herr H. C. Mey­er. Schrp.

Herr Can­ze­list Mein­der­mann. Schrp.

Herr Pas­tor Mey­ers. Schrp.

Herr Kauf­mann B. Mül­ler. Schrp.

Herr Schul­meis­ter Nord­beck.

Herr Hen­rich Nord­beck.

Herr Boon von Ost­aden. Schrp.

Herr Regie­rungs­rath von Pest­el. 2 Ex. Schrp.

Herr Forst­meis­ter von Pla­to.

Herr Land­syn­di­cus Ric­ci­us.

Herr Dokt. Jur. und Advo­cat Spa­nuth, Schr.

Herr Hof­ge­richts­as­ses­sor Steu­ber. Schrbp.

Herr The­sing.

Herr Regie­rungs­se­cre­ta­ir Wede­kind

 

Coes­feld.

Herr Kauf­mann J. H. Pol­scher.

XVI

[symple_divider style=“dotted” margin_top=“20px” margin_bottom=“20px”]

XVII

Ems­büh­ren.

Herr Pas­tor Baal­mann. Schrp.

 

Ensche­de.

Die dor­ti­ge Lese­ge­sell­schaft.

Herr Doc­tor Zegers. Schrp.

 

Frens­we­gen.

Herr Pri­or H. H. Zum­b­rock. 2 Ex. Schrp.

 

Gil­de­haus.

Herr Kauf­mann Hagen.

Herr Pre­di­ger Ost­hoff.

Herr G. D. Ruh­fus, Med. Doc­tor.

Herr Schul­meis­ter Zwi­t­rers.

 

Har­den­berg.

Herr Pro­cu­ra­tor F. G. Pru­im.

Herr Doct. Med. A. van Riems­dyk.

 

Haselün­ne.

Herr Land­rent­meis­ter Bues. Schrp.

Das Fräu­lein von Raet von Bögelscamp. Schr.

Herr Kauf­mann Rothe zu Qua­ken­brück.

Herr Rus­sel & Töb­bens.

 

Hops­ten.

Herr Kauf­mann Wes­se­ling.

Klein Bre­men im Fürs­t­ent­hum Min­den.

Herr Pfar­rer Wed­di­gen. Schrp.

 

Hes­sen-Kas­sel.

Herr C. A. von Raet zu Bögelscamp, bata­vi­scher Gesand­ter zu Cas­sel. 2 Ex. Sch.

 

Lage.

Herr Rich­ter Zegers. Schrp.

 

Leer in Ost­frie­e­land.

Herr Kauf­mann J. Becke­ring. Schrp.

 

Lin­gen.

Herr Pro­fes­sor Campstede.

XVII

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XVIII

Mark bei Teklen­burg.

Herr Diepen­broick Grü­ter, Herr zur Mark.

 

Mesum.

Herr J. C. Bis­ping, Oeko­nom auf Elper­ding.

 

Mete­len.

Das Fräu­lein von Oer, Stifts­da­me.

Herr Wer­ne­k­ink, Rent­meis­ter des adli­chen Damen­stifts.

Herr Kauf­mann B. A. Schrün­der.

 

Müns­ter.

Aschen­dorf­i­sche Buch­hand­lung. 3 Ex.

Herr J. H. Brock­mann, Dechant zu St. Mar­tin und Prof. Schrp.

Herr Leib­me­di­cus Cha­vet. Schrp.

Herr C. Von Cooth, Rec­tor des Nie­sing­klos­ters, Cano­ni­cus zu Frens­we­gen. Schrp.

Herr Doc­tor Dri­ver.

Herr Frei­herr Dros­te, Erb­dros­te.

Herr L. M. Bischof Frei­herr Dros­te zu Vischer­ring. Schrp.

Herr J. Druf­fel, Cano­ni­cus im alten Dom, Asses­sor des geistl. Hof­ge­richts. Schrp.

Die ver­wit­we­te Frau von Elver­feld von Lan­gen, gebohr­ne von Etz­bach.

Herr Minis­ter von Fürs­ten­berg.

Herr Graf von Galen, Erb­käm­me­rer. Schrp.

Herr Jüp­sien aus Bent­heim auf dem Com­toir Olfers & Lin­den­kamp. Schrp.

Herr Pro­fes­sor Kis­tema­ker.

Herr Theod. v. Lien, Vika­ri­us im Dom.

Herr Rhein­gräfl. Gehei­mer-Rath von Rie­se.

Herr Pro­fes­sor Roh­ling.

Herr Rath Sprick­mann. Schr.

Herr v. Tenspol­de Lan­des­pfen­ning-Meis­ter. Schr.

Herr Buch­händ­ler Theis­sing.

Herr Buch­händ­ler P. Wal­deck. 3 Ex. Schrp. und 2 Ex. Druckp.

XVIII

[symple_divider style=“dotted” margin_top=“20px” margin_bottom=“20px”]

XIX

Herr Cano­ni­cus Wil­ber­ding. Schrp.

 

Neu­en­haus.

Herr Pro­cu­ra­tor Auhau­sen.

Herr Doct. und Lan­des­phy­si­cus Bening. Schr.

Herr Rich­ter Cra­me­rus. 2 Ex. Schrp.

Herr Advo­kat Cra­me­rus.

Herr H. Crull in Veld­hau­sen.

Herr Cle­mens von Dwin­ge­lo vom Hau­se Lot­ten. Schrp.

Herr Pas­tor Esse­ling, Cano­ni­cus regu­la­ris zu Frens­we­gen.

Herr Advo­kat Grimm. Schrp.

Herr E. Krull.

Herr W. Krull.

Herr Doct. van Nes.

Herr Rave­kes.

Herr Roes­singh.

Herr Rich­ter Schil­gen. Schrp.

Herr D. Schnei­do.

Herr Apo­the­ker Weber.

Herr Rich­ter Wede­kind.

 

Nord­horn.

Herr Boer. Schrbp.

Herr Kauf­mann Brü­cher. Schrp.

Herr Spe­di­teur Brück. Schrp.

Herr Dan­nen­bargh. Schrp.

Herr G. Engel­berts. Schrp.

Herr H. Engel­berts. Schrp.

Herr Kauf­mann Mäh­ler. 2 Ex· Schrp.

Herr Rich­ter Weber. Schrp.

Herr Pre­di­ger Schultz.

 

Ohne.

Herr Pre­di­ger Kop­pelmnn.

 

Olden­zaal.

Herr Rich­ter Pal­the.

Herr Doct. J. W. Racer.

 

Oot­mars­sum.

Herr Doct. A. Vos­ding von Bever­for­der. 2 Ex. Schrbp.

XIX

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XX

Herr H. Cra­mer, Drost von Twen­te.

Herr H. E. Eck­hard, Rent­meis­ter des Hau­ses Oot­mars­sum. Schrbp.

Herr Ver­wal­ter Rich­ter Gov­szen. Schrbp.

Herr Graf von Hei­den Hom­pesch zu Oot­mars­sum. Schrbp.

Herr Doct. P. Hübert, Asses­sor des Bent­hei­mi­schen Con­sis­tor. 2 Ex. Schrbp.

Herr Secre­ta­ir Pennink. Schrbp.

 

Rhei­ne.

Herr Roth­mann, Stadt- und Land­rich­ter.

 

Schüt­torf.

Herr Rec­tor Ban­ning.

Herr Gene­ral Land­emp­fän­ger Doct. Deit­mars. Schrbp.

Herr Pre­di­ger Kater­berg.

Herr Pre­di­ger Kirch­hoff.

Herr A. W. Nord­beck.

Herr Land­mes­ser Tib­be.

 

Tüb­ber­gen.

Herr von Bön­ning­hau­sen zu Her­in­k­have. Schrbp.

Herr Pre­di­ger Don­cker­mann.

 

Uel­zen.

Herr Pre­di­ger Cap­pen­berg.

 

Veld­hau­sen.

Herr F. W. Abwei­er, Bür­ger­meis­ter.

20

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21

Herr J. L. van der Vel­de, Schul­leh­rer.

 

Wiet­mär­schen.

Das adli­che frei­welt­li­che Stift. 2 Ex. Schrbp.

Herr Amt­mann Mül­ler. Schrbp.

Die Cha­no­i­n­es­se v. Nes­sel­ro­de Hugen­pot. Schrbp.

Die Fr. Abtis­sin von Vitting­hoff, genannt Schell,

vom Hau­se Schel­len­berg. Schrbp.

 

Zwoll

Herrn Johann Ban­nier. Schrbp.

Herrn A. H. Cra­mer. Schrbp.

Herrn von Haer­fol­te zu Doo­ren. Schrbp.

Herrn T. E. F. Heer­kens. Schrbp.

 

Well­ber­gen.

Herr Doct. Kör­mann auf dem Hau­se Well­ber­gen.

 

Wet­te­rin­gen·

Herr Kauf­mann Engelb. Schmitz.

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Boegelscamp_Einleitung

[symple_divider style=“dotted” margin_top=“20px” margin_bottom=“20px”]

Ein­lei­tung,

______

Die Geschich­te der Graf­schaft BENTHEIM hat nicht nur ihr Inter­es­se in der Geschich­te West­pha­lens und des Teut­schen Reichs, wovon sie ein uraltes nicht unbe­deu­ten­des Gebiet unter dem ver­al­te­ten Titel einer Graf­schaft aus­macht, woge­gen so Vie­le neue­re Fürs­t­ent­hü­mer Von gerin­ge­rem Gewich­te sind, so wie die ver­schie­de­nen Stäm­me der Bent­heim­schen Gra­fen wegen ihrer Ver­wandt­schaft mit Kai­ser­li­chen, König­li­chen, Chur- und Fürst­li­chen, Alt­gräf­li­chen und Dynas­ti­schen Häu­sern und in Rück­sicht der vie­len Graf- und Herr­schaf­ten, die sie bese­ßen haben und zum Theil noch besit­zen, merk­wür-

1

[symple_divider style=“dotted” margin_top=“20px” margin_bottom=“20px”]

2

dig wer­den, son­dern die Graf­schaft BENTHEIM ist auch ihrer Lage und Schick­sa­le wegen äußerst merk­wür­dig, da sie wohl als die größ­te Reichs-Graf­schaft die Ein­zi­ge seyn möch­te, die noch ihr Regen­ten-Haus zu STEINFURT auf­zu­wei­sen, und die sich bey Ent­ste­hung der Ver­ei­nig­ten-Nie­der­lan­de, und deren Tren­nung vom Teut­schen Rei­che, zwi­schen dem mäch­ti­gen Biß­t­hum Uet­recht, das durch sei­ne kaum gesche­he­ne Säcu­la­ri­si­rung noch gefähr­li­cher gewor­den war, und dem Hoch­stif­te Müns­ter, in ihrer Inte­gri­tät erhal­ten hat, und sich in unsern Tagen bey der Zer­trüm­me­rung des Hoch­stif­tes Müns­ter dabey erhält.

 

§. 2.

Mit ihrer Inte­gri­tät hat die Graf­schaft BENTHEIM zugleich ihre uralte Ver­fas­sung so ziem­lich erhal­ten, und dient noch zum Bei­spie­le, wie die ver­schie­de­nen Völ­ker Teutsch­lands und Teut­schen Ursprungs ehe­mals regie­ret wur­den. Man­che der Vie­len nicht mehr vor­han­de­nen Bent­heim­schen Urkun­den bewei­sen die Rich­tig­keit der phi­lo­so­phi­schen Be-

2

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3

mer­kun­gen eines MÖSER und KINDLINGER über die ursprüng­li­che Ver­faßung West­pha­lens und aller Gegen­den, wo die ers­ten Nie­der­las­sun­gen in ein­zeln ange­leg­ten Woh­nun­gen, unter dem Namen von Bau­er­schaf­ten, zur gemei­nen Vieh­wei­de, Hol­zung und zum gemei­nen Torf- Plag­gen- oder Erd­stich in der dazu gehö­ri­gen Mark, bestan­den.

Im BENTHEIMSCHEN ist das berühm­te Itter­be­cker Torf­moor oder die Itter­be­cker Ven­ne (*) von nicht min­de­rem Nut­zen, als es die bekann­ten Bent­heim­schen und Gil­de­häu­ser Stein­brü­che sind. Fast in jeder Bent­heim­schen Bau­er­schaft oder Mark zeigt sich in den ältes­ten Bent­heim­schen Urkun­den ein edler Besit­zer eines Haupt­ho­fes in der Mark, der sich in der­sel­ben zuerst nie­der­ließ, mit sei­nen nach­ge­bohr­nen Söh­nen und Töch­tern und deren Nach­kom­men die andern, in der Bau­er­schaft oder Mark befind­li­chen, berech­tig­ten Höfe, so wie mit sei­nen Knech­ten und Mäg-

_______________

(*) Die vor­ma­li­gen Fran­cis­ka­ner zu Giet­horn im benach­bar­ten Obe­rys­sel­schen Drost­am­te Vol­lenho­ve sol­len zu Anfan­ge des 14ten Jahr­hun­derts zuerst den Torf, statt des Bren­hol­zes gebraucht haben.

3

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4

den, und deren Nach­fol­gern die Kör­ter oder klei­ne­re, kür­ze­re, kort­e­re Woh­nun­gen, und Bey- und Brink­be­sit­zer (1) [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Brink­sit­zer] grün­de­te. Die Ver­ei­ni­gung meh­re­rer Bau­er­schaf­ten zum äus­sern Schut­ze, ist in der Nie­der­graf­schaft noch unter dem Namen der Gild­schaf­ten meh­re­rer Mar­ken sicht­bar. So wie sich alle Mar­ken der gesam­ten Graf­schaft unter ihrem obers­ten Haupt­ho­fe Bent­heim zu einer Com­pa­gnie zur säch­sisch-west­phä­li­schen Reichs­ar­mee, oder zum Heer­ban­ne, ver­ei­nig­ten, und an der Burg­fes­te zu Bent­heim Schutz fan­den, so muß­te das Anse­hen des Bent­heim­schen Haupt­ho­fes über die Haupt­hö­fe ande­rer Mar­ken der Graf­schaft und das Anse­hen der Gra­fen stei­gen. War in jeder Mar­ke der Besit­zer des Haupt­ho­fes Mar­ken­rich­ter und Anfüh­rer zum Heer­ban­ne, so war der Erb­be­sit­zer der Burg Bent­heim Ober-Mar­ken­rich­ter oder Graf und Haupt­mann der Graf­schaft.

 

§. 3.

Durch die Stif­tung der gräf­li­chen Wür-

_______________

(1) Der Brink in der uralten Stadt Deven­ter, zu Dene­kamp an der Bent­heim­schen Gren­ze u. a. m.

4

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5

de unter Carl dem Gro­ßen und den fol­gen­den Kai­sern, wel­che wohl den mäch­ti­gen Erb­ge­se­ße­nen der Burg­fes­te Bent­heim ver­lie­hen ward, wur­de die­se dop­pel­te Macht eine Reichs­an­stalt. Das spä­te­re Lehn­we­sen zog voll­ends Alles mehr an den gräf­li­chen Schutz, und die­ser wur­de durch die Burg­mann­schaft der Burg­män­ner, als so vie­ler Vor­bur­ge der Haupt­fes­te Bent­heim, noch mehr befes­tigt. Wie die Gra­fen end­lich die meis­ten Haupt­hö­fe ande­rer Mar­ken nach und nach an sich brach­ten, wur­den sie Lan­des­her­ren im heu­ti­gen Ver­stan­de, nach­dem die gräf­li­che Wür­de im Bent­heim­schen nicht so sehr durch die Erb­lich­keit der Reichs­leh­ne und Aem­ter, als durch den Besitz gro­ßer durch eine unüber­wind­li­che Burg befes­tig­ter Güter, schon das Eigent­hum einer herr­schaft­li­chen Fami­lie gewor­den war. Die Mar­ken-Ein­rich­tun­gen wur­den auf die Bent­heim­schen Städ­te über­tra­gen, da Schüt­torf beym gräf­li­chen Haupt­ho­fe, nach­her die Burg Alte­na, Neu­en­haus bey der gleich­na­mi­gen Burg, so wie Nord­horn wohl bey der dama­li­gen Mal­te­ser Comen­de, viel­leicht vor­her eine gräf­li­che, jetzt wahr­schein­lich die Frens­we­ger

5

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6

Burg, ent­stan­den waren. Die Bent­heim­schen Fle­cken und Dör­fer, wor­un­ter die Oer­ter und Herr­lich­kei­ten Emblich­eim und Laer spä­ter zur Graf­schaft kamen, (*) sind glei­chen Ursprun­ges. bey den Haupt­hö­fen in ihren Mar­ken, und bey den nach­he­ri­gen christ­li­chen Kir­chen, wie die Städ­te, wel­che bey ihrer ers­ten Grün­dung bekannt­lich Vor den Fle­cken und Dör­fern nichts Vor­aus hat­ten, als etwa eine Befes­ti­gung wider feind­li­che Anfäl­le an den Gren­zen aus­ge­nom­men.

 

§. 4.

Mit dem Zer­fal­le des alten Kriegs­zu­stan­des und der Burg­män­ni­schen Ver­fas­sung, durch Erfin­dung des Pul­vers und Blei’s, und des gro­ßen Geschüt­zes, mit der Ein­füh­rung Römi­scher und ande­rer frem­den und aus­län­di­schen Rech­te, bekam die Bent­heim­sche Con­sti­tu­ti­on zwar eine ande­re Gestalt, dabey scheint aber der der­ma­li­ge Ein­fluß der Burg­män­ner noch immer durch, wie dies in der

_______________

(*) Das Bent­hei­mi­sche Neu­en­haus soll auch ehe­mals eine Herr­lich­keit für sich gewe­sen seyn. Bru­man Res Tran­si­sal­anae in Dum­bar Analect. Tom. II. p. 148.

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7

Geschich­te selbst bemerkt wird. Auch bey sons­ti­gen Lan­des-Ange­le­gen­hei­ten ist der Ein­fluß der vor­ma­li­gen Burg­män­ner in den der Land­stän­des ver­än­dert, die mit der Erwei­te­rung des gräf­li­chen Gebie­tes, auch in zer­streu­te­ren Gegen­den der Graf­schaft zum Vor­schein kom­men, aber mehr nach der Idee der heu­ti­gen Guts­her­ren, als ehe­ma­li­ger mit­han­deln­den und mit­ra­t­hen­den Vasal­len in fes­ten Burg­sit­zen.

So zei­gen die Doku­men­te, so weni­ge deren auch noch vor­han­den sind, die Geschich­te der Mensch­heit in der Graf­schaft Bent­heim, wozu auch alte Fami­li­en-Nach­rich­ten und Pro­ben der Den­kungs­art aller Stän­de in jedem Zeit­al­ter gehö­ren. Woher die Quel­len geschöpft sind, das ist in der Geschich­te ange­zei­get, (*) die um meh­re­ren Lesern ange­nehm zu seyn, und kei­ne Abdrü­cke ande­rer Wer­ke zu ent­hal­ten oder unser ver­zär­tel­tes Zeit­al­ter mit so gen­an­ten tro­cke­nen

_______________

(*) Wo die­ses nicht geschah, da wur­de Jungs Bent­heim­sche Geschich­te befolgt.

7

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Urkun­den nicht zu ermü­den, kei­ne voll­stän­di­gen Docu­men­te, son­dern wört­li­che Aus­zü­ge aus den­sel­ben lie­fert. Auf genaue Schön­heit des Styls kann man bey einem Wer­ke die­ser Art nicht so ängst­lich sehen; man klei­det sich zuwei­len schö­ner ins Cos­tüm der guten Alt­vä­ter.


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erster_band_s009_erste_abt

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Ers­te Abt­hei­lung.

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Ursprung der Graf­schaft Bent­heim.

_______________________

Die heu­ti­ge Graf­schaft Bent­heim hat ihren Namen vom merk­wür­di­gen Schlo­ße Bent­heim.

Die­ses uralte, auf Stein­klip­pen in einer sonst ebe­nen und nied­ri­gen Gegend in Nie­der­teutsch­land gebaue­te, Berg­schloß, das gleich­sam dem Wan­de­rer, aus den gebür­gig­ten Gegen­den des Ober­lan­des in die Nie­der­lan­de wie aus sei­ner Stel­le geri­ßen, vor­kömt, lei­tet die Sage vom Römi­schen Feld­herrn Dru­sus her. Das gan­ze heu­ti­ge Schloß, das mit jenem zu Wind­sor (1) in Engel­land so vie­le Aehn­lich­keit haben soll, ist indes­sen wohl nicht, in sei­ner fast fürch­ter­li­chen Grö­ße, von die­sem Römi­schen Feld­herrn erbau­et. Ein damals gewiß unge­heu­rer Bent­heim­scher Wald, eine Ent­fer­nung von grö­ße­ren Strö­men

_______________

(1) Wur­de vom Köni­ge Hein­rich I, Wil­helms des Erobe­rers Soh­ne, erbau­et, der von 1100 bis 1135 regier­te.

Eng­li­sche Chro­nik von Robert Bak­er King S. 71. der Hol­län­di­schen Ueber­set­zung.

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und Flü­ßen, dem Rhein, der Issel, Ems und Lip­pe, reit­z­ten gewiß nicht sehr zum Anbaue einer sol­chen, so vie­le Zeit, Mühe und Kos­ten erfor­dern­den, Berg­fes­te in einer offe­nen, von Römi­schen Fes­tun­gen ent­blöß­ten, mit kei­nen Städ­ten ver­se­he­nen, von Bar­ba­ren bewohn­ten, in Ver­glei­chung mit andern uns­frucht­ba­ren Gegend. Indes­sen kann Dru­sus, beym Nach­set­zen der Ein­woh­ner in den Bent­hei­mer Wald, die etwa eine hal­be Mei­le lan­ge Rei­he von Stein­fel­sen näher ken­nen gelernt, die Höhe, wor­auf das Schloß pran­get, der Anle­gung die­ser Berg­fes­te ent­spre­chend gefun­den haben, und am wei­te­ren Anbaue der­sel­ben, durch Fort­set­zung sei­nes Sie­ges bis an grö­ße­re Flü­ße, und bis zur deren Ergie­ßung ins Meer, ver­hin­dert wor­den seyn. Denn wur­den zwar der Natur gemäß die gro­ßen Römi­schen Fes­tun­gen an Flü­ßen, und in sonst durch Römer cul­ti­vir­ten Gegen­den, die auch ihrer grö­ßern Frucht­bar­keit wegen schon mehr, und von gebil­de­te­ren Ein­woh­nern, sey es durch Hand­lung oder sonst, bewohnet waren; für erst ange­le­get, so gieng der Plan der Römer doch gewiß dahin, Alles auf Römi­schen Fuß zu set­zen, und die Klug­heit erfor­der­te, bey Hin- und Her­zü­gen, wie bey etwa­igen, und nur zu bald erfolg­ten Römi­schen Nie­der­la­gen, eine blos aus der Natur ent­stan­de­ne Fes­tung zwi­schen der Weser, Ems, Lip­pe, dem Rhein und der Issel im Rücken zu haben. Die beschwer­li­che Zufuhr der Lebens­Mit­tel war den Alles über­win-

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den­den zahl­rei­chen Römern nicht unmög­lich, da die älte­re und neue­re Geschich­te von Zügen und Lagern über und in den Alpen noch weit unglaub­li­che­re Bei­spie­le lie­fert.

 

§. 6.

War­um soll man denn alle Sagen, deren Grund meis­tens Wahr­heit, nun spä­ter mit Fabeln ver­mengt, ent­hält, ver­wer­fen, daß Dru­sus auf der Berg­fes­te Bent­heim den Tub­an­tern, wovon die benach­bar­ten Twen­ter, und Twen­te, eine Land­schaft der Pro­vinz Overys­sel, noch den Namen erhal­ten haben sol­len, Geset­ze gege­ben; daß Dru­sus, wor­aus man her­nach den Teu­fel gemacht, die­se Berg­fes­te erbau­et, wovon ein Fels am Fuße des heu­ti­gen Schlo­ßes noch das Teu­fels­ohr­küs­sen (*) heißt, da Dru­sus ein Diabo­lus, ein Nach­stel­ler und Ver­fol­ger der Völ­ker die­ser Gegend war, so wie jeder böse Mensch ein Düvel, Teu­fel und Drus ist.

Für die ers­te Grün­dung des Schlos­ses Bent­heim durch Dru­sus scheint auch die Geschich­te

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(*) Die von Carl dem Gro­ßen bekehr­ten Sach­sen muß­ten bekannt­lich allen Teu­fels-Gil­den ent­sa­gen. Wenn also die Tub­an­ter beym Teu­fels-Küs­sen ihre Göt­zen-Brü­der­schaf­ten errich­tet hät­ten, wor­auf spä­ter im Schlo­ße Bent­heim ein Göt­zen-Tem­pel der Sage nach errich­tet wur­de.

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zu spre­chen, wel­che des Dru­sus Tha­ten in die­sen Gegen­den, beson­ders in der Insel der Bata­ver, und nament­lich sei­ne Ver­ei­ni­gung des Rheins mit der Issel, durch den Dru­si­schen Gra­ben oder Canal, der Nach­welt auf­be­wah­ret hat. Im sie­ben­zehn­ten Jahr­hun­dert, wor­in Picardt sei­ne Anti­qui­tä­ten von Dren­te schrieb, waren auf dem Schlo­ße Bent­heim noch in ver­gol­de­ten Bechern sil­ber­ne Mün­zen der ers­ten Römi­schen Kai­ser bis auf Hono­ri­us vor­han­den, wel­che bey dem Dor­fe Brandtlecht und in der Bau­er­schaft Rin­ge aus­ge­gra­ben waren. In die­ser Bau­er­schaft und in der benach­bar­ten Land­schaft Dren­te fin­det man noch vie­le alte Grab­hü­gel.

 

§. 7.

Die auf die Römer fol­gen­den Fran­ken befolg­ten die Züge und Stand­plät­ze der­sel­ben, so wie die Fran­zo­sen im sie­ben­jäh­ri­gen und im letz­ten Krie­ge die Burg Bent­heim ein­nah­men. Die Natur hat­te Bent­heim merk­wür­dig gemacht, und was Dru­sus dort gethan hat­te, war in den Volks­lie­dern und Sagen die­ser Gegend noch nicht ver­ge­ßen. Die blei­ben­de Anstalt des heut­zu­ta­ge in die­ser gan­zen Gegend noch ein­zig vor­han­de­nen Berg­schlo­ßes Bent­heim läßt sich noch weni­ger von Frän­ki­schen, als Römi­schen Heer­füh­rern bewei­sen, da die Frän­ki­schen, uns mehr als Römi­sche Geschichts­schrei­ber bekann­ten Anna­len nichts von Bent­heim, so wenig als von der

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Sage die­ser Zeit erwäh­nen, wie­wohl es eine klei­ne­re Heer­stel­le gewe­sen seyn muß. Denn wo war sonst ein Stand­ort zwi­schen der Weser, Ems, Lip­pe, Issel und dem Rhein, zur Deckung der Bischöf­li­chen Haupt­kir­chen Uet­recht und Müns­ter, wie der alten Kir­che zu Deven­ter, die vor der Müns­teri­schen Dom­kir­che ent­stand, beque­mer? So oft die Tub­an­ter mit ihren benach­bar­ten Völ­ker­scha­fen die Fes­te Bent­heim auch bey vor­kom­men­den Gele­gen­hei­ten, unter Römern und Fran­ken, zer­stö­ret haben moch­ten, da die Teut­schen Völ­ker bekannt­lich alle Städ­te und Fes­tun­gen, wie alle an ein­an­der sto­ßen­de Woh­nun­gen oder Rei­hen Häu­ser für Werk­zeu­ge der Skla­ver­ey hiel­ten. So wie ein­ze­le [sic!] Woh­nun­gen auch die ursprüng­li­che Anstalt, beson­ders die­ser Hei­de- und Marsch-Gegen­den waren, wovon die Bewoh­ner der­sel­ben von den christ­li­chen Fran­ken den Namen Hei­den beka­men, wie die nach­rist­li­chen Land­leu­te Von den all­mäh­lig vor­züg­lich in den Städ­ten bekehr­ten Römern Paga­ni genannt wor­den waren.

 

§. 8.

Hat­ten nun Natur, Römer und Fran­ken Bent­heim berühmt gemacht, so reit­zte das sei­ne nach­he­ri­gen Besit­zer hier ihre Burg auf­zu­schla­gen. Der gro­ße dor­ti­ge umher lie­gen­de Wald war durch Römer und Fran­ken wohl schon sehr ver­schmä­lert und ver­dün­net, der Kai­ser­li­che Graf

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die­ser Gegend bekam die­sel­be zu Lehen, ver­ei­nig­te sein dabey lie­gen­des ansehn­li­che Eigent­hum und sein Mar­ken­rich­ter-Amt mit dem Reichs-Lehen; sei­ne Nach­fol­ger erhiel­ten das Burg­le­hen und das Gra­fen- oder Reichs­rich­ter-Amt mit der Heer­füh­rer-Stel­le erb­lich, und so ent­stan­den die mäch­ti­gen, fast mit Her­zog­li­cher Gewalt ver­se­he­nen Gra­fen Von Bent­heim in die­ser uralten, von Her­zogt­hü­mern ent­fern­ten, zwi­schen den Bist­hü­mern Uet­recht und Müns­ter gele­ge­nen, ansehn­li­chen Graf­schaft, beson­ders seit der Zer­split­te­rung des alten Her­zog­th­ums Sach­sen in der Per­son des Her­zogs Hein­richs des Löwen. Kein Wun­der, daß die­se Graf­schaft eine Fürst­li­che Aus­deh­nung erhal­ten, ohne daß die Lan­des­her­ren der­sel­ben den Titel davon, wie ande­re vor­ma­li­ge  Gra­fen und heu­ti­ge Fürs­ten ange­nom­men haben, unge­ach­tet die­se Fürst­li­che Graf­schaft der­einst zur west­li­chen Gren­ze des Teut­schen Reichs, oder zu einer Mark­graf­schaft in der That, ohne den Titel davon, bestimt war. So wur­den die mäch­ti­gen  Gra­fen von Hol­land kei­ne Her­zö­ge, wie die min­der mäch­ti­gen Reichs-Vög­te und Gra­fen von Gel­dern, weil ihr Selbst­ge­fühl sol­ches nicht gestat­te­te.

Die all­mä­li­ge Aus­rot­tung des zum Theil noch bestehen­den Bent­hei­mer Wal­des, die Cul­tur des dadurch erle­dig­ten Lan­des, und die dadurch erwei­ter­te Aus­sicht von der Bent­heims-Höhe auf die wei­te und brei­te Ebe­ne rings­her­um; mach­ten

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die­se Fel­sen-Höhe sehr geschickt zur Resi­denz der Gra­fen, deren Vor­fah­ren Einer, ehe man gewi­ße Stamm­ta­feln hat, Ben­to gehei­ßen haben kann, wenn die­ses hohe Heim oder Haus nicht etwa auch ein feyer­li­cher Lager-Ort der Tub­an­ter, in einem hei­li­gen Hai­ne oder Wal­de (*) gewe­sen, so wie es noch in die­ser Gegend das Haus zu Bent­heim (**) heißt, wobey nach und nach der unebe­ne gleich­na­mi­ge Fle­cken in der Bau­er­schaft glei­ches Namens, am Abhan­ge des Stein­ber­ges ent­stand.

 

§. 9.

Der ers­te Keim der Graf­schaft Bent­heim läßt sich mit Jung als ein dama­li­ger Pagus oder Gau Unter den Fran­ken, und viel­leicht schon frü­her als eine Guts­herr­schaft zwi­schen den Flü­ßen Vech­te und Din­kel ange­ben. Bei­de Flü­ße ent­sprin­gen im benach­bar­ten Müns­teri­schen. Ers­te­rer fließt durch die heu­ti­ge Graf­schaft als ein von Nord­horn an befahr­ba­rer klei­ner Fluß, nimt bey Neu­en­haus die aus der Obe­rys­sel­schen Twen­te und aus der klei­nen heu­ti­gen Herr­lich­keit Lage flie­ßen­de Din­kel auf und ver­eini­get sich her­nach mit Bei­be­hal­tung des Namens Vech­te, hin­ter Zwol­le mit

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(*) Lucos et nemo­ra con­se­crant. Taci­tus de Morib Ger­man
(**) Bant­heim, das ist Fes­tes Heim oder Haus.

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dem Schwar­zen Was­ser, wovon ein berühm­tes dor­ti­ges Stift und der schö­ne Fle­cken Swar­te Slu­is den Namen haben, und fällt so in die heu­ti­ge Süd­er-See. Wobey man jedoch sehr irren wür­de, wenn man Alles; was zwi­schen den Flü­ßen Vech­te und Din­kel liegt, unter die­sem Gaue begrei­fen woll­te, da die Burg Bent­heim selbst eine hal­be Mei­le von der Vech­te bey Schüt­torf, und noch wei­ter von der Din­kel in der alten Bau­er­schaft Lüt­te in Twen­te, ent­fernt ist, so daß die eigent­li­chen Gren­zen sich ins graue Alter­thum ver­lie­ren (1). Mag also die heu­ti­ge Obe­rys­sel­sche Land­schaft Twen­te, die in meh­re­re Graf­schaf­ten zer­fiel, die sich Alle, bis auf die kaum erhal­te­ne Herr­lich­keit Alme­lo, in das Fürst­bist­hum Uet­recht ver­lo­ren, lan­ge den Umfang nicht befas­sen, den die Tub­an­ter bewohn­ten, so läßt sich dar­aus doch auch nicht behaup­ten, daß die heu­ti­ge Graf­schaft Bent­heim nicht zum Lan­de der Tub­an­ter gehö­ret haben soll­te. Viel­mehr wird Wils­heim oder Wil­sum noch im neun­ten Jahr­hun­dert zum Gaue Twen­te gerech­net, wor­in die Bau­er­schaf­ten Hesin­gen, so jetzt zwey­her­risch, und Man-

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(1) Die Alte Bau­er­schaft Lüt­te, wor­in noch so vie­le West­phä­li­sche Sit­te ist, gehör­te wohl an der Bent­heim­schen Sei­te der Din­kel zu Bent­heim. Der Bent­hei­mer Wald erst­rek­te sich bis Holt und Pün­te (Spit­ze) hin­aus; jetzt Bent­heim­sche und Twen­ti­sche Grenz­bau­ern.

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der schon vor­kom­men, wie der Pagus Isloi gen­ant wird, wodurch man Iss­al­land oder Sal­land ver­steht. Jetzt gehö­ret Wil­sum aber zum Bent­heim­schen Gerich­te und Kirch­spie­ie Uel­sen in der von den Gra­fen von Bent­heim spä­ter erhal­te­nen Nie­der­graf­schaft. Jenes Wil­sum und die Bau­er­schaft Hil­ten, auch Uel­sen,- hält Picardt in sei­ner Dren­ti­schen Chro­nik sonst für Erin­ne­run­gen an die ehe­ma­li­gen Wil­ten (*). — Hät­ten sich die Twen­ti­schen Graf­schaf­ten übri­gens, so wie Bent­heim erhal­ten, so wür­de auch der Name Twen­te und alles Andenken an die alten Tub­an­ter erlo­schen, und dafür Gra­fen von Goor, Diepen­heim, Ensche­de u. s. w. ent­stan­den seyn.

 

§. 10.

Wie viel wei­ter als jetzt erst­rek­te sich nicht das ehe­ma­li­ge Land der Frie­sen? An die­ses Fries­land grenz­te Tub­an­ti­en als ein ansehn­li­cher Theil West­pha­lens, das mit Engern und Ost­pha­len Bestandt­heil des alten Sach­sens war. Daher in Twen­te und im Obe­rys­sel­schen Land­rech­te, wie in der Graf­schaft Bent­heim, so vie­le über­ein­stim­men­de Ueber­bleib­sel alter Säch­sisch-West-

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(*) Jede bedeu­ten­de Bau­er­schaft, die eine gro­ße Mar­ke oder öde Gemein­heit besaß, war ein Volk. Alle die­se Völ­ker ver­eintg­ten sich zusam­men; so ent­stan­den Tub­an­ten, dann Fran­ken, end­lich Sach­sen u. s. w.

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phä­li­scher Rech­te des Sach­sen-Spie­gels, ehe­ma­li­ger Spra­che, Sit­ten und Gebräu­che, vor­züg­lich unter den Land­leu­ten, trotz aller Revo­lu­tio­nen in Twen­te und Dren­te. Die­se Land­schaf­ten Twen­te und Dren­te bedeu­ten aber nicht den zwei­ten und drit­ten Theil, twe­de en der­de Deel, von Obe­rys­sel, dem vor­ma­li­gen Ober­stif­te Uet­recht, son­dern bei­de Namen sind Ueber­bleib­sel uralter Land­schaf­ten. Twoen­te ist kein zwei­ter Theil von Obe­rys­sel, son­dern ein gemein­schaft­li­ches Gebiet meh­re­rer Gra­fen und Dynas­ten oder Her­ren; das nach und nach ans Ober­stift Uet­recht gekom­men, wovon Sal­land an der Yssa­la, mit dem heu­ti­gen klei­nen Drost-Amte Yssel­mui­den oder Jssel­mund, der ers­te Bestandt­heil war, das an den Burg­manns-Höfen in Vol­lenho­ve und an dem Dis­tric­te an der Vech­te (1) sei­nen zwei­ten Theil so zu sagen bekam, so wie das klei­ne Drost-Amt Hax­ber­gen aus den ehe­ma­li­gen Herr­lich­kei­ten Blan­ken­burg oder Hax­ber­gen und Diepen­heim ent­stan­den ist, und sich auch hier der Name Twen­te ver­lo­ren hat, da im Gegen­t­heil ein Theil der Vech­te das heu­ti­ge Sal­land befeuch­tet. Die Frie­si­sche Land­schaft und der ehe­ma­li­ge gro­ße Gau Dren­te hin­ge­gen hat nie­mals auf die Dau­er unter der Hoheit der Fürst­bi­schö­fe von Uet­recht erhal­ten wer­den kön­nen, so frü­he sol­che sich auch

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(1) Har­den­berg, Ommen. Man sehe unter Andern RACER Obe­rys­sel­sche Gedenk­stü­cke.

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dar­in grün­de­te, und wur­de daher bey Ent­ste­hung der Repu­blik der Ver­ei­nig­ten Nie­der­lan­de ein eige­nes sou­ve­rä­nes Gebiet. Die Gren­zen zwi­schen den alten Frie­sen und Sach­sen zei­gen sich unge­fähr in den heu­ti­gen Gren­zen zwi­schen den Obe­rys­sel­schen Dro­st­äm­tern Sal­land und Twen­te, wor­in es dort Schul­zen, hier Land­rich­ter gibt, wie in den Gren­zen von Dren­te und der heu­ti­gen Nie­der­graf­schaft Bent­heim, da in jenem Ding­spie­le, in die­ser Gerich­te sind. Sonst bil­de­ten sich an der Dren­ti­schen Gren­ze in der heu­ti­gen Nie­der­graf­schaft Bent­heim noch zwey klei­ne­re Herr­lich­kei­ten Emblich­eim und Laer, die mit der Graf­schaft Bent­heim ver­eini­get sind. Ob aber die­se Dynas­tie das­je­ni­ge Lahr war, wor­in die bei­den h. Mis­sio­na­re Ewald den Mär­ty­rer-Tod fan­den, das läßt sich wegen des dor­ti­gen Satra­pen ver­mu­then, wegen der Ent­fer­nung vom Rhein aber, wor­ein ihre Lei­chen gewor­fen wur­den, bezwei­feln (1).

 

§. 11.

Von andern Sei­ten war der Gau, oder die dama­li­ge Graf­schaft Bent­heim, von den jetzt Müns­teri­schen Gau­en Agro­tin­ge zwi­schen der Ems

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(1) Bekant­lich macht Lahr in der Ober­graf­schaft Stein­furt auch auf die­se Ehre Anspruch.

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und Vech­te, wor­in Meppen; Bur­si­bant (*), wor­in Rhei­ne und Schöp­pin­gen; Süd­er­gau, wor­in Müns­ter, ehe­mals Minim­gern­ford, und die jetzt Osna­brü­cki­sche Stadt Wie­den­brück, umge­ben. Im süd­li­chen Thei­le des Hoch­stif­tes Müns­ter und in dasi­ger Gegend, war noch ein süd­li­cher Gau Dre­ni, wovon Dren­stein­furt zum Unter­schie­de des Dynas­ti­schen, jetzt gräf­li­chen, Burg­stein­furts. —

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(*) So gabs ein Gau Teis­terb­ant im heu­ti­gen Cle­vi­schen, Gel­dri­schen und Hol­län­di­schen, ein Gau Brach­bant oder Bra­bant, Osterb­ant u. s. w. Wenn also das Wort Bant eine Macht bedeu­tet hät­te, wie Pfor­te im Mor­gen­län­di­schen, so wäre Bant oder Bent­heim ein fes­tes Haus.

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Zwei­te Abt­hei­lung.

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Ael­tes­te Geschich­te der Graf­schaft.

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Unsi­che­re Gra­fen.

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§. 12.

An dem schwe­ren Krie­ge, den die Sach­sen mit Karln dem Gro­ßen und den Fran­ken füh­ren muß­ten, hat­ten die Bent­hei­mer ihrer Lage wegen wohl vor­züg­li­chen Ant­heil, beson­ders wie im Jah­re 1774, wäh­rend der Abwe­sen­heit Karls in Ita­li­en, die Sach­sen an der Issel, wel­che damals Fran­ken von Sach­sen schied, Alles zer­stö­re­ten, wobey Olden­saal, wo schon eine Kir­che war, schon mit ins Gedrän­ge kam. Die­ser Auf­trit wur­de 782 erneu­ert, wie der Säch­si­sche Heer­füh­rer Wit­te­kind durch Dren­te u. Twen­te nach Fries­land und Sal­land bis an den Gel­ben oder Fle­vus Fluß, wovon Gel­lemui­den oder Gel­ben­mund noch den Namen hat, wobey spä­ter die Süd­er-See ent­stand, sei­ne Sie­ge ver­folg­te.

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End­lich muß­te sich aber bekannt­lich Sach­sen zum Frie­den beque­men, das von nun an das Chris­t­ent­hum und sei­ne Eint­hei­lung in Bißt­hü­mer und Graf­schaf­ten unter einem Frän­ki­schen Her­zo­ge Egbert erhielt, der mit sei­ner Gema­lin Ida, einer Base Karls des Gro­ßen, Cob­bo erzeug­te, der für den Stam­va­ter der Gra­fen von Teck­len­burg gehal­ten wird, womit die Gra­fen von Bent­heim viel­fäl­tig ver­wandt sind, wie dadurch mit dem Hau­se Hes­sen.

Die ers­ten Bent­heim­schen Gra­fen sind aber so unsi­cher, wie die meis­ten Vor­fah­ren ande­rer Gräf­li­chen und Fürst­li­chen Häu­ser.

 

§. 13.

Der ers­te Graf von Bent­heim oder von Tub­ant soll Ric­frid im zehn­ten Jahr­hun­dert, und der Bischof Bal­de­ric von Uet­recht sein Sohn, Er selbst aber zwei­ter Sohn des Gra­fen von Cle­ve Luthards und des­sen Gema­lin Ber­ta, einer Toch­ter des Kai­sers Arnulph gewe­sen seyn, so wie Ric­fri­ds Bru­der Bal­du­in für den Stam­va­ter der Gra­fen Von Cle­ve gehal­ten wird, und Ric­frid selbst auch wohl Graf von Cle­ve sei­ner Geburt wegen gen­ant wird, so daß er mit einer Grä­fin von Bent­heim ver­mä­let gewe­sen seyn konn­te, da doch die­ser ansehn­li­che Gau zwi­schen den Flü­ßen Vech­te und Din­kel schon sei­ne Kai­ser­li­chen Gra­fen hat­te. Der gedach­te Bischof Bal­de­ric von Uet­recht, der Urhe­ber des Col-

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legi­at­stif­tes zu Olden­saal, woher die Sage ent­stan­den, daß Olden­saal ehe­mals Cle­visch gewe­sen, und von die­sem Bisch­ofe an Uet­recht geschen­ket wäre, wird aber Graf von Cle­ve gen­ant und war nach Uet­rech­ti­schen Nach­rich­ten ein Sohn Lud­wigs und ein Bru­der Bal­du­ins, eine Ursa­che mit, war­um Jung die­sen Sic­frid nicht mit unter die Gra­fen von Bent­heim rech­nen will, obschon eine Ver­ir­rung im Namen die Haupt­sa­che nicht ver­än­dert.

 

§. 14.

Ric­fri­ds Nach­fol­ger und Sohn soll Wolf­gang gewe­sen seyn. Man macht ihn zum Bru­der des Uet­rech­ti­schen Bisch­ofes Bal­de­rics, und gibt ihm Schuld, des er Tub­ant oder einen Theil der Twen­te von Bent­heim hät­te abkom­men laßen. Die­ser Wolf­gang, dem man noch einen Gra­fen Hen­rich bey­fü­get, soll im Jah­re 938 einem Tur­nie­re zu Mag­de­burg bey­ge­wohnt haben, so wie man zwey Wohlt­hä­te­rin­nen des Stif­tes Mete­len, wovon eine Oda gehei­ßen, für Grä­fin­nen von Bent­heim hält. Merk­wür­dig ists, daß die Vor­fah­ren von sechs Gra­fen gen­ant wer­den, die mit Wolf­gang von Bent­heim, der mit zehn andern West­phä­li­schen Gra­fen auch 921 bey Bonn gewe­sen seyn soll, wie dor­ten König Hen­rich mit dem Frän­ki­schen Köni­ge, Karl dem Ein­fäl­ti­gen, ein Bünd­niß schlos, auf jenem Tur­nie­re zu Mag­de-

 

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burg waren, die her­nach mit dem Bent­hei­mi­schen Hau­se ver­wandt wur­den, näm­lich Hol­land, Teck­len­burg, Cle­ve, Olden­burg, Are­n­sberg und Hoja.

 

§. 15.

Nach einem Zwi­schen­rau­me läßt man Otto den Ers­ten fol­gen, wel­cher jener Graf von Bent­heim seyn soll, den der Fürst­bi­schof Adel­beld von Uet­recht, in sei­nem so sehr bestrit­te­nen Lehns-Ver­zeich­ni­ße des Jah­res 1021, unter die sie­ben grö­ße­ren Erb­be­am­ten und hohen Vasal­len des Hoch­stif­tes Uet­recht rech­net, nach dem Her­zo­ge von Bra­bant, nach den Gra­fen von Hol­land, Gel­dern und Cle­ve, und vor den Dynas­ten von Cuik und Goor, als Burg­graf von Uet­recht und Thür­hü­ter des Hoch­stif­tes. Nach Otto, wovon erzäh­let wird, daß er dem Tur­nie­re zu Hal­le in Sach­sen 1042 bei­gewohnet, läßt man Johann den Ers­ten die Rei­he der unsi­chern Bent­heim­schen Gra­fen beschlie­ßen, der mit vier­zig andern Her­zo­gen, Gra­fen und Edlen Her­ren oder Dynas­ten auf dem Tur­nie­re zu Göt­tin­gen im Novem­ber 1119 gewe­sen seyn soll, wel­ches der Her­zog Ludolph oder Lothar zu Sach­sen zur Ehre sei­nes Ver­wand­ten, des Rau­gra­fen Wil­helm von Das­sel, hal­ten ließ.

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Drit­te Abt­hei­lung.

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Mit­le­re Geschich­te.

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Bent­heim­sche Gra­fen aus den Häu­sern Pfalz und Hol­land.

§. 16.

Grä­fin Ger­trud, Gema­lin Otto’s von Rhein­eck.

Mit der Grä­fin Ger­trud, wel­che ehe­mals irrig für die Toch­ter des Gra­fen Johann gehal­ten wur­de, aber eine Wel­fi­sche oder Braun­schwei­gi­sche Prin­zes­sin war, erhebt sich end­lich in der Bent­heim­schen Geschich­te ein hel­le­res Licht. Die Abstam­mung die­ser Prin­zes­sin aus die­sem uralten, in der Geschich­te so sehr berühm­ten, Wel­fi­schen Hau­se, so wie ihres Gemals aus dem Hau­se Luxem­burg, ist von Jung aus Urkun­den und bewähr­ten Geschicht­schrei­bern so sehr erwie­sen, daß sich dage­gen wohl nichts ein­wen­den läßt. Wo-

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mit Mösers (1) Mei­nung im Grun­de nicht strei­tet, der sie für eine gebohr­ne Grä­fin von Bent­heim, für eine Schwes­ter der Kai­se­rin Richen­za und eine ver­wit­we­te Pfalz­grä­fin von Rhein­eck hält, die als Wit­we den Otto von Salm heu­ra­te­te, der von ihr den Titel Pfalz­graf von Rhein­eck annahm. ” Denn es ist gewiß, daß die Graf­schaft Bent­heim von der Grä­fin Ger­trud ihrem Gema­le zuge­bracht wor­den, da das jetzt noch so sehr blü­hen­de Wel­fi­sche Haus in sei­nem gan­zen dama­li­gen Her­zog­t­hu­me Sach­sen auch uner­meß­li­che Erb­gü­ter besaß, wovon so vie­le heu­ti­ge Gebie­te beym Stur­ze Hein­richs an ande­re, vor­züg­lich geist­li­che, Her­ren ver­fie­len, wie das Amt Recken­berg mit Wie­den­brück an Osna­brück, West­pha­len ans Erz­stift Köln u. s. w. Kein Wun­der, daß Bent­heim unter der übri­gen unge­heu­ern Mas­se Wel­fi­scher Güter noch so wenig bedeu­tend war, daß die­ser Graf Otto und die­se Grä­fin Ger­trud noch nicht den Titel davon führ­ten, son­dern nur von Rhein­eck und von der Rhein­pfalz. Hier­bey läßt sich den­ken, daß die bis­he­ri­gen Kai­ser­li­chen Gra­fen von Tub­ant oder Bent­heim noch nicht erb­lich waren und von den Säch­si­schen Her­zo­gen ver­drun­gen sind, wenn nicht auch das geist­li­che Gebiet der Bischö­fe von Uet­recht hier zu Lan­de mit dem Welt­li­chen ver­mi­schet wor­den wäre.

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(1) Osna­brück­sche Geschich­te Th. 2, S. 76.

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§. 17.

Die Ver­ge­bung der Pfarrey zu Uel­sen, damals in Twen­te, jetzt in der Nie­der­graf­schaft Bent­heim, ans Peter­stift in Uet­recht, unter Vor­be­halt einer jähr­li­chen Abga­be von vier Mar­ken von die­sem Stif­te ans Uet­recht­sche Dom­ca­pi­tel, durch den Uet­recht­schen Bischof Andre­as von Kuick vom Jah­re 1131 ist um des­to merk­wür­di­ger, da sich bald eine ande­re Gegend der heu­ti­gen Ober­graf­schaft Bent­heim zeigt, wo die geist­li­che Gerichts­bar­keit des Bisch­ofes zu Müns­ter statt hat­te.

 

§. 18.

Ehe sich die­ses ergab, war der Bent­heim­sche Graf Otto von Rhein­eck noch 1134 ers­ter Zeu­ge unter den Welt­li­chen Fürs­ten einer Kai­ser­li­chen Bestä­ti­gung einer beträcht­li­chen Schen­kung des Dynas­ten Rudolphs von Sten­fort unter Andern zu Claholt an ein Klos­ter Hate­mars­lo.

Die­ser Rudolph oder Ludolph von Stein­furt hat­te 1133 zwei und zwan­zig Güter mit Mar­ken­ge­rech­tig­keit zu Ful­len­ho oder Vol­lenho­ve ans Klos­ter Let­the unter Bestä­ti­gung des Uet­recht­schen Bisch­ofes Andre­as von Kuick geschen­ket. Zehn die­ser Güter lagen in Oster­go, vier in Meth­re, vier in Wye, zwei in Süde­go, eins in Len­e­the, eins in Islemu­te.  Zeu­gen waren unter Ande-

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ren Herrn von Bochorst, Fled­re, Umme, Har­sol­te (*).

So beträcht­lich waren die aus­wär­ti­gen Besit­zun­gen der edlen Her­ren von Stein­furt, die von nun an in der Bent­heim­schen Geschich­te immer­hin vor­kom­men, und deren weib­li­che Nach­kom­men der­ma­len die Graf­schaf­ten Bent­heim, Stein­furt und Teck­len­burg Rhe­da besit­zen. Vom Namens-Ursprun­ge die­ser uralten Reichs-Herr­schaft läßt sich etwa ver­mu­then, daß der Ort Stein­furt ein berühm­ter Paß Bent­heim­scher Stei­ne zur Erbau­ung der Dom­kir­che in Müns­ter u. d. m. Stei­nen Furth gewe­sen, so wie Frank­furt der Fran­ken Fuhrt, wovon der dor­ti­ge Herr etwa Abga­ben erhob, wie das Schloß Stein­furt, aus har­tem, for­ten, Bent­heim­schen Stei­ne erbau­et ist.

 

§. 19.

In der Graf­schaft Bent­heim ent­stand um die­se Zeit auf fol­gen­de Art das Stift Wiet­mär­schen.

“Ein stat­li­cher Rit­ter Namens Hugo von

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(*) Die Urkun­de ist auf dem Hau­se Twi­ckel bey Del­den und Nro. 6 der Bei­la­gen des 2ten Stü­ckes der Obe­rys­sel­schen Gedenk­stü­cke des Doc­tors RACER abge­druckt.

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Büren (*) betrach­te­te durch die gött­li­che Gna­de erleuch­tet die Ewig­keit der him­li­schen Herr­lich­keit und die Eitel­keit die­ser Welt, und dach­te, was er thun, wohin er sich wen­den soll­te. Nun berat­schla­ge­te er sich mit sei­ner from­men Frau, und es ward beschlo­ßen, lie­ber ver­wor­fen im Hau­se des Herrn, als in den Hüt­ten der Sün­der zu leben. Dar­auf ging er (als ein ande­rer Abra­ba­ham) mit sei­ner Frau, mit sei­nen Töch­tern, mit Knech­ten und Mäg­den aus sei­nem Vater­lan­de und von sei­nen Ver­wand­ten ins ent­fern­te Thü­rin­gen, wähl­te sich dor­ten einen Ort Namens Abten­ro­de, wo er Gott die­nen woll­te. In sei­nem Gefol­ge war aber ein gewi­ßer Rit­ter Namens Arnold mit sei­nem Wei­be Ber­til­de und Toch­ter Ber­na, mit noch vie­len Andern. Wie die­se Gesell­schaft dor­ten zwei Jah­re ver­wei­let hat­te, fing der Ort und die Nach­bar­schaft an ihr zu miß­fal­len, vor­züg­lich lagen die Wei­ber dem Rit­ter Hugo Tag und Nacht an, daß er sich einen andern und beßern Ort aus­su­chen mög­te, wo man Gott die­nen könn­te. Durch die Bit­ten sei­ner Mit­ge­sel­len und Mit­ge­sel­lin­nen bewo­gen nahm er dann sei­nen Rück-

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(*) Eine Dynas­tie in der Gel­dri­sc­ben Betau, die, so wie das Her­zog­t­hum Gel­dern ans Haus Egmond, wor­aus eine Grä­fin von Bent­heim war, her­nach an Ora­ni­en Nas­sau kam.

Pon­ta­nus His­to­ria Gel­ri­ca. Slich­ten­horst Geldersche Geschie­de­nis.

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zug nach Twen­te, zu sei­nem Ver­wand­ten Hugo; Dynas­ten von Goor, einem edlen Lehn­man­ne und Vog­te der Uet­recht­schen Kir­che an. Die­sem erzäh­le­te er nun Alles treu­her­zig, was ihm bis­her begeg­net war, und frug ihn, ob er kei­nen Ort wüs­te, wo er sein See­len­heil besor­gen könn­te. Die­ser war sehr erfreu­et, ihn wie­der zu sehen; und bot ihm ein Kirch­lein in Wer­se­lo an, wo er mit den Sei­ni­gen Gott die­nen könn­te, er sey selbst gesin­net,  wenn Gott woll­te,  das Näm­li­che zu thun. Bei­de füg­ten sich dar­auf zum Bisch­ofe Har­bert von Uet­recht und baten ihn demüt­hig um die Ein­räu­mung die­ses Kirch­leins, wel­ches der Bischof ihnen gewähr­te, nach­dem der Stifts-Vogt sei­ne Rech­te dar­an dem Bisch­ofe zurück gege­ben hat­te, wel­che der­sel­be dem Bru­der Hugo dar­auf ein­räum­te, der nun die in Thü­rin­gen zurück­ge­la­ße­nen Sei­ni­gen mit Freu­den hier­hin führ­te. Hier leb­ten sie nun unter der Regie­rung eini­ger Mön­che, die ihnen der andäch­ti­ge Abt Hen­rich vom hei­li­gen Paul in Uet­recht besor­get hat­te, anstän­dig und from, indes­sen Hugo, ein Mann von gutem Her­zen, Alle die zu ihm kamen, auf­nahm, wobey er weni­ger um ihre Gaben, als um ihr See­len­heil besorgt war. Wie er hier über zehn Jah­re ver­wei­let hat­te, muß­te er der Kost und Klei­dung der Sei­ni­gen wegen einen geräu­mi­ge­ren Ort suchen, und nahm daher sei­ne Zuflucht zur Grä­fin von Bent­heim, einer ehr­wür­di­gen Matro­ne, Namens Ger­trud und bat sie mit gebo­ge­nen Knien, sie mög­te

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einen sichern Marsch zwi­schen den Bau­er­hö­fen zu Baer­lo oder Bakelo und Lone Namens Wit­märsch (1) zu einer Nie­der­la­ßung zur Ver­eh­rung Got­tes für sich und sei­ne Leu­te, die das Reich Got­tes such­ten, mil­dest ein­räu­men,  wel­ches die­se, da sie über den Tod ihres Gema­les, des glor­rei­chen Pfäl­zi­schen Fürs­ten Otto noch sehr betrübt war, zu des­sen See­len-Tros­te sehr ger­ne gestat­te­te. Als­bald begab sich Bru­der Hugo in die­se Marsch und baue­te sie sehr  flei­ßig an. Da aber die See­le mehr ist als der Kör­per und die­se Gesell­schaft unter der Regie­rung eines Abtes zu leben wünsch­te, so wähl­ten sie einen gewi­ßen Mönch Namens Hil­de­brand, Pri­or des Pauls Klos­ters in Uet­recht, zu ihrem Abte. Die­ser ver­wei­ger­te zwar die­se Wür­de ein gan­zes Jahr lang anzu­neh­men, wur­de aber end­lich durch den Bischof Herr­mann von Horn (2) dazu ver­mogt und auf Kreuz-Erhö­hung 1152 ein­ge­wei­het, auch im ers­ten Jah­re der Regie­rung des Herrn Fried­richs, glor­rei­chen Römi­schen Kai­sers, von mehr gedach­tem Hugo nach Wer­se­lo gefüh­ret und mit gro­ßer Freu­de von den Armen Chris­ti, die Gott dort dien­ten, emp­fan­gen. Her­nach ging er in Beglei­tung die­ses näm­li­chen Bru­ders Hugo zur Grä­fin von Bent­heim, der

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(1) Wei­ter Märsch.
(2) Auch aus die­sem Dynas­ti­schen und gräf­li­chen Hau­se, das mit dem Egmon­di­schen so berühmt in der Nie­der­län­di­schen Geschich­te ist, war eine Grä­fin von Bent­heim.

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vor­er­wähn­ten edlen Matro­ne, in der Absicht, vor der wei­tern müh­see­li­gen Kul­tur der vor­ge­dach­ten Marsch Sicher­heit ihrer Schen­kung und Bestä­ti­gung der Ueber­tra­gung der­sel­ben zu erhal­ten. Die vor­ge­dach­te ehr­wür­di­ge und edle Matro­ne Ger­trud ließ des­we­gen ihre Minis­te­ria­len bey ein­an­der kom­men, wel­che waren Rein­bold und Lefrid, Razo und Ernst, und Ande­re mehr, die nur immer Lehn oder Eigent­hum oder sonst ein Recht in die­ser Marsch hat­ten. Alle die­se gaben mit ein­stim­mi­gem guten Wil­len ihre Leh­ne in die Hän­de der ehr­wür­di­gen Frau Ger­trud zurück, und die­se edle Grä­fin gab dar­auf die Marsch Wiet­mär­schen in die Hän­de des Müns­teri­schen Bisch­ofes Fried­rich, mit demüt­hi­ger Bit­te, sol­che dem Abte und sei­ner geist­li­chen Heer­de zu ver­lei­hen (*). Auch Adolph von Blan­ken­au, ein edler Mann, und sei­ne Schwes­ter, eine ziem­lich reli­giö­se Äbtis­sin zu Borg­horst, Her­bert von Bimol­te mit sei­nen Söh­nen, Odo und Her­mann von Frels­torf, (Frens­trup) und Alle, die eini­ges Recht in der Marsch hat­ten, tha­ten des­glei­chen. Ueber

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(*) Grä­fin Ger­trud han­del­te hier wohl als Mar­ken­rich­te­rin und Lehn­her­rin oder Lehns­frau; die Ande­ren waren Mar­ken­ge­nos­sen und gräf­li­che Vasal­len und Minis­te­ria­len. Mit­hin ist die­se Stif­tung die ältes­te illüs­te­re Urkun­de der Herr­schaft zu Bent­heim. Wor­aus aber nicht erhel­let, daß die Grä­fin eini­ge Güter ans Stift schenk­te.

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ihre Andacht wur­de der Bischof sehr erfreu­et und über­trug auf Begeh­ren der ehr­wür­di­gen Frau Grä­fin, dem Abte und sei­ner geist­li­chen Heer­de den Ort mit dem grö­ßern und klei­nern Zehn­ten, über­ließ auch dem Abte die Seel­sor­ge (1).”

 

§. 20.

Die dar­über im Jah­re 1154 errich­te­te bischöf­li­che Urkun­de, wor­in der Probst Otto von Cap­pen­berg vor den Dom­her­ren, und vor allen Welt­li­chen, deren Fami­li­en-Namen nicht gen­ant sind, der benach­bar­te Dynast Ber­nard von Horst­mar als Zeu­gen vor­kom­men, ver­die­net aber eini­ge nähe­re Erwäh­nung.

Der gedach­te Müs­te­ri­sche Bischof sagt dar­in: “Er, Fried­rich von Got­tes Gna­den, Bischof zu Müns­ter, u. die ehr­wür­di­ge Grä­fin Ger­trud v. Bent­heim hät­ten zur Ehre Got­tes und der Jung­frau Maria denen Bene­dic­ti­nern eine öde ein­sa­me Gegend zu Wiet­mär­schen ein­ge­räu­met, die bis­her zu Nichts genutz­et hät­te, und zwar mit gutem Wil­len aller Dienst- und Lehn­leu­te, die eini­ges Lehn‑, Eigenth­ums- oder sons­ti­ges Recht dort beses­sen hät­ten, jedoch mit dem Bedin­ge, daß der Fun­dus [2] und die Ver­lei­hung der Kir­che [3],

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(1) [… unleserlich!]enborn Noti­tia Epis­co­pat. Daven­tri­ens. Iung. Hist. Comit. Bent­hei­men­sis.
[2] Ursprüng­li­cher Braut­schatz, Dos ecce­siae.
[3] Pfarrey.

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wie die geist­li­che Sor­ge [1] zum Bist­hu­me Müns­ter [2] gehö­ren soll­ten. Dann gäbe Er, Bischof, dem Stif­te zum Tros­te sei­ner See­le den sämt­li­chen Zehn­ten die­ses Bezirks, so weit der­sel­be schon cul­ti­vi­ret wäre und noch wer­den wür­de, zum ewi­gen Besit­ze. Auch ver­ord­ne Er mit gemein­schaft­li­cher Bera­t­hung [3], daß ein jeder, der nach dem Abster­ben der ehr­wür­di­gen Ger­trud, Schüt­torf besit­zen wür­de, Schutz­vogt die­ses Stif­tes seyn soll­te; ja die­se Vog­tey soll­te in Zukunft stets vom Besit­ze des Hofes zu Schüt­torf abhan­gen [4]. Wenn die­ser Schirm­vogt zu weit ent­fernt wäre, als daß Er den Brü­dern bey Zei­ten hel­fen könn­te, so soll­ten die­se Einen aus sei­nen Kin­dern dazu wälen. Der Vogt soll­te für die Vog­tey ein­mal des Jah­res mit fünf Pfer­den [5] eine Nacht vom Stif­te bewir­thet wer­den, und ein Mal­ter Haber für die Pfer­de genie­ßen, ohne wei­ter etwas als den Lohn Got­tes zu ver­lan­gen;

auch kei­nen Unter­vogt stel­len kön­nen. Kla­gen über den Miß­brauch der Vog­tey soll­ten beym Bisch­ofe erho­ben wer­den, der den Vogt ermah­nen

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[1] Geist­li­che Gerichts­bar­keit.
[2] Nicht Uet­recht.
[3] Mit der Grä­fin von Bent­heim.
[4] Die Burg Alte­na zu Schüt­torf die­ne­te in spä­te­ren Zei­ten zur Resi­denz der gräf­li­chen Wit­wen.
[5]. U] Rit­tern.

 

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wür­de. Wenn die­ses nicht häl­fe, soll­te ein groß­jäh­ri­ger Vogt excom­mu­ni­ci­ret, ein min­der­jäh­ri­ger excom­mu­ni­ci­ret und sei­ner Vog­tey ent­set­zet wer­den, die ihm nur auf Begeh­ren der Brü­der wie­der ver­lie­hen wer­den soll­te. Zuletzt wur­den die Gren­zen die­ser neu­en Stif­tung in der Län­ge von den Stei­nen zwi­schen den bei­den Mar­ken Lone und Bakel­te, bis ans wei­te­re Ufer des Was­sers, so Mere [1] hei­ße; in der Brei­te, vön dem Bache im Nor­den bis ans Ven­ne im Süden ange­ge­ben. Alles unter Kir­chen­ban­ne.”

Auch der Pabst bestä­tig­te die­se Stif­tung; eine Kai­ser­li­che Con­fir­ma­ti­on die­ser Zeit ist nicht bekannt.

 

§. 21.

Die Grä­fin Ger­trud über­leb­te die Stif­tung von Wiet­mär­schen wol nicht lan­ge, wenigs­tens nicht für die Bent­heim­sche Geschich­te, wor­in nichts wei­ter von ihr vor­kömt. Ihr, vor ihr ver­stor­be­ner Gemal hat­te 1150 ver­muth­lich durch sei­nen Tod ein Osna­brü­cki­sches Lehn ver­lo­ren, wel­ches jetzt der Graf Hein­rich von Teken­eburg erhielt, wel­ches Möser [2] für das Schloß Bar­den­burg hält, wor­aus Teck­len­burg ent­stand.

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[1] Wovon More eine im was­ser schwim­men­de Erde.
[2] Osna­brü­cki­sche Geschich­te, Bey­la­gen 56 und 57.

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§. 22.

Graf Otto der Zwei­te oder Drit­te.

Ihr Sohn Otto der Zwei­te oder der Drit­te, je nach­dem der Vor­fahr glei­ches Namens unter den Gra­fen von Bent­heim zu zäh­len ist oder nicht, kömt schon unter dem Namen Pfalz­graf am Rhein und Graf, ja Burg­graf von Bent­heim vor, da die Burg Bent­heim schon sehr viel, die Graf­schaft Bent­heim wol noch nicht so viel bedeu­te­te.

 

§. 23.

Sei­ne Geschich­te besteht in einem zwi­schen, [sic!] den Jah­ren 1144 und 1148 mit dem Bisch­ofe Her­bert von Uet­recht unglück­lich geführ­ten Krie­ge. Die Ursa­che die­ses Krie­ges war wol sei­ne nahe Ver­wandt­schaft mit dem Gra­fen Diet­rich  dem Sechs­ten von Hol­land, der nicht nur mit ihm wegen ihrer gemein­schaft­li­chen nahen Ver­wandt­schaft mit dem Kai­ser Lothar dem Zwei­ten, im Blu­te bestand, des­sen Schwes­ter Petro­nella die Mut­ter des Gra­fen von Hol­land war, wie die Kai­se­rin Richen­za die Mut­ter­schwes­ter des Gra­fen von Bent­heim, so wie Her­man von Salm sein Vater­bru­der, und der Sohn des gedach­ten Kai­sers, Hen­rich der Stol­ze, Her­zog von Sach­sen und Bai­ern war, mit dem bekannt­lich das alte Her­zog­t­hum Sach­sen zer­fiel, son­dern auch des

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Bent­hei­mi­schen Gra­fen Schwes­ter Sophia zur Gema­lin hat­te, und bald mit ihr die Graf­schaft Bent­heim bekam. Zwi­schen den mäch­ti­gen Gra­fen von Hol­land und den ihnen nicht nach­ge­ben­den Fürst­bi­schö­fen von Uet­recht war sel­ten Ruhe.

Wie­wohl nun die Geschich­te die­ses Krie­ges nicht zur Bent­hei­mi­schen His­to­rie gehö­ret, so wur­de doch der Graf von Bent­heim mit dar­in ver­wi­ckelt. Er fiel wenigs­tens ins Grö­ningsche und Dren­ti­sche, Land­schaf­ten, die nie­mals lan­ge die Hoheit der Fürst­bi­schö­fe von Uet­recht ertra­gen konn­ten. Anfäng­lich behielt er zwar die Ober­hand, litt aber

in Twen­te bey Otmars­hem eine blu­ti­ge Nie­der­la­ge, nach­dem sei­ne Trup­pen theils nie­der­ge­macht, theils in Wäl­der zer­spren­get waren, die man jetzt ver­geb­lich sucht. Sein Gehül­fe Otto Graf von Bick­lo, der auch Bele, Bie­le und Bei­le, wahr­schein­lich von Bei­le in Dren­te [1], gen­ant wird, büß­te dabei sein Leben ein, und Er selbst gerieth, zu Uet­recht in Gefan­gen­schaft.

Nun beren­te sein Schwa­ger und Vet­ter, der Graf von Hol­land, die Stadt Uet­recht, und mach­te die fürch­ter­lichs­ten Anstal­ten, sie in einen Aschen­hau­fen zu ver­wan­deln. In die­ser Noth ermahn­te der Bischof das Volk mit der Geist­lich­keit zur stand­haf­ten Gegen­wehr, ging aber mit

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[1] Picardt in sei­ner Dren­ti­schen Chro­nick nen­net ihn Graf Twick­lo von Bei­le.

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Letz­te­rer in ihren Chor­rö­cken, so wie Er selbst bischöf­li­chem Kir­chen-Ornat, mit Fah­nen und Kreu­zen zur Stadt hin­aus, in der Absicht den Gra­fen von Hol­land und sei­ne Gehül­fen mit dem Kir­chen­ban­ne zu bele­gen. Die­ses mach­te einen sol­chen Ein­druck auf das hol­län­di­sche Heer, daß es wie erstar­ret stand, und der Graf von Hol­land mit Abwer­fung sei­ner präch­ti­gen Rüs­tung sich bar­fuß dem Bisch­ofe zu Fuße warf, der ihn aber auf­hob und umarm­te. Eine Fol­ge davon war, daß die­se Her­ren Zeit-Lebens Freun­de blie­ben, und daß der Graf von Bent­heim sei­ne Frei­heit mit dem Ver­spre­chen erhielt, nie­mals wie­der mit dem Bisch­ofe zu krie­gen, und ihm das Schloß zu Bent­heim zum so genann­ten off­nen Hau­se und zum Bet­hau­se zu las­sen.

 

§. 24.

Bald dar­auf aber wur­de der Graf von Bent­heim, ein Herr von aus­neh­men­der kör­per­li­chen Schön­heit, von Her­mann,  Gra­fen von Schallick oder Schalk­wyk, ermor­det, und mit ihm erlosch das Pfäl­zisch-Bent­hei­mi­sche Haus. Die­se Mord­that mög­te man wol einem Herrn von Schalk­wyk in der heu­ti­gen Pro­vinz Uet­recht, damals das Nie­der­stift, oder Sallick bey Cam­pen in Obe­rys­sel, damals das Ober­stift Uet­recht, Schuld geben, wenn Jung nicht mit vie­len Grün­den bewie­sen hät­te, daß die­ser Mord in einem spä­tern

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Krie­ge die­ses Gra­fen von Bent­heim, als Gehül­fen sei­nes Vaters des Pfalz­gra­fen Otto von Rhein­eck, der die­se Zeit noch bele­bet haben soll, mit Her­mann, Gra­fen von Sal-Ecke aus dem Hau­se Nas­sau Lau­ren­burg, bey Bacha­rach auf dem Hun­de­srück, ver­übet wor­den sey, so daß er im Gefäng­nis­se 1148 erwür­get oder doch dar­in ver­stor­ben wäre; beson­ders, da auch die Nie­der­län­di­schen Geschicht­schei­ber [sic!] den Mör­der einen Gra­fen von Staslwyk und Scha­le­wick, auch Stali­cke nen­nen [1[.

 

§. 25.

Des Umstan­des wegen, daß unsers Gra­fen Vater damals noch im Leben gewe­sen seyn soll, will Jung auch die Bedin­gung der Befrey­ung die­ses Gra­fen von Bent­heim aus der Gefan­gen­schaft zu Uet­recht, dass Er die Burg und Graf­schaft

Bent­heim dem Stif­te Uet­recht zu Lehn über­ge­ben, nicht gel­ten laßen, weil Er bey Leb­zei­ten sei­nes Vaters nicht dazu befugt gewe­sen wäre. Die Ueber­ge­bung zu einem offe­nen Hau­se und zur Kapel­le des Bisch­ofes von Uet­recht bestrei­tet er weni­ger, so

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[1] Die Herr­schaft Sallick bey Cam­pen hieß ehe­mals Sant­li­cke, San­de­be­ke. RACER OBERYSSELSCHE GEDENKSTÜCKE II,

der ver­schie­de­ne Urkun­den des Hau­ses Buk­horst in Sallick bey­bringt. PICARDT in sei­ner Dren­ti­schen Chro­nik nen­net den Mör­der auch den Gra­fen Her­mann von Stalê­cke oder Bacha­rach.

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wenig man den Geschicht­schrei­bern die­ser Zeit fei­ne Ent­schei­dun­gen der ver­schie­de­nen Zwei­ge des Lehn­rech­tes und ver­wandt­schaft­li­cher Rech­te zumu­then kann, die man erst einem Georg Lud­wig Böh­mer ver­dankt. Ein offe­nes Haus, wor­in die Bischö­fe von Uet­recht in ihren Feh­den mit den Bischö­fen von Müns­ter, Gra­fen und Her­zo­gen von Gel­dern und Andern, eine siche­re Zuflucht, einen frey­en Aus­gang und Ein­gang für sich und ihr Gefol­ge haben konn­ten, war in dama­li­gen Zei­ten schon ein bedeu­ten­der Vort­heil, und zeu­get von der dama­li­gen Wich­tig­keit des Schlos­ses Bent­heim, wor­in es schon eine Schloß­kir­che gab.

 

§. 26.

Grä­fin Sophie und ihr Gemahl Die­te­rich der Sechs­te von Hol­land.

Die Bent­hei­mi­sche Geschich­te füh­ret nun wol zwar auf des ver­stor­be­nen Gra­fen Schwes­ter Sophie, und ihren Gemal, Gra­fen Die­te­rich den Sechs­ten von Hol­land; allein Bei­de schei­nen nur für Hol­land gele­bet zu haben.

Wie­wol man auch aus der gan­zen bis­he­ri­gen Geschich­te schlie­ßen kann, daß die Graf­schaft Bent­heim, so lan­ge es kein Klos­ter Frens­we­gen dar­in gab, kei­ne ein­hei­mi­sche Geschicht­schrei­ber die­ser Zeit gehabt haben muß, da bekant­lich die

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Lese- und Schrei­be­kunst um die­se Zeit sich sel­ten wei­ter als die Klos­ter-Mau­ern erstreck­te.

 

§. 27.

Das kaum ent­stan­de­ne Wiet­mär­schen blieb nicht, was es war; es kam schon im fol­gen­den drey­zehn­ten Jahr­hun­dert in blos weib­li­che Hän­de, weil die Bene­dic­ti­ner sich nach Uet­recht zurück bega­ben, wo sich noch wol Bent­hei­mi­sche Nach­rich­ten fin­den mögen, wenn sol­che nicht in den Spa­ni­schen Unru­hen, wie die Wiet­mär­scher Urkun­den im drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ge, ver­lo­ren gegan­gen sind. Die berühm­ten Abtei­en in Hol­land, Egmond, die­ses Archiv der ältern Hol­län­di­schen Geschich­te, Und Rheins­burg fan­den unter andern mil­den Stif­tun­gen an unsern Hol­län­disch-Bent­hei­mi­schen Gra­fen und Grä­fin vor­züg­li­che Wohlt­hä­ter. Grä­fin Sophia zeich­ne­te sich beson­ders durch ihre Mildt­hä­tig­keit und Fröm­mig­keit aus. Sie ver­fer­tig­te eigen­hän­dig Klei­der für die Armen; sie wall­fahr­te­te nach S. Jakob zu Com­pos­tel und wäre auf dem Heim­we­ge bei­na­he ermor­det wor­den, wenn die Mör­der, wie sie schon auf sie zusto­ßen woll­ten, nicht, aus einer unnen­ba­ren Ehr­furcht erstar­ret, sie fuß­fäl­lig um Ver­zei­hung gebe­ten hät­ten, wel­ches sie mil­dest bewil­lig­te. Sie starb auf ihrer drit­ten Wall­fahrt nach Jeru­sa­lem daselbst 1176 und wur­de im dor­ti­gen Teut­schen Ordens-Hau­se begra­ben. Ihrer zwei­ten Wall-

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fahrt dahin hat­te ihr zwei­ter Sohn, der nach­he­ri­ge Graf von Bent­heim Otto der Drit­te oder Vier­te, mit bei­gewohnet. Von ihrem Gema­le hat man nach 1157 kei­ne Nach­rich­ten mehr.

 

§. 28.

Bei­de hin­ter­lie­ßen fol­gen­de Kin­der:

1.) Flo­renz, in der Hol­län­di­scher Geschich­te der drit­te Graf von Hol­land die­ses Namens.

2.) Otto der Vier­te oder Drit­te Graf die­ses Namens von Bent­heim, wovon her­nach.

3.) Bal­du­in, Bischof von Uet­recht Und Probst zu Olden­saal und zu St. Mari­en in Uet­recht.

4.) Die­te­rich, Bischof von Uet­recht und Dom­probst, erst in Streit mit dem Bischof Arnold von Iffen­burg, Probst zu Deven­ter.

5.) Theo­do­ri­us Pere­gri­nus, Prä­ses oder Statt­hal­ter von See­land im Lan­de voorn, wovon die Fami­lie von Voorn, Renes­se und Heen­vliet abstam­men.

Er starb vor sei­nen Ael­tern mir Hin­ter­la­ßung einer ein­zi­gen Toch­ter, wel­che einen Gra­fen von Sain heu­ra­te­te, wovon die Herr­schaft  Voorn ihren Ursprung hat.

6.) Sophia erst Äbtis­sin zu Rheins­burg in Hol-

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land, her­nach zu Fon­ten­el unweit Valen­ci­en­nes.

7.) Had­wig geist­lich zu Rheins­burg.

8.) Petro­nella die Schö­ne, Gema­lin des Gra­fen Die­te­richs des Vier­ten von Cle­ve.

Noch hat­te Die­te­rich der Sechs­te von Hol­land einen natür­li­chen, oder aus einer unglei­chen Ehe erzeug­ten Sohn Robert, des­sen in eini­gen Urkun­den Erwäh­nung geschieht.

 

§. 29.

Graf Otto der Vier­te oder Drit­te.

Die­ser soll von sei­nen Ael­tern zum Nach­fol­ger in der Graf­schaft Bent­heim bestim­met wor­den seyn, wie sei­ne Groß­mutter Gegend noch das Heft in Hän­den hat­te. Sein ältes­ter Bru­der Graf Fio­renz der Drit­te von Hol­land such­te ihm aber, durch Hül­fe des dama­li­gen Bisch­ofes zu Uet­recht God­fried von Rhe­nen, 1165 Bent­heim strei­tig Zu machen, wie­wol um des­to ver­geb­li­cher, da Er mit dem Bisch­ofe, der alten Strei­tig­kei­ten zwi­schen Hol­land und Uet­recht wegen, bald selbst zer­fiel. Die­sem Zwis­te mach­te indes­sen der Kai­ser Frie­de­rich der Ers­te durch Bestim­mung der Uet­rech­ti­schen uod [sic!] Hol­län­di­schen Gren­zen in der Frie­si­schen Frey­graf­schaft, und der Art, wie der Frey­graf  von bey­den Her­ren unterm Kai­ser­li­chen Ban­ne ange­stel­let wer­den soll­te, für

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eine Zeit­lang ein Ende. Dann bestim­te der Kai­ser in die­ser sei­ner zu Uet­recht 1166 gefäl­le­ten Ent­schei­dung noch fol­gen­des: “Dann soll der Graf von Hol­land den Bischof hel­fen, durch eine Feh­de oder Bela­ge­rung, die Er mit ihm unter­neh­men soll, oder durch eine Kla­ge, die Burg zu Bent­heim wie­der zu erobern. Und wenn Er die­se auf irgend eine Art wie­der erobert hat, soll Er sie dem Gra­fen zum Leh­ne geben, mit Vor­be­halt der Recht­sa­me eines jeden Thei­les. Der Bischof soll in die­ser Burg eine Woh­nung, Kapel­le, Korn­bo­den und Küche haben, einen frey­en Mann und zwey Dienst­leu­te dar­in set­zen, und frey, so oft Er will, dar­in ein und aus­ge­hen kön­nen. Der Graf aber soll alle Muni­ti­on und Befes­ti­gung der Burg haben und den Bischof von der Burg aus hel­fen. Hät­te aber der Bischof eine Feh­de mit einem Freun­de oder Man­ne des Gra­fen, wider den der Graf den Bischof mit Ehren nicht hel­fen könn­te, so soll Er die Burg dem Bisch­ofe ein­räu­men, damit Er sie solan­ge die Feh­de wäh­ret, besit­zen kön­ne, jedoch soll die­ser zuvor Ver­si­che­rung geben, daß er sie ihm nach Been­di­gung der Feh­de zurück geben wol­le.”

 

§. 30.

Die­ser Kai­ser­li­chen Ent­schei­dung, wovon die Urkun­de bey Hecla, [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Heda] legt Jung kei­nen Werth bey, weil nie­mals Gebrauch davon gemacht wor­den.

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Indes­sen mög­te sich die­se Urkun­de, wor­in die Hoheits-Rech­te des Gra­fen von Bent­heim schon durch­schei­nen, auf einen vor­he­ri­gen Vor­fall bezie­hen, des­sen völ­li­gen Her­gang die Geschich­te nicht auf­be­hal­ten hat, und sich wol nur auf das sogen­an­te Eröff­nungs-Recht ein­schrän­ken, wel­ches der Bischof von Uet­recht am Schlo­ße Bent­heim, als ein Recht die­ses Zeit­al­ters, hat­te. Die Schrift­stel­ler und Geschichts­schrei­ber des düs­tern Mit­tel­al­ters ver­misch­ten sol­ches mit einem völ­li­gen Lehn­rech­te, weil die Gra­fen von Bent­heim Burg­gra­fen von Uet­recht, und als Sol­che, Vasal­len und Thür­hü­ter des Stif­tes waren. Die alte sehr wahr­schein­li­che Sage, schon Karl Mar­tel, Vater Pipins, und Groß­va­ter Karls des Gro­ßen, habe dem ers­ten Bisch­ofe, oder viel­mehr Erz­bi­sch­ofe, von Uet­recht, dem h. Wil­le­brord, das Schloß und den Gau Bent­heim (1) geschen­ket, hat­te wol den Grund dazu gege­ben, so sehr die­ses auch im geist­li­chen Sin­ne zu die­ser Zeit, wor­in man an kei­ne Leh­ne spä­te­rer Zei­ten dach­te; zu ver­ste­hen ist; indem bekant­lich Uet­recht die ers­te bischöf­li­che Kir­che und Mis­si­ons­an­stalt im gan­zen dama­li­gen Sach­sen und Fries­land war, wor­auf Osna­brück folg­te, da Müns­ter noch eine Uet­rech­ti­sche Mis­si­on war. Alles das beweist übri­gens das Alter­thum des Schlo­ßes Bent­heim, wor­in ver­muth­lich die ers­te christ­li­che Kir­che in der gan­zen Graf-

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(1) Castrum et pagum Bent­heim.

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schaft, der Sage nach an der Stel­le eines heid­ni­schen Tem­pels, errich­tet wur­de.

Indes­sen folg­te auf vor­ge­dach­ten Bischof God­frid von Rhe­nen Bal­du­in auf dem bisch­ö­li­chen Stuhl zu Uet­recht, und  von nun an leb­ten die drey Brü­der, der Fürst­bi­schof von Uet­recht und die Gra­fen von Hol­land und Bent­heim in bes­ter Ein­tracht. Die Auf­zäh­lung die­ses Bisch­ofes von Uet­recht von drei­ßig vor­neh­mern Vasal­len des Hoh­stif­tes, wor­un­ter der Burg­graf von Bent­heim als Thür­hü­ter der Sechs­te war; bestreit Jung, in so weit es die Burg und Graf­schaft Bent­heim betrifft, oder erklä­ret viel­mehr nur den rich­ti­gen Ver­stand hier­von.

 

§. 31.

Zur per­sön­li­chen Geschich­te die­ses Gra­fen von Bent­heim gehö­ret ein schwe­rer Krieg, den er mit sei­nem Bru­der, dem Bisch­ofe von Uet­recht, wider Dren­te und Koe­ver­den führ­te. Die Ver­an­la­ßung die­ses Krie­ges vom Jah­re 1196 war fol­gen­de: Der Graf klag­te oft beym Bisch­ofe über Erpres­sun­gen bey dem Bent­heim­sche Han­del mit Grö­nin­gen (I) durch über­mä­ßi­ge ein- und aus­ge­hen-

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(I) Von Bent­heim wur­den nach Grö­nin­gen Bent­hei­mer Stei­ne, Holz, Rocken, Wol­le, Schin­ken, Schwei­ne, Kane­fas, Bar­chent, Räder, Wan­nen, Fäßer, gro­be Tücher; von Grö­nin­gen Käse, But­ter, Stock-

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de Rech­te, durch den benach­bar­ten bischöf­li­chen Burg­gra­fen Flo­renz von Koe­ver­den und Mar­schal von Dren­te; und da alle güt­li­che Abmah­nun­gen des Bisch­ofes nichts fruch­te­ten, so erklär­te Der­sel­be ihn der Burg­graf­schaft und des Mar­s­cha­l­am­tes ver­lus­tig, beren­te auch bald dar­auf die Burg, die er trotz aller Gegen­wehr des Burg­gra­fen ein­nahm,  und mit dem Gebie­te über Dren­te sei­nem Bru­der, dem Gra­fen von Bent­heim, ver­lieh. Die­ses hat­te nun neun Jah­re gewäh­ret, inner­halb wel­cher der ent­setz­te Burg­graf ver­ge­bens sei­ne Wie­der­her­stel­lung beim Bisch­ofe ange­hal­ten hat­te. Miß­müt­hig dar­über hetz­te er jetzt die Dren­ter und Grö­nin­ger wider den Bischof, und beson­ders wider den Gra­fen von Bent­heim, auf. Jene grif­fen nun zu den Waf­fen, ver­hee­reten die bischöf­li­chen Güter in ganz Dren­te, schlu­gen den Gra­fen von Bent­heim bey Roc­clo, oder Rol­cle [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Rol­de] in Dren­te, in die Flucht und ver­bran­ten Koe­ver­den. Die­ses such­te der Bischof mit zwey­en Hee­ren, wovon Er selbst Eins über Steen­wyk, ein Ande­res der Graf von Bent­heim über Koe­ver­den in Dren­te führ­te, zu ahn­den, als indes­sen Graf Otto von Gel­dern es dahin ver­mit­tel­te, daß die Fein­de des Bisch­ofes, mit denen er es heim­lich hielt, sich ihm unter­war­fen und Gei­seln gaben; die mit dem auf­ge­lö­se­ten Hee­re nach Deven­ter zogen. Hier aber

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fisch, Thran zurück­ge­sen­det. PICARDT DRENTISCHE CHRONIK.

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kam es, statt eines Ver­glei­ches, zu Miß­ver­ständ­nis­sen, wor­über der Bischof die ihm gege­be­nen Gei­seln in Ver­wah­rung brin­gen ließ, und der Graf von Gel­dern aus Unwil­len abzog. Die hier­durch auf­ge­brach­ten Dren­ter erneu­er­ten dar­auf den Krieg, nah­men Koe­ver­den ein und die dar­in befind­li­che Grä­fin von Bent­heim wie ihrer gan­zen Fami­lie und ihren Schät­zen gefan­gen, die aber durch Zurück­ga­be sei­ner Gei­seln durch den Bischof gelö­set wur­den. Die­ser trach­te­te schon nach der Wie­der­erobe­rung von Koe­ver­den, als die Erz­bi­schö­fe Con­rad von Mainz und Phil­ip von Kölln nach Deven­ter kamen, um die­se Unru­hen zu stil­len, damit der Graf von Gel­dern nicht im Trü­ben fischen mög­te. Ihr Vor­schlag, daß den Dren­tern die ihnen genom­me­nen Güter, und dem vori­gen Burg­gra­fen von Koe­ver­den die Burg­graf­schaft, gegen tau­send Frie­si­sche Mar­ken für den Bischof, und hun­dert für den Gra­fen von Bent­heim und sei­ne Räthe, zurück­ge­ge­ben wer­den soll­ten, ward aber vom Gra­fen von Bent­heim ver­wor­fen, und so brach das Feu­er von Neu­em loß. Des Bisch­ofes Anschlag auf Koe­ver­den mis­glück­te indes­sen so sehr, daß er kaum leben­dig aus die­ser sump­fig­ten Gegend ent­kam. Des­sen unge­ach­tet brach er jetzt in offe­ner Feh­de wider den Gra­fen von Gel­dern in die Vel­au ein; wel­cher dage­gen mit den Dren­tern Obe­rys­sel berenn­te, Otmars­hem und ande­re Stifs­gü­ter [sic!] ver­bran­te, so dann über Vene­brück nach Deven­ter zog und es

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bela­ger­te, wor­auf der Her­zog Hen­rich von Lotha­rin­gen und Bra­bant einen Waf­fen­stil­stand ver­mit­tel­te, wäh­rend des­sen die Dren­ter alle dor­ti­gen bischöf­li­chen Besit­zun­gen dem Gra­fen von Gel­dern ein­räum­ten. In die­ser Lage der Sachen nahm der Bischof sei­ne Zuflucht zum Kai­ser Hen­rich dem Sechs­ten nach Mainz, bewürk­te auch einen Kai­ser­li­chen Befehl an die Grö­ningschen und Dren­ti­schen Stän­de, sich der bischöf­li­chen Hoheit zu unter­wer­fen, wid­ri­gen­falls soll­te ein Kai­ser­li­ches Heer zu sei­nemm Bey­stan­de in die­se Land­schaf­ten rücken. Allein der Bischof ver­schied noch in Mainz d. 10ten May 1196. Auch der Graf von Bent­heim erreich­te sei­ne Absich­ten wol nicht; da ein Vol­kart bald als Burg­graf von Koe­ver­den erscheint.

 

§. 32.

Kaum erwähn­ter Her­zog Hen­rich von Lotha­rin­gen und Bra­bant hat­te weni­ge Jah­re zuvor mit eben gedach­tem Gra­fen Otto von Gel­dern eine Feh­de wider den nur gemel­de­ten Bischof von Unrecht über die Vel­au gefüh­ret, wor­in dem Bischof durch sei­nen andern Bru­der, den Gra­fen Flo­renz von Hol­land, und sei­nen Schwa­ger, den Gra­fen Die­te­rich von Cle­ve, gehol­fen wur­de. Der Her­zog woll­te näm­lich die Vel­au nicht als ein Uet­rech­ti­sches, son­dern als ein Reichs­lehn besit­zen, und hat­te den Gra­fen von Gel­dern damit unter­be­lehnt. Der Kai­ser Hen­rich der Sechs­te ent-

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schied dann 1190 zu Gelen­hau­sen die Sache dahin, daß der Bischof die Vel­au vom Kai­ser, der Her­zog wie­der vom Bisch­ofe und der Graf von Gel­dern wie­der vom Her­zo­ge zu Lehn emp­fan­gen soll­te. In der dar­über errich­te­ten Urkun­de kömt der Graf von Bent­heim als Zeu­ge und Ver­wand­ter des Kai­sers vor.

 

§. 33.

Die Bent­hei­mer hat­ten von den [sic!] jetzt herr­schen­den Hol­län­di­schen Hau­se den Nut­zen, daß sie sich nur zu Gorinch­eim oder Gor­cum nie­der zu las­sen brauch­ten, wenn sie durch die gan­ze Graf­schaft Hol­land zoll­frey seyn woll­ten. Die­ses hat­te ihnen die­ser Graf Otto der Vier­te ver­schaf­fet, der hier als jün­ge­rer Sohn des Hau­ses Hol­land eine Herr­schaft als Apa­na­ge besaß, wel­che Er zwar an die Her­ren von Arkel ver­kauf­te, in deren Haus eine Grä­fin von Vir­ne­burg, deren Mut­ter die Toch­ter die­ses Gra­fen von Bent­heim war, ver­heu­ra­thet hat­te; allein auch nach die­ser Ver­äu­ße­rung wur­de den Bent­hei­mern die­se Frei­heit erneu­ert (I).

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(I) Johann der Sie­ben­te von Arkel, Sohn Johanns des Sechs­ten und der Mar­ga­re­tha, Toch­ter Bal­du­ins, Gra­fen von Flan­dern, war mit Maria Grä­fin von Vir­ne­burg ver­mä­let, deren Mut­ter eine Toch­ter des Gra­fen Otto von Bent­heim gewe­sen war. Er starb 1241. DE VITA ET REBUS GESTIS DOMINORUM DE ARKEL, in Ant. illat­hai Analect. Tom. V, S. 108.

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§. 34.

Was die häus­li­chen Umstän­de die­ses Gra­fen betrift, so war Er zwey­mal ver­heu­ra­thet. Die drit­te Ver­mä­lung mit sei­ner Mut­ter Bru­ders-Toch­ter, des vori­gen Gra­fen von Bent­heim, ist unsi­cher, weil man nicht weis, ob die­ser jemals ver­heu­ra­thet gewe­sen sey und eine Toch­ter hin­ter­la­ßen habe, indem Er in der Blü­t­he sei­nes Lebens ermor­det wur­de.

Eine sei­nes Gema­lin­nen war die Toch­ter des Gra­fen Hen­richs von Are­n­sberg, wel­cher ihn im Jah­re 1172 nicht sehr schwie­ger­vä­ter­lich behan­del­te. Denn Er ließ ihn ins Gefäng­niß wer­fen und woll­te ihn nicht eher dar­aus befrey­en, bis er ent­we­der fei­er­lich ver­sprä­che, oder Bür­gen stel­le­te, daß er nichts wei­ter, als was im Braut­schat­ze bestimmt wäre, begeh­ren, und die Graf­schaft Are­n­sberg nicht mehr beun­ru­hi­gen woll­te; so daß der Streit wol über die Mit­ga­be der Grä­fin von Bent­heim ent­stan­den war. Der näm­li­che Graf Hen­rich von Are­n­sberg hat­te sechs Jahr vor­her sei­nen gleich­na­mi­gen Bru­der eben so behande1t, wie jetzt sei­nen Schwie­ger­sohn; sein Bru­der hat­te aber im Gefäng­nis­se sein Leben ein­ge­bü­ßet. Dar­über ward der Graf von Are­n­sberg vom Kai­ser in die Acht erklä­ret, zu deren Aus­füh­rung der Her­zog Hen­rich der Löwe von Amts­we­gen mit den Erz- und Bischö­fen von Kölln, Müns­ter, Min­den und Pader­born die star­ke Burg Are­nds-

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derg (I) ein­nahm, und den Gra­fen von Land und Leu­ten ver­trieb. Kein Wun­der, daß die­ser Graf von Are­nds­berg nach­her sich sehr unter den übri­gen West­phä­li­schen Gro­ßen aus­zeich­ne­te; die Achts-Erklä­rung die­ses unglück­li­chen Her­zo­ges vol­zie­hen zu hel­fen, wobey der Graf von Bent­heim wol sei­ner nahen Ver­wandt­schaft mit die­sem dama­li­gen Unter­kai­ser wegen sich sehr lei­dend ver­hielt; beson­ders weil Er vor­her mit ihm im guten Ver­neh­men stand, und noch unlängst mit ihm zu Schwe­rin gewe­sen war, da Er als Zeu­ge einer Schen­kung des Her­zo­ges an die dor­ti­ge Dom­kir­che vor­kömt. Doch hat­te die Graf­schaft Bent­heim so wol, als ande­re Staa­ten West­pha­lens, ihren guten Vort­heil bey der Zer­trüm­me­rung des Her­zog­th­ums Sach­sen.

 

§. 35.

Eine ande­re Gema­lin des Gra­fen von Bent­heim war eine Grä­fin von Cap­pen­berg, deren Tauf-Name so unbe­kannt ist, als jener der Grä­fin von Are­nds­berg, sei­ner ers­ten oder zwey­ten Gema­lin. Da der Müns­teri­sche Bischof Otto, der vor­her Dom­probst zu Bre­men war, ein Sohn die­ses Gra­fen von Bent­heim, sich in sei­ner Bestä­ti­gungs-Urkun­de der Recht­sa­me des berühm­ten Got­tes­hau­ses Kap­pen­berg vom Jah­re 1204 einen

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[I] Adlers­burg.

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Nach­kömm­ling der Gra­fen von Kap­pen­berg nen­net: so läßt Jung hier eine Genea­lo­gie des Kap­pen­ber­gi­schen Hau­ses fol­gen, des­sen Ver­wandt­schaft mit den, müt­ter­li­cher Sei­te aus dem Wel­fisch-Nort­hei­mi­schen Hau­se ent­spro­ße­nen, Häu­sern Are­nds­berg, Riet­berg, Olden­burg und Kuick, auch aus Kind­lin­gers Stamm­tä­fel­chen in den Müns­teri­schen Bey­trä­gen zur Geschich­te Deutsch­lan­des, haupt­säch­lich West­pha­lens, (I) erhel­let.

 

§. 36.

Eine Ver­wandt­schaft des Bent­hei­mi­schen Hau­ses mit dem gräf­lich Hal­l­ermun­di­schen zu die­ser Zeit, ergibt sich aus fol­gen­der Geschich­te: Graf Bur­chard von Hal­l­ermund, Sohn Wul­brands von Hal­l­ermund, Stif­ters des Klos­ters Loc­cum, war zu Nien­borg auf dem Tur­nie­re gewe­sen und wur­de nach Bent­heim zu sei­ner Mut­ter Schwes­ter gebracht, weil er beym Tur­nie­re das Bein zer­bro­chen hat­te. Er ver­schied aber zu Bent­heim an sei­ner Wun­de, und sei­ne Lei­che wur­de von da, von Lam­bert von Gemen, einem Schwes­ter­soh­ne Wul­brands von Hal­l­ermund, Vaters des Ver­stor­be­nen, nach Loc­cum zur Begräb­niß gebracht.

 

§. 37.

In jener Are­nds­ber­gi­schen Gefan­gen­schaft

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(I) Nico­laus Kind­lin­ger. Zwei­ter Band. Seche­zehn­te [sic!] Urkun­de.

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blieb aber der Graf von Bent­heim nicht lan­ge, da er im fol­gen­den Jah­re 1173 mit sei­ner Mut­ter Sophia nach Jeru­sa­lem wall­fahr­te­te, und im näm­li­chen Jah­re zurück kam. Im Jah­re 1182 war Er mit sei­nem Bru­der, dem  Gra­fen von Hol­land, und dem Fürst­bi­sch­ofe von Uet­recht, Zeu­ge einer zu Mainz datir­ten Urkun­de Kai­sers Fried­richs des Ers­ten zum Bes­ten der Stadt Spei­er. Jung ver­mu­thet auch, daß die­se drey Brü­der das Ansu­chen der Eng­li­schen Gesand­ten beym Kai­ser, auf die­sem Main­zi­schen Fürs­ten­ta­ge, um eine beße­re Behand­lung des Her­zo­ges Hen­rich des Löwen, wer­den unter­stüt­zet haben, da nicht nur ihre Ver­wandt­schaft mit die­sem Herrn, son­dern auch die durch sein Unglück erwei­ter­te bedenk­li­che Macht des Erz­stif­tes Kölln sie dazu bewe­gen mog­te. Im Jah­re 1185 war unser Graf mit Simon von Teck­len­burg und Rudolph von Stein­furt Zeu­ge einer dem Klos­ter Mari­en­feld vom Müns­teri­schen Bisch­ofe Her­mann ert­heil­ten Urkun­de.

 

§. 38.

Auch war die­ser Rudolph oder Ludolph von Stein­furt mit Wil­helm von Hol­te, Fried­rich und Arnold von Gla­ne (I) und Andern 1186, Zeu­ge des Ver­gleichs zwi­schen dem  Gra­fen Simon von Teck­len­burg und Arnold, Fürst­bi­sch­ofe von Osna-

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(I) Phili­pi­ne von Gla­ne, Mut­ter mei­ner Frau Fran­cis­ca von Stock­heim.

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(55)

brück, über die Burg­graf­schaft zu Iburg (I). Gedach­ter Dynast von Stein­furt muß auch im Gel­dri­schen in der Gegend von Döter­heim [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis
muss es hier ent­we­der “Döten­heim” oder “Döting­heim” hei­ßen] Güter beses­sen haben, da Er mit Her­mann und Johann von Bre­de­vo­ort eine Kir­che zur Errich­tung des Klos­ters Bet­le­hem anwies (I) [sic!]. Der Bischof Ger­hard von Osna­brück ver­lieh 1193 den Brü­dern Hen­rich und Her­mann von Wal­deck ein Lehn, wor­auf der Graf von Bent­heim Ansprü­che mach­te; aber von der Lage und Beschaf­fen­heit die­ses Leh­nes ist nichts bekant. Letz­te­rer war im fol­gen­den Jah­re Zeu­ge einer zu Mainz expe­dir­ten Urkun­de Kai­sers Hen­richs des Sechs­ten, wor­in sei­nes Bru­ders Soh­ne, dem Gra­fen Die­te­rich dem Sie­ben­ten von Hol­land, des­sen Gema­lin die Grä­fin Aleid von Cle­ve war, der Zoll zu Geer­vliet bestä­ti­get wur­de. Im näm­li­chen Jah­re ver­mit­tel­te Er auch mit sei­nen Brü­dern Bal­du­in, Fürst­bi­schof von Uet­recht, und Die­te­rich, damals Dom­probst, her­nach Bischof zu Uet­recht, in der Abtei Egmond einen schwe­ren Fami­li­en-Zwist unter ihren Bru­ders-Kin­dern, Die­te­rich dem

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(I) MÖSER OSNABRÜCKISCHE GESCHICHTE NRO 81.
(2) SLICHTENHORST GELDERSCHE GESCHIEDENISSEN Buch 6, S. 79. Zu die­sem Klos­ter gab die Fami­lie von Zelst. Wor­aus im sieb­zehn­ten Jahr­hun­dert eine Grä­fin von Bent­heim war, beträcht­li­che Güter.

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Sie­ben­ten von Hol­land und des­sen Bru­der Wil­helm, in Gegen­wart derer Mut­ter Ada, geboh­re­nen König­li­chen Prin­zes­sin von Schot­land. Die Bestä­ti­gung des gedach­ten Hol­län­di­schen Gra­fen Die­te­richs des Sie­ben­ten, und sei­ner Gema­lin, Grä­fin Adel­heid von Cle­ve, vom Jah­re 1202 zu Lei­den, aller Schen­kun­gen sei­ner Groß­mutter und des Bent­hei­mi­schen Gra­fen Mut­ter Sophia, wel­che die Nie­der­län­di­schen Nach­rich­ten eine Hei­li­ge in der That (I) nen­nen, ans Klos­ter Rheins­burg, ist auch vom Bent­hei­mi­schen Gra­fen, und sei­ner Schwes­ter Sophia, Abtis­sin daselbst, bezeu­get. Eben so hat die Stif­tungs-Urkun­de eben die­ses Gra­fen und die­ser Grä­fin von Hol­land, des Klos­ters Peters-Thal in Str­oberg bey Dor­d­recht im Jah­re 1203, die­sen Gra­fen Otto den Vier­ten und sei­nen Sohn Bal­du­in zu Zeu­gen, der ihm in der Regie­rung der Graf­schaft Bent­heim folg­te.

 

§. 39.

Unbe­greif­lich war es aber, daß die­ser Graf Otto der Vier­te von Bent­heim beym Abster­ben eben die­ses sei­nes Bru­ders-Soh­nes, Die­te­rich des Sie­ben­ten, Gra­fen von Hol­land, 1203 zu Dort­recht mit Hin­ter­la­ßung einer ein­zi­gen Toch­ter Ada, sich von ihrer ver­wit­we­ten Mut­ter ver­lei-

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(I) REVERA SANCTA, ohne Cano­ni­sa­ti­on.

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ten ließ, mit dar­in zu wil­li­gen, daß die Vor­mund­schaft­li­che Regie­rung nicht zu Fol­ge des letz­te­ren Wil­lens ihres ver­stor­be­nen Vaters, dem Oheim, dem Gra­fen Wil­helm, des­sen Bru­der Flo­renz Dom­probst zu Uet­recht war, son­dern der Mut­ter allein über­tra­gen wur­de, wel­che die­se ihre Toch­ter schon bey Lebe­zei­ten ihres Gema­les, aber ohne des­sen Wis­sen, mit dem Gra­fen Lud­wjg von Looß oder Loon ver­lo­bet, und jetzt, wie ihr Gemal kaum kalt und noch nicht beer­di­get war, die Trau­ung hat­te voll­ziehn laßen. Ueber die Recht- oder Unrecht­mä­ßig­keit die­ser vor­mund­schaft­li­chen Regie­rung, und die­ser Ehe, kam es in Hol­land bald zu einem so bit­te­ren inlän­di­schen Krie­ge, daß die Grä­fin­nen, Mut­ter und Toch­ter, samt dem Gra­fen von Looß, nach sei­nem kaum acht­zehn­tä­gi­gen Bei­la­ger mit der jun­gen Grä­fin flüch­ten muß­ten, und letz­te­re in Fries­land in Gefan­gen­schaft gerieth, wor­aus sie nach Eng­land gebracht wur­de. Die ver­wit­we­te Grä­fin hat in einem noch vor­han­de­nen Schrei­ben den Eng­li­schen König Johann 1207, ihr ihre Toch­ter wie­der zukom­men zu laßen, und zum Bewei­se der Recht­mä­ßig­keit der Ehe ihrer Toch­ter brach­te sie das Zeug­niß des Uet­rech­ti­schen Bisch­ofes, Die­te­richs von Are, und des Gra­fen von Bent­heim bey. Die­ser nahm sich aber her­nach der Sache sei­nes Vet­ters, des Gra­fen Wil­helms von Hol­land, an, vert­hei­dig­te die neu­an­ge­leg­te Schan­ze Zwa­den­burg­dam oder Swa­ten­burg, jetzt Zwam­mer­dam,

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wie sein Gehül­fe, der Bru­der des Hol­län­di­schen Gra­fen, der Uet­rech­ti­sche Dom­probst Flo­renz, die neu errich­te­te Fes­te zum Busch, jetzt Bos­koop, ver­geb­lich wider den Fürst­bi­schof von Uet­recht, der es mit der ver­wit­we­ten Grä­fin von Hol­land und mit dem Gra­fen von Looß hielt. Und hie­mit höret alle Nach­richt von die­sem Gra­fen Bent­heim auf. Ihm folg­te in der Regie­rung sein Sohn

 

§. 40.

BALDUIN,

Der wol aus sei­nes Vaters Ehe mit der Grä­fin von Kap­pen­berg erzeugt war. Sei­ner wird zuerst und zwar vor allen Andern, mit Ber­nard von Horst­mar in einer Urkun­de vom Jah­re 1213 als Zeu­gen gedacht, wor­in der Kai­ser Otto der Vier­te zu Nim­we­gen sei­nem Vet­ter, dem Gra­fen Wil­helm den Hol­land, die von des­sen Vater Flo­renz dem Drit­ten, und Groß­va­ter Die­te­rich dem Sechs­ten, Gra­fen von Hol­land und Bent­heim, beses­se­nen Leh­ne bestä­tig­te. Da Er hier dem Kai­ser Otto zur Sei­te war, so ver­mu­thet man, daß Er so wol, als sein Vater, es mit die­sem Kai­ser, und nicht mit dem Gegen­kai­ser, dem Sici­li­schen Köni­ge Frie­de­rich dem Zwey­ten gehal­ten habe. Mit die­sem hielt es sein Bru­der, der Fürst­bi­schof Otto von Müns­ter, der dar­über in Gefan­gen­schaft gerieth, so wie das Hoch­stift

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Müns­ter vom Erz­bi­sch­ofe Siffrid von Mainz, als Päbst­li­chen Lega­ten, im Gegen­t­heil mit dem Inter­dic­te 1213 des­we­gen belegt wur­de, weil es sei­nen Fürst­bi­schof so schänd­lich preis­ge­ge­ben hät­te. Man fin­det nicht, daß sich der vori­ge oder die­ser Graf von Bent­heim ihres Soh­nes oder Bru­ders ange­nom­men, oder sich über­haupt in die­sen Steit gemen­get haben. Ja, was noch mehr zu bewun­dern ist, man hat gar kei­ne Nach­richt, daß sie ihn, wie er noch Dom­probst zu Bre­men war, in sei­ner strit­ti­gen Fürst­bi­schof-Wahl wider den Probst von Klar­holz, Gra­fen Frie­de­rich von Teck­len­burg, unter­stüt­zet haben; wie­wol die­se strit­ti­ge Wahl zur Fol­ge hat­te, daß die­ser Graf Otto von Bent­heim der ers­te Fürst­bi­schof von Müns­ter war, den das Dom­ka­pi­tel aus­schließ­lich zu die­ser Wür­de erhob. Bei­de Brü­der wohn­ten indes­sen dem Kreuz­zu­ge nach Paläs­ti­na bey; der Bischof starb aber zu Casa­r­ra [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Cäsa­räa] 1217.

 

§. 41.

Von 1220 an fin­det man unsern Gra­fen als Zeu­gen in den Diplo­men. In die­sem Jah­re war Er unter Andern mit Arnold von Alme­lo, eine Fami­lie, wor­in im fol­gen­den vier­zehn­ten Jahr­hun­dert wahr­schein­lich eine Bent­hei­mi­sche Grä­fin Namens Oda heu­ra­te­te, Zeu­ge eines zu Zeist ver­fer­tig­ten Kauf­con­trac­tes, wor­in Arnold von Knick gewi­ße Gerecht­sa­me zu Uet­recht an den Fürst­bi­schof Otto von der Lip­pe ver­kauf­te.

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Eben so 1223 in den Sta­tu­ten oder Wil­le­kü­ren, die sein Vet­ter, Graf Flo­renz der Vier­te von Hol­land, und der Burg­graf von See­land, Die­te­rich von Voor­ne, aus die­sem Hol­län­disch-Bent­hei­mi­schen Hau­se, für West-Cap­pel zu Mid­del­burg errich­te­ten. Des­glei­chen kömmt Er als Zeu­ge in der Urkun­de dor, wor­in gedach­ter Graf von Hol­land 1224 den zu Gorinch­eim oder Gor­cum woh­nen­den Bent­hei­mern ihre zur­vor erwähn­te Zoll­frei­heit bestä­tig­te. Auch war Er Zeu­ge in dem Ver­gleichs-Instru­men­te des Car­di­nals und päbst­li­chen Lega­ten Con­rad, vom Jah­re 1225, zwi­schen dem gedach­ten Fürst­bi­sch­ofe von Uet­recht und Hol­land, als auch bey dem zwi­schen dem Bisch­ofe von Uet­recht und Gra­fen Ger­hard von Gel­dern errich­te­ten Bünd­nis­se, wor­in Er mit dem Gra­fen von Hol­land und vor dem­sel­ben als älte­rer Vet­ter vor­kömt.

 

§. 42.

Als Vasal des Hoch­stif­tes Uet­recht wegen der Burg­graf­schaft zu Uet­recht und des Thür­hü­ter-Amtes wur­de der Graf wol mit andern Uet­rech­ti­schen Vasal­len, dem Gra­fen Ger­hard von Gel­dern, Rudolph von Goor, der als Ban­ner­herr die Mar­tins-Fah­ne des Hoch­stif­tes trug, so wie Hol­land und Cle­ve ihre Rit­ter stel­le­ten (I),

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(I) Hol­land die Her­ren Her­hert und Jo-

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im Jah­re 1227 in den Krieg ver­wi­ckelt, den der Fürst­bi­schof von Uet­recht, Otto von der Lip­pe, mit dem Burg­gra­fen Rudolph von Koe­ver­den zu füh­ren hat­te. Ein Krieg, wor­an von Sei­ten des Uet­rech­ti­schen Bisch­ofes auch Vie­le Köll­ni­sche und Müns­teri­sche Rit­ter, wor­un­ter Ber­nard von Horst­mar und Rei­nald von Rese, Ant­heil nah­men; wobey auch der Graf Die­te­rich von Cle­ve sich noch per­sön­lich gestel­let zu haben schei­net, der aber des sump­fig­ten Bodens wegen, wor­auf das Heer nicht agi­ren konn­te, so übel ablief, daß der Bischof von Uet­recht Ber­nard von Horst­mar und zwey Her­ren, Flo­renz u. Flo­rin von Bent­heim (I), Gos­win von Lage (2), und Ande­re ihr Leben dabey ein­büß­ten, der Graf von Bent­heim aber in Gefan­gen­schaft gerieth. Wie lan­ge sei­ne Gefan­gen­schaft dau­er­te; auf wel­che Bedin­gun­gen Er wie­der in Frei­heit geset­zet wor­den, das ist unde­kannt. Nur läßt sich ver­mu­then, daß der Graf mit andern Her­ren beym ers­ten Kriegs­glü­cke des jet­zi­gen Uet­rech­ti­schen Bisch­ofes Wil­brand von Ol-

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hann von Arkel. PICARD DRENTISCHE CHRONIK und Ande­re.

(I) Viel­leicht Brü­der und Nach­kom­men Roberts des Natür­li­chen, oder aus einer Ehe zur lin­ken Hand erzeug­ten, Soh­nes des Gra­fen Die­te­richs des Sechs­ten von Hol­land und Bent­heim.
(2) Viel­leicht das ers­te Mal, daß die­ser Name bekannt wird; wovon her­nach.

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den­burg die Frei­heit erhielt. Hier­durch wur­de Rudolph von Koe­ver­den so weit gebracht, daß er die Burg Koe­ver­den, und sein Haus zu Laer in der heu­ti­gen Nie­der­graf­schaft Bent­heim (I) dem Bisch­ofe über­lie­fern muß­te,  wel­cher es zer­stö­re­te.

 

§. 43.

Der Graf von Bent­heim erscheint 1233 zu Deven­ter als Zeu­ge in der Stif­tungs-Urkun­de des Klos­ters Mari­en­burg, (jezt das Stift Swar­te-Water) durch den Fürst­bi­schof von Uet­recht, auf Kos­ten des Burg­gra­fen von Koe­ver­den, zur See­len­ru­he des vori­gen Bisch­ofes und Aller derer, die mit ihm im Ven­ne bey Koe­ver­den, wie auch mit dem Schult­hei­ßen Con­rad zu Steen­wyk gefal­len waren, wie der in Backen Ven­ne oder Mirs­pe­te (2) geblie­be­nen Frie­sen; wobey auch noch ein Ger­hard von Bent­heim, Win­ne­mar von Har­den­derg und Her­mann von Vils­te­ren (3) als Zeu­gen vor­kom­men.

Der Burg­graf von Koe­ver­den muß­te auch

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(1) Picardt Dren­ti­sche Chro­nik.
(2) Mitsple­te [sic!] oder Spal­te, jetzt Mit­la­re zwi­schen Nord­la­re Und Süd­la­re in der Land­schaft Dren­te. OUDEHDEN EN GESTICHTEN VAN GRONINGERLAND EN DRENTE s. 603
(3) Vor der Fami­lie von Ben­tink besa­ßen die von Vils­te­ren das Haus Wol­da.

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noch auf der Stel­le, wo der vori­ge Bischof ermor­det war, die Mom­me­rüs­ten gen­ant, ein Col­le­gi­at­stift von fünf und zwan­zig Kano­ni­kern errich­ten, wur­de aber end­lich nach einem neu­en Auf­stan­de der Dren­ter, mit sei­nem Freun­de Hen­rich von Gra­ves­dorf oder Grastrup, im heu­ti­gen Bent­hei­mi­schen Gerich­te Veld­hau­sen, zu Har­den­berg gerä­dert [I].

 

§. 44.

Was den Gra­fen von Bent­heim betrift, so war Er mit dem Dynas­ten Ludolf von Stein­furt 1236 Zeu­ge des auf dem Kirch­ho­fe zu St. Johann in Osna­brück zwi­schen den Brü­dern Engel­bert, Fürst­bi­schof zu Osna­brück und Otto, Graf von Teck­len­burg, geschlo­ße­nen Ver­glei­ches. Im Jah­re 1238 traf Er zu Lei­den einen Tausch mit dem Gra­fen von Hol­land über eini­ge Güter, wel­che die Bent­hei­mi­sche jün­ge­re Linie der Gra­fen von Hol­land in dor­ti­gen Gegen­den also immer noch besaß.

 

§. 45.

Wich­ti­ger für die Bent­hei­mi­sche Geschich­te war der Ver­gleich, den Er mit den Fürst­bi­schö­fen Ludolph von Müns­ter und Engel­bert von Osna­brück und andern Edeln zwi­schen dem Dyna-

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[I] PICARDT UND ANDERE.

sten Ludolph von Sten­for­den, der in einer Schen­kung Ottos von Horst­mar ans Got­tes­haus Kap­pen­berg als Zeu­ge vo[r]kömt, {I] und des­sen Bru­ders-Soh­ne, Ludolph von Stein­furt. die Frey­graf­schaft Vlo­t­ho­ve, die Schutz­ge­rech­tig­keit über das jetzt Teck­len­bur­gisch-Rhe­dai­sche Got­tes­haus Klar­holz, ver­schie­de­ne Minis­te­ria­len, freye und ande­re Güter, Zehn­ten und ande­re Gegen­stän­de 1240, errich­ten half. Da die­ser Ver­gleich das ältes­te Diplom ist, was das Bent­hei­mi­sche Archiv auf­be­wah­ret hat, so ver­die­net er eini­ge nähe­re Erwäh­nung. Die gedach­ten Bischö­fe wer­den im Ein­gan­ge als Frie­dens­stif­ter ange­füh­ret; wor­auf die Gra­fen, Otto von Teken­eburg, Bal­du­in von Ben­them und Lude­wig von Ravens­berg, dann die Edlen Her­ren, Her­mann von Lon, Wig­bold von Hol­te, Hen­rich Graf von Dale [2], Otto v. Horst­mar und Johann von Ahus oder Ahaus fol-

Die strit­ti­gen Güter und Recht­sa­me wer­den übri­gens zwi­schen dem Oheim und Vet­ter von Stein­furt der­ge­stalt vert­hei­let, daß Einer des Ande­ren Erbe bey Sterb­fäl­len ohne Nach­kom­men, mit Vor­be­halt des durch einen guten Mann zu bestim-

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[I] Kind­lin­ger, ers­ter Theil, drit­te Beyl.
[2] Bey Kap­pen­berg und eine Fami­lie mit den dama­li­gen Besit­zern von Diepen­heim; wovon bald mehr.

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men­den Nieß­brau­ches der hin­ter­laß­nen Wit­wen, seyn soll­te. Beym Ver­kau­fe der­sel­ben soll­te in der Stein­fur­ti­schen Fami­lie ein Näher­recht statt haben. Zeu­gen sind außer Müns­teri­schen mit Tauf­na­men gen­an­ten Geist­li­chen, G. und S. von Gemen, Ludolph von Dicke, Ber­nard von Dri­vor­de, Got­schalk von Lone, Arnold von The­ten [1], God­frid von Elen, Wig­bold von Salz­ber­ge, Ber­nard von Mein­hö­vel [2], Herr­mann von Müns­ter, Her­mann Weren­ten, Ger­lach Bit­ter, Ger­lach von Beve­ren [3], Ludolf von Neter­lo [4], Nico­laus Truch­seß von Bent­heim, Got­schalk von Rene, Aspe­lan von Hopen­zen [5], Johann und Hen­rich Brü­der von Let­den, Hen­rich von Have­kes­beck, Johann von Bek­ke­hem, Arnold von Wul­len und Ande­re.

 

§. 46.

So wie hier schon ein Truch­seß von Bent-

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[1] Dedem vom Hau­se Esche; wovon her­nach.
[2] Eine den Bischö­fen von Müns­ter gefähr­li­che Fami­lie unweit Nord­kir­chen; jetzt mit Nord­kir­chen ein Gut der Gra­fen Plet­ten­bergs.
[3] Wahr­schein­lich von Lan­gen bey Bent­heim, die Bever­borg in der Lüt­te, unweit der Bent­hei­mi­schen Wirth­schaft Spring­bi­le, erre­get Nach­den­ken.
[4] Neer­la­ge.
[5] Viel­leicht Schö­pin­gen.
[6] Das Hans Let­te oder die jet­zi­ge Egel-

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heim zum Vor­schei­ne kömt, so hat­te die dama­li­ge Herr­lich­keit und jet­zi­ge Graf­schaft Stein­furt schon ihre Minis­te­ria­len [1]. Von der erwähn­ten Fami­lie Von Ahaus kam 1279 die Frey­graf­schaft Lahr und das Amt Rüschau an die Herr­schaft Stein­furt.

Von Sie­geln die­ser Urkun­de ver­die­nen das des Gra­fen von Teck­len­burg, wel­ches eine Burg ohne den Teck­len­bur­gi­schen Anker und ohne die drey Her­zen, oder nach ande­rer Mei­nung, drey Meer­blät­ter, Vor­stel­let, und das Bent­hei­mi­sche Sie­gel, wovon her­nach, eine Erwäh­nung.

 

§. 47.

Der jet­zi­ge Graf Bal­du­in Von Bent­heim war 1241 wie­der in Hol­land und Zeu­ge einer Col­la­ti­on des Patro­nat-Rech­tes der Kir­che zu Fal­ken­burg und Mase­land des Gra­fen Wil­helms von Hol­land ans dor­ti­ge Teutsch-Ordens-Haus und vor des Hol­län­di­schen Gra­fen Bru­der Flo­renz, als älte­rer Stamms-Vet­ter.

Im Sep­tem­ber des näm­li­chen Jah­res ert­heil­te Er zu Uet­recht dem dasi­gen Dom­ka­pit­tel

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borg bey Led­den.

[1] Adli­che, eigen­hö­ri­ge Beam­ten, so das schon in der ers­ten Hälf­te des drey­zehn­ten Jahr­hun­derts die Ter­ri­to­ri­al-Hoheit der Dynas­ten von Stein­furt durch­scheint.

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die Unter­be­leh­nung mit der Hälf­te sei­nes dor­ti­gen Brü­cken­rech­tes, wel­ches Er vom Bisch­ofe, ver­mö­ge sei­nes Burg­gra­fen-Amtes, zu Lehn zu tra­gen beken­net, behielt sich und sei­nen Nach­fol­gern aber dabey gewi­ße Ein­künf­te bevor. Er bedient sich in die­ser Urkun­de, wie ande­re mäch­ti­ge­re Gra­fen die­ser Zeit, des Titels: “Bal­du­in von Got­tes Gna­den Graf zu Bent­heim.” Die­se Brü­cke soll sonst die Burg­brü­cke gewe­sen und jetzt die Mar­ti­ni­brü­cke seyn. Der dann­li­ge Fürst­bi­schof von Uet­recht, Otto der Vier­te, war wie­der ein Graf von Hol­land, folg­lich ein Vet­ter des Gra­fen von Bent­heim, so wie die­ses Haus fünf Fürst­bi­schö­fe, wenn nicht meh­re­re, gehabt hat, näm­lich Vie­re zu Uet­recht und Einen ZU Müns­ter (I).

 

§. 48.

Zur Geschich­te der nach­her bald von einem Gra­fen von Bent­heim, bald wie­der von ihrem eige­nen regier­ten Herr­schaft und jet­zi­gen Graf­schaft Stein­furt, deren jet­zi­ges Regen­ten-Haus ein älte­rer Zweig des Bent­hei­mi­schen ist,  gehö­ret ein Schutz und Trutz­bünd­niß der Dynas­ten, Otto’s von Horst­mar und Ludolfs von Sten­vor­de vom Jah­re 1244, wel­ches man auch als eine Art von

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(I) Graf Egbert von Hol­land war im [z]ehnten Jahr­hun­dert Erz­bi­schof von Trier.

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Land­frie­den anmer­ken kann, so wie es aber­mals das Alter­thum der Lan­des­ho­heit von Stein­furt beweist. Denn bey­de Her­ren errich­ten dar­in nicht nur eine ste­te Freund­schaft, son­dern ver­spre­chen sich auch ein­an­der zu vert­hei­di­gen, und benen­nen gewi­ße Schie­des-Rich­ter, wel­che alle etwa­ige Strei­tig­kei­ten zwi­schen ihnen und dem Dynas­ten von Ahusen, wie zwi­schen ihren Minis­te­ria­len und Vasal­len ent­schei­den soll­ten, und hier­an soll­ten auch ihre Erben gebun­den seyn. Die Namen der Schie­des-Rich­ter sind: Johann von Lecden [1], Truch­seß Wal­ter, Arnold Bas­tun [2], Ber­nard Von Hor­s­te­lo, Albert von Bramle­re. Als Minis­te­ria­len und Vasal­len wer­den gen­ant: Rene, Have­kel­be­ke, Lecden, Wil­le, Beke­hem, Pals­ter, Wal­ter Truch­seß, Ocht­o­pe [3], Lare, Hal­le, Bas­tun, Hor­s­te­lo, Bramle­re, Udin­ha, Wari­en­lo, Dens [4], Ursus [5], Hoping­en [6] und Wele­feld [7].

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[1] Viel­leicht das jetz­ti­ge Haus Egel­borg bey Led­den.
[2] Bes­ten
[3] Viel­leicht Och­trup.
[4] Zahn.
[5] Bahr.
[6] Schöp­pin­gen oder Höpink der Besit­zer des Haupt­ho­fes in die­ser Bau­er­schaft.
[7] Mög­lich das Haus wele­feld im Gerich­te Bor­ne in Twen­te.

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§. 49.

Zur Geschich­te der Graf­schaft Bent­heim gehö­ret die­ses Bent­hei­mi­schen Gra­fen Bal­du­ins Urkun­de zum Bes­ten des Stif­tes Mari­en­ro­de oder Wiet­mär­schen vom Jah­re 1246 den 23ten April. Die­sem Stif­te ver­lei­hen Er und sein erst­ge­bohr­ner Sohn Otto mit des­sen Erben, zur Ver­gü­tung des Miß­brau­ches, den Er vom Vog­tey-Rech­te über die­ses dama­li­ge Klos­ter gemacht hät­te, wie auch zur Ver­zei­hung sei­ner andern Sün­den [I], und zur [sic!] Gedächt­nis sei­ner Ael­tern, sei­ner Gema­lin Jut­ta, sei­nes (Soh­nes) Otto’s und des­sen Gema­lin Hede­wig und aller ihrer Nach­kom­men, das Patro­nat-Recht der Kir­che zu Schüt­torf, mit Vor­be­halt sei­nes Vog­tey-Rech­tes, und mit der Ein­schrän­kung, daß wenn Er oder sein Sohn Otto, so wie sie Wil­lens wären, oder ihre Nach­kom­men eine Kir­che vor dem Schlo­ße Bent­heim bau­en wür­den, die­ser neu­en Bent­hei­mi­schen Pfarrey als­dann der Dis­trict von Ber­ges­brü­cke an, und Alles, was am Ber­ge läge, beson­ders das Eilards Gut über Hoyth zuge­legt, und vom Kirch­spie­le Schüt­torf abge­nom­men wer­den soll­te. Die neue Kir­che zu Bent­heim soll­te alle mög­li­che Pfar­rech­te haben, es wäre dann, daß ein edler Vasal, oder Burg­mann zu Bent­heim, sei­nen Got­tes­dienst lie­ber zu Schüt­torf ver­rich­ten woll-

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[I] Rüh­rend groß gedacht.

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te, wel­ches der neue Pfar­rer zu Bent­heim lei­den soll­te [I]. Eben so soll­te der Pfar­re zu Schüt­torf es nicht hin­dern, daß der Geist­li­che der Schloß­ka­pel­le, bis zur Errich­tung der Pfar­re zu Bent­heim, den Leu­ten am Ber­ge, so wie sonst, nach wie vor, in ihren Krank­hei­ten behül­f­lich wäre. Von den Ein­künf­ten der, durch Wiet­mär­scher Klos­ter­geist­li­chen zu ver­se­he­nen, Schüt­tor­fer Pfarrey soll­ten die Klos­ter Frau­en zwey Drit­tel, der Pri­or und die Brü­der ein Drit­tel genie­ßen u. s. w., so daß Letz­te­re wol schon die Wenigs­ten waren. Die­se Urkun­de ist mit dem gräf­lich Bent­hei­mi­schen und dem Bischöf­lich Müns­teri­schen, wie auch mit dem Stein­fur­ti­schen Sie­gel ver­se­hen. Das Bent­hei­mi­sche Sie­gel stel­let einen Rit­ter in vol­ler Rüs­tung zu Pfer­de, noch ohne die Bent­hei­mi­schen gol­de­nen Pfen­nin­ge vor: im Gegen­sie­gel sind aber fün­fe die­ser gold­nen Pfen­nin­ge (2). Das bischöf­li­che Sie­gel stel­let den Müns­teri­schen Bischof Ludolph von Hol­te (3) vor,

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[1] Bey der Burg zu Schüt­torf gab es mit den Bent­hei­mi­schen Burg­män­nern ver­wand­te Burg­män­ner.
(2) Wenn die­se neun­zehn Pfen­nin­ge Stein­mas­sen zur Bedeu­tung der Stär­ke der Burg und des Fel­sens Bent­heim. wie der dar­aus gegrün­de­ten Gräf­li­chen Macht gewe­sen, u. durch die Bent­hei­mi­schen Gra­fen aus dem Hau­se Hol­land in gol­de­ne Pfen­nin­ge ver­wan­delt wären? Wovon her­nach mehr.
(3) Eine mit der Fami­lie von Voet ver-

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den der Graf, im geist­li­chen Sin­ne, sei­nen ehr­wür­di­gen Herrn nen­net, und also wol zu ver­ste­hen gibt, daß der Graf und die ursprüng­li­che Ober­graf­schaft zur Müns­teri­schen, und nicht mehr zur Uet­rech­ti­schen Diö­ce­se gehör­ten. Das Stein­fur­ti­sche Sie­gel stel­let den Stein­fur­ti­schen Schwa­nen vor, und ist hier das Sie­gel des Herrn Ludolph von Stein­furt, den der Graf sei­nen Ver­wand­ten nen­net, wor­aus Jung ver­mu­thet, daß die Grä­fin von Bent­heim aus dem Hau­se Stein­furt war. Die­ses Diplom bewei­set aber­mals das Alter­thum des Bent­hei­mi­schen Schlos­ses und der Schloß­kir­che, wel­che wol die ers­te Kir­che in der Graf­schaft, noch wol vor Ent­ste­hung des Hoch­stif­tes Müns­ter, mit­hin unter Uet­rech­ti­scher Diö­ces war; von so weni­ger Dau­er die­se Anstalt vor Besie­gung der Sach­sen durch Karl den Gro­ßen auch seyn mog­te, indes­sen das Schloß zu Bent­heim doch immer zur Deckung der Kir­che zu Olden­saal die­nen konn­te. Der jetzt ange­wach­se­ne Fle­cken Bent­heim hat­te wenigs­tens noch kei­ne von der Schloß­kir­che unter­schie­de­ne Kir­che, wie­wol die Pfarrey zu Schüt­torf beym dor­ti­gen gräf­li­chen Hofe, wie aus der Stif­tung von Wiet­mär­schen erhel­let, schon wol nach der Bent­hei­mi­schen Burg­kir­che in siche­rern Zei­ten ent­stan­den war.

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wan­te Fami­lie. URKUNDEN DES HAUSES BÖGELSCAMP. sonst Voets Haus.

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§. 50.

Aber die ehe­mals so blü­hen­den Bent­hei­mi­schen Burg­män­ner wer­den jetzt schon in der Geschich­te bekannt.

Unsers Gra­fen Bal­du­ins v. Bent­heim geschieht zuletzt als Zeu­gen noch Erwäh­nung in einem Diplo­me vom Jah­re 1247 (I), wor­in der Uet­rech­ti­sche Bischof Otto, Graf von Hol­land, unse­res Gra­fen Vet­ter, alle Besit­zun­gen der Kir­che zu Mid­del­burg in See­land bestä­ti­get und zwar vor dem Gra­fen Die­te­rich von Cle­ve. Gedach­ter Graf hat­te eine Toch­ter Ber­ta, wel­che mit einem Gra­fen Hen­rich von Dalen und Dynas­ten von Diepen­heim ver­mä­let war, zu Fol­ge eines auf dem Hau­se Diepen­heim befind­li­chen Geschlechts-Regis­ters, wel­ches von den zeit­li­chen Schloß-Kapel­la­nen zu Diepen­heim jedes­mal ver­faßet, mit­hin als ein fort­ge­setz­tes Kir­chen­buch anzu­se­hen ist (2). Der Inhalt davon ist fol­gen­der: Ber­nard von Diepen­heim (3) bekam Ahaus vom Kai-

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(I) Wenn Er nicht jener Bal­du­in, der Sohn des Gra­fen von Bent­heim ist, der so unter den Pröbs­ten zu St. Peter in Uet­recht 1258 vor­kömt. OUDHEDEN EN GESTICHTEN VAN UETERECHT S. 256.
(2) Sieh die­ses gan­ze Stück in RACER Obe­rys­sel­sche Gedenk­stü­cken Nro. 22. Es ist äußerst wich­tig für die West­phä­li­sche Geschich­te, so naiv auch die Schreib­art ist.
[3] Doc­tor RACER hält die­ses Diepen-

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ser zur Beloh­nung sei­ner rit­ter­li­chen Tha­ten und hin­ter­ließ zwei Söh­ne, Wol­bert und Lephard (I). Ers­te­rer erhielt Diepen­heim, Letz­te­rer Ahaus. Die­ses Sohn war Johann von Ahaus, der wie­der God­fried von Ahaus erzeug­te. God­frieds Kin­der waren Aleid und Johann, wovon Aleid, weil ihr Bru­der auf sei­nen Rit­ter­zü­gen in Meis­sen durch ein gewis­ses Geschütz ver­wun­det wur­de, und dor­ten mit vie­len andern Rit­tern wegen einer uner­träg­li­chen Hit­ze unbe­erbt starb, die Herr­schaft Ahaus ihrem Gema­le, Otto von Horst­mar (2), zubrach­te, wovon Ber­nard von Horst­mar ein Sohn war. In der Diepen­heim­schen Linie war obge­dach­ter Wol­bert mit der Gra­fin [sic!] Gise­la von Goor ver­mä­let, wovon drei Töch­ter, deren Eine Velen (3) heu­ra­te­te, die ande­re Sta­ren­steden oder Sypens­teden, die drit­te Namens

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heim für Dipe­na, wel­chen der Bischof von Müns­ter mit dem Gra­fen von Teken­eburg und Ber­nard von der Lip­pe 1177 mit Ahaus zer­stö­re­te.

(I) Die­ser Lephard von Diepen­heim kömt bey Jung in der Urkun­de des Jah­reo 1150, auch bey Möser in der sechs und fünf­zigs­ten Urkun­de in die­sem Jah­re vor, wor­in das Osna­brü­cki­sche Lehn des Pfalz­gra­fen Otto von Rhein­eck an Teck­len­burg ver­lie­hen wur­de, wie zuvor erwäh­net ist.
(2) Johann von Ahaus und Otto von Horst­mar kom­men 1240, letz­te­rer 1244, bey Jung vor.
(3) Spä­ter war eine Grä­fin von Bent-

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Begen­wi­te hei­ra­te­te den Gra­fen Hein­rich von Dalen (I), dem sie die Dynas­tie Diepen­heim zubrach­te.

 

§. 51.

Nur gedach­ter Graf Hen­rich von Dalem und Diepen­heim befes­tig­te Diepen­heim aufs Neue und wur­de im Klos­ter zu Mar­sche (2) begra­ben; sein Ein­ge­wei­de aber wur­de in der Kir­che zu Mar­kels bei­geset­zet.

Des­sen Sohn Otto ver­mä­let mit Ryx­ken, einer Toch­ter des Gra­fen von Alto­na, (3) hin­ter­ließ, unter andern jung ver­stor­be­nen Kin­dern, Hen­rich und Ever­hard, wovon Letz­te­rer Kano­ni­cus zu Deven­ter war. Der Erb­herr Hen­rich ward vom Uetresch­ti­schen Fürst­bi­sch­ofe Otto von der Lip­pe bey sei­ner Geburt 1214 des Son­ta­ges nach Wey­nach­ten zur Tau­fe gehal­ten, bey wel­cher Fei­er­lich­keit die­ser geist­li­cher Herr die von der Kir­che zu Mar­ke­lo get­ren­te Schloß und Pfar­kir­che zu Diepen­heim ein­ge­wei­het hat­te, wie die von Ihm hin-

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heim mit einem Gra­fen von Velen ver­mä­let.

(I) Die­ses Gra­fen von Dalen Vater war Ger­hard, ver­mä­let mit Hade­wig, Grä­fin von Ravens­berg. KINDLINGERS Müns­teri­sche Bei­trä­ge zur Geschich­te Deutsch­lan­des, haupt­säch­lich West­fa­lens; zwei­ter Band- 33te Urkun­de.
(2) Wenn die­ses Wiet­mär­schen wäre?
(3) Oder von der Mark.

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ter­las­se­ne Urkun­de bezeugt, die ein Theil jenes erwähn­ten Docu­ments ist. Die­ses jun­gen Herrn von Dalem und Diepen­heim kaum erwähn­ter Vater Otte starb 1232 und wur­de in der Kir­che zu Mar­ke­lo (I) begra­ben. Der am 15ten Sep­tem­ber began­ge­nen Beer­di­gung wohn­te der Graf Bal­du­in zu Bent­heim, Ludolph von Stein­for­den, Her­mann von Loen, Arnold Sti­cken, Dide­rich de Dam­me, Hen­rich von Borckel­oe, Johann v. Ahaus samt allen Diepen­hei­mi­schen Hof­ge­nos­se­nen bey, wie aus der Urkun­de der ver­wit­we­ten Grä­fin Richar­de von Diepen­heim eben die­ses Jah­res und Tages erhel­let, wor­in sie die Irrun­gen zwi­schen den Pfar­rern v. Diepen­heim und Mar­kel über die Tren­nung der Diepen­hei­mi­schen Kir­che von der Mar­ke­li­schen durch Ver­mächt­ni­ße an bei­de Kir­chen bei­leg­te. Auch die­ses Diplom ist ein Theil jenes in Racers Obe­rys­sel­schen Gedenk­stü­cken ange­führ­ten Auf­sat­zes, wel­ches auch vom Diepen­hei­mi­schen Pre­di­ger Che­val­ler­au bey Gele­gen­heit eines Jubi­lä­ums der Rer­or­ma­ti­on der Kir­che zu Diepen­heim zu Deven­ter 1779 her­aus gege­ben wnrde [sic!], da er auch die Rei­he der Diepen­hei­mer nur mit ihren Tauf­na­men gen­an­ten Geist­li­chen, so wie die dor­ti­gen zeit­li­chen Kir­chen Anstal­ten im nai­ven Tone ent­hält. Nur ge-

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(I) Eine Erin­ne­rung an Mar­ke­lo an der Weser, ein Ver­sam­mel-Platz der ehe­ma­li­gen Sach­sen, und damals ein berühm­ter Wall­fahrts-Ort.

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dach­te Grä­fin ver­mä­le­te sich ander­weit mit dem Herrn von Leer und beschloß dort ihr Leben. Ihr eben erwähn­ter Sohn ers­ter Ehe heu­ra­te­te des Gra­fen Bal­de­win v. Bent­heim Toch­ter Ber­ta, wel­che wegen ihrer Fröm­mig­keit u. Frei­ge­big­keit an die Diepen­hei­mi­sche Kir­che und an die Geist­lich­keit gerüh­met wird, aber jung ver­starb und in der Kir­che zu Mar­kel begra­ben wur­de. Aus die­ser Ehe waren Otto und Cata­ri­na ver­mä­let mit dem Rit­ter Simon von Har­lem. Ihr Vater heu­ra­te­te aber zum zwei­ten Male Alheid von Boec­stel­le unweit Her­zo­gen­busch. Indes­sen folg­te ihm sein Sohn ers­ter Ehe in Dalem und Diepen­heim, ver­mä­le­te sich mit Kune­gun­de von Brunck­horst und zeug­te mit ihr zwey Söh­ne Wil­helm und Hen­rich, wovon die­ser Dom Thes­aurar zu Bre­men und Probst zu Deven­ter war, wo er auf dem Chor begra­ben wur­de; nebst drey­en Töch­tern, Ber­ta, erst ver­mä­let mit Ste­phan von Anholt, dann mit God­fried von Borckel­oe, Erm­gard ver­heu­ra­tet mit Her­man von Lüdin­chau­sen, Cata­ri­na ver­mä­let mit Her­man von Gemen. Der Erb­herr Wil­helm zeich­ne­te sich durch tapf­re Tha­ten bey Soest aus, heu­ra­te­te Richarda, Grä­fin von Are­n­sberg, und starb den ein und zwan­zigs­ten März 1306 mit Hin­ter­las­sung einer ein­zi­gen Toch­ter Kune­gun­de, wel­che zwar den Dynas­ten Wil­helm von Bocstel­le unweit Her­zo­gen­busch heu­ra­te­te, aber bei­de Ehe­leu­te ver­kauf­ten 1331 dem Fürst­bi­schof von Uet­recht Johann von Diest die Herr­schaft

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Diepen­heim samt der Graf­schaft Dalem mit ihren Vasal­len und Burg­män­nern und sons­ti­gen Leu­ten und Gütern, mit dem Bedin­ge, daß die Vasal­len bey ihren alten Gerech­tig­kei­ten ver­blei­ben soll­ten. Racer hat (I) ein Ver­zeich­niß der Güter der Graf­schaft Dalem vom Jah­re 1188 abdru­cken las­sen, wor­in Minis­te­ria­len, Vasal­len und Höfe zu Dalem, Dri­g­nen, Meckinck­hof, OTMARSBUCHHOLT, Ster­an­gen u. s. w. vor­kom­men, so daß die  Fürst­bi­schö­fe von Uet­recht auch eine Graf­schaft im Hoch­stif­te Müns­ter besa­ßen. Alle den Ver­kauf der Müns­teri­schen Graf­schaft Dalem, und der Obe­rys­sel­schen Herr­schaft Diepen­heim durch den Dynas­ten Bocstel­le und des­sen Gema­lin Kune­gun­de Grä­fin von Dalem und Frau von Diepen­heim ans Hoch­stift Uet­recht betref­fen­de Urkun­den hat Racer aus dem Archi­ve der Pro­vinz Uet­recht (2) abdru­cken las­sen. Die­ser Ver­kauf ist eine der illüs­ters­ten Hand­lun­gen eines mäch­ti­gen Fürs­ten in Gegen­wart sei­ner geist­li­chen und welt­li­chen Nota­beln, oder glei­chen Hof­ge­nos­se­nen, da nach der Uet­rech­ti­schen Con­sti­tu­ti­on nebst dem Dom­ca­pi­tel, von Geist­li­chen auch die Prä­la­ten der Stif­ter Sal­va­tor oder Alt­müns­ter, (3) Peter, Johann und Mari­en dabey vor­kom­men.

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(I) Bey­la­ge 23 der Obe­rys­sel­sche Gedenk­stü­cken.
(2) Nro. 21, l. c.
(3) Wie der Alte Dom zu Müns­ter in West­pha­len.

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Auch ein Ber­nard von Oet­mer­schem Cano­nic zu Olden­zel war dabey zuge­gen, und von Welt­li­chen: Wig­bold Von Cre­tier, Rolef Von Sto­chem, Johann von Lewen­berg (I1), Schul­ze, das ist Mar­schal oder Drost von Uet­recht; u. a. m. Der Graf Rei­nald von Gel­dern und Züt­phen bestä­tig­te den Ver­kauf wegen der im Gel­dri­schen lie­gen­den Diepen­hei­mi­schen Per­ti­nenz­i­en.

 

§. 52.

Die mit der Herr­lich­keit Diepen­heim jetzt zu einem Obe­rys­sell­schen Drost­am­te ver­ei­nig­te Herr­schaft Hax­ber­gen damals Blan­ken­burg kauf­te der Uet­rech­ti­sche Bischof Rudolph Graf Von Diepholt 1452 Von Rein­old von der Roer, wobey der Bischof Ver­sprach, die­se Gren­ze des Hoch­stif­teö nie­mals zu ver­äu­ßern (2). Der benach­bar­ten Graf­schaft Twen­te oder Goor hat­te der Fürst­bi­schof Otto der Drit­te schon im Jah­re 1248 ein Ende gemacht. Der Graf Von Goor hat­te nach dem Berich­te der Uet­rech­ti­schen Geschicht­schrei­ber (3) den Vischof [sic!] in sei­nen Leu­ten und Gütern belei-

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(I) Haus Löwen­berg unweit Deven­ter, wovon die Fami­lie von Ben­tink zu Bre­ckel­kamp, Lan­ge­wi­sche, Wol­da u. s. w
(2) RACER Nro. 29.
(3) BEKA CHRONICA ULTRAJECTINA PAG. 80. HE DA HISTORIA EPISCOPORUM ULTRAJECTENSIUM PAG. 207 ET ALII.

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diget, und wur­de des­we­gen durch des Bisch­ofes Bru­ders Sohn, den Römi­schen König Wil­helm von Hol­land, zur Ver­ant­wor­tung vor­ge­la­den. Er erschien aber nicht. Nun zog der König vor dem hohen Mar­ti­ni-Alta­re der Dom­kir­che zu Uet­recht sei­ne Rüs­tung an, ritt ohne Auf­hö­ren, nahm den Gra­fen von Goor gefan­gen, und lie­fer­te ihn mit der Beu­te sei­ner Graf­schaft in die Hän­de des Bisch­ofes, erklär­te ihn auch sei­nes Gebie­tes ver­lus­tig. Um end­lich alles zu erschöp­fen, was die Uet­rech­ti­sche Gren­ze der Graf­schaft Bent­heim beträ­fe, so trug Otto von Ahaus Herr von Otten­stein 1321 dem Fürst­bi­sch­ofe v. Zyrk zu Uet­recht den Hof Phili­pink­hof im Kirch­spie­le Ensche­de zu Leh­ne auf, wofür Er Vom Bisch­ofe hun­dert Mark bra­ban­ti­sche Schil­lin­ge erhielt. Hen­rich Graf von Sol­mis Und Herr von Otten­stein ver­kauf­te 1331 dem Uet­rech­ti­schen Bisch­ofe Johann v, Diest alle sei­ne Ein­künf­te, Rech­te und Gefäl­le in der Stadt Ensche­de [I].

 

§. 53.

OTTO DER FÜNFTE ODER VIERTE.

Dem Gra­fen Bal­du­in von Bent­heim folg­te sein ältes­ter aus der, von sei­nem Vater dem Stif­te Wiet­mär­schen ert­heil­ten, Urkun­de bekan­ter Sohn Otto der Fünf­te in der Regie­rung. Die­je­ni­gen

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[I] RACER NRO. 24 25.

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Herrn, die sonst für Gra­fen von Bent­heim gehal­ten wur­den, hält Jung für Dynas­ten in Hol­land, Gel­dern und Uet­recht, da es unbe­kan­te nach­ge­bor­ne Her­ren gege­ben haben kann [1]. Die­ser Graf Otto war mit Heil­wig Toch­ter des Gra­fen Otto von Teken­eburg ver­mä­let, und wur­de dadurch Erb­herr der Graf­schaft Teck­len­burg, weil sein Schwa­ger Hen­rich von Teck­len­burg mit sei­ner Gema­lin Jut­ta, ein­zi­gen Toch­ter des Gra­fen Otto Von Ravens­berg, Stif­ters des vor­ma­li­gen Klos­ters Ber­sen­brück im Osna­brü­cki­schen, und der Erb­grä­fin Sophia von Vech­te kei­ne Erben hat­te, wie Er 1248 starb. Aus die­sem Grun­de bestä­tig­ten der Graf und die Grä­fin von Bent­heim, gebo­re­ne Grä­fin von Teck­len­burg, als Erb­fol­ger in letz­te­rer Graf­schaft 1253 die Schen­kun­gen Ger­hards von Mett­in­gen mit dem Hofe Gart­hau­sen und dem Hau­se Werin­gen, wie auch zwey­en Müh­len zu Gart­hau­sen und den dazu gehö­ri­gen Bau­ern, nebst der Holz-Graf­schaft, ans Osna­brü­cki­sche Klos­ter Rul­le, wel­ches der­sel­be vom Gra­fen Von Teck­len­burg zu Leh­ne getra­gen, dem­sel­ben aber zurück gege­ben hat­te, wor­aus die­ser sol­ches dem gedach­ten Klos­ter ver­lie­hen hat­te. Zeu­gen die­ser Urkun­de waren: Lud­ger von Rut-

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[I] Wal­ra­ve Herr von Bent­heim gab der Abtei Bern bey Heus­den das Patro­nats-Recht zu Hees­wyk 1284.OUDHEDEN EN GESTICHTEN VAN S’ HERTOGENBOSCH S. 512.

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ter­lo, der Truch­seß Engel­hart, Ger­lach von Beve­ren, Werulf über die Vech­te, Ludolf von Rene und Ande­re. Der Graf Hen­rich von Wil­des­hau­sen mach­te aber mit sei­ner Gema­lin E. auch Ansprü­che auf die Erb­schaft des Gra­fen von Teken­eburg , und bestä­tig­te aus die­sem Grun­de die näm­li­che Schen­kung im näm­li­chen Jah­re, und am näm­li­chen Tage mit dem Gra­fen und der Grä­fin von Bent­heim in einer beson­dern Urkun­de, wor­in Niklas von Man­sin­gen, Lam­bert von San­den, Ger­lach von Olden­brug­he und Diet­rich Muto (I), Zeu­gen waren. Der Graf von Olden­durg prä­ten­dir­te auch wol Teck­len­burg, weil die Gra­fen Otto von Bent­heim und H. von Alden­burg, bey­de als Gra­fen von Teken­eburg 1264 im näm­li­chen Diplo­me die Schen­kung ihres Minis­te­ria­len, des Rit­ters Johann von Lan­gen, von Vier Soli­dis Ein­künf­ten ans Klos­ter Leden, aus dem Gute Wethep­dor­pe, und von zwey­en Soli­den ans Klos­ter Ber­sen­brück aus den Gütern in Vent­lo, zu Teck­len­burg, für sei­ne Sün­den bestä­tig­ten.

 

§. 54.

Der Graf von Bent­heim behaup­te­te aber sei­ne Ansprü­che an Teck­len­burg, wie aus sei­ner auf Jaco­bi Tag oder den fünf und zwan­zigs­ten July 1267 zu Bent­heim getrof­fe­nen Thei­lung mit sei­nem Bru­der Egbert erhel­let. Denn die­se

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(I) Viel­leicht Mutus Stum.

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Thei­lung geschah nicht nur mit Bera­tung sei­nes Vet­ters (I) Ludolfs von Stein­furt, und sei­ner getreu­en Vasal­len, Minis­te­ria­len und Burg­män­ner zu Bent­heim, son­dern auch zu Teck­len­burg.

Denn als Bent­hei­mi­sche Ede­le wer­den gen­ant Niklas von Beve­ren, Ber­nard von Sebe­l­ing, Ludolf von Sle­der­lo, Weren­bold von Vech­te, Ever­hard von Bakelo, Ber­ner von Boc, Ever­hard Quen­dor­pe, Fried­rich von Eng­ne (2) Egbert, Her­man von Mete­len. Als Teck­len­bur­gi­sche Ede­le: Lam­bert gen­ant Bud­den, Kese­ling, Rudolph von Lan­gen (3), Sued­er gen­ant Müns­ter, Arnold gen­ant Bas­ton (4), Niklas de Tur­ri (5), Rudolf Bake, Erpho von Sten­hus. In die­ser Thei­lung fin­det der Graf sei­nen Bru­der Egbert, mit Geneh­mi­gung sei­ner Herrn, des Fürst­bi­schö­fe Johann von Nas­sau Erwä­le­ten zu Uet­recht, und Ger­hard Gra­fen von der Mark zu Müns­ter (6), mit den Gütern in Gel­dern, Uet­recht, Hol­land und See­land ab, die die­ses Hol­län­disch Bent­hei­mi­sche Haus dor­ten noch besaß.

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(I) Ver­muth­lich wegen sei­ner Mut­ter Jüt­te, da bis­her noch kei­ne Ver­wand­schaft mit Stein­furt bekant ist.
(2) Eng­den.
(3) Lan­gen zu Spieß [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Spief] im Lin­gi­schen, jetzt auch zu Esche im Bent­hei­mi­schen.
(4) Von Bees­ten im Teck­len­bur­gi­schen Amte Lin­gen.
(5) Von Thurn oder Tho­ren.
(6) Respec­ti­ve Lehns­herrn und Dio­ce­san Bischö­fe.

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Die­se waren: Die gan­ze Herr­schaft Mal­sen mit ihren Vasal­len und Minis­te­ria­len, zu Wes­ter­hol­te, Meteren, Waden­noye, Trecht und Dei­le, die Burg­graf­schaft zu Uet­recht, die Güter zu Vlo­te­ne, die Ein­künf­te vom Geer­vlie­ter Zol­le, gewis­se Beden in Wal­che­ren als Gräf­lich Hol­län­di­sche Leh­ne, die Vog­tey über Alborg. Von die­sem Gra­fen Egbert kön­nen nun wol jene Nie­der­län­di­sche Dynas­ten und Herrn von Bent­heim spä­te­rer Zei­ten abstam­men, da sol­che Herrn nicht immer Nach­köm­lin­ge natür­li­cher Kin­der gro­ßer Häu­ser sind, son­dern auch aus unglei­chen Ehen oder zur lin­ken Hand, auch wol glei­chen aber nicht bekan­ten Ehen gebo­ren seyn kön­nen, da die wenigs­ten Nach­rich­ten des Mit­tel­al­ters auf uns gekom­men sind, und vie­le Ehen vor der Refor­ma­ti­on und vor dem Kir­chen­ra­te in Trident, ohne Ein­see­g­nun­gen geschlos­sen wur­den. Ueb­ri­gens ist jene Thei­lung, wodurch die Graf­schaft Bent­heim Nichts ver­lor, mit sechs Sie­geln ver­sehn, näm­lich der bei­den Fürst­bi­schö­fe von Uet­recht und Müns­ter, die also damals im Bent­hei­mi­schen Schlos­se waren, des Ludolfs von Sten­vor­de mit dem Stein­fur­ti­schen Schwan, des Gra­fen von Bent­heim als eines gerüs­te­ten Rit­ters zu Pfer­de, mit einem auf­ge­ho­be­nen Schwerd­te in der Rech­ten, mit dem Bent­hei­mi­schen Wagen­schil­de (I) [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Wapen­schil­de] in der Lin­ken, so auch im Gegen­sie­gel, end-

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(I) Die aus­ge­stor­be­nen Fami­li­en von Klo-

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lich der Fami­li­en von Lepe­ren [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Leve­ren] und von Vech­te; Ers­te­re und Lez­te­re sind aber abge­fal­len.

 

§. 55.

Wie übri­gens Teck­len­burg von Bent­heim kam, das gehö­ret nicht zur Bent­hei­mi­schen Geschich­te, es kam im sech­zehn­ten Jahr­hun­dert durch Heu­ra­then wie­der ans Bent­hei­mi­sche Haus. Unser Graf scheint in der Thei­lung mit sei­nem Bru­der Egbert sonst die dar­in nicht gen­an­ten allo­dia­len Güter in Gel­dern, so wie sie ober­halb Aspe­ren lagen, nament­lich sei­nen Hof zu Mau­de­rick, mit Minis­te­ria­len, Rech­ten und wei­te­rem Zube­hör, für sich behal­ten zu haben. Er hat­te sol­che 1253 im Sep­tem­ber zu Züt­phen dem Gra­fen Otto Von Gel­der und Züt­phen zu Leh­ne über­tra­gen, um ihm ledig­lich als ein ledig Mann wider Jeden zu die­nen, nur nicht wider sei­ne Her­ren, den Erz­bi­schof von Bre­men und die Bischö­fe von Uet­recht, Müns­ter und Osna­brück (I). Von denen Er also Leh­ne gehabt haben muß, da Er sie damals von Uet­recht hat­te, so wie her­nach ein Bre­mi­sches Lehn der Gra­fen von Bent­heim

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ster oder Kloos­ter und von der Mark führ­ten Ers­te­re das Bent­hei­mi­sche, Letz­te­re das gleich­na­mi­ge gräf­li­che Wap­pen.

(I) Man fehe [sic!] außer Jung auch Schlich­ten­horst Geldersche Geschie­de­nis­sen S. 96 die Urkun­de bey Pon­ta­nus His­to­ria Gel­ri­ca Pap. 144 so Jung ergän­zet ist.

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bey Bent­heim vor­kömt (1). Wenn der Graf von Bent­heim anders der Otto v. Bent­heim ist, der die­se Urkun­de im sim­peln Style dama­li­ger Zeit aus­ge­stel­let hat, wie aus allen Umstän­den wahr­schein­lich ist. Sonst wur­de dem Gra­fen von Gel­der im Fal­le der Ver­äus­se­rung die­ser Güter auch noch ein Näher­recht vor Andern, oder dor­ten so genann­ter Land­kauf ein­ge­räu­met. Die gan­zes Herr­schaft Mal­sen, die sein Bru­der her­nach bekam, ward mit ins Lehn begrif­fen, so daß der Graf doch wol die­ses Docu­ment aus­ge­stel­lei hat, wor­in er sich noch den Lehns­herr­li­chen Schutz in dem Fal­le aus­be­din­get, daß Er durch einen Krieg des Gel­dri­schen Gra­fen mit jenen aus­ge­nom­me­nen Herrn in Gefahr kom­men könn­te.

 

§. 56.

Im Jah­re 1254 den sieb­zehn­ten Sep­tem­ber gab Er mit Con­sens sei­ner Burg­män­ner Engel­bert von Ver­et, Niklas Sohn Bou­de­kings, und Niklas von N., die ein gräf­li­ches Lehn­recht dar­an hat­ten, dem Klos­ter Mari­en­kamp zwi­schen Coe­ver­den und Schon­der­beck in Dren­te Erlaub­niß, in

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(I) In den spä­tern Kai­ser­li­chen Lehn­brie­fen der Gra­fen von Bent­heim und Stein­furt, zur gesam­ten Hand, mit den Graf­schaf­ten Bent­heim und Stein­furt, kömt auch die Kem­na­de Stät­te mit der Frei­heit in der Stadt Müns­ter vor.

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Itter­be­ke (I) auf der Moert­ku­le (3) ein Haus zu bau­en, und das Land da her­um zu cul­ti­vie­ren, wobey Er auf alles Recht ver­zich­te­te, was ihm wegen Rot­zehn­ten oder sonst zuköm­men mög­te. Da aber die­ses Frau­en­klos­ter her­nach nach Assen in Dren­te ver­setzt wur­de, und die­ses Gut ihm zu ent­le­gen lag, so ver­kauf­te Es sol­ches 1416 an das auch für die Bent­hei­mi­sche Geschich­te merk­wür­di­ge Klos­ter Zib­be­ken­lo, wel­ches sich 1406 aus sei­nem Nichts erhob und bald so wich­tig wur­de (3).

 

§. 57.

Wel­che Feh­den die­ser Graf von Bent­heim in Ver­bin­dung mit sei­nem Ver­wand­ten dem Gra­fen und regie­ren­den Vor­mun­de Wil­helm von Hol­land, und dem Dynas­ten von Ams­tel (4) wider den Fürst­bi­schof Hen­rich von Vian­den zu Uet­recht gefüh­ret haben muß, wor­in Er in Gefan­gen­schaft gerieth, läßt sich nicht wei­ter, als aus dem durch die Gra­fen Gui­do von Flan­dern und Otto von Gel­dern, von denen man kei­ne Zunei­gung zu dem Hol­län­di­schen Hau­se ver­mu­ten kann, 1257 den zwölf­ten Juny zu Bode­gra­ven ent­wor­fe­nen Ver­tra­ge schlie-

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(I) Schon in der Nie­der­graf­schaft.
(2) Mord­gru­be.
(3) Lin­de­born His­troia sive Noti­tia Epis­co­pa­tus Daven­tri­en­sis Pag. 387.
(4) In deren Gebie­te das dama­li­ge Fischer­dorf Ams­tel­dam lag.

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ßen, wor­nach der Graf von Bent­heim wie­der in Frei­heit geset­zet wer­den soll­te. Die­ser soll­te dem Fürst­bi­sch­ofe von Uet­recht die Lehns­hul­di­gung leis­ten, und mit fünf von sei­nen Vasal­len, wel­che der Bischof ihm ernen­nen wür­de, schwö­ren, daß Er und sei­ne Erben sich nie­mals des Scha­dens und Unbil­des wegen am Bisch­ofe oder sei­nen Adhä­ren­ten erho­len woll­ten, die der Bischof mit den Sei­ni­gen dem Gra­fen und den Sei­ni­gen zuge­fü­get haben mög­te, und dar­über soll­te der Graf dem Bisch­ofe offe­ne Brief und Sie­gel geben. Viel­leicht trug die­se Ver­drüß­lich­keit mit dem Hoch­stif­te Uet­recht dazu bey, daß Er her­nach 1267 sei­ne dor­ti­gen Güter und Besit­zun­gen sei­nem Bru­der Egbert zuwies, wodurch die Graf­schaft Bent­heim glück­lich unzer­tei­let blieb. Von die­sem Egbert weiß man wei­ter nichts. Sei­ner wird zuletzt 1285 als Zeu­gen unterm Namen Egbert Edler Von Bent­heim als nach­ge­bo­re­nen Herrn in einer Urkun­de gedacht, wovon her­nach.

 

§. 58.

Sei­nes Bru­ders, des regie­ren­den Gra­fen Otto, wird bey Jung zuletzt 1268 den 11ten Novem­ber in einem Diplo­me des Bisch­ofes Wide­kind von Osna­brück erwäh­net, wor­in bezeu­get wird, daß der Graf den Zehn­ten zu Donow, den Er vom Fürst­bi­sch­ofe zu Leh­ne trü­ge, Ihm zurück gege­ben, Und der Bischof sol­chen Zehn­ten dem Klo-

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ster Oese­de ver­lie­hen hät­te. Die­ser Zehn­te mag nun wol jenes Osna­brü­cki­sche Lehn seyn, wel­ches den vori­gen Gra­fen von Bent­heim war strit­tig gemacht wor­den. Zeu­gen die­ser Urkun­de waren unter Andern Adolph Graf von Wal­deck und die Edle Brü­der Ludolph und Bal­du­in von Sten­vor­dia.

Das Serbjahr [sic!] die­ses Gra­fen ist wie­der nicht bekannt; Er leb­te aber 1269 noch, wie Fried­rich von Rit­berg und sei­ne Gema­lin Bea­trix von Horst­mar, die schö­ne Herr­schaft Horst­mar und die Güter, wel­che letz­te­re vom Gra­fen Otto zu Bent­heim zu Leh­ne trug, dem Hoch­stif­te Müns­ter ver­kauf­ten (I). So daß die Müns­teri­schen und Uet­rech­ti­schen Aem­ter der Graf­schaft Bent­heim und Herr­schaft Stein­furt immer näher kamen.

Der Graf ließ sich zuletzt ins Teutsch-Ordens­Haus zu Uet­recht auf­neh­men, wor­in damals sehr klös­ter­lich gele­bet wur­de, und wovon die Com­men­de St. Georg bey Otmars­hem (2) spä­ter ab-

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(I) Kind­lin­ger Müns­teri­sche Bey­trä­ge 2ter Ban­de 46te Urkun­de.
(2) Wur­de 1290 durch einen schild­bür­ti­gen Bür­ger Liefred von Olden­zel gestif­tet, oder viel­mehr kam die­se Stif­tung jetzt erst zu Stan­de. Sieh die Chro­nyk des Hau­ses Otmars­sen, auch Lan­de­born Not Epis. Daventr. 427. Vor­züg­lich aber das für den Teut­schen Orden so wich­ti­ge Werk: Equestris Or-

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hing, da sie vor­her zu Müns­teri­schen Bal­ley gehö­ret hat­te. Auch die­se Com­men­de ward vom Gra­fen von Bent­heim, zu Fol­ge der Chro­nyk des Hau­ses Otmars­sen beschen­ket, ver­muth­lich von die­sem Gra­fen, der 1277 noch gele­bet zu haben scheint; wovon her­nach. Der Otmars­hei­mer Comp­tur erschei­net spä­ter unter den Bent­hei­mi­schen Stän­den, und noch jetzt besit­zet das Haus Otmars­sum Güter in der Graf­schaft Bent­heim.

 

§. 59.

Egbert.

Des Gra­fen Otto von Bent­heim zwei­ter Sohn Egbert war sein Nach­fol­ger in der Regie­rung, da des Ael­tes­ten Otto nur oben 1267 eben Erwäh­nung geschieht und Er wohl früh Todes ver­bli­chen seyn muß. Die­ser Graf Egbert erzä­let in einer zu Bent­heim den fünf­ten Juny 1277 aus­ge­fer­tig­ten Urkun­de, daß sein Vater sich in das Teutsch Ordens Haus zu Uet­recht bege­ben, auch dem­sel­ben mit sei­nem und sei­nes Schwa­gers des jün­ge­ren Gra­fen von Olden­burg (I)

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dinigs Teu­to­ni­ci Chro­ni­con &c. in Ant. Mat­thaei Analect. Tom. V. Pag. 631 — Peg. [sic!] 932; Und vom Mal­te­ser-Orden S. 935 bis 974.

(I) So war wol sei­ne Gema­lin Hade­wig des Gra­fen von Olden­burg Schwes­ter, da kei­ne Schwes­ter von ihm bekant ist, die mit Olden­burg ver­mä­let seyn konn­te.

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Con­sens, das Patro­nat Recht der Kir­che Renen im Uet­rech­ti­schen, wie auch das Grut­recht daselbst, den Zehn­ten zu Node, das Kir­chen­recht mit dem Zehn­ten zu Bene­me­le, die Mei­ner­ding­häu­ser zu Hage­lo, Ges­ten und Hub­bol­ding in Vole­the mit ihren Leu­ten und Zube­hö­run­gen geschen­ket, und Von ihm ver­langt hät­te, daß Er die­se Schen­kung bestä­ti­gen mög­te, wel­ches Er dann hie­durch mit Ver­zicht­leis­tung aller Ansprü­che dar­auf nach Cano­ni­schen und Civi­len Rech­ten für sich und sei­ne Erben thä­te; auch Von sei­nem ehr­wür­di­gen Vater J. Erwäh­le­ten zu Uet­recht begehr­te, die­ser Schen­kung sei­nen Con­sens und Auc­to­ri­tät zu meh­re­rer Sicher­heit zu geben. Zeu­gen waren: der Graf von Olden­burg, der Schloß­ca­plan Albert, Ber­nard von Sebe­l­in­chem, Nico­las von Tur­re, Niklas, Sohn des Boy­de­kin u. des­sen Sohn Ludolph, gen­ant von Scho­ne­wold, Con­rad Von Que­den­dorp, Hen­rich Von Reden; alle Rit­ter; Rudolph Haech Von Vethe, Waren­bold Fla­mynch, Kna­pem. Zuletzt folgt die Bestä­ti­gung des Uet­rech­ti­schen Bisch­ofes J. oder Johann aus dem Hau­se Nas­sau.

 

§. 60.

Dem Probs­te und den Klos­ter-Frau­en Bene­dic­ti­ner-Ordens zu Mari­en­ro­de in Wiet­mär­schen ver­kauf­te Er mit Con­sens sei­ner Gema­lin Hade-

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wig, sei­ner Kin­der Otto, Johann und Ecbert für fünf und drei­ßig Mar­ken Müns­teri­scher Den­arün [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Dena­ri­en] des Vog­tey Recht über die Güter und Leu­te zwi­schen dem Mar­sche die­ses Stif­tes und beym sel­bi­gen Stif­te gele­gen. Die­se zu Bent­heim in Sep­tem­ber 1283 expe­dir­te Urkun­de ist bezeu­get vom Wiet­mär­scher Probs­te Wer­ner, dem Schloß­ka­pel­la­ne Albert, dem Bent­hei­mi­schen Truch­seß Otto, gen­ant Ker­se­ko­ref, Ever­hard v. Guen­dor­pe,

Bern. von Sebe­l­in­gen, Hugo, gen­ant Ursus, (I) Ger­lach von Beve­ren, Nico­laus von Thor­ne, Arnold von Dede­hem, Ludolph von Sco­nen­vel­de, Hen­rich von Rethe, Rit­ter und Burg­män­ner zu Bent­heim, Ger­hard von Scleve­lo, Wil­helm gen­ant Voth (2), Her­nes­tus von Beve­ren, Hen­rich und Ber­nard Brü­der gen­ant von Sebe­l­in­gen, Wil­helm gen­ant Cim­ke, Wer­ner von Reda, Ber­nard von Lüdig­husen, Ever­hard von Bakelo; Kna­pen. Der Bischof Ever­hard von Müns­ter bestä­tig­te als Diö­ce­san Bischof die­se Hand­lung

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(I) Bahr.
(2) Die­se, in den Müns­teri­schen und Bent­hei­mi­schen Urkun­den so oft vor­kom­men­de Fami­lie, stam­met vom Hau­se Kol­ven­burg bey Bil­der­beck, in alten Müns­teri­schen Land­char­ten Voths Haus, in Neu­ern feh­ler­haft Vosts Haus gen­ant. Sie erwarb im sech­zehn­ten Jahr­hun­dert das Haus Bögels­kamp sonst Böls­kamp in Twen­te im Kirch­spie­le Dene­kamp und brach­te es an ihre Weib­li­chen Nach­kom­men.

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§. 61

Die­ser näm­li­che Fürst­bi­schof von Müns­ter bezeug­te 1285, daß der Graf Egbert von Bent­heim mit sei­ner Gema­lin Hade­wig und sei­nen Kin­dern Otto, Johann, Egbert, Hede­wig und Oda, dem Probs­te, der Prio­rin und den Klos­ter-Frau­en zu Mari­en­ro­de in Wiet­mär­schen für 180 Mar­ken Müns­teri­scher Dena­ri­en, wel­che der Graf emp­fan­gen hät­te, die Vog­tey zu Mede­lon, Boch Dale­men, Gese­pe [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier “Hese­pe” hei­ßen], Byden, Olde­lin­ge, Valen­den, Som­erha­men, Gle­sen, Lich­tes­tor­pe, Alte­we­de, Mathen­hem und Elle­bor­ge, mit dem was davon abhin­ge, ver­kau­fet hät­te; und die gräf­li­che Fami­lie bezeug­te, die­ses Alles wahr zU seyn. Die­ses wur­de vom Bisch­ofe, vom Dom­ca­pi­tel, wie vom Gra­fen und von der Grä­fin mit ihren Sie­geln befes­ti­get. Zeu­gen waren: Lut­bert Com­man­deur in Sten­vor­de, Lüt­bert Hof-Caplan des Bisch­ofes von Müns­ter, Johann, Pfar­rer zu Scot­dorp (I), Albert Bent­hei­mi­scher Hof-Caplan, Mat­thä­us von Nien­borg, Johann gen­ant Hue­sc­che, Bert­hold von Lindt­fel­de, Hen­rich gen­nnt Aries (2), Arnold von Dedem (3), Ludolf von Scon­fel­de, Wil­helm Sin­ken, Wer­ner von Rede (4),

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(I) Schüt­torf.
(2) Wid­der.
(3) Vom Hau­se Esche.
(4) Hier­von her­nach.

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Otto Ker­se­torf [I], Tho­mas von Scot­dor­pe; Rit­ter; Egbert Edler von Bent­heim, Wie­dold von Dedem, Her­man von Lan­gen, Ste­phan Haken, Ever­hard von Baclo, Arnold Bas­tun, Wil­helm Voth, Her­man von Bor­chorst, Det­mar Val­ken, Wal­ter von Hol­thuen, Bor­chard von Ang­helb­ecke, Die­te­rich von Lün­ne; Kna­pen.

 

§. 62.

Da die Dynas­tie Borg­horst schon im zehn­ten Jahr­hun­dert in ein Nor­ber­ti­ner Non­nen­klos­ter, jetzt welt­li­ches adli­ches Stift, ver­än­dert war, so war jener Her­man von Borg­horst wol ein nach­ge­bohr­ner Herr, wie jener Egbert Edler von Bent­heim. Die Vog­tey über die­ses Stift hat­ten die Erz­bi­schö­fe von Mag­de­burg, wo bekant­lich der hei­li­ge Nor­bert Bischof war; die Gra­fen von Ravens­berg tru­gen die­se Vog­tey vom Erz­stif­te Mag­de­burg zu Leh­ne, bis Graf Otto von Ravens­berg und sei­ne Gam­a­lin [sic!] Hate­wi­ge 1270 damit die Edle Herrn von Stein­furt unter oder after­be­lehn­ten, und zwar so lan­ge, als sol­ches dem Erz­bi­sch­ofe von Mag­debnrg gefal­len wür­de; bey zukünf­ti­gen Beleh­nun­gen in sol­chem Fal­le soll­ten die Dynas­ten von Stein­furt kein Heer­ge­wet­te für die Beleh­nung zu beza­len brau­chen.

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[I] Wahr­schein­lich der Bent­hei­mi­sche Truch­seß.

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§. 63.

Unter der Regie­rung die­ses Gra­fen von Bent­heim hat­te Bal­de­win Edler Rit­ter [I] von Sten­vor­dia, der 1283 als ers­ter Welt­li­cher Zeu­ge bey Ent­ste­hung der Müns­teri­schen Stadt Hal­tern vor­kömt [2], eini­ge Zehnt­freye mit Mar­ken-Recht [3] ver­se­he­ne Güter im Kirch­spie­le Wül­len, wel­che die Fami­lie von der Abis­her in Dienst­manns-Recht [4] bese­ßen, aber dem Herrn von Stein­furt zurück gege­ben hat­te, wie­der an Wer­ner von Elle­ven­ho­yke und sei­ne Erben zu Leh­ne 1290 gege­ben. Von Zeu­gen kom­men als Fami­li­en Namen vor: Graz [5], Rames­berg, Hor­s­te­lo, Müns­ter, Brin­king, Bur­sen, Hint, Clupel [6], Hove­ne.

 

§. 64.

Zum Bewei­se der vie­len dama­li­gen aus­wer­ti­gen Besit­zun­gen des Hau­ses Stein­furt, wel­ches auch das Got­tes­haus Klar­holz oder Cla­holz in

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[I] Zwey Gra­de, ein der Lan­des­ho­heit, ein des Stan­des.
[2] Kind­lin­ger, Mäns­te­ri­sche [sic!] Bey­trä­ge, Ers­ter Band, Ers­te Urkun­de.
[3] Cum ple­na Waran­dia, Waar­taal, Waar­stim­me.
[4] Jure Minis­te­ria­li.
[5] Graes.
[6] Mit Voth ver­wandt.

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der Teck­len­bur­gi­schen Herr­schaft Rhe­da, als einem Teklen­bur­gi­schen Res­te des Bent­hei­mi­schen Hau­ses, so reich­lich dotir­te und dafür die Vog­tey die­ses Stif­tes besaß, die­net auch ein Docu­ment des Osna­brü­cki­schen Bisch­ofes Conrnd, Gra­fen von Rit­berg vom Jah­re 1293, wor­in die­ser Fürst­bi­schof sagt: daß Bal­de­win von Sten­vor­dia den Zehn­ten zu Bachem in sei­ne Hän­de als Lehn zurück gege­ben hät­te, wel­chen der Bischof dem Probs­te, der Abtis­sin und dem Con­ven­te zu Bers­s­inhrück [sic!] ver­lie­hen hät­te. Zeu­gen waren des Bisch­ofes Bru­der der Fürst­bi­schof Otto zu Pader­born, der Probst Lude­wig zu St. Johann in Osna­brück, der Graf Ever­hard von der Mark, Lut­bert von Lin­ge; Rit­ter; und der Dom­probst.

Auch gewi­ße Vog­tey-Rech­te über das Haus Tym­minc in der Stadt Ver­den [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Vre­den] besaß die­ser Bal­de­win von Sten­vor­de. Einen dar­über ent­stan­de­nen Streit ent­schie­den der Rich­ter, die Bür­ger­meis­ter und Bür­ger unter Stadt­sie­gel dahin: daß die Stadt die Vog­tey die­ses Hau­ses noch sechs Jah­re behal­ten, her­nach aber auf ewi­ge Zei­ten an Stein­furt zurück geben soll­te. Zeu­gen waren der Dynast Ber­nard von Ahaus und Herrn von Müns­ter, Lie­den [I], Ber­nard von Erle.

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[I] Led­den.

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Weil aber in eben ange­führ­ter Urkun­de des Bent­hei­mi­schen Gra­fen auch ein Mat­thä­us Von Nien­borg als Zeu­ge vor­kömt, und die­ses Nien­borg in der Nähe von Bent­heim so berühmt war, so ver­dient fol­gen­de Rit­ter­ge­schich­te hier eine Erwäh­nung. Im Jah­re 1293 wur­den nach Pfings­ten bey Alk­den­sel zwey Rit­ter Von Nien­borg, Namens Gerard von Ram­nes­berg nnd Gerard von Lam­de­ri­chen in RAPINA [2] [sic!] ertap­pet und muß­ten ihre Frei­heit vom Bisch­ofe Johann Von Zirck oder Syrick u. Stif­te zu Uet­recht mit einem Lehns Erkent­niße erkau­fen. Gerard von Lam­de­ri­chen muß­te dem Hoch­stif­te Uet­recht das Hans Steen­hues bey Sal­tes­berch zu Leh­ne auf­tra­gen, Gerard Von Ram­nes­berch und sein Sohn Ger­hard, der in Gefan­gen­schaft gewe­sen war, zwey Häu­ser bey Vuch­te [2], Hen­rich Von Kemi­na­ta [3J das Haus des Johann Lug­ge­rinc bey Noert­wol­de, Diet­rich von Ram­nes­ber­ge das Haus des Lud­ger Bevers, Lef­fer­dus Voet von Bent­heim [4] der Sohn das

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[1] RAPERE heißt mit Gewalt neh­men, VIRTUS heißt Tap­fer­keit und Tugend.
[2] Viel­leicht Grams­ber­ge bey der Vech­te.
[3] Etwa das Haus und die aus­ge­stor­be­ne Fami­lie Kem­na­de in Alber­gen zwi­schen Alme­lo und Otmars­sen.
[4] Der vor­mals von Ket­le­ri­sche, Canz­le­ri­sche, jetzt Dren­si­sche Hof [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Dree­si­sche] in Bent­heim war der Tra­di­ti­on nach Voets Burg­sitz, und im

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Haus Libbolds bey Lohuys. Die drey Letz­te­ren waren denk­lich Bür­gen für die bey­den Ers­ten.

 

§. 66.

Nach dem Faust­rech­te schweckt [sic!] auch wol das äußerst merk­wür­di­ge Pri­vi­le­gi­um, wel­ches der Graf Ecbert von Bent­heim mit Ein­wil­li­gung sei­ner Gema­lin Hade­wig, sei­nes Soh­nes Otto, sei­ner ande­ren Söh­ne, und aller sei­ner Mit­er­ben, wie auch mit Bera­tung aller sei­ner lie­ben Burg­män­ner im Jah­re 1295, Son­tags nach Aller­hei­li­gen der Stadt Schüt­torf erteil­te: “Die Ein­woh­ner die­ser Stadt soll­ten von allen Las­ten (I) frey seyn, sie soll­ten zwei Drit­tel der Ein­künf­te des Gerichts in Scut­tor­pe genie­ßen, ein Drit­tel aber soll­te der Rich­ter dem Gra­fen prä­sen­ti­ren, und Alles, was sol­che Sachen ein­bräch­ten, die mit dem Schwerd­te ent­schie­den (2) wer­den müß­ten, soll­ten dem Gra­fen zu Gute kom­men. Die Ein­woh­ner der Stadt soll­ten ohne Unter­schied

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sieb­zehn­ten Jahr­hun­dert noch Land­tags­fä­hig, laut Land­tags-Reces­sen.

(I) Dama­li­gen.
(2) Das ist ent­we­der von Zwey­kämp­fen in Erman­ge­lung ande­rer Bewei­se, oder von Brüch­ten in Cri­mi­nal Fäl­len zn ver­ste­hen. Letz­te­res ist des Doc­tors Racer Mei­nung in sei­nen Obe­rys­sel­schen Gedenk­stü­cken, nicht die Mei­ni­ge. Bey­de Fäl­le bewei­sen indes­sen, daß die Gra­fen von Bent­heim die höhe­re Gerichts­bar­keit schon hat­ten.

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des Stan­des ihre Nach­la­ßen­schaft, wel­che Weich­bild­gut (I) hie­ße, ihren Erben ver­ma­chen (2) kön­nen. Wären aber kei­ne Erben da, so wäre der zeit­li­che Graf Erbe (3). Wenn Men­schen, die behaup­ten, frey­en Stan­des zu seyn, sich in der Stadt Scut­tor­pe ansie­del­ten, und dar­in ein Jahr und sechs Wochen lang [4], ohne recht­mä­ßi­ge Anspra­che ver­wei­let hät­ten, so soll­ten sie für freye Bür­ger gehal­ten wer­den, wenn sie nur nicht dem zeit­li­chen Gra­fen oder sei­nen Burg­män­nern und Minis­te­ria­len, wegen irgend eines Rech­tes ver­pflich­tet wären. Wenn Men­schen, dien man Weich­bild­s­leu­te nen­ne­te, außer­halb der Stadt ein Jahr und sechs Wochen lang ver­wei­let hät­ten, und in kei­ner ande­re Stadt auf­ge­nom­men wür­den, auch die Frey­la­ßung von ihren Herrn nicht erhiel­ten, so soll­ten sie unter der Herr­sachft [sic!] der­sel­ben blei­ben. Wenn in der Stadt Men­schen wären, die nach Weich­bild-Rech­ten Jeman­den ver­pflich­tet wären, so soll­te Der­je­ni­ge, der sol­ches Recht über sie bey ihrem Abster­ben hät­te, ihren Sterb­fall beym Gerich­te in Scut­tor­pe und nicht anders­wo [5] suchen. Wäre der Ver­stor­be­ne ein Mann

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(I) Ehe­mals Mar­ken­gut.
(2) Schon Römi­sche Tes­ta­men­te.
(3) Als Besit­zer des Haupt­ho­fes in der Bau­er­schaft Schüt­torf, nun die Burg Alte­na daselbst.
[4] Alt­säch­si­sche Frist.
[5] Nicht mehr beym Land- oder Mar­ken-Gerich­te.

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Mann, so soll­te die­ser Sterb­fall in sol­chen Klei­dern bestehen, womit er an hohen Fest­ta­gen zur Kir­che gegan­gen wäre, wie auch in sei­nem bes­ten Pfer­de mit dem Kar­ren [1] und den Werk­zeu­gen des Kar­rens, auch in einem Beu­tel mit drey­en Pfen­nin­gen, wenn der Ver­stor­be­ne sol­che Sachen hin­ter­la­ßen hät­te. Wäre ein Frau­en­zim­mer ver­stor­ben, so soll­te der Sterb­fall in Klei­dern bestehen, wor­an Sei­de oder Gold hin­ge und in Schu­hen von Zie­gen- oder Bock­le­der, wenn sol­che Sachen da wären. Die­ses Erb­schafts-Recht soll­te der Erb­neh­mer, wenns erfor­dert wür­de, vorm Gerich­te in Scut­tor­pe durch eine drit­te Hand bewei­sen [2]. Leu­te, wel­che mit Holz nnd Torf inner­halb des von des Gra­fen Vor­fah­ren und von Ihm bestim­ten Bezir­kes der Frei­heit um Schutt­or­pe [3] kämen, soll­ten von allen Auf­la­gen frey seyn. End­lich soll­ten die Ein­woh­ner der Stadt

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[1] CARUCA mit zwei­en Räderrn [sic!], wovon CAROSSE.
[2] Das ist, bewei­sen, das der Ver­stor­be­ne nicht das vol­le Bür­ger­recht hat­te, son­dern noch mit guts­herr­li­chen Rech­ten ver­pflich­tet war.
[3] Der Schüt­tor­fer Bezirk oder Feld-Mar­ke war also aus dem herr­schaft­li­chen Erb­gu­te geho­ben. An den gehei­lig­ten Gren­zen der Com­mü­nen stan­den hei­li­ge Bil­der, wovon Jeder, der nicht zur Com­mü­ne gehör­te, wei­chen muß­te, WEICHBILD. Zwi­schen den Weich­bil­dern, und Stadt­mau­ren ent­stan­den Vor­städ­te, Vor­bür­ge, Brin­ken, Pfal­bür­ger.

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Scut­tor­pe alle die­je­ni­gen Rech­te und Frei­hei­ten genie­ßen, deren sich die Bür­ger der Stadt Müns­ter zu erfreu­en hät­ten.” Die­ses wich­ti­ge Docu­ment ist mit zwey­en Sie­geln, des Gra­fen und der Grä­fin näm­lich ver­se­hen. Das Sie­gel des Gra­fen stel­let einen Rit­ter in vol­ler Rüs­tung zu Pfer­de, mit auf­ge­ho­be­nem Schwerd­te in der Rech­te, dem Schil­de ins der Lin­ken vor. Auf dem Schil­de sind die Bent­hei­mi­schen gol­de­nen Pfen­nin­ge, wie auf dem gehei­men oder Gegen­sie­gel, und zwar im letz­te­ren in der bekann­ten Anzahl von neun­zehn [I], vie­re in der obers­ten, fünf in der zwey­ten, vier in der drit­ten, drey in der vier­ten, zwey in der fünf­ten, ein in der unters­ten Rei­he; die obers­te Rei­he feh­let im Schil­de. Die Grä­fin sit­zet im Sie­gel zu Pfer­de, mit der Rech­te an des­sen Zügel, in der Lin­ken einen Falk oder andern Vogel hal­tend, zum Zei­chen ihrer hohen Geburt.

§. 67.

In Rück­sicht der Pfarrey in Schüt­torf ver­ord­ne­te der Graf auf dem Schlo­ße zu Bent­heim den 19ten Jän­ner 1299 mit Ein­wil­li­gung sei­ner Erben Johann und Egbert, und mit Bera­tung mit sei­nen Burg­män­nern und andern Nota­beln, daß der jet­zi­ge Pfar­rer Johann, der mit sei­nem Ka—

[I] Was bedeu­tet die­se Zahl?

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pel­lan Wil­helm ihre Aem­ter in die Hän­de des Gra­fen resi­gnirt hat­te, die Pfarrey Zeit Lebens behal­ten, auch den Nut­zen davon über­haupt, und ins beson­de­re Von den Wachs­zin­si­gen genie­ßen, jähr­lich aber ans Klos­ter zu Mari­en­ro­de zu Wiet­mär­schen vor Wayh­nach­ten acht Mal­ter Korn in Schüt­tor­pe ablie­fern soll­te. Geschä­he die­ses nicht zur bestim­ten Zeit, so soll­te er dem Gra­fen zehn Mar­ken ver­bro­chen haben, dabey die­se Abga­be dem Klos­ter ent­rich­ten. Die sons­ti­gen ste­ten Gefäl­le ans [sic!] den Gütern soll­te das Klos­ter genie­ßen, mit den Opfern und sons­ti­gen Zufäl­len aber soll­ten die bei­den Schüt­tor­fer Geist­li­chen so ver­fah­ren, als wie der Graf in sei­nem vori­gen Diplo­men (I) ver­ord­net hät­te. Nach dem Tode die­ses Pfar­rers und Kapel­la­nes soll­te gedach­tes Klo­sier ihre Stel­len mit Geist­li­chen sei­nes Ordens, jedoch mir fähi­gen Leu­ten, bey Ver­lus­te des Patro­nat-Rech­tes beset­zen, wor­auf Er und sei­ne Nach­kom­men hie­mit Ver­zicht leis­te­ten. Besie­gelt mit den Sie­geln des Gra­fen und der Grä­fin und bezeu­get durch Hugo Ursus (2), Ludolph von Sco­nen­vel­de, Arnold Von Dedhem, Nico­laus von Tur­ri (3), Ber­nard Von Lügin­chusen Truch­seß (4),

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(1) Such­ver­lo­ren.
(2) Badr.
(3) Thorn.
(4) So war die Dynas­ti­sche Fami­lie von Lüding­hau­sen, jetzt ein beson­de­rer Bestandt­heil des Müns­teri­schen Amtes Wer­ne, der

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Rodolph von Lan­gen, Johann Ursus, Niklas von Sco­nen­vel­de; Rit­ter; und ande­re Burg­män­ner und Beam­te mehr.

§. 68.

Hier­mit trit auch die­ser Graf Egbert, wovon erzä­let wird, daß Er vie­le ein­zel­ne neue Höfe u. selbst gan­ze Bau­er­schaf­ten oder Mar­ken in bis­her öden Gegen­den ange­le­get, auch die Gil­häu­ser Stein­gru­ben in grö­ße­re Auf­nah­me gebracht hät­te, vom Bent­hei­mi­schen Schau­plat­ze ab. Er hat­te acht Kin­der, näm­lich sechs Söh­ne und zwey Töch­ter. Der ältes­te Sohn Otto wird Cano­ni­cus gen­ant, ohne daß man weiß, von wel­cher Kir­che; der zwei­te Sohn Johann folg­te in der Regie­rung; der drit­te Egbert war Dom­herr und Vice­dom zu Müns­ter, auch Archi­dia­con zu Strom­berg; der vier­te Chris­ti­an Dom­herr zu Bre­men; der fünf­te Bal­du­in erst Probst des Peters­stif­tes zu Uet­recht [I], her­nach Dom­her zu Osna­brück; der sechs­te Wig­bold. Von den Töch­tern war Hede­wig Pröbs­tinn zu Vre­den, und Oda (Odi­liaJ wahr­schein­lich mit einem Dynas­ten von Alme­lo in Twen­te ver­mäh­let. Wer soll­te nun wol glau­ben, daß

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Fami­lie Von Ker­se­korf im Bent­hei­mi­schen Truch­ses­sen Amte gefol­get.

[I] Wenn die­ses nicht sein gleich­na­mi­ger Ueber­groß­va­ter 1258 gewe­sen, da sein Groß­va­ter und Vater nicht lan­ge schei­nen gele­bet zu haben.

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die­ses illüs­te­re Hol­län­disch-Bent­hei­mi­sche Haus schon in der fol­gen­den Gene­ra­ti­on in sei­nem Manns­stam­me erlo­schen soll­te.

§. 69.

Johann der Zwei­te oder Ers­te.

Die­ses wird als regie­ren­den Gra­fen v. Bent­heim zuerst in einer Urkun­de vom Jah­re 1305 gedacht, wor­in Er sich mit dem Gra­fen Otto von Teken­eburg und mit dem Dynas­ten Bal­du­in von Stein­furt Und Otto von Ahaus für den in Osna­brü­cki­sche Gefan­gen­schaft gera­the­nen Gra­fen und Edlen Herrn Simon von der Lip­pe ver­bür­ge­te, der nach bald sechs­jäh­ri­ger Gefan­gen­schaft dar­auf befrey­et wur­de. Die­ser Graf von der Lip­pen war der Bru­der, oder wahr­schein­li­cher der Vater der Gema­lin die­ses Gra­fen von Bent­heim, die Mech­tild hieß und gewiß aus dem Lip­pi­schen Hau­se war, aber einen Vater und Bru­der Namens Simon hat­te I).

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I) Die­ser Grä­fin erwähnt auch KINDLINGER in sei­nem Stam­tä­fel­chen zur vier und vier­zigs­ten Urkun­de, des zwey­ten Ban­des sei­ner Müns­teri­schen Bei­trä­ge, so ein Ver­trag zwi­schen dem Stif­te Müns­ter und der Edlen Fami­lie von der Lip­pe, wodurch das Schloß Rhe­da und alle Lip­pi­sche Erb­gu­rer dies­seits dem Osnin­gi­schen Gebür­ge 1244 Müns­ter­sche Leh­ne wur­den. Die Rhe­dai­sche Geschich­te beschreibt Kind­lin­ger in der

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§. 70.

Die Burg­graf­schaft zu Uet­recht, wel­che die Gra­fen von Bent­heim bis­her von den Uet­rech­ti­schen Fürst­bi­schö­fen zu Leh­ne getra­gen hat­ten, gab die­sesr Graf von Bent­heim dem Fürst­bi­sch­ofe Gui­do von Aves­nes im Jah­re 1307 mit dem Bedin­ge zurück, daß der Bischof die­sel­be dem Dynas­ten Gys­brecht Von Goye wie­der ver­lei­hen mög­te, wel­ches der Bischof auch that. Aus die­ser von allen Bent­hei­mi­schen Docu­men­ten zuerst, statt der bis-

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Note mit fol­gen­den Wor­ten: “Wede­kind obers­ter Vogt des Stif­tes Fran­ken­horst [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier “Fre­cken­horst” hei­ßen] 1196 schreibt sich in spä­tern Jah­ren zum ersten­mal auch ADVOACTUS DE RETHE, und scheint das Schloß daselbst errich­tet zu haben. Sein Vater Ever­wyn schrieb sich nur Vogt von Fre­cken­horst, oder auch allein von Fre­cken­horst. Das Vogt­amt über die Stif­ter und Klös­ter Fre­cken­horst, Lies­born, Kla­bolt etc. tru­gen sie vom Bisch­ofe von Müns­ter zu Lehn und hob sie zu den NOBILIORES TERRAE. Als Wede­kind 11189 einen Kreuz­zug ins gelob­te Land mach­te, leg­te er alle sei­ne Vog­tei­en in die Hän­de des Bisch­ofes von Müns­ter nie­der; so wie es Wede­kind Graf von Schwa­len­berg that. CONF. DIPL. DE 1189 AP. FALK. PAG. 219 TRAD. CORB. Wede­kind von Rhe­de starb auf der Rei­se; und Bischof Herr­man der 2te über­trug sol­che Vogey­en 1193 wie­der in sicherm Maße dem Ber­nard Edlen von der Lip­pe, der auch nach Abster­ben der Mut­ter Wede­kinds und des­sen Schwes­ter B… in Rhe­da folg­te.” Hier­bey unter­schei­de man

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heri­gen Latei­ni­schen, in teut­scher oder nie­der­teut­scher Spra­che, nach dem dama­li­gen Nie­der­säch­sisch West­phä­li­schen Dialect, ver­faß­ten Urkun­de erhel­let, daß die Burg­graf­schaft zu Uet­rechts damals in einer Gericht­bar­keit, in Zin­sen, Zehn­ten, einer Hof­stät­te, in Erben, und im Brü­cken­rech­te bey der bischöf­li­chen Burg in Uet­recht bestand. Die­ses Burg­gra­fen Amt kam her­nach von den Dynas­ten von Goye an die Dynas­ten von Via­nen, dann an die von BREDERODE, fer­ner an die Gra-

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nur die Vog­tey über Fre­cken­horst und die andern geist­li­chen Stif­tun­gen von der Reichs-Vog­tey zu Rhe­da, oder Kai­ser­li­che Frey­graf­schaft, so wie die Her­zo­ge und Gra­fen von Gel­dern erst Reichs-Vög­te waren und die Fürs­ten und Gra­fen von Plau­en und Reuß noch sind. Ber­nard von der Lip­pe muß­te Rhe­da zwar zum Müns­teri­schen Leh­ne auf­tra­gen, weil der Bischof ihn gehol­fen hat­te, es von sei­nen Bru­der den Pröbs­ten und Bisch­ofe Simon von Pader­born wie­der zu erobern, dar­um blieb Rhe­da aber was es war, Reichs­un­mit­tel­bar, wie schon die­se Urkun­de aus­drückt: CORUM [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: CORAM] LIBERO COMITE OTBERTO APUD PRATUM JUXTA RETHE, IN LOCO

LEGITIMO BANNI REGALIS, QUI LOCUS VULGO MALSTADT APPELLATUS, ET IDEM COMES OTBERTUS SUPER IPSA DONATIONE BANNUM REGALEM FIRMAVIT. Die­se Kai­ser­li­che Reichs-Frei­graf­schaft bey Rhe­da erwarb das Haus Lip­pe, ver­erb­te sie auf Teck­len­burg, Teck­len­burg auf Bent­heim. Das Schloß Rhe­da, erbau­et vom Herrn von Fre­cken­horst, der sich nun von Rhe­da schrieb, ver­erb­te auf Lip­pe, Teck­len­burg Und Bent­heim.

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fen von Dona, wei­ter an die Gra­fen von der Li´ppe bis an den Gra­fen von Hom­pesch, end­lich 1726 an den Herrn von Boet­zel­a­ar.

 

§. 71.

Des Gogra­fen Gericht zu Büren, wel­ches die Gra­fen von Bent­heim noch besit­zen, hin­ge­gen, wel­ches Ludolph Bare bis­her gehabt hat­te, erwarb jetzt die­ser Graf von Bent­heim 1308 vom Fürst­bi­sch­ofe Con­rad von Müns­ter mit den Bent­hei­mi­schen nicht genann­ten Müns­teri­schen Lehn­gü­tern zu Leh­ne. Hier­über wur­den 1319 zwi­schen dem Müns­teri­schen Fürst­bi­sch­ofe Lude­wig und dem Gra­fen noch nähe­re Ver­fü­gun­gen getrof­fen. Die­ser Bischof belehn­te den Gra­fen mit dem gedach­ten Goge­rich­te zu Büren und mit dem Gerich­te in Nord­horn, wel­ches der Truch­feß Her­man bis­her vom Hoch­stif­te Müns­ter zu Leh­ne getra­gen hat­te, und der Graf von Bent­heim, der für bei­de Leh­ne fünf­hun­dert und fünf­zig Mar­ken Müns­teri­scher Dena­ri­en gege­ben hat­te, stel­le­te den Müns­teri­schen Bisch­ofe einen Revers aus, daß die Bewoh­ner von Erben und Köt­ter­stät­ten in den Gerich­ten Büren und Nord­horn nicht zum Gra­ben, Nach­ja­gen u. zu Gödin­gen soll­ten gebrau­chet wer­den.

Ers­te­res Docu­ment beru­het auf einem Ori­gi­na­le, letz­te­res auf einer Abschrift in Nün­nings Müns­teri­schen Monu­men­ten.

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§. 72.

Den größ­ten Zuwachs erhielt aber die Graf­schaft Bent­heim durch die Besit­zun­gen der vor­ma­li­gen wich­ti­gen Fami­lie von Thurn oder Thor­ne, wel­che wol von ihren noch in etwa übri­gen Schloß­thur­me und ihrer meist ver­schwun­de­nen Burg zu Uel­sen in der heu­ti­gen Nie­der­graf­schaft den Namen, und drey Schloßt­hür­me in [sic!] Wap­pen führ­te. Mit Eilard von Thurn schloß die­ser Graf von Bent­heim 1412 einen Ver­gleich des Jnhal­tes: daß der­sel­be sein Gericht in der Pfarrey Uel­sen für gewi­ße Zehn­ten daselbst, als auch in Hard­ink­hausen, Hil­ten, Har­din­gen, Hal­le, Oster­get­te, in der Pfarrey Vel­thusen, in Gra­ves­dor­pe, auch in der Pfarrey Oet­mers­sen, in Bre­ckin­chen, in Tüb­berg, dem Gra­fen über­las­sen soll­te; die­se Zehn­ten soll­te er und sei­ne Erben nach Burg­manns Recht zum Burg­leh­ne tra­gen. Das Bau­erge­richt zu Uel­sen und Hil­ten, mit den Abga­ben vom Bier, auch das Holz­ge­richt in Tin­hol­te, wie alle sei­ne Güter im Gerich­te Uel­sen, nebst der Frei­heit der­sel­ben von die­sem Gerich­te, wel­che Frei­heit auch die von ihm an die von LAER ver­kauf­ten Güter zu Gra­ves­tor­pe, zu Goli­chem, Hock­lin­chen und Gro­ninck­husen genie­ßen soll­ten, soll­te er für sich und sei­ne Erben behal­ten. Die­se vom Gra­fen Johann von Bent­heim und von sei­nen Brü­dern Egbert Vice­dom zu Müns­ter, Chris­ti­an und Bal­du­in Dom-

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herrn zu Bre­men und Osna­brück, und Otto, in Gegen­wart aller Bent­hei­mi­schen Burg­män­ner aus­ge­stel­le­te Urkun­de ward von Hubert von Lar Dechant zu Olden­sel, von den Pfar­rern zu Emmin­chem [I] und Nien­ker­ken [2], von Otto von Mel­vel­de, Johann von Lare und Ande­ren mehr bezeu­get.

§. 73.

Im näm­li­chen Jah­re 1412 ent­band die­ser Graf von Bent­heim den Edlen Ste­phan v. Hake sei­ner dem Gra­fen ver­pflich­te­ten Minis­te­ri­al­stel­le,  und gab ihn in näm­li­cher Eigen­schaft der Abtis­sin Ergard von Widi­gen­stein [Wit­gen­stein] zu Her­vor­den, über; des­glei­chen 1417 des­sen Toch­ter Eli­sa­bet Hake, Und 1414 des­sen ande­re Toch­ter Kune­gun­de. Dem Fürst­bi­sch­ofe Lud­wig zu Müns­ter, mit dem der Graf her­nach eine Feh­de bekam, wovon Nichts wei­ter bekannt ist, strek­te Er fünf hun­dert Mar­ken Müns­teri­scher Dena­ri­en vor, und ließ sich dafür 1415 gewis­se Ein­künf­te zu Land­eg­ge, Ver­sen­berg, Rhei­ne und Wede­phusen ver­pfän­den, sich auch im Miß­zah­lungs­fal­le ein eigen­mäch­ti­ges Pfan­dungs-Recht ver­spre­chen. Der Kir­che zu Velt­hau­sen, wovon die zu Neu­en­haus ein Fili­al war, schenk­ten der Graf und die

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[I] Emmings oder Emmons Haus, Emblich­eim oder Emmel­kamp.
[2] Gil­de­haus.

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Grä­fin, mit Ein­wil­li­gung ihrer Erben, und Ver­spre­chung der Rati­fi­ca­ti­on des Erb­gra­fen Simon, der also noch unmün­dig war und die­sen Namen wol von sei­nem Groß­va­ter Simon von der Lip­pe hat­te, 1417 einen beym Stift­gute der Kir­che gele­ge­nen und von Ludolph Ten San­de erwor­be­nen Kamp-Lan­des. Zeu­gen dabey waren die Bent­hei­mi­schen Burg­män­ner Scon­evel­de, Bochlo, Tor­ne. Im näm­li­chen Jah­re räum­te der Graf dem Wil­le­kin Hinx­te gewi­ße von ihm gekauf­te wol bey Vel­thusen gele­ge­ne Aecker ein, da die hier­über spre­chen­de Urkun­de im Feld­hau­ser Kir­chen Archi­ve beruht, die er und sei­ne Erben zwar erb­lich besit­zen, aber ohne gräf­li­chen Con­sens nicht ver­kau­fen und jähr­lich vier Hüner davon ent­rich­ten soll­ten. Der­glei­chen Docu­men­te sind dem phi­lo­so­phi­schen Geschicht­for­scher, der Art des Geschäfts­gan­ges, der Den­kungs­wei­se jedem Zeit­al­ter, und dem Inlän­der des Loca­le wegen, nicht so unbe­deu­tend als sie schei­nen. Zum Bewei­se der Art der Ein­ge­hö­rig­keit der dama­li­gen Dienst­män­ner oder Minis­te­ria­len, und ihres Unter­schie­des von frey­en Lehns­män­nern oder Vasal­len, die­net die Urkun­de Ludolphs Edlen zu Stein­for­de, wor­in der­sel­be die Schen­kung sei­nes Burg­man­nes, des Kna­pen Sten Ste­ne­ke, ans Klos­ter Over­en­ker­ken im Min­den­schen, mit sei­nem Zehn­ten vom Hofe Deinhusen im dor­ti­gen Kirch­spie­le [I], bestä­tig­te.

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[1] Oven­ker­ken.

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Es wäre denn, daß die­ser Zehn­te ein Lehn des Hau­ses Stein­furt gewe­sen wäre, das so vie­le aus­wer­ti­ge Besit­zun­gen hat­te (I).

 

§. 74.

Der Fle­cken Bent­heim erhielt 1421 sei­ne eige­ne von der Burg­kir­che abge­son­der­te Pfar­kir­che, zu deren Behuf der Graf der Pfarrey zu Gil­de­haus mit Ein­wil­li­gnng des Müns­teri­schen Fürst­bi­sch­ofes Lude­wig von Hes­ten und des Gil­de­häu­ser Archi­dia­cons Ludolph von Cle­ve, eini­ge Dis­tric­te ab, und der neu­en Bent­hei­mer Kir­che zuwen­de­te, woge­gen die Gil­de­häu­ser Kir­che, deren Pfarrey eben vacant war, eini­ge Ent­schä­di­gun­gen bekam. Das Bau­erge­richt zu Kal­den­hof, die Edlen und Minis­te­ria­len des Schlos­ses, und die da her­um wohn­ten, auch die bei­den Häu­ser zu Varen­vor­de kamen an die neue Pfar­kir­che zu Bent­heim; den Kro­kers Kamp hin­ge­gen bekam die Pfar­kir­che zn Gil­de­haus vom

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(I) Vor­her hat­te der Graf v. Bent­heim der mäch­ti­gen Fami­lie von Hake einen Loß­brief gege­ben und sie der Abtis­sin von Her­vor­de über­ge­ge­ben. Die Dynas­ten von Stein­furt besa­ßen aber bekant­lich vie­le sol­cher Minis­te­ria­len, da die Dynas­ten viel unums­schränk­ter, als die Gra­fen und ande­re Reichs­be­am­ten herrsch­ten. Die Minis­te­ria­len waren in einer Untert­hä­nig­keit ihrer Herrn, wie etwa die heu­ti­gen Offi­ci­rs; hier­in liegt der Unter­schied zwi­schen dem hohen und nie­dern Adel.

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Gra­fen als ihrem Patro­ne zurück, als auch gewi­ße Aecker auf dem Bon­kamp. Die Kir­che zu Gil­de­haus, wel­ches wol den Namen von der dor­ti­gen Stein­hau­er Gil­de hat, mus­te damals noch nicht sehr alt seyn, da es noch in fol­gen­den Urkun­den Nien­ker­ken hieß. Sei­ne welt­be­rühm­ten Stein­gru­ben, wor­aus gewiß das Rat­haus zu Ams­ter­dam und die Bör­se zu Rot­ter­dam, mit allen benach­bar­ten Kir­chen und Schlös­sern erbau­et sind, hat­ten es zu einem sehr bedeu­ten­den Orte gemacht. Ger­hard Gil­de­haus, ein Gelehr­ter, der 1540 zu Bor­ken im Müns­teri­schen starb, war wahr­schein [sic!] von Gil­de­haus gebür­tig, woher auch wol die Fami­lie Gil­de­haus stam­te, die lan­ge zu Osna­brück war, u. wovon der Osna­brü­cki­sche Stadt-Syn­di­cus und gehei­mer Secre­tär Her­zo­ges Ernst Augusts des Zwey­ten, Doc­tor Chris­ti­an Ger­hard Gil­de­haus, der 1729 starb.

§. 75.

Ein für die Genea­lo­gie der Gra­fen von Bent­heim und für die Kent­niß der Twen­ti­schen Nach­bar­schaft der Graf­schaft Bent­heim merk­wür­di­ges Diplom ist jene Thei­lung vom Jah­re 1423; wel­che der Graf Johann der Zwei­te von Bent­heim mit Ber­nard von Zeke­lin­ge, Hen­rich von Alme­lo, Otto und Ber­nard Gebrü­der von Val­vel­de [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Wele­vel­de] (I), Rudolph

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(I) Bey Bor­ne.

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von Peze (I) und Diet­rich von Grim­berg (2), und unter sei­nen Schwes­ter Kin­dern, den Brü­dern Johann und Egbert Dynas­ten von Alme­lo, über Güter und Gefäl­le traf, wel­che wol außer­halb der Herr­lich­keit Alme­lo und Vrie­sen-Vene lagen. Die Mut­ter die­ser Dynas­ten von Alme­lo war wol des Bent­hei­mi­schen Gra­fen Schwes­ter Oda, da sei­ne ande­re Schwes­ter Hede­wig Probstin zu Vre­den war. Jene Alme­loi­sche Güter, Lehn­ge­rech­tig­kei­ten, Zehn­ten; Holz- und Mast­ge­rech­tig­kei­ten, wel­che man jetzt bey der außer­or­dent­li­chen Abnah­me der Wal­dun­gen im Bent­hei­mi­schen, Obe­rys­se­li­schen und Dren­ti­schen, und beym star­ken Gebrau­che des Tor­fes, wodurch die gro­ßen Hei­den und Moräs­te, aber auch man­che frucht­ba­re Fel­der ent­stan­den sind, ver­geb­lich sucht, auch Holz- und Mar­ken-Gerich­te lagen in den Twen­ti­schen Bau­er­schaf­ten Elsen, Weder­dem, Geestern, Age­lo, Hertmen, Del­den, Nüt­ter, Gam­mel­ke, Dör­nin­ge, Hol­then, Rötum, Man­der, Nozelo, Alber­gen, Wedehon; Alle in den Land­ge­rich­ten Kedin­gen oder Goor und Ryss­sen, Del­den, Olden­saal, Otmars­sen und Bor­ne, auch im Sal­lan­di­schen Schul­ten Amte Hel­len­dorn. Zeu­gen waren: Eber­hard von Bever­vor­de, Herr-

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(I) Von Pei­se oder Pese im Grö­ningschen Arnold von Pei­ze zwey und zwan­zigs­ter Abt von Ade­wert.
OUDHEDEN EN GESCHICHTEN VAN GRONINGEN EN DRENTE. PAG. 554.
(2) Bey Rys­sen in Twen­te.

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mann von Ent­herr (I), Egbert Welg­hem, Wol­ter von Gas­lo (2),· Johann von Reve, u. d. m. Das bes­te Werk über die Herr­lich­keit Alme­lo und Frie­sen­ve­ne ist übri­gens das des noch leben­den Dok­tors Racers zu Olden­saal unterm Titel: Alme­loo­sche Oud­he­den, so ein beson­de­rer Theil sei­ner Overys­sel­schen Gedenk­stü­cken, wel­che spä­ter als Jungs Latei­ni­sche Bent­hei­mi­sche Geschich­te her­aus kamen. Von den vie­len Alme­loi­schen Urkun­den ver­die­net die vier und drei­ßigs­te hier eine Erwäh­nung, wor­in obge­dach­ter Dynast Egbert von Alme­lo 1417 mit Bera­tung mit sei­nem Mut­ter­bru­der, dem Gra­fen Johann von Bent­heim einen Revers über sei­ne Uet­rech­ti­sche Stifts­leh­ne durch den Bent­hei­mi­schen Notar Johann aus­stel­let.

 

§. 76.

Eine Staats Akte der Graf­schaft Bent­heim ist die Urkun­de vom Jah­re 1424, wor­in der Graf

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(I) Das Haus Berg­horst bey Enter oder Sta­ver­den von der Fami­lie, wor­in die letz­te Toch­ter von Voet zu Bögels­kamp heu­ra­te­te, deren Toch­ter letz­te­res Haus an den Groß­va­ter des jet­zi­gen Besit­zers mit Berg­horst brach­te.
(2) Has­lo und Gam­mel­kel­ke Bau­er­schaf­ten im Gerich­te Olden­saal; Gam­mel­ke, die Fami­lie ver­heu­ra­te­te sich mit Rede von Saters­lo oder Saes­feld, die­se erwarb Brand­lecht; bei­de Häu­ser ver­erb­ten auf die Müns­teri­sche Erb­dros­ten Fami­lie.

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mit Geneh­mi­gung sei­ner Gema­lin Mech­tild, gebohr­nen Grä­fin von der Lip­pe, sei­nes Bru­ders Bal­du­in, und sei­ner Kin­der, Simon, Otto, Johann, Tale und Lise, vor ihrem Burg­gra­fen zu Bent­heim dem Dynas­ten God­fried von Bor­ke­lo das Gericht zu Emblich­eim, den Hof zu Arke­lo die Häu­ser zu Wer­ner­ink, zu Hons­teden, zu Ane­brook, zu Her­ver­ding, so wie sie von Bör­ger­hor­de an, durchs Gericht Emblich­eim lägen, mit Fische­rey, Schwa­nen-Recht I), Holz- und Torf­ge­rech­tig­keit, auch Mar­ken-Recht in Oster­wol­de und Tin­hol­te, fer­ner die Krep­pes- und Rut­kot­ten, und die Zehn­ten zu Scher­hor­ne, wie das Alles im Kirch­spie­le Emblich­eim gele­gen, aus­ge­nom­men Peter Vie­rin und Wer­ne­ke zum Borg­haus, für eine nicht bestimm­te Sum­me ver­kauf­te. Das Gericht Emblich­eim hat­te damals zu Gren­zen: von einer Sei­te drey Paren 2) bis an den Scher­hor­ner Kamp auf einer Sei­te des Was­sers 3), auf der andern Sei­te von Hol­themer Schlin­gen bis Gil­de­ner Krü­gen 4). Die Räu­mung oder der Aus­wurf aus

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I) Swa­nen Vlo­te, ein Recht, Schwa­nen zu hal­ten. Wenn das Stein­fur­ti­sche Wap­pen, die Schwa­ne, auch hier­auf deu­te­te? wie die Sal­men im Sal­mi­schen Wap­pen.
2) Palen, Pfä­le.
3) Vech­te.
4) Ver­muth­lich das Wirts­haus der Gil­den zu Emblich­eim. Denn die Bent­hei­mi­schen Dör­fer Emblich­eim und Uel­sen, bei-

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auf dem Was­ser und aus dem Lan­de wur­de nament­lich mit ver­kau­fet; Alles das, so wie es die gräf­li­chen Vor­fah­ren beses­sen hät­ten, als allo­dia­le Güter, jetzt aber als gräf­li­che Leh­ne. Zeu­gen waren: der Cano­ni­cus Hübert zu Olden­zehl, der Pfar­rer Simon zu Uel­sen, Evert von Venen­roe­de Rit­ter, Hen­rich Wel­dam I) Schul­ze [Dros­te] von Twen­te, Arnold Pasche­d­ag, Arnold von Dedem, Eilert von dem Thor­ne, Lefart Voet und Johann Voet, Brü­der, Ger­wert von den Lae­re­kam­pem.

 

§. 77.

Jenes Haus Bor­ke­lo, so jetzt die Bent­hei­mi­sche Herr­lich­keit Emd­lich­eim erhielt, und wovon Hen­rich von Bor­ke­lo ums Jahr 1270 auch Bischöf­lich Uet­rech­ti­scher Burg­graf von Koe­ver­den und Mar­schal von Dren­te war 2), führ­te den Namen von der berühm­ten Herr­schaft Bor­ke­lo

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de Gerichts-Dör­fer und an der Heer­stra­ße nach Grö­nin­gen, Fries­land und Zwol­le, u. Gil­de­haus sind Fle­cken-arti­ge Dör­fer.
I) Wel­dam, Heke­ren Stu­ve­ler, Häu­ser der ehe­ma­li­gen Burg­män­ner der vori­gen Gra­fen von Goor. Wel­dam besaß die Fami­lie von Rip­per­da jetzt Was­sen­aar; Heke­ren erb­te von Ense auf Hövel, von Hövel auf Ben­tink von Bre­ckel­kamp, mei­ner Mut­ter Bru­der, und des­sen Toch­ter die Frau von Hugen­port zu Aardt.
2) Picardt Chro­nyk der Land­schaft Dren­te. Sei­te 397.

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oder Ber­ke­lo vom Flu­ße Ber­kel, im Gel­dri­schen an der Müns­teri­schen Gren­ze. Der Letz­te die­ser Fami­lie Ger­hard von Bar­ke­lo, der 1485 noch im Leben war, ver­erb­te die­se Herr­lich­keit auf sei­ne ein­zi­ge Toch­ter, die ins Hans Dading oder Döwerth [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Hans Dading oder Döding­werth] genannt Bron­khorst ver­mä­let ward. Mit dem Abster­ben des Gra­fen Jodoc von Bron­khorst und Herrn von Bor­ke­lo ohne Kin­der ent­stand zu Ende des sechs­zehn­ten Jahr­hun­derts ein schwe­rer Streit über die­se Dynas­tie zwi­scher dem Fürst­bi­sch­ofe von Müns­ter als Lehns Herrn der­sel­ben, einen, dem Gra­fen Rudolph von Diep­holz, der Grä­fin Irm­gard von Wisch Witt­we des Gra­fen Georg von Lim­burg, Frau zu Styrum, und dem Gra­fen Johann von Bron­khorst und Baten­burg, Herrn zu Rym­burg, als Ver­wand­te des letzt­ver­stor­be­nen Herrn zu Vor­ke­lo, andern Thei­les. Im fol­gen­den sieb­zehn­ten Jahr­hun­dert gab die­se Herr­schaft so gar mit Anlaß zu einem schwe­ren Krie­ge zwi­schen den Gene­ral-Staa­ten der Ver­ei­nig­ten Nie­der­lan­de und den Staa­ten der Pro­vinz Gel­dern einer, dem berühm­ten Müns­teri­schen Fürst­bi­sch­ofe Chris­toph Ber­nard von Galen, ande­rer Sei­te I). Zu eini­ger Auf­klä­rung die­ser in der

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I) Man sehe von neu­ern Wer­ken des Pas­tors Kunz [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Kurz] zu Borg­horst “Leben und Tha­ten Chris­toph Ber­nards von Galen, Bisch­ofes und Fürs­ten von Müns­ter, Admi­nis­tra­tors von Cor­vey. Genom­men aus dem Latei­ni­schen des Herrn von Alpen.” Gedach-

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Reichs und Nie­der­län­di­schen, ja in der Euro­päi­schen Geschich­te so berühm­ten Bege­ben­heit, wie zur nähern Kent­niß der Vor­fah­ren des heu­ti­gen Gesamt­hau­ses Bent­heim mag fol­gen­der Genea­lo­gisch His­to­ri­scher Ent­wurf die­nen: Diet­rich Graf von Isen­burg ver­lor mit sei­nem Bru­der Fried­rich sei­nen Vater Frie­de­rich von Isen­burg, einen Vet­ter des Gra­fen Ever­hard von Alte­na oder von der Mark, und war eini­ge Zeit unter der Vor­mund­schaft sei­nes Mut­ter­bru­ders Her­zo­ges Hen­rich von Lim­burg; die­ser Her­zog ließ für sei­ne Mün­del, denen alle ihre väter­li­che Güter ent­frem­det waren, im drey­zehn­ten Jahr­hun­dert ein neu­es Schloß auf einem Stein­fel­sen bau­en, das Er nach sei­nen [sic!] Namen Neu-Lim­burg oder Hohen-Lim­burg nan­te, wovon Diet­rich her­nach den Namen annahm. Sein Sohns Sohn Johann zeug­te bey Ever­wi­na von Güt­ters­wyk Die­te­rich den Drit­ten und Johann den Zwey­ten. Ers­te­rer

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ter Herr von Alpen war Gene­ral-Vie­car die­ses Fürst­bi­sch­ofes, ein Geist­li­cher, kein Publi­cist, kein gründ­li­cher His­to­ri­ker. Die Gra­fen und Her­zo­gen von Gel­dern hat­ten kei­ne völ­li­ge Sou­ve­ra­ni­tät über Bor­ke­lo, so wenig als über Büren, Kulen­burg, Anhalt u. s. w. aus­ge­übet; Bor­ke­lo war aber auch, zwar ein Müns­teri­sches Lehn, aber nach Gel­dri­schen und Zut­pha­ni­schen Lehn­rech­ten, muß­te folg­lich jener Fami­lie ein­ge­räu­met wer­den, wel­che nach den­sel­ben dazu berech­tigt war.

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stif­te­te die Linie von Lim­burg, wel­che bald her­nach aus­starb; der Zwey­te das Haus Styrum, wor­in Johanns Sohn Tie­de­rich durch sei­ne Ver­mä­lung mit Irm­gard von Wisch, so wol ihre väter­li­che, als die Güter ihres Oheims Jodo­cus Gra­fen von Bron­khorst und Herrn zu Bor­ke­lo erhielt. Des­sen Soh­nes Her­man Georgs Sohn Jodoc erhielt mit sei­ner Gema­lin Maria von Schaum­burg die Herr­lich­keit Geh­men. Des­sen Sohn Her­man Otto hat­te im sieb­zehn­ten Jahr­hun­dert drey Söh­ne, Otto, der die Graf­schaft Bron­khorst und die Herr­lich­keit Bor­ke­lo bekam, Adolph erhielt Geh­men und Mau­ritz Styrum. Adolph der Stif­ter der Geh­mi­schen Linie war ver­mä­let mit Isa­bel­le Grä­fin von Velen, so wie sein Sohn Her­man Otto wie­der mit einer Grä­fin Char­lot­ta Ama­lia von Velen I)

 

§. 78.

Von den Dynas­ten zu Bor­ke­lo kam die Bent­hei­mi­sche Herr­lich­keit Emblich­eim an die benach­bar­ten Herrn von Grams­ber­ge, und von die­sen

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I) Sieh die gro­ße Hol­län­di­sche Ency­clo­pe­die, oder GROOT ALGEMEEN HISTORISCH GEOGRATISCH [sic!] GENEALOGISCH EN OORDEELLUNDIG WOORDENBOEK, BEHELZENDE HET VOORNAAMSTE, DAT VERVAT IS IN DEN WORDENBOEKEN VAN MORERY. BAYLE, BUDDENS, ENZ. LITTERA ST. Ein Schatz unter Andern von archi­va­ri­schen Nach­rich­ten.

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1440 wie­der an die Gra­fen von Bent­heim zurück. Denn in die­sem Jah­re ver­kauf­te Hen­rich v. Grams­ber­gen dem Gra­fen Ever­win dem Zwey­ten zu Bent­heim und Herrn zu Stein­furt für zwey­tau­send alte Frän­ki­sche gol­de­ne Schil­den die Herr­lich­keit und das Gericht von Emp­nin­chem mit Accise-Rech­te I), der Schwa­nen­flut, der Räu­mung auf dem Lan­de und im Was­ser 2), auch Fische­rey im Kir­spie­le [sic!] Emp­nin­chen, die Höfe zu Ech­te­ler, Eickin­chorst und Arke­lo 3) die Erben Wer­mynck, Ane­bro­cke, Rüt­ger­ink, zwey Erben Over­ink, Oes­mann­ink, Dyder­k­ink im Dor­fe Emp­nin­chem, die Kot­ten Kre­pe­scho­te und Arke­lo, den gro­ßen und klei­nen, oder gro­ben und schma­len Zehn­ten zu Scher­horn, und alle die­se Güter und dazu gehö­ri­ge Leu­te mit Bren­holz- und Torf­ge­rech­tig­keit, zu Was­ser, zu Wei­de, Holz zu fäl­len, zu Fel­de, auch Mar­ken­ge­rech­tig­keit, aus­ge­nom­men die Waar­ge­rech­tig­keit von Eicking­horst, die sich Ver­käu­fer

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I) Tsy­se.
2) Vech­te.
3) Da der Uet­rech­ti­sche Fürst­bi­schof Johann von Arkel, Stif­ter des Arkel­stein in Sal­land unweit der Issel, die Herr­lich­keit Lage 1446 kauf­te, so füh­ret die­ses Arke­lo, jetzt Arke­l­er in der Nie­der­graf­schaft Bent­heim, wor­in die Bischö­fe von Uet­recht begü­tert waren, auf Ver­mu­tun­gen, wie­wol der Name Arke­lo schon 1424 in obi­ger Urkun­de, mit­hin vor der Regie­rung jenes Bisch­ofes vor­kömt.

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vor­be­hielt, so wie das Alles im Kirch­spie­le Emblich­eim gele­gen. Zeu­gen waren Hen­rich von Zele­wordt, Egbert Herr zu Alme­lo, Mat­thä­us von Gra­ves­tor­pe und Johann Voe­the. Die Herr­lich­keit Emblich­eim oder Emmel­kamp wur­de unterm Namen Ennyn­than 1486 den sie­ben­ten Febru­ar vom Kai­ser Frie­de­rich dem Drit­ten unter die Reichs-Leh­ne gezä­let.

 

§. 79.

Auch das Haus Brand­lecht kömt 1426 in der Bent­hei­mi­schen Geschich­te in einer Urkun­de vor, wor­in Adolf von Bran­telght und sein Sohn Herr­man sich ver­pflich­ten, daß sie, nach­dem sie vom Gra­fen Johann und des­sen Söh­nen Simon und Otto mit dem Hau­se Bran­tel­ghet beleh­net wor­den, auch die Erlaub­niß erhal­ten, daselbst eine höl­zer­ne Burg auf­zu­füh­ren und sel­bi­ge mit sei­nem fünf und sie­ben­zig Fuß wei­ten Gra­ben zu umzie­hen, sie die vor­her errich­te­te Aus­söhh­nung hal­ten, von die­sem Hau­se den Gra­fen von Bent­heim und ihren Burg­män­nern, Lehn­leu­ten und sons­ti­gen gräf­li­chen Leu­ten kei­nen Scha­den zufü­gen, sound­ern viel­mehr als treue Vasal­len sich betra­gen woll­ten: etwa unver­hoft ent­ste­hen­de Strei­tig­kei­ten soll­ten ent­we­der in Güte ver­mit­telt, oder vor dem Gra­fen und des­sen Burg­män­nern I) ent­schie-

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I) PARES CURIAE Hof­ge­no­ße­ne unter dem Vor-

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den; bey einem Todt­schla­ge aber woll­ten sie sich dem Land-Rech­te (I) unter­wer­fen. Eine sol­che Ver­si­che­rung soll­ten auch Adolphs Erben jedes­mal unter ihren Sie­geln aus­stel­len, ehe und bevor sie mit Bran­tel­ghet beleh­net wür­den. Zeu­gen waren Egbert des Gra­fen Bru­der und Vice­dom zu Müns­ter, Arnold von Boclo, Eil­art von Methe­len, Hei­ne von Zebe­l­ing­hen, Arnold Pasche­d­agb, Klaas von Beve­ren, Hugo Bare, Johann Voet, Swe­der von Bret­le­re, Bruns­ten, van der Maze. Die­se Ver­si­che­rung wie­der­hol­te des vori­gen Adolfs von Brand­lecht Sohn und Her­mans Bru­der Abolph der jün­ge­re 1451 in einem im vori­gen Lehns-Rever­se gesto­che­nen so gen­an­ten Trans­fix. Zeu­gen waren: Arnold von Sco­nen­vel­de, Hugo de Bare, Flo­ri­ken Voet, Johann von Beve­ren, Chris­ti­an von Sven­dor­pen.

 

§. 80.

Unter der Regie­rungs die­ses Graf. v. Bent­heim erhielt die alte Kir­che zum hei­li­gen Weren­fried in Uel­sen Uet­rech­ti­scher Diö­ces, und unter dem Decha­nat oder Archi­dia­co­nat Otmars­sen (2), vor­her

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sit­ze des Lan­des­herr­li­chen Burg­gra­fen.

(2) Im vor­er­wähn­ten Kauf­brie­fe Hen­richs von Grams­ber­gen über die Herr­lich­keit Emblich­eim wird auch von LANDRECHT und LEHNRECHT gespro­chen.
(3) LINDEBORN HIST. SIVE NOTITIA EPISCOPATUS

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wozu Otmars­hem, Alme­lo, Weer­se­lo, Uel­sen, Feld­hau­sen I), Embli­kamp, Laer­wol­de, Dene­kamp, Frie­sen­ven­ne, Wier­den, Tüb­ber­gen gehör­ten, 1427 einen Päbst­li­chen Ablaß von zwölf Bischö­fen, wor­un­ter die von Bran­de­burg, Lübeck und  Min­den waren.

 

§. 81.

Dem Fürst­bi­sch­ofe Johann von Diest zu Uet­recht ver­kauf­te der Graf 1428 mit Gen­emi­gung [sic!] sei­ner Gema­lin Mech­tild und sei­ner Söh­ne Simon und Otto,  sei­ne und der Graf­schaft Bent­heim Leh­ne im Ober- und­dd Nie­der­stif­te Uet­recht, für eine ihm wol bezahl­te Sum­me Gel­des. Die­se Leh­ne waren: die merk­wür­di­ge Burg Ruten­berg 2), wel­che Hako von Ruten­berg besä­ße, ein Gut-Namens Wes­ter­hof, ein Haus bey Hes­ne, wel­ches Albert Krech [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Keech] gehabt hät­te, »ein Haus in Wils­ne 3), drey Häu­ser bey Ste­gen, zwey Häu­ser bey Beer­za 3) ein Haus bey Ane­we­de, ein Haus bey

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DAVENTRIENSIS. PAG. 425 zum Kirch­spie­le Uel­sen gehör­te Lage, auf des­sen Schlo­ße das Uet­rech­ti­sche geist­li­che Gericht gehal­ten wur­de, das Offi­ci­a­lat war in der Haupt­stadt von Twen­te, Olden­saal.  Sala, Gericht

1) Neu­en­haus geh. zur Feld­hau­ser Pfarrey.
2) Im Kirch­spie­le Dalf­zen unweit Zwol­le, an der Vech­te, jetzt ein Gut des Herrn von Frei­tag oder Fri­d­ag.
3) Unweit Cam­pen.
4) Pal­lant zu Beer­se.

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ANE, Rede­rinc Haus bey Laer­wol­de I), das Haus CLOESTER 2) bey Coe­ver­den, vier Häu­ser mit einer Scheu­er bey Scher­pen­ze­le 3), die Erben des Hese­kin v. Gra­ve, Rudolphs von den Sta­de zwey Häu­ser bey Sta­de, des Soh­nes God­schalks von Dal­wes­hem Haus gen­ant Gro­ten­huis bey DALWASHEM , Alphards von Scu­ren Haus gen­ant Goe­thus bey Vil­s­cen, nach Minis­te­ri­al­recht; die Burg DÜRSTEDE des Süeder von Abe­ke­wou­de 4), das Gericht und ein Zehn­te bey RENEN, mit den Per­ti­nenz­i­en, eine Insel des Johann v. AMERONGHEN gele­gen gegen Hos­teden in Noda, gewi­ße Güter und Zehn­ten der Erben Gewards des Soh­nes Wal­ters über den Berg bey Renen, eini­ge Güter und Zehn­ten Ber­tolds Wene in MERSE über den Berg und in ELS, eini­ge Güter Die­te­richs gen­ant Bovie, deren Namen Er nicht wüs­te.

Alle Bent­hei­mi­sche Leh­ne, die aus die­sem Nexu in das Uet­rech­ti­sche kamen, und zum Thei­le in der Nach­bar­schaft der Graf­schaft, in Sal­land, Dren­te, auch in der Pro­vinz Uet­recht zu suchen sind.

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I) Jetzt bey der Bent­hei­mi­schen Herr­lich­keit Laer.
2) Die­se Fami­lie führ­te das Bent­hei­mi­sche Wap­pen. Das Haus Klos­ter bekam die Fami­lie von dem Kamp, wor­aus die letz­te Frau von Voet zu Bögelscamp. Sieh das Epi­ta­phi­um ihrer Ael­tern in der Kir­che zu Frens­we­gen.
3) Bey Goor.
4) Abkou.

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§. 82.

In der Graf­schaft Bent­heim erscheint um die­se Zeit eine neue Stadt Neu­en­haus, da die eben gedach­ten Gräf­li­chen Per­so­nen 1428 der neu­lich von ihnen errich­te­ten Kapel­le in ihrer neu­en Burg Din­kel­ro­de ihren gro­ßen und klei­nen Zehn­ten aus den Erben Alerd­ink, Gri­pink, Vri­link, Maat­hus und Wul­fes­hus in Bre­kin­chem Kirch­spie­les Otmars­sen mit dem Bedin­ge schenk­ten, daß die­se Zehn­ten einem Alta­re in den Kir­chen zu Scut­tor­pe oder Bent­heim zu Gute kom­men soll­ten, wenn die­se Burg Din­kel­ro­de etwa zer­stö­ret wer­den, oder von der Graf­schaft Bent­heim abko­men soll­te. Zeu­gen waren: Arnold von Boclo, Rit­ter; Arnold Pasche­dach, Hugo Beren, Arnold von Sco­nen­vel­de, Swe­der von Bret­la­re, Kna­pen und alle Burg­män­ner.

 

§. 83.

Da das Müns­teri­sche Otten­stein eine der Graf­schaft Bent­heim benach­bar­te Dynas­tie war, und die Häu­ser Solms von Otten­stein I), Ahaus, Horst-

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I) Das Schloß Otten­stein ward mit Bewil­li­gung des Müns­teri­schen Bisch­ofes Lud­wig 2 auf das moras­ti­ge Land, Gar­brok gen­ant, von dem Otto, Edlen von Ahaus, im Jah­re 1416 erbau­et, und von sei­nem Namen Otto also benen­net. Von ihm kam Otten­stein an Hein­rich Gra­fen von Solms.

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mar u. d. m. mit den Häu­sern Bent­heim und Stein­furt ver­want waren, so wie es bey­de letz­te­re waren, wor­aus eine Fami­lie gewor­den, so kann hier eines Ver­spre­chens des Wal­ter von Hol­thusen vom Jah­re 1430 um des­to mehr erwäh­net wer­den, da die dar­über errich­te­te Urkun­de im Bent­hei­mi­schen Archi­ve ver­wah­ret wird. Gedach­ter von Hol­thusen ver­spricht dar­in, daß wenn er oder sei­ne Erben des Pudi­kes Gut im Kirch­spie­le Wul­len, wel­ches er vom Herrn Hen­rich von Otten­stein zu Leh­ne trü­ge, jemals ver­kau­fen oder ver­tau­schen wür­den, sie als­dann das Hecke­haus im Kirch­spie­le Lare, wel­ches sie Fami­lie von Holt­hau­sen, vom Her­ren zu Otten­stein als ein jähr­li­ches Zins­gut besä­ße, als ein Lehn­gut von ihm zu Leh­ne tra­gen wür­den.

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bey des­sen Fami­lie es bis 1408 geblie­ben ist, wo Otto von Hoya, Bischof von Müns­ter, den Besit­zer, Gra­fen Hein­rich von Solms aus vie­len wich­ti­gen Ura­chen befeh­de­te, sein Schloß bela­ger­te und ein­nahm. Erm­gard Abtis­sin zu Heer­se und Agnes Frau von Brunk­horst zu Bor­ke­lo tha­ten 1431 vorm Müns­teri­schen Rit­ter [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Rich­ter] Bernd Ker­ke­ring einen fei­er­li­chen Abstand dar­auf.
Kind­lin­ger Müns­teri­sche Bei­trä­ge. Ers­ter Band, S. 56. Note A. Nur ver­mi­sche man hier­bey das dem Stif­te Müns­ter gefähr­li­che Recht, ein Schloß oder damals eine Fes­tung zu errich­ten nicht mit der Aus­übung der fried­li­chen Rega­li­en im Otten­stei­ni­schen Gebie­te.

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Der Graf von Bent­heim war 1431 Lan­des­vä­ter­lich Schie­des-Rich­ter zwi­schen Johann von Ber­ge und Niko­laus Koker­lo, da Er jenen dazu anhielt, die­sem jähr­lich zwi­schen Michae­li und Mar­ti­nis ein Malt Rocken Twen­ti­scher Maa­ße aus dem Hau­se Ten Hol­te, Kauf-Con­trac­te gemäß zu ent­rich­ten, da er dafür fünf und eine hal­be Mark gang­ba­rer Dena­ri­en erhal­ten hät­te, zugleich ert­heil­te Er dem Rich­ter die Macht, im Miß­za­lungs­fal­le, die­sen Aus­gang aus dem Hau­se Ten Hol­te, davon, oder von ande­re Güter des Johann von Ber­ge, ohne gericht­li­che Weit­läuf­tig­kei­ten, bey para­ter Exe­cu­ti­on zu erhe­ben. Die­ses Haus Ten Hol­te scheint in oder bey Feld­hau­sen gele­gen zu haben, da die dor­ti­ge Kir­che die­se Urkun­de besit­zet, wor­in Ger­lach von Man­here, Con­rad von Esche, Her­man von Gode­lin­chen, der gräf­li­che Rich­ter Otto Twent, Wig­bold gen­ant Bul­lic, Wil­le­kin der Sohn Wilhlms [sic!] Sco­ne­we­ders, Zeu­gen waren.

Die Kir­che zu Uel­sen erhielt 1432 einen Zehn­ten von der Fami­lie Meier­ink aus dem Hau­se Son­nen­bergrink, zu einem ewi­gen Lich­te zur Ehre der seligs­ten Jung­frau Maria, wie der Bent­hei­mi­sche urg­mann [sic!] und Kna­pe Swe­der von Breet­la­re mit sei­nem Sie­gel beur­kun­de­te. Ein ande­rer Burg­mann, näm­lich Arnold von Schon­evel­de bezeug­te mit sei­nem Sie­gel, daß er und sei­ne Erben von

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Herr­schaft zu Bent­heim das Haus zum Vogel­sang und das Haus zu Heet­la­ge im Kirch­spie­le Bent­heim mit Allem, was zu bei­den Häu­ser gehör­te zu Burg­leh­ne, das Haus zu Horst im Kirch­spie­le Gil­de­haus, die Häu­ser zur Becke am Elle­ber­ge und zu Hel­schen im Kirch­spie­le Büren, das Haus Oel­riking im Kirch­spie­le Och­te­pe I), das Haus zu Leme im Kirch­spie­le Olden­zel, das Haus Ghos­sen­inch zu Bre­ckin­chem 2) im Kirch­spie­le Otmer­schem, das Haus Hon­zo­de im Dor­fe Vel­thusen, und Rotem­ans Haus zu Wyl­schem im Kirch­spie­le Uel­sen, hin­ge­gen in Dienst­mans statt besä­ßen.

 

§. 85.

Des dama­li­gen Gra­fen Johanns des Zwei­ten von Bent­heim wird in einer Urkun­de die­ses Jah­res 1432 zuletzt gedacht. Er und alle sei­ne Erben bezeu­gen dar­in, daß Eilard von den Tor­ne und des­sen Erben fol­gen­de Güter von ihm zu Leh­ne trü­gen: Jenen Zehn­ten, den er für das Goge­richt zu Uel­sen laut Kauf­brie­fes emp­fan­gen hät­te, des Rosentret­ters Haus zu Hoe­ke­ling­hen, das Haus Moge­rinch im Dor­fe Uel­sen und die­se Güter zu Vurg­lehn [sic!]; den Hof zu Hil­ten die Räu­mung aus den Brü­chen zu Bre­kin­chem zum Hofe zu Blun­de­na, die Ryt­wa­re von Blun­de­na,

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I) Och­trup.
2) Bre­kel­kamp, so Bent­hei­misch und Twen­tisch.

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zu den Weder­in­kes Bane, die Fische­rey von der Din­kel­brü­cke zu Goß­schal­king­wa­re, die Holz­ge­rich­te in Tin­hol­te, Hil­ten und Uel­sen, die Vieh­trif­ten in den Mar­ken Gode­li­chem, Hil­ten, Leme­king, das Haus Ston­ebrin­ke in Hal­le, und die­se Güter in Dienst­manns­statt; das Haus zu Stu­pen­horst, wel­ches Rol­ves­wiß von Lan­gen unter hät­te, auch alles, was Engel­brecht von Hil­ten vonn Eilert I) hiel­te, näm­lich den hal­ben Hof zu Heven­in­chem, das Haus Nid­de­rinch zu Hil­ten, den Zehn­ten des Hau­ses Noder­kinch zu Hesing­hem 2), den Zehn­ten des Hau­ses Hag­hing und des Hau­ses Werg­he­ringh zu Gode­li­chem, wie auch der Häu­ser Ess­mar und Scha­de­haus in Hal­le,  und die­se Güter in Mannstatt.

 

§. 86.

Im fol­gen­den Jah­re 1433 den ein und zwan­zigs­ten July leb­te der Graf nicht mehr, zu Fol­ge eines Docu­ments sei­nes Bru­ders Egbert, Dom­herrn und Vice­doms zu Müns­ter, von die­sem Jah­re und Tage, wor­in der­sel­be bezeu­get, daß weder sein vor­ge­dach­ter ver­stor­be­ner Bru­der, noch des­sen erst­ge­bohr­ner Sohn Simon, noch auch sonst Einer sei­ner Erben eini­ges Recht an dem von ihm

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I) Von den Thor­ne.
2) Ist auch Bent­hei­misch u. Twen­tisch.

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in Müns­ter I) gekauf­ten Hau­se 2), noch auch an den Zehn­ten in Vimolt [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Bimolt] in der Pfarrey Nort­hor­ne hät­ten, wel­chen Zehn­ten und des­sen Per­ti­nenz­i­en Er vom  Dom­ca­pit­tel gekau­fet, und dem­sel­ben für vier Mar­ken ste­ter Ein­künf­te wie­der ver­macht hät­te, so wenig als an dem Hau­se zum Vor­wer­ke im Kirch­spie­le, St. Mau­ritz 3), und des­sen Zube­hör, noch end­lich auch an einem Hau­se in Scut­tor­pe, wel­ches Er von Gerards von Quen­dor­pe gekau­fet hätt­te [sic!].

Der Graf von Bent­heim, Johann der Zwey­te, hat­te fünf Söh­ne und fünf Töch­ter, und doch erlosch in sei­nen Söh­nen der Manns­stamm die­ser Gra­fen von Bent­heim aus dem Hau­se der Gra­fen von Hol­land. — - Sei­ne Söh­ne waren: Simon, Otto, Johan­nes, Chris­ti­an und Ber­nard, wovon der Ers­te, Zwey­te und Fünf­te, einer nach dem andern, gewiß zu einem sel­te­nen Bei­spie­le, die Graf­schaft Bent­heim regie­ret haben. Der Drit­te, Johan­nes, ver­starb jung. Der Vier­te, Chris­ti­an auch Kers­ti­an gen­ant, war Donn­herr oder viel­mehr Dom­graf zu Kölln und Dom­probst zu Müns­ter, scheint aber in den letz­te­ren Jah­ren zu Bent­heim pri­va­ti­sirt zu haben, da Er

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I) Wo sonst ein Thor des GRAFEN von Bent­heim war.
2) Viel­leicht die Ken­ma­de Stät­te mit der Burg­frei­heit.
3) Bey Müns­ter.

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in den Urkun­den oft, und ohne alle Titu­la­tur vor­kömt. Sei­ne fünf Töch­ter waren: Hade­wig, Haze­ke, Tule, Lisa und Mar­ga­re­ta. hier­von war Hade­wig mit dem Dynas­ten Ever­win von Güter­wyk ver­mä­let, wodurch die Graf­schaft Bent­heim auf das Güters­wyk­sche Haus ver­fiel, wovon die Gra­fen von Bent­heim, Stein­furt und Teck­len­burg-Rhe­da abstam­men.

Die bei­den andern Grä­fin­nen von Bent­heim Haze­ke und Tale [Ata­lia] waren Abtis­sin­nen zu Vre­den und Fre­cken­horst, wenn man gleich nicht weiß, in wel­chem Stif­te Jede bestimmt Abtis­sin war. Lisa [Eli­sa­bet] war Abtis­sin des frey­welt­li­chen Stif­tes Heer­se oder Neu­en­heer­se im Pader­bor­ni­schen, wel­ches Jung mit dem uralten berühm­ten Non­nen­klos­ter I) im Rhe­dai­schen ver­mi­schet. Die Fünf­te, Mar­ga­re­ta, war Gema­lin des Gra­fen Otto des Vier­ten von Olden­burg.

 

§. 87.

Graf Simon.

Die­ser soll mit Catha­ri­na, einer Toch­ter Bal­du­ins des Drit­ten von Stein­furt, nach einer andern Nach­richt, viel­leicht eines Frens­we­ger Geist­li­chen, zwey­mal ver­mä­let gewe­sen seyn, aber stets an der Aus­zeh­rung gekrän­kelt haben, wes­we­gen Er kei­ne Erben bekam.

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I) Her­ze­brok.

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Er soll vor sei­nem fünf­zigs­ten Jah­re nicht zur Regie­rung gekom­men seyn, Schüt­torf mit Mau­ren umge­ben haben, und gehei­mer Rath des Fürst­bi­sch­ofes Lude­wigs des Zwei­ten zu Müns­ter gewe­sen seyn.

 

§. 88.

In Urkun­den erscheint Er zuerst 1333, wenn der in den Nie­der­lan­den so sehr begü­ter­te, und in dor­ti­gen Docu­men­ten, nach dem Berich­te des Men­so Alting in sei­ner latei­ni­schen Notiz des Nie­der-Teutsch­lan­des, so oft vor­kom­men­de Simon von Bent­heim, die­ser Graf nach Jungs Mei­nung nicht war I)

In jenem Diplo­me belehnt Er Aleid von Del­den, eine Begi­ne oder Geist­li­che mit dem gros­sen und klei­nen Zehn­ten in der Bau­er­schaft Wels-

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I) So erschei­nen Simon von Bent­heim u. Johann von Sten­vor­den in einer Urkun­de des Gra­fen Wil­helm von Hen­ne­gau, Hol­land und See­land, 1305 unter den Edeln womit der Graf ver­ord­ne­te, daß alle die­je­ni­gen, wel­che ihre ade­li­che Geburt nicht bewei­sen könn­ten, in Del­f­land in der Graf­schaft Hol­land nicht frey von Schatznng seyn soll­ten; so wie Her­zog Johann von Bai­ern, Graf von Hol­land 1422 bestim­te, daß der Kai­ser­li­che Brief-Adel nie­man­den Schat­zung­frey machen soll­te.

OUDHEDEN EN GESTICHTEN VAN DELFLAND. P. 68. 79.

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im Kirch­spie­le Olst, von Gütern, die Wer­de hie­ßen, nach Züt­phen­schem Rech­te. Die Erben die­ser Aleid soll­ten davon nicht enter­bet, auch soll­te die­ses Lehn dem Lehns­herrn nicht zurück gege­ben wer­den, zum Heer­ge­wet­te soll­te ein Pfund Deven­tri­scher Mün­ze, oder des­sen Werth inner­halb Jah­res und sechs Wochen nach Aleids Tode, von ihrem Erbe oder ihren Erben gege­ben wer­den. Die­ser Lehn­brief wur­de 1351 den 17 April vom Deven­tri­schen Magis­tra­te bestä­ti­get, wobey die Regie­rung der kai­ser­li­chen frey­en Han­se­stadt Deven­ter, wel­che damals, wie jene zu Nürn­berg, womit sie viel Ver­kehr hat­te, wovon die Nüren­ber­ger Stra­ße, und der ehe­ma­li­ge Nüren­ber­ger Thurm in der Stadt­mau­er zeu­gen, aus edlen mit dem den Bent­hei­mi­schen Burg­män­nern ver­wand­ten Geschlech­tern bestand 2), den Gra­fen von Bent­heim den Edlen und Mäch­ti­gen, auch wol wegen sei­ner vie­len aus­wer­ti­gen Leh­ne, nan­te. Eine ande­re Beleh­nung erteil­te der Graf

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I) Wel­sum zwi­schen Deven­ter und Zwol­le, an der Issel.
2) Daher zei­gen sich die ehe­ma­li­gen Bent­hei­mi­schen Fami­li­en Hol­te, Voet, u. s. w. in dasi­ger Gegend, in der Vel­au, in Har­der­wyk u. s. w. im sechs­zehn­ten Jahr­hun­dert. Die Frau von Twi­ckel gebohr­ne von Hol­te ver­erb­te Bögelscamp auf Voet, womit ihre Bru­ders Toch­ter Hol­te ver­heu­ra­tet war, u. nicht auf deren vor­her ver­stor­be­ne Schwes­ter, die Frau von Klos­ter zu Even­lo.

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1334 den zwei­ten Jän­ner, am Tage, wor­auf sich der Her­man Ruten­kam­pes auf der Din­kel mit der Stadt Olden­zel nach einer mit der­sel­ben geführ­ten Feh­de wie­der aus­söhn­te, dem Ernst den Bey­er und des­sen Soh­ne Weren­bolt, zur gesam­ten Hand in Dienst­mans­statt, mit dem Hau­se zu Beye­rinch, und ver­lieh des Erstern Frau Kers­ti­ne davon die Leib­zucht. Zeu­gen waren: Arnold Pasche­dach, Fried­rich von Quen­dor­pe, Con­rad von Esche.

 

§. 89.

Unter der Regie­rung die­ses Gra­fen erhielt die schö­ne Kir­che zu Schüt­torf, die größ­te in der Graf­schaft Bent­heim, so wie sie den höchs­ten Thurm
hat, unterm Titel zum hei­li­gen Lau­renz, Müns­teri­scher Diö­ces, 1335 einen Päbst­li­chen Ablaß von vier­zehn Bischö­fen. Zu Fol­ge der auf der Päpst­li­chen Bul­le befind­li­chen Nach­richt bewürk­te der Graf Ber­nard 1390 eine Erwei­te­rung die­ses Abla­ßes auf Schüt­tor­fer Kirch­wei­he I) durch den dasi­gen Pfar­rer Hen­rich Krull. Das Patro­nat-Recht die­ser Kir­che, wel­ches die Bent­hei­mi­schen Gra­fen Bal­du­in, Otto, Egbert, Johann und die­ser Simon dem Frau­en­klos­ter Mari­en­ro­de zu Wiet­mär­schen ver­lie­hen, und der Probst [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Pabst] Bene-

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I) Wobey eine Kirch-Mes­se, Ker­mis und Jahr­markt statt hat­te.

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dict der Zwölf­te bestä­ti­get hät­te, con­firm­ir­te 1341 der Müns­teri­sche Bischof Lude­wig in einer bey der Fami­lie von Bees­ten, nach Jungs Bericht, beru­hen­den Urkun­de, mit dem Zusat­ze, daß Welt­geist­li­che die­se Pfarrey beklei­den und so viel dafür erhal­ten soll­ten, daß sie anstän­dig davon leben und die Bischöf­li­chen- und Archi­dia­co­nal­ge­büh­ren ent­rich­ten könn­ten, sonst aber ihre An- und Abset­zung vom Stif­te abhan­gen soll­te.

 

§. 90.

Der neu­en Kir­che zu Gil­de­haus schenk­te der Graf in die­sem Jah­re mit Geneh­mi­gung sei­nes Bru­ders Otto, Dom­probs­tes zu Pader­born, wie auch sei­ner Brü­der Chris­ti­an und Ber­nard, und aller sei­ner übri­gen Mit­er­ben, zur Ehre ihrer Patro­nin, der hei­li­gen Anna, aus dem Hofe Wyk­ink drey Mal­ter und drey Schef­fel Gers­te und zwan­zig Schef­fel Korn, aus dem Johan­ni­ter Hau­se zu Node­hor­ne I) vier­zehn Schef­fel Korn, wel­che Ein­künf­te die Pro­vi­so­ren die­ser Kir­che jähr­lich aus die­sen Gütern erhe­ben sol­len, und Er oder sei­ne Nach­fol­ger allen­falls mit vier­zig Mar­ken Müns­teri­scher Pfen­nin­ge wie­der soll­ten ablö­sen kön­nen, wofür wie­der Ein­künf­te für die­se Kir­che soll­ten gekau­fet wer­den. Die­ses ist viel­leicht die ein­zi­ge Erwäh­nung einer ehe­ma­li­gen Mal­te­ser-Com­men­de zu

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I) Jetzt viel­leicht die Frens­we­ger Burg.

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Nord­horn, wel­ches damals Not­h­horn hieß und eine War­te gehabt haben soll, wor­auf zur Zeit der Noth ein Feu­er ange­zün­det und mit einem Hor­ne gebla­sen wäre, wel­ches im Wap­pen der Stadt ist. Ande­re lei­ten wol wahr­schein­li­cher den Namen Nord­horn, theils von sei­ner nörd­li­chen Lage in der Graf­schaft, theils vom alten Wor­te Horn her, wel­ches eine Ecke, einen Win­kel an der Vech­te bedeu­tet, wor­an die Stadt liegt I), Node­horn ist Nord­horn in der nach­lä­ßi­gen Schreib­art der Alten, da der Ort alt, aber die Stadt neu ist, wel­che ihre Städ­ti­sche Pri­vi­le­gi­en erst vom Gra­fen Ber­nard dem Ers­ten, dann von Ever­win dem Zwei­ten 1478, von Arnold dem Ers­ten 1531, Arnold dem Zwei­ten 1580, Arnold und sei­nen Brü­dern 1606, Ernst Wil­helm 1634, Arnold Moritz Wil­helm 1696 erhielt. Die Kir­che steht im alten Dor­fe, wel­ches von der Stadt durch die Vech­te geschie­den ist, so wie es Alte-Lin­gen; Alte-Oot­mars­sem, u. s. w. gie­bt. Zum Andenken des alten Dor­fes kann das Horn der Hir­ten ins Städ­ti­sche Wap­pen gekom­men seyn.

So wie die Teut­sche Han­se und der Teut­sche Han­del ver­fiel, ver­fiel Schüt­torf, und so wie Repu­blik der Ver­ei­nig­ten Nie­der­lan­de und ihre

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I) Sowie die Bau­er­schaft Scher­horn in der Nie­der­graf­schaft.

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Ost- und west­in­di­sche Com­pa­gni­en blü­he­ten, blü­he­ten Nord­horn und Neu­en­haus auf. In der Graf­schaft Bent­heirn wur­de im gan­zen Mit­tel­al­ter nach Müns­teri­schen Gel­de gerech­net, wel­ches in neu­ern Zei­ten durch das Hol­län­di­sche ver­drun­gen ist, obschon man auch gräf­li­che Mün­ze gehabt hat.

 

§. 91.

Die letz­te bekann­te Urkun­de des Gra­fen Simon, des­sen Tod 1347 erfolgt seyn soll, ist vom 15ten Juny 1343, wor­in Er mit Geneh­mi­gung sei­ner Brü­der Otto, Dom­probs­tes zu Pader­born, Chris­ti­an und Ber­nard, wie sei­ner übri­gen Erben, das Haus Rober­ting bey Schüt­torf vom Lehns-Ver­ban­de befreiete, wel­ches dar­auf des­sen Besit­zer Fried­rich von Quen­dor­pe mit sei­nen Aeckern, Wie­sen und Wei­den und sons­ti­gem Zube­hör, dem Alta­re der see­ligs­ten Jung­frau Maria zu Schüt­torf, zum Bes­ten des neu­en Vica­rii des­sel­ben Ber­nard von Hon­hol­te, unter Ein­wil­li­gung des Probs­tes, der Prio­rin und des Con­ven­tes zu Mari­en­ro­de in Wiet­mär­schen, wid­me­te.

Da Wiet­mär­schen nur eine Prio­rin, und noch kei­ne Abtis­sin hat­te, und der Müns­teri­sche Bischof bey sei­ner Bestä­ti­gung des Wiet­mär­scher Patro­nats­rech­tes zu Schüt­torf 1341 von den weni­gen Ein-

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künf­ten des­sel­ben erwäh­net, so war sei­ne ers­te Stif­tung wol von kei­ner gro­ßen Bedeu­tung.

 

§. 92.

Die drey Feh­den, die die­ser Graf Simon von Bent­heim mit dem Müns­teri­schen Fürst­bi­sch­ofe Lude­wig dem Zwey­ten von Hes­sen, nach dem Berich­te der Müns­teri­schen Geschicht­schrei­ber, gefüh­ret, kön­nen der ver­wir­re­ten Schreib­art der dama­li­gen Chro­ni­ken  wegen hier nicht wei­ter als nur ange­führt wer­den. Die­ser Bischof hat­te es auch mit den Gra­fen von Teken­eburg und von Solms zu Otten­stein zu thun, zer­stö­re­te die Burg Uebel­gön­ne und ent­rich­te­te die Burg Schlips­ten oder Schlip­sen I) unweit Lin­gen, wel­che Die Gra­fen von Bent­heim und Teken­eburg wie­der zer­stö­re­ten, an deren Stel­le der Müns­teri­sche Bischof Hein­rich Her­ze­vorth errich­te­te. Auch dem Müns­teri­schen Bisch­ofe Otto von Hoja wird die Zer­stö­rung einer Burg Uebel­gön­ne 1396  zuge­schrie­ben, wel­che Ludolph von Stein­furt Bal­du­ins Sohn bey Schöp­pin­gen an der Vech­te errich­tet hat­te. Arnold von Bever­ger­ne in sei­ner Müns­teri­schen Chro­nyk 2) erzäh­let hier­von: Die­ser Bischof hät­te Oevel­gün­ne, wel­ches den Dynas­ten von Stein­furt und Otten­stein gemein­schaft­lich gehö­ret hät­te,

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I) Viel­leicht Schleif­stein, wodurch er sei­ne Fein­de schlei­fen woll­te.
2) IN AUT. MATTHAI ANALECT. TOM. V. PAG. 64.

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bela­gert, wäh­rend der Bela­ge­rung wäre bedun­gen, daß die­ses Schloß inner­halb eines Mona­tes nicht soll­te zer­stört wer­den, immit­tels hät­ten die

Stein­fur­ter den Bischof gefan­gen bekom­men und ihn nach Stein­furt geführts, wor­auf die Müns­teri­schen Stein­furt bela­gert und den Bischof für sie­ben­tau­send und fünf­hun­dert Gul­den ran­zio­nirt und Uebel­gün­ne zer­stört hät­ten. Der Bischof hät­te end­lich Vre­den wider Swe­der von Vors­te zu Ahaus und wider den Herrn von Solms zu Otten­stein befes­ti­get.

 

§. 93.

Die Stein­fur­ter Nach­rich­ten klä­ren die­se Vor­fäl­le auf und sol­len in der Geschich­te des Stein­fur­ti­schen Hau­ses bald mit­get­hei­let wer­den. Auch erst­ge­dach­ter Müns­teri­scher Bischof Lude­wig von Hes­sen lag mit Ludolph von Stein­furt in einer Feh­de, zu des­sen, als sei­nes Ver­wand­ten, Bei­stan­de der Graf Simon von Bent­heim wol mit dar­in ver­wi­ckelt wur­de, da das berühm­te Stein­fur­ti­sche Schloß Schwa­nen­burg durch den Bischof von Grund aus zer­stö­ret ward. Auf die­sem Schlo­ße Schwa­nen­burg hat­te Ludolph von Stein­furt noch 1303 bezeu­get, daß Er für sich und für sei­nen Vater Bal­du­in, wie für sei­ne Hel­fers Hel­fer, mit dem Bisch­ofe Lude­wig von Osna­brück, mit dem dor­ti­gen Dom­ca­pi­tel, mit die

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Minis­te­ria­len, der Stadt und dem Biß­t­hu­me Osna­brück eine Ver­söh­nung getrof­fen hät­te, wor­nach die Gefan­ge­nen ohne alle Ansprü­che oder Ding­ta­le befrey­et wer­den soll­ten.  Jung weiß den Ort nicht anzu­ge­ben, wo die­se Schwa­nen­burg gestan­den, und die Geschich­te wür­de es nicht erfah­ren, hät­te die güti­ge Offen­heit des jetzt regie­ren­den Herrn Gra­fen zu Bent­heim und Stein­furt sie nicht der Nach­richt hier­über erfreu­et. In einer Müns­teri­schen im Stein­fur­ti­schen Archi­ve auf­be­wahr­ten geschrie­be­nen Chro­nyk heißt es näm­lich zum Jah­re 1310 “der Müns­teri­sche Bischof Lude­wig von Hes­sen hät­te vor Stein­furt des Herrn von Stein­furt Sohn mit dem Herrn Gis­bert von Bron­khorst und vie­le ande­re Herrn gefan­gen bekom­men, und ihm sei­ne gan­ze Herr­schaft, die Er zu Rhei­ne hat­te, abge­schatz­et, ihm auch sein Schloß Schwa­nen­burg zu Mesum auf dem Orte, wo die­se Hrn. noch die Fische­rey hät­ten, zer­stö­ret, ihm gro­ßen Scha­den gethan und ihn ganz arm gemacht, wie das bekannt wäre I).”

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I) LUDOVICUS DE 34TE BISCHOP EIN LANDGRAVE TE HESSEN, FENK VOOR STENVORD DES HEREN VAN STENVORD SOHN, HEREN GISBERT VAN BRUNKHORST, MET VELEN ANDEREN HEREN, UND SCHATTEDE EM AF ALLE DE HERSCHAP, DE HE HADDE TO RHENE UN VERSTORDE HEM SYN SLOT SWANEBORG UP DEN PLAZ DA DIE HEREN DE FISCHEREY TE MESEM HEBBEN UND DEDE EM GTOTEN [sic!] SCHADE EN MAKENDE EM TO MALEN ARM, ALS DAT KÜNDIG.

Die­ses wird auch von Rump in sei­nem zu

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Wenn nun die Reich­freye Herrn zu Stein­furt nach ihrem Wap­pen, die Schwa­ne, ihr Schloß benan­ten I) so misch­ten die Gra­fen von Benthei­ne wol umge­kehrt die Ide ihrer gebür­gig­ten Stein­fes­te in einer ebe­nen Gegend, in ihre neun­zehn ver­gol­de­ten Stein­ku­geln oder Pfen­nin­ge.

 

§. 94.

Otto der Sechs­te oder Fünf­te.

Die­ser folg­te auf sei­nen unbe­erb­ten Bru­der Simon in der Bent­hei­mi­schen Regie­rung. Er war Dom­probst zu Müns­ter und Pader­born, resi­gnir­te aber ers­te­re Dom­prob­stey auf sei­nen Bru­der Chris­ti­an, unter Begüns­ti­gung des Pader­bor­ni­schen Fürst­bi­sch­ofes Bal­du­in aus dem Stein­fur­ti­schen Hau­se, der zugleich Pähst­li­cher [sic!] Bevol­mäch­tig­ter war. Die über die­sen Gegen­stand han­deln­den zwey Urkun­den die­ses Bisch­ofes zu Pader­born von den Jah­ren 1360 und 1361 sind merk-

 

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Stein­furt befind­li­chen Mann­script über die Bent­hei­mi­sche Geschich­te ange­führt.

I) SCHWANENBURG VON STENVORDEN von Got­tes Gna­de Abtis­sin von Laus­d­unen oder Loos­dui­nen, ver­mach­ten die­sen illüs­tern Klos­ter, wor­in Grä­fin Richarda von Hol­land 1250 geist­lich und Anna von Egmond 1546 Abtis­sin war, 1401 drei­ßig Pfund hol­län­disch. Sie­he die Urkun­de in OUDHEDEN EN GESTICHTEN VON DELFLAND. P. 450.

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wür­dig für die Bent­heim Stein­fur­ti­sche und benach­bar­te, wie für die Kir­chen Geschich­te.

 

§. 95.

Gedach­ter Fürst­bi­schof macht im ers­ten Docu­ment dem Dom­ca­pi­tel zu Müns­ter bekannt, daß der Köll­ni­sche Dom­graf Chris­ti­an von Bent­heim ihm eine Bul­le des Pabs­tes Inno­cenz des Sechs­ten zu Avi­gnon mit­ge­tei­let hät­te, des Inhal­tes: Der Graf Otto von Bent­beim hät­te ehe­mals die Dom­prob­stey zu Pader­born, wozu sonst gewä­let wür­de, und nun auch die Dom­prob­stey zu Müns­ter, wo Er bereits Dom­herr gewe­sen wäre, cano­nisch und wahl­frey erhal­ten, hät­te aber die Wei­hun­gen nun schon über ein Jahr nicht genom­men, ohne des­we­gen eine Päbst­li­che Dis­pen­sa­ti­on bekom­men zu haben; daher gebü­re jetzt die Ver­ge­bung der Müns­teri­schen Dom­prob­stey dem Päbst­li­chen Stuh­le, gemäß der Ver­ord­nung sei­nes Vor­fah­ren, des Pabs­tes Johann des Zwey und Zwan­zigs­ten, und der Probst [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Pabst] bevoll­mäch­tig­te des­we­gen den Bischof zu Pader­born, des Gra­fen Otto Bru­de, den Köll­ni­schen Dom­gra­fen Chris­ti­an von Bent­heim zur Müns­teri­schen Dom­prob­stey zu beför­de­ren. So befeh­le Er, Bischof zu Pader­born, da der Graf Otto von Bent­heim die Müns­teri­sche Dom­prob­stey resi­gnirt hät­te, aus Päbst­li­cher ihm über­tra­ge­ner Gewalt, den Fürst­bi­schof Graf Adolph von der Mark und das Dom­ca­pi­tel zu

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Müns­ter, unter den schwehrs­ten Kirch­li­chen Ahn­dun­gen, des Gra­fen Otto Bru­der, den Köll­ni­schen Dom­gra­fen Chris­ti­an, ehe sechs Wochen, nach der Insi­nua­ti­on die­ses, ver­sto­ßen seyn wür­den, in den Besitz der Müns­teri­schen Dom­prob­stey zu set­zen. Im Namen des Fürst­bi­sch­ofes von Pader­born soll­ten die Dechan­ten, Thes­aurari­en, Scho­las­ters u. Can­to­ren der Dom­stif­ter Pader­born, Hal­ber­stadt, Mag­de­burg, Mainz, Osna­brück, Uet­recht und des Stif­tes Fritz­lar, wie auch die Pfar­rer zu Schüt­tor­pe, zu Nien­ker­ken sonst zum Gil­de­haus genannt, zu Zol­tes­berg­he, Rene, Ben­them und Alden­za­le, weni­ger nicht der Dechant, Thes­aurar und alle Cano­ni­ci, Vica­ri­en und Pries­ter der Kir­che zu Alden­za­le Uet­rech­ti­scher Diö­ces, alle Geist­li­che über­haupt, und nament­lich in der Pader­bor­ni­schen, Müns­teri­schen, Osna­brü­cki­schen, Uet­rech­ti­schen und Köll­ni­schen Diö­ce­sen für die Aus­füh­rung die­ses Päbst­li­chen Man­dats ver­ant­wort­lich seyn.

Die­se von Müns­teri­schen Geist­li­chen auch Päbst­li­chen und Kai­ser­li­chen Notar Her­man von Gro­ten­hus ver­faß­te Bischöf­lich Pader­bor­ni­sche Urkun­de bezeug­ten zu Drin­gen­berg unter Andern der Pader­bor­ni­sche Dom­thes­aurar Hen­rich von Has­le I) und der Dom­scho­las­ter Die­te­rich Dynast

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I) Die Bau­er­schaft Has­se­lo im Gericht­ge und Kirch­spie­le Olden­saal.

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von Ensche­de. Letz­te­rer war auch wol Dom­herr zu Müns­ter; denn der erwähn­te Fürst­bi­schof von Pader­born über­trug als Päbst­li­cher Bevoll­mäch­tig­ter in fol­gen­den Jah­re 1361 dem nun­meh­ri­gen Müns­teri­schen Dom­probs­te Gra­fen Chris­ti­an von  Bent­heim die durch den Tod des Müns­teri­schen Dom­herrn Diet­rich von Enche­de erie­dig­te dor­ti­ge Dom­prä­ben­de mit dem Rin­ge.

 

§. 96.

Schon frü­her war die­ses Gra­fen Bru­der, der Graf Otto von Bent­heim sei­nem Bru­der Simon in der Bent­hei­mi­schen Regie­rung, sey es als zwei­ter Sohn des Gra­fen Johanns des Zwei­ten; oder als Vor­mund sei­nes welt­li­chen noch min­der­jäh­ri­gen Bru­ders Ber­nards gefol­get. Im Jah­re 1348 ver­mit­tel­te Er eine Strei­tig­keit zwi­schen den Gra­fen von Teken­eburg und Johann von Lan­gen. Er scheint sich seit der Zeit sei­nes Antrits der Bent­hei­mi­schen Regie­rung so wenig um die Pader­bor­ni­sche, als um die Müns­teri­sche Dom­prob­stey beküm­mert zu haben, da Er in den Urkun­den blos als Graf von Bent­heim vor­kömt.

Im Jah­re 1349 ver­spra­chen ihm Ger­hard v. Ros­sem I) und Ger­lant de Went den Kauf über

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I) Wie berühmt war Mar­ten von Ros­sem in den Krie­gen des Her­zo­ges Karl von Gel­dern aus dem Hau­se EGMOND wider das

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Oster­wald, so wie Are­nd von Düre ihn mit den Gräf­li­chen Bevoll­mäch­tig­ten Rit­ter Wolf Brin­ckim und Her­man von Brat­tel­ghet geschlos­sen hät­te, zu hal­ten, ihm auch zwei­tau­send gol­de­ne Schil­de zu bestimm­ter Zeit in Deven­ter zu bezah­len; jedoch soll­te der Graf für das siche­re Geleit von zwölf bis zwan­zig Per­so­nen von Deven­ter nach Bent­heim und zurück, wegen des Her­zogs von Gel­dern ein­ste­hen.

 

§. 97.

Johann Slo­et I) nahm vom Gra­fen 1351 das Erbe Hub­bel­dinch, sonst Coelh of genannt, und das Erbe Weter­dinch, bei­de im Kirch­spie­le Rys­sen in der Mar­ke Enter, nach Dienst­man­nes-Recht zu Leh­ne, so wie er sie bis­her von Junk­her Wig­bold von Bent­heim 2) zu Leh­ne getra­gen hät­te. Flo­ril­ken Voet bezeug­te 1355 mit Hand und Sie­gel, dem Gra­fen Otto zu Bent­heim und Dom­probs­te zu Pader­born 3) hun­dert

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Haus Bur­gund? Sein Wahl­spruch war: “Ein Krieg ohne Brand ist eine Ves­per ohne Magni­fi­cat.” Sieh sein Teu­feln Haus in Arn­heim.

I) Eine der alten edlen Fami­lie, die nie, wie so vie­le mit ihr, das Prä­di­cat von gebrauch­te.
2) Wol des Gra­fen Oheim, der ehe­n­der starb, als Er Wehr­haft ward.
3) So nan­te der Graf als regie­ren­der Herr als regie­ren­der Herr sich selbst nicht mehr.

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Mark Müns­teri­schen Gel­des schul­dig zu seyn, und ver­sprach, daß im Fal­le der Graf oder sei­ne Erben Nye­hus (Neu­en­haus) wie­der ein­lö­sen woll­ten, die­se hun­dert Mark wie­der abge­rech­net wer­den soll­ten. Der Dynast Bal­du­in von Stein­furt wur­de 1357 für sich und sei­ne Erben vom Kai­ser Karl dem Vier­ten mit der frey­en Graf­schaft und dem Schöp­pen­stuhl zu Laer I) beleh­net.

 

§. 98.

Heil­wig von Bent­heim von Got­tes Gna­den Pröbs­tin zu Vre­den belehn­te den Dynast Gos­win von Gemen 1357 mit den Pro­ve­stinks Gütern im Kirch­spie­le Bor­ken, mit einem Hand­schu­he; Zeu­gin war unter Andern die Stifts­da­me Lucar­de von Ham­mer­stein.

Der Fürst­bi­schof Adolph von der Mark zu Müns­ter ver­sprach 1358 dem Gra­fen Otto von Bent­heim, daß der­sel­be ihn unge­hin­dert pfän­den könn­te, falls sei­ne Bür­gen für die eil­hun­dert Mark Müns­terisch, die Er dem Gra­fen schul­dig wäre, dem Ange­lob­ten nicht nach­kom­men wür­den. Pusci­en, Pusci­ens Sohn von Sten­vor­de, Kna­pe, emp­fing vom Bent­hei­mi­schen Gra­fen 1359 den Jor­de­ninch Kamp im Kirch­spie­le Oster­wich, als ein ihm gegen das Hans Blan­ckinch auf dem Roden­ber­ge im Kirch-

 

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I) Unweit Stein­furt.

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spie­le Wet­te­rin­gen, wel­ches sonst Bent­hei­mi­sches Lehn war, auf­ge­tra­ge­nes Lehn in Mannstatt. Zeu­gen waren Are­nd von dem Roden­ber­ge und Her­man von Pen­nin­c­lan­de.

 

§. 99.

Der Graf selbst bestä­tig­te 1360 eine Schen­kung des Wer­ner Koken­tit von sechs Schef­feln Rocken Twen­ti­scher Maa­ße, die jähr­lich auf Char-Frei­tag aus dem Schluick­amp an die Kir­che zu  Velt­hau­sen ent­rich­tet wer­den soll­ten, um Wachs-Ker­zen dafür zu kau­fen, die in der Kir­che I) bren­nen soll­ten. Der Rich­ter Egbert Vos zu Uel­zen bezeug­te 1361, daß in einem von ihm zu Veld­hau­sen gehal­te­nen Gerich­te, wobey unter Andern Simon von Dedem, Her­man von Gode­ling­hem und Alard Sly Kur­ge­nos­sen oder Schef­fen waren, Ber­nard Rump so wol unter sei­nes Jun­kern Mat­thä­us von Sco­nen­vel­de, als nach sei­ner nächs­ten Ange­hö­ri­gen Bewil­li­gung, sein zu Veld­hau­sen bele­ge­nes Wohn­haus nebst der Stät­te an Wer­ner Koket­id ver­kauft hät­te; auch sey in Erman­ge­lung des Gericht­li­chen Sie­gels, die­ser Kauf-Con­tract von Simon von Dedem und Mat­thä­us von Sco­nen­vel­de besie­gelt. Jetzt ist Veld­hau­sen ein beson­de­res Gericht, so wie

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I) Bey den Andach­ten beym Gra­be. Die Twen­ti­sche Maa­ße in der Nie­der­graf­schaft bewei­set die Her­kunft der Graf­schaft Bent­heim aus der Graf­schaft Taub­ant. [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Tub­ant]

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das Gericht Neu­en­haus in dem ehe­ma­li­gen Umfan­ge des Gerichts Uel­sen oder der ursprüng­li­chen Nie­der­graf­schaft Bent­heim, wozu die Herr­lich­keit und das heu­ti­ge Gericht Emblich­eim gekom­men war, womit die Herr­lich­keit Laer ver­ei­nigt wur­de.

 

§. 100.

Flo­ri­ken Voet ver­sprach 1364 den zehn­ten Octo­ber mit Hand und Sie­gel, dem edlen Herrn Gra­fen Otto von Bent­heim nächs­ten Weih­nach­ten zu Müns­ter auf der Frei­heit I) tau­send alte gol­de­ne Schil­de zu geben, wenn er das nicht thä­te, so soll­ten er und sei­ne Erden jener fünf­hun­dert gol­de­nen Schil­de ver­lus­tig seyn, wofür ihnen vom Gra­fen Otto und von sei­nen Brü­dern die Burg zu Nyen­huys mit Gut und Leu­ten, mit Gericht­bar­kelt und wei­term Zube­hör ver­schrie­ben wäre.

Graf Otto der Sechs­te von Bent­heim bezeu­ge­te im näm­li­chen Jah­re, daß Simon von Dedem das Gut zum Ryt­ber­ge als ein Burg­lehn, das Gut zum Vor­wal­de und das hal­be Holz­ge­kicht, nebst der Woh­nung der von Esche mit dem Zube­hör als Mark­leh­ne, von Ihm und der Herr­schaft Bent­heim erhal­ten hät­te-

 

§. 101.

Und hie­mit höret die Regie­rung die­ses Gra­fen auf, der in den fol­gen­den Urkun­den wie­der als Dom-

 

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I) Viel­leicht die gräf­li­che Burg Kem­na­de.

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probst von Pader­born vor­komt. Ob er sei­nem nun­mehr groß­jäh­rig gewor­de­nen Bru­der Bernnrd die Regie­rung über­tra­gen, oder sol­che ihm ver­kau­fet habe, ist unge­wiß. Unter sei­ner Regie­rung hat­te der Müns­teri­sche Fürst­bi­schof Abolph von der Mark 1360 viel­leicht mit gutem Wil­len des Bent­hei­mi­schen Gra­fen, die Burg zu Brand­lecht zer­stö­ret, die mög­lich con­tract­wid­rig befes­ti­get war, obschon Jung die Ursa­che die­ses Ver­fah­rens des Bisch­ofes von Müns­ter nicht erra­ten kann.

 

§. 102.

Ber­nard der Ers­te, der Berühm­te.

Die­ser war zwey­mal ver­heu­ra­tet, das ers­te­mal wahr­schein­lich mit der Dynas­tin Ger­trud von Dor­te, des zwei­temal mit Ber­net­ta von Stein­furt, und hat­te doch mit bei­den Gema­lin­nen kei­ne Erben, son­dern beschloß sei­ne merk­wür­di­ge Regie­rung mit Erlö­schung des Mann­stam­mes die­ses gräf­lich Hol­län­disch Bent­hei­mi­schen Hau­ses. Die ers­te Ehe will Jung nicht aner­ken­nen, da er aus der Dynas­tin von Dort eine Grä­fin von Dort­mund macht. Das mäch­ti­ge benach­bar­te Haus Dort auf der Gel­dri­schen Gren­ze unweit Deven­ter und dem berühm­ten Stif­te Ter Hün­nep, wel­ches von sei­ner ehe­ma­li­gen Herr­lich­keit noch eine Lehn­kam­mer vie­ler adli­chen Häu­ser hat, wur­de auch Dor­tun geschrie­ben, war mit den Fami­li­en Flo­dorf,

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Bor­ke­lo, Hohen­zol­lern zu ‘SHer­ren­berg [sic!] u. d. m. ver­wandt.

§. 103.

Die zwei­te Gema­lin Per­net­ta oder Ber­net­ta Dynas­tin von Stein­furt wur­de dem Gra­fen Ber­nard von Bent­heim mit eilf Jah­ren mit dem Bedin­ge ver­lo­bet, daß sie nach ihrem zwölf­ten Jah­re ihm ange­traut wer­den soll­te. Nach volz­o­ge­ner Ehe ent­stan­den zwi­schen ihrem Gemah­le und ihr Mis­hel­lig­kei­ten, wor­über sie zwar nach Stein­furt zurück kehr­te, oder auch wie­der sichz zu ihm begab, ohne daß auch die­se Ehe mit Kin­dern geseg­net wur­de. In den Ehe­pac­ten des Jahrs 1370, wor­in der nai­ve Geist des Zeit­al­ters recht sicht­bar ist, ver­spricht der Dynast Bal­du­in von Stein­furt sei­ner Toch­ter fünf­zehn­hun­dert Mark Müns­terisch zum Braut­schat­ze in bestim­ten Ter­mi­nen mit zu geden, und der Gref [sic!] von Bent­heim ver­schrieb sei­ner Braut hun­dert und fünf­zig der­glei­chen Mark zur Mor­gen­ga­be oder so gen­an­ten Leib­zucht. Ein und Ande­res soll­te in den Herr­schaf­ten Bent­heim und Stein­furt ver­si­chert wer­den. Stür­be Braut oder Bräu­ti­gam vor Voll­zie­hung des Bey­la­gers, so soll­te Stein­furt vom Braut­schat­ze zwey­hun­dert und fünf­zig Mark inner­halb eines Jah­res zurück emp­fan­gen. Das alles wur­de mit Eiden des Schwie­ger­va­ters und Schwie­ger­soh­nes, wie mit ihren bei­der­sei­ti­gen Sie­geln befes­ti­get. Zeu­gen

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waren: Herr Johann von Solms Herr zum Otten­stein, Herr Ever­win von Güters­wich Rit­ter, I) Ludolph Jun­ker von den Ahus, Flo­rikin Voet und Hen­rich Broyl. Im Jah­re 1383 nahm aber Bal­du­in von Stein­furt sei­ne Toch­ter wie­der zu sich, und es wur­de aus­ge­macht, was der Graf von Bent­heim und sei­ne von ihm geschie­de­ne Gema­lin haben soll­te. Die­se soll­te unter Andern fünf und zwan­zig Mark Müns­terisch Gru­ten Accise von Scut­tor­pe jähr­lich bin­nen vier­zehn Näch­te vor oder nach Licht­mes­se genie­ßen. Stür­be sie ohne Erben vom Gra­fen von Bent­heim, so soll­te ihr Braut­schatz an Stein­furt zurück fal­len, so wie der noch unbe­zahl­te Theil des­sel­ben nicht wei­ter ent­rich­tet wer­den soll­te. Der Herr Johann von Solms Herr znm Otten­stein und Ever­hard von der Eze 2) wur­den zu Schie­des-Rich­tern ernant, wel­che auch die Irrun­gen zwi­schen Bent­heim und Stein­furt über die Brech­te ent­schei­den soll­ten. Unter der Regie­rung Ludolfs von Stein­furt des Sohns Bal­du­ins, der Letz­te sei­nes Stam­mes, wor­in alle Herrn Ludolf und Bal­du­in hie­ßen, nahm der Graf von Bent­heim des­sen Schwes­ter 1397 wie­der zu sich, nach­dem sein Schwa­ger ihr hun­dert schwe­re Gul­den in Ver­min­de­rung ihres

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I) Herr als Dynast und Rit­ter wegen sei­nes per­sön­li­chen Gra­des.
2) Dren­ti­sche Herr­schaft, die Fami­lie Eze erhielt auch Grams­ber­gen.

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Braut­schat­zes, ehe Er sie nach Bent­heim bräch­te, beza­len auch ihr das Gera­de ver­ab­fol­gen und ihr jähr­lich acht Tage vor Mar­ti­ni hun­dert Mark Müns­terisch aus­za­len zu las­sen, ver­spro­chen hat­te, bis sie Erben bekom­men wür­de; thä­te Er das nicht, so soll­te Er mit noch fünf Andern in Olden­sel, Schüt­torf, Rhei­ne oder Lin­ge Ein­la­ger hal­ten, bis Er sein Ver­spre­chen erfül­let hät­te; ehe die­ses ges­sche­hen wäre. soll­te auch kein Stein­fur­ti­scher Burg­mann oder Bür­ger einen Herrn neh­men oder ihm hul­di­gen. Die Grä­fin von Bent­heim muß­te aber auch auf die Herr­schaft Stein­furt und auf ihr Väter­li­ches Erb­teil Ver­zicht leis­ten I), es wäre dann daß ihr Bru­der ohne Kin­der stür­be. Das alles an Eides­statt und unter den Sie­geln bei­der Herrn.

§ 103.

Die ers­te bekan­te Urkun­de des Gra­fen Ber­nard, so viel sei­ne Regie­rung betrift, ist vom Jah­re 1365, sowie die Letz­te sei­nes Bru­ders und Vor­fah­ren in der Regie­rung Ottos des Sechs­ten vom vor­her gehen­den Jah­re war. Er ver­macht dar­in mit Ein­wil­li­gung sei­ner Brü­der und aller sei­ner zukünf­ti­gen Erben der Kapel­le zu Nyen­hus ein Grund­stück der Bos­horst gen­ant vor dem Schlo­ße

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I) Die­se Renunza­tio­nen hiel­ten das Teut­sche Fürs­ten Recht wie­der die ein­reis­sen­den Cano­ni­schen und Römi­schen Rech­te in Stand.

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Nye­hus gele­gen zur Unter­stüt­zung ihrer Dürf­tig­keit. Im näm­li­chen Jah­re und am näm­li­chen Tage den sieb­zehn­ten März ver­kauf­te Ecbert des Herrn Bol­de­wins Sohn von Bent­heim Rich­ter zu Nort­hor­ne den Bos­horst gele­gen bey dem Ryen­hus mit allem Zube­hör, an die Kapel­le zum Nyen­hus, und an den Pries­ter, der mit der Kapel­le belehnt I) wäre, für zehn Mark Müns­terisch, und für zwey Mar­ken, wel­che er Von der ver­stor­be­nen Aleid Mathe­ves des Endes emp­fan­gen hät­te, daß sie die­ser Kapel­le gewid­met wer­den soll­ten, wel­ches Flo­ri­ken Voit 2) als Pfand-Inha­ber des Nye­hus bestä­tig­te und Bei­de besie­gel­ten. Zu den vie­len aus­wer­ti­gen Ver­rich­tun­gen des Gra­fen gehö­ret, daß Er die Ver­ei­ni­gung zwi­schen dem Müns­teri­schen Bisch­ofe Flo­renz und der Stifts­ge­no­ße­nen und Stän­den vom Jah­re 1368, wor­in der Dom­scho­las­ter Rudolf von Sten­vor­de und der regie­ren­de Herr Bol­de­win zu Sten­vor­de mit dem Dynas­ten Johann von Sol­mis zu Otten­stein unter Andern zu Fürst­li­chen Räthen ernant waren, 1372 mit gedach­ten Dynas­ten von Stein­furt und von Solms zu Otten­stein, und dem Herrn Ludolf von Ahaus, und zwar ihrem Ran­ge gemäß, vor den ein­hei­mi­schen Stifts­stän­de, bestä­tig-

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I) Alle Ver­lei­hun­gen wur­den in Beleh­nun­gen ein­ge­klei­det.
2) Voit von Rein­mund gehör­te zur Rhei­ni­schen Rit­ter­schaft.

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te I). Wie er 1370 und 1371 Tur­nie­ren zu Göt­tin­gen bey­ge­wohnet hat­te, wel­che der Her­zog Otto der Böse zu Braun­schweig hat­te ver­an­stal­ten las­sen.

§. 105.

Er war aber zum Schimpf so beherzt als zum Scher­ze, nach dama­li­ger Redens­art, da Er 1374 in einer Feh­de mit vor­ge­dach­ten Müns­teri­schen Fürst­bi­sch­ofe von Weve­ling­ho­fen, mit­hin aus einer mit den nach­he­ri­gen Bent­hei­mi­schen Gra­fen aus dem Hau­se Güter­wyck ver­wan­ten [sic!] Fami­lie, gera­ten war, die sich auch auf Bent­hei­mi­schen Boden ers­streck­te, wohin der Fürst­bi­schof den Gra­fen Ver­folg­te, aber ihm nichts anha­ben konn­te, weil Er sein Land tap­fer ver­tei­dig­te , bis der Bischof von den Sei­ni­gen Ver­las­sen wur­de. Der Graf von Ravens­berg mit sei­nen Burg­män­nern hat­te die Nie­der­la­ge vom Bisch­ofe schon bekom­men, als die Gra­fen von Bent­heim und Die­te­rich von der Mark, Admi­nis­tra­tor des Hoch­stif­tes Osna­brück, ihn wie­der auf­zu­hel­fen such­ten, wel­ches aber nur dem Gra­fen Von Bent­heim gelin­gen woll­te. Indes­sen wur­de der Bischof Flo­renz von Weve­lin­cho­ven 1379 vom Müns­teri­schen auf den Uet­rech­ti­schen Stuhl

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I) Kind­lin­ger Müns­teri­sche Bey­trä­ge zur Geschich­te Teutsch­lan­des, haupt­säch­lich West­pha­lens. Ers­ter Band, drey­zehn­te und vier­zehn­te Urkun­de.

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ver­set­zet, und der jet­zi­ge Müns­teri­sche Bischof Potho von Pothen­stein schloß unter Ver­mit­te­lung des Gra­fen Ber­nard von Bent­heim und sei­nes Bru­ders Otto, der jetzt nur Dom­probst zu Pader­born war, Frie­den mit dem Gra­fen Otto von Tecken­eburg und andern West­phä­li­schen Gro­ßen. Aus die­sem Frie­dens Instru­men­te, wor­in auch Gode­ner von Weve­lin­cho­ve als Mar­schal von West­pha­len vor­kömt, zu schlie­ßen, erstreck­te sich die­ser Krieg über den größ­ten Theil West­pha­lens und war wol haupt­säch­lich dadurch ver­an­las­set wor­den, daß der Graf von Teck­len­burg die Schlö­ßer Rhe­da und Strom­berg nicht als Müns­teri­sche Leh­ne besit­zen woll­te. Es waren aber noch kei­ne zwey Jah­re ver­flos­sen, als der Graf von Bent­heim und der Dynast von Solms zu Otten­stein mit dem Bisch­ofe von Müns­ter 1381 in neue Hän­del gerie­ten, jedoch nach der Sit­te die­ser Zei­ten auch wie­der schleu­nig Frie­den schlos­sen, bey wel­cher Gele­gen­heit dies Fami­lie von Hake ihr Haus Deves­burg I) bey Rhei­ne dem Gra­fen von Bent­heim zum offe­nen Hau­se anbot; um dar­aus wider jeder­man; nur nicht wider den Fürst­bi­schof von Müns­ter, Krieg zu füh­ren, mit fer­ne­ren Ver­spre­chen, dem Gra­fen von Bent­heim davon die Lehns­hul­di­gung zu leis­ten und nie­mals wider ihn und sei­ne Erben zu han­deln.

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I) Beve­ren zu Deves­borg war im sieb­zehn­ten Jahr­hun­dert Bent­hei­mi­scher Land­stand.

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§. 106.

Ueber­haupt scheint ganz West­pha­len, wie ganz Teutsch­land damals nur ein ein­zi­ger Schau­platz des Krie­ges zu seyn, wie­wol das Feu­er des­sel­ben bald hier, bald dort nur bran­te, und eben so schleu­nig wider gestil­let wur­de, wel­ches jedoch eine ste­te Unsi­cher­heit zur Fol­ge hat­te. Der Erz­bi­schof von Köln, die Bischö­fe von Müns­ter, Pader­born, Osna­brück, der Abt von Cor­vei, die Gra­fen von der Mark und Wal­dek. der Herr von der Lip­pe, wie auch die Städ­te Soest, Müns­ter, Osna­brück und Dort­mund schlo­ßen des­we­gen 1358 jenen merk­wür­di­gen Land­frie­den für West­pha­len zu Soest, dem der Graf von Seyn und der Ede­le von Diep­holz, der Bischof von Uet­recht I) wie auch Wil­helm von Jülich Her­zog von Berg und Graf von Ravens­berg, Wil­helm Graf von Wied Probst zu Achen, Ber­nard Graf von Ben­them, Ger­hard Graf von Sain und Herr zu Hom­burg, der Bischof von Min­den, Wit­te­kind von Brrg [sic!] Vogt des Hoch­stif­tes Min­den, der Herr von Iesen­burg, [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Isen­burg] Gie­sel­bert von Brunk­horst Herr zu Bor­clo, Dide­rich von der Mark, Die­te­rich Graf zu Lim­burg Bal­de­win Herr zu Stein­furt noch im näm­li­chen Jah­re bey­tra­ten.

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I) Nicht bloß wegen sei­nes Ober­stif­tes Obe­rys­sel, wie Jung meint.

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§. 107.

Der Dynast von Stein­furt hat­te noch im vor­her­ge­hen­den Jah­re ein Schutz­bünd­niß auf vier Jah­re mit dem Bisch­ofe von Müns­ter und dem Herrn von Otten­stein geschlos­sen. Die­ser West­phä­li­sche Land­frie­de wur­de im fol­gen­den Jah­re 1386 durch Wil­helm Her­zog von Jülich, Engel­bert Graf von der Mark, Johann von Nas­sau, Hen­rich von Wal­deck, Dide­rich von der Mark, Otto von Teken­eburg, Otto von Hoja. Otto von Schau­en­burg, Det­hard von Kat­zenel­len­bo­gen, Erich von Hoja, Herr­man von Eber­stein, Ber­nard von Bent­heim, Johann von Dieb­holz, Adolf von Nas­sau Dynast zu Diest, Otto Graf von Rit­berg, Bal­du­in von Stein­vor­de, Johann Solms zu Otten­stein, Otto Graf von Del­men­horst, Diede­rich Graf von Lim­burg, Simon Vogt von Berg und Johann von Wil­den­ber­ge noch näher bestä­ti­get und erwei­tert.

In allen West­phä­li­schen Her­zogt­hü­mern, Graf­schaf­ten und Dynas­tien soll­te die­ser Land­frie­de in Feh­den- und Frie­dens­zei­ten gel­ten. Kirch­hö­fe I), stil­le Ein­woh­ner mit ihren Gütern, Kauf­eu­te, Rei­sen­de, wei­den­de Pfer­de, Plü­ge [sic!] und Pflü­ger; Wagen und Kar­ren mit ihren Pfer­den und sons­ti­gen Zug­thie­ren, Holz‑, Wein‑, Korn- und

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I) Noch mehr die Kir­chen selbst.

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Hop­fen­le­ser, Leu­te des Hofes, Bür­ger, Bau­ern Frau­en, geist­li­che und welt­li­che Jung­frau­en, wann sie in ihren Hei­ma­ten blie­ben und nicht rau­be­ten, Jäger, Leu­te, die zu Pfer­de und zu Fuße zur, Kir­che woll­ten I); alle Haus­vä­ter, die über ihre Eigen­be­hö­ri­gen nach Will­kühr schal­ten könn­ten, soll­ten im Frie­den seyn. Wenn Jemand wider die­sen Frie­den han­del­te, und bey einem ent­stan­de­nen Strei­te sei­nem Fein­de den­sel­ben nicht gehö­rig und zur bestim­ten Zeit auf­kün­dig­te, so soll­ten ihn die Ver­bün­de­ten, Alle oder zum Thei­le, mit Gewalt zur Ruhe und Ord­nung zwin­gen. Zu wel­chem Behu­fe Berg vier­zig, Mark drei­ßig, Nas­sau und Kat­zenel­len­bo­gen zwölf, Nas­sau Dietz sechs, die Herr­schaft Mark, die Graf­schaf­ten Wal­deck, Teken­eburg, Schau­en­burg und Hoja, jede zehn, Erich von Hoja sechs, Eber­stein und Bent­heim fünf, Ritt­berg, Stein­furt, Otten­stein, Del­men­horst drey, Diep­holz fünf, Simon der Vogt von Berg drey, Lim­burg und Wil­den­berg zwey Mann in vol­ler Rüs­tung stel­len soll­ten. So hat­te dann West­pha­len so gut sei­nen West­phä­li­schen Bund als Schwa­ben sei­nen in der Reichs­ge­schich­te so berühm­ten Schwä­bi­schen Bund.

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I) Es wur­de noch wenig gefah­ren z [sic!] COCHER Kut­scher und Kut­sche sind Fran­zö­sisch-Bur­gun­di­sche Aus­drü­cke.

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§. 108.

Graf Ber­nard von Bent­heim schloß im fol­gen­den Jah­re 1387, ohn­ge­ach­tet der König Wen­zel die­sen West­phä­li­schen Bund für ungül­tig erklär­te, und es in West­pha­len nicht an Feh­den aller Art fehl­te,  mit den Dynas­ten Bal­du­in von Sten­vor­de und des­sen Soh­ne Hen­rich, Are­nd von Güt­ters­wyk, Wal­ter Herr zu I) Voerst und zu Kep­pe­le und Evert von Hee­ker Herr zu Alme­lo, Kna­pe, ein Bünd­niß auf sechs Jah­re, daß die unter ihnen etwa vor­fal­len­den Strei­tig­kei­ten durch Johann von Solms zu Otten­stein und Wol­ter zu Voerst und Kep­pel, als Schie­des-Rich­ter, und durch Bal­du­in von Stein­furt, als Ober­schie­des-Rich­ter oder Obmann, zu Schutt­or­pe oder Steyn­vor­de, ent­schie­den wer­den soll­ten, woselbst sie bis Aus­tra­ge der Sachen Ein­la­ger hal­ten soll­ten. Von die­sem Bünd­nis­se son­der­te der Graf von Bent­heim den Bischof von Müns­ter, sei­nen Oheim 2) Graf von Teken­eborch Und des­sen Sohn Klaas, auch den Jun­ker Diede­rich von der Mark aus; der Herr von Stein­furt den Geld­dri­schen Her­zog, den Müns­teri­schen Bischof und den Jun­ker Diede­rich von der Mark, auch Alle,

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I) Ein der Stadt Zwol­le gefähr­li­ches Haus, aus des­sen Stei­nen, bey sei­ner Zer­trüm­me­rung der gro­ße Thurm der Stadt erbau­et wur­de.
2) Ael­tern Ver­wand­ten.

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womit Er eid­lich ver­bun­den wäre, und wor­auf Er Nichts sagen dürf­te; Johann von Solms zu Otten­stein son­der­te den Bischof zu Müns­ter, den Graf von Teken­eburg, den Jun­ker Diede­rich von der Mar­ke aus, und Ande­re aus Ursa­che, wie Stein­furt; Voerst und Kep­pel son­der­te den Her­zog von Geld­re, den Bischof von Uet­recht, den Gra­fen von Teken­eborch und Jun­ker Diede­rich von der Mar­ke aus; Heke­re zu Alme­lo I) end­lich den Bischof von Uet­recht, den Gra­fen von Teken­eborch und Jun­ker Diede­rich von der Mar­ke. Die Aecht­heit die­ses Bünd­nis­ses wur­de durch Are­nd von Schon­evel­de, Hen­rich von Kün­re 2) und Johann Voet bescheini­get.

 

§. 109.

Mit dem Uet­rech­ti­schen Bisch­ofe Flo­renz von Weve­ling­ho­ven schloß der Graf von Bent­heim, sei­ner Hän­del mit ihm, wie Er noch Bischof zu Müns­ter war, ohn­ge­ach­tet 1389 ein Bünd­niß, daß sie sich ein­an­der kei­nen Scha­den zufü­gen woll­ten; daß auch der Bischof für den Nacht­heil nicht ver­ant­wort­lich seyn soll­te, den die Häu­ser Alme-

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I) Von Hekern kam die Herr­lich­keir Alme­lo an die Gra­fen von Rech­te­ren die sie noch besit­zen.
2) Obe­rys­sel­sche Dynas­tie an der Süd­er-See, wozu die heu­ti­gen Inseln Uerk und Schok­land (Beh­el­and) gehör­ten.

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lo, Twi­ckel I), Grim­berg 2) und Lan­gen 3) Lan­gen dem Gra­fen ver­ur­sa­chen mög­ten. Auch mit dem sonst so krie­ge­ri­schen Bisch­ofe zu Müns­ter, Otto dem Vier­ten von Hoja, leb­te der Graf v. Bent­heim für sich in gutem Ver­neh­men. wie­wohl die­ser geist­li­che Fürst, als ein Vor­läu­fer Chris­ton Ber­nards von Galen, über drei­ßig Jah­re lang mit allen sei­nen Nach­barn, beson­ders mit den Dynas­ten von Stein­furt, Otten­stein und Ahaus, wie mit dem Gra­fen Nico­laus von Teck­len­burg zu thun hat­te, denen Er hart zusetz­te und sie zu ernied­ri­gen­den Frie­dens Beding­nis­sen zwang, wie­wol ihnen der Graf von Bent­heim und der Dynast Arnold von Güt­ters­wyk bei­gestan­den haben sol­len, obschon die­ser Bischof in einer spä­tern Urkun­de den Gra­fen von Bent­heim sei­nen lie­ben Oheim nen­net.

 

§. 110.

So viel die Lan­des­herr­li­chen Ver­rich­tun­gen die­ses Gra­fen betrift, so bewil­lig­te Er 1370 dem Col­le­gi­at­stif­te St. Peter zu Uet­recht die die­sem zuge­hö­ri­ge Kir­che zu Veld­hau­sen nach Neu­en­haus,

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I) Bey Del­den, ehe­mals wie Lage, ein bischöf­li­ches Amt­haus, bei­de gaben gleich­na­mi­gen Fami­li­en ihrem [sic!] Ursprung.
2) Unweit Rys­sen.
3) Fami­lie von Lan­gen zu Oster­hof bey Rys­sen.

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wel­ches er eine Stadt nen­net, ohne Schmä­le­rung eini­ger Gerecht­sa­me, zu ver­set­zen, und daselbst im Erle­di­gungs Fal­le einen Pfar­rer mit einem Kapel­lan zu bestel­len, wofür ein Haus mit einem Schor­stei­ne gebau­et wer­den soll­te, schenk­te auch der­sel­ben unter Geneh­mi­gung sei­ner Brü­der Otto und Chris­ti­an, Dompröbs­te zu Pader­born und Müns­ter, das in dem Kirch­spie­le Veld­hau­sen in der Bau­er­schaft Gra­ves­tor­pe gele­ge­ne Erbe Dach­orst mit allem sei­nen Zube­hör.

Die­se Ver­set­zung der Kir­che zu Veld­hau­sen nach Neu­en­haus wur­de zwar vom Uet­rech­ti­schen Bisch­ofe Johann Graf von Vir­ne­burg geneh­mi­get, und es beru­he­te unter sei­nen Nach­fol­gern Arnold Gra­fen von Hoorn oder Horn und Flo­renz von Veve­ling­ho­ven dabey; allein nnter [sic!] dem Fürst­bi­sch­ofe Frie­de­rich Gra­fen von Blan­ken­heim I) brach­ten die Ein­ge­pfar­re­ten des alten Kirch­spie­les Veld­hau­sen mit ihrem Pfar­rer Ste­phan Faber ihre Kla­gen über die­se Ver­set­zung der

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I) Hat­te Zweder von KÜLENBURG, Rudolph von Diep­holz, Gis­bert von BREDERODE, David von Bur­gund, Fried­rich von Baden, Phil­ip von Bur­gund, Hen­rich von Bai­ern zu Nach­fol­gern, und Wil­helm von Emkevoirt, [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Enkevoirt] Georg von EGMOND, u. Fried­rich Schenk von Tau­ten­burg erst Probst zu Olden­zel noch allein in der geist­li­chen Wür­de. Im zwölf­ten Jahr­hun­dert war Her­mann VON HORN Fürst­bi­schof gewe­sen.

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Kir­che nach Neu­en­haus aber­mals an. Der Bischof ließ die Sache durch den Olden­zel­schen Cano­ni­cus Swe­der Hub­ting unter­su­chen, und ver­ord­ne­te dar­auf 1410, daß die Kir­che zu Veld­hau­sen mit allen ihren Pfar­rech­ten wie­der her­ge­stel­let wer­den, in der Stadt Neu­en­haus aber eine Kapel­le ver­blei­ben soll­te, dann ver­lieh Er der Mari­en und Johan­nes Kir­che zu Velt­hau­sen 1411 einen Ablaß.

 

§. 111.

Der Fürst­bi­schof Flo­renz und das Dom­ca­pi­tel zu Müns­ter stel­le­ten 1365 ein Zeug­nis aus, daß die­ses Dom­ca­pi­tel und eini­ge Dynas­ten und Edle, wie auch eini­ge in der Stadt Müns­ter sich für tau­send drey­hun­dert und vier Mar­ken bey den Edlen von Lem­beck ver­bun­den hät­ten, womit eini­ge ver­setz­te Aem­ter, Schlö­ßer und Län­der im Ems­lan­de wie­der ein­ge­lö­set wären, zu deren Sicher­heit jetzt eini­ge Ver­fü­gun­gen getrof­fen wur­den. Zehn Mit­glie­der des Dom­ca­pi­tels wer­den gen­ant, wel­ches in spä­tern Zei­ten zu ein und vier­zig Per­so­nen anwuchs. Dom­probst Chris­ti­an von Bent­heim, Dom­de­chant Her­man von Hove­le I) Vice­de­chant Her­man von Strun­cke­de; ande­re Dom­herrn: Korf, Fran­soys, Lünin­chusen, Rames­ber

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I) Hövel von Ravens­horst, Heke­ren.

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ge I), Trost 2), Hynd, Lizen­ker­ken. Zeh­ne vom hohen und nie­dern Adel: Bal­de­win Herr von Sten­vor­dia, Johann von Zol­mis­se Herr zu Otten­stei­ne, Ber­told Herr von Büren, Ludolph von den Ahus; fer­ner: Mer­vel­de, Baten­horst, Dros­te, Lüdin­chusen, Zas­se, Asb­ecke. Auch zeh­ne ans der Stadt Müns­ter: Cley­horst, Cley­vor­ne 3), Swar­te, Voys, zweye von der Wyck 4), Dros­te 5), Ste­ven­ink, Tra­vel­man 6), Bischo­pinch 7). Der nämi­i­che Fürst­bi­schof zu Müns­ter, das Dom­ca­pi­tel und die Stadt Müns­ter ver­ei­nig­ten sich Pfings­ten 1369 mit den Stifts­ge­no­ße­nen und Stän­den: Bal­de­win Herrn von Stein­furt, Johann von Solms Herrn zum Otten­stein und mit eini­gen aus den Fami­li­en Luding­husen, Mer­vel­de, Dros­te, Lem­beck, Wulf, daß sie inner­halb zwey Jah­ren kein Bünd­nis mit dem Gra­fen von der Mark ein­ge­hen, son­dern im Fal­le eines Angrifs sich ihm mit ver­ei­nig­ten Kräf­ten wider­set­zen woll­ten, dabey die Stifs­ge­no­ße­nen sech­zig Mann stel­len soll­ten; jedoch soll­te die­ser Ver-

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I) Etwa Grams­ber­ge.
2) Drost.
3) Erb­na­me. [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier “Erb­mann” hei­ßen]
4) Erb­na­me. [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier “Erb­mann” hei­ßen]
5) Erb­na­me. [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier “Erb­mann” hei­ßen]
6) Erb­na­me [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier “Erb­mann” hei­ßen], zu Bel­ler­ink in der Stein­fur­ti­schen Frey­graf­schaft Lahr.
7) Erb­na­me [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier “Erb­mann” hei­ßen], die Gegend Bischo­pink Hof in Müns­ter.

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ein dem­je­ni­gen, was von Sei­ten des Fürst­bi­sch­ofes und der Stadt Müns­ter des Land­frie­dens wegen, mit gedach­tem Gra­fen vor­hin geschlos­sen wor­den, unnacht­hei­lig seyn; die zu Lüding­hau­sen gefan­gen wären, soll­ten in Frei­heit geset­zet wer­den und eine Urfe­de schwö­ren, daß sie sich nicht rächen woll­ten u. s. w.

Bey die­ser Ruhe der Bent­hei­mi­schen und Stein­fur­ti­schen Gren­zen, die, wie man sieht, vor­züg­lich durch des Bent­hei­mi­schen Gra­fen Schwie­ger­va­ter, den Dynast von Stein­furt in die­sen so schwie­ri­gen Zei­ten bewür­ket wur­de; konn­ten die inlän­di­schen Ange­le­gen­hei­ten ihren unge­hin­der­ten Fort­gnng haben. Simon von Dedem ver­kauf­te im näm­li­chen Jah­re vor dem Rich­ter Johann Rutinc zu Scut­tor­pe und Schef­fen Gerd Pot­li­kin, Hen­rich de Scel­le, Hen­rich von den Tye, Johann von Müns­ter und Ger­lach de Bod­de, durch die Hand des Schul­zen von Zyrink, sein in dem Kirch­spie­le Gil­de­haus in der Bau­er­schaft Wes­ten­berg I) bele­ge­nes Haus und Gut Vaer-

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I) Johann Ort­win Wes­ten­berg von Neu­en­haus Pro­fes­sor der Rech­te zu Lei­den.

Bockel­man, Peri­zo­ni­us und Pagen­ste­cher Gelehr­te zu Bent­heim; von der Fami­lie Peri­zo­ni­us ein Ver­wal­ter, Rit­ter [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Rich­ter] zu Oot­mars­sum, jetzt Pagen­ste­cher Rich­ter zu Alme­lo. Peter Wes­se­ling Gelehr­ter zu Stein­furt.

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wol­de theils an den Gra­fen Ber­narb von Bent­heim, theils an die Rath­leu­te der Annen Kir­che von Nien­ker­ken zum Gil­de­haus.

 

§. 112.

Der Graf ert­heil­te 1570 der Stadt Neu­en­haus merk­wür­di­ge Vor­tei­le: Aus dem Gerich­te Uel­zen soll­te sie ihr zur Ver­be­ße­rung der Frei­heit zu Neu­en­haus, und der Brü­cken bey Bosen­haus, und beym Wege, wie aller dazwi­schen gele­ge­nen Brü­cken, erfor­der­li­ches Holz neh­men; die Brü­cken, wel­che zur der gräf­li­chen Burg und Vor­burg zu Neu­en­haus gehör­ten, aus­ge­nom­men, wel­che von der gräf­li­chen Kam­mer unter­hal­ten wur­deu [sic!].

Alle aus­län­di­sche ein­kom­men­de Wagen soll­ten der Stadt zwey Pfen­nin­ge ent­rich­ten, zwey­spän­ni­ge Kar­ren eben so viel, Ein­spän­ni­ge einen Pfen­ning. Von jeder Ton­ne Hering, die aus den Schif­fen I) gelie­fert, oder bin­nen der Frei­heit 2) der Stadt ver­kauft wür­de, wie von jedem dort zu Markt gebrach­ten Faß But­ter, von jedern Pfund Käse und jedem Lau­fe Salz inner­halb des Gerich­tes Uel­zen, so wol als des Bezir­kes der Stadt, soll­te der­sel­ben von ers­te­rer ein Hel­ler ober Hel-

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I) Von Zwol­le u. s. w.
2) Neu­en­haus soll eine beson­de­re Herr­lich­keit gewe­sen seyn.

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ling, vom zwey­ten, ein Pfen­ning, vom drit­ten, ein Hel­ling, vom vier­ten, ein Hel­ling gege­ben wer­den. Von jedem Stü­cke Rind­vieh, das bin­nen der Frei­heit der Stadt zum Ver­kau­fe gebracht wür­de, soll­te ein Pfen­ning, von jedem Schwei­ne, ein Hel­ling, von jedem Scha­fe ein Vier­ling, der Stadt ent­rich­tet wer­den. Dann wur­de der Märsch zwi­schen Gra­ves­tor­pe und Neu­en­haus von der beym Streit­kam­pe I) gele­ge­nen Brü­cke an, so wie der Gra­ben durch den Märsch gezo­gen wäre, der Stadt zu ihrer Vieh­wei­de und sons­ti­gen Nut­zung gege­ben, so daß Nie­mand dar­in Plag­geu [sic!] mähen, oder ihn zuschla­gen soll­te.

 

§. 113.

Der Graf bezeug­te 1372, daß in sei­ner und sei­ner Burg­män­ner Gegen­wart der Burg­mann Johann von Beve­ren dem Alta­re des h. Apos­tels Bar­to­lo­mä­us und der h. h. drey­en Köni­ge der Kir­che zu Bent­heim aus Hol­li­kin Haus in der Bau­er­schaft Wes­ten­berg Kirch­spie­les Gil­de­haus eine jähr­li­che Mark Müns­terisch auf Ostern zu ent­rich­ten, geschen­ket habe 2); hät­te gedach­ter

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I) So ist ein Rit­ter­stein beym Fel­sen zu Bent­heim nach dem Hau­se Lan­gen zu.
2) Hier hielt der Graf, statt sei­nes Burg­gra­fen, das Burg­män­ner-Gericht, der Vor­läu­fer des nach­he­ri­gen Hof­ge­richts, in Per­son.

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Altar kei­nen Vica­ri­us, so soll­te die Bent­hei­mer Kir­che davon eine hal­be Mar­ke, zwölf arme Pries­ter zu Osna­brück aber vier Schil­lin­ge, und das ärms­te Hos­pi­tal zu Osna­brück zwey Schil­lin­ge haben I) Zeu­gen waren: Arnold von Sco­nes­vel­de, Johann von Müns­ter, Flo­rekyn Voeth, Klaas von Beve­ren u. d. m. Hen­rich von Kuen­re ver­kauf­te vor dem Rich­ter 2) Johann Ruting­he zu Scut­tor­pe und des­sen Kur­ge­nos­sen Are­nd von Sco­nen­vel­de, Ecbert von Boclo und Johann von Müns­ter Drost 3) zu Bent­heim, den in der Bau­er­schaft Suden­dorp Kirch­spie­les Schüt­torf bele­ge­nen Hof Sebe­l­in­gen mit allem Zuhe­hör, an die gräf­li­che Kam­mer. Des­glei­chen die Gebrü­der Fried­rich und Johann von Quen­dor­pe vorm näm­li­chen Rich­ter zu Schüt­torf und Bey­sit­zern 4) Hen­rich von den Thye, Gerd Pot­ti­ken und Johann von Müns­ter Drost zu Bent­heim, den Hof zu Quen­dor­pe, nebst dem Holz­ge­rich­te über Ister­lo, mit allem in der Bau­er­schaft Quen­dor­pe Kirch­spie­les Schüt­torf bele­ge­nen Zube­hör, jedoch unter Aus­nah­me der dazu gehö­ren­den Höfe und der Fische­rey in der Vech­te. Gedach­te Gebrü­der von Quen­dor­pe ver­kauf­ten 1380 der Kam­mer auf Lau­renz des Schüt­tor­fer Kir­chen Pa-

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I) So bestand eine Mar­ke wol aus dama­li­gen zwölf Schil­lin­gen.
2) Ehe­mals Mar­ken­rich­ter.
3) Ehe­mals Truch­seß.
4) Vor­mals Mar­ken­ge­no­ßen.

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tro­nes Tage, oder den zehn­ten August, vor dem Rich­ter Wes­sel Some­ka­vel zu Scut­tor­pe und Asses­so­ren Johann Rutinck, Hen­rich de Schel­le, Jun­ker Kersti­en von Bent­heim, Flo­ri­ken Voet und Hen­rich von Kün­re, den Hof Quen­dor­pe mit dem Holz­ge­rich­te zu Ister­lo I), das Haus zu Kys­ter­ink, das gro­ße Lym­beck, das Bud­di­ken­haus, das gro­ße und klei­ne Hase­br­oek, das Hin­ber­mans Haus und Are­nds­haus zum Varen­brüg­gen, mit dazu gehö­ri­gen Leu­ten, mit Torf, Holz, Was­ser, Wei­de und allen sons­ti­gen Nut­zun­gen.

Schätz­ba­re Denk­mä­ler, wie daß die Haupt­hö­fe in jeder Mar­ke die ers­ten Besit­zer der­sel­ben waren, wobey sich meh­re­re grö­ße­re und klei­ne­re Höfe oder Kor­ten, jene von der Fami­lie des Besit­zers des Haupt­ho­fes, die­se von sei­nen Haus­leu­ten anbaue­ten, wobey dem Haupt- oder Schul­zen-Hofe die Gerichts­bar­keit, die Anfüh­rung zum Heer­ban­ne u. s. w. in und aus der Mar­ke, oder der Adel erb­lich anstam­me­te, woher dann sovie­le edle Fami­li­en als Bau­er­schaf­ten ent­stan­den  2), bis Tur­nie­re, Lehn­we­sen, Burg­sit­ze, Rit­ter­schaft, die dabey erfor­der­li­chen Ahnen, adli­che Orden, Stif­ter, Klös­ter, Kreutz­zü­ge, Errich­tung der Städ-

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I) Jetzt eine Hei­de mit der berühm­ten Zie­ge­ley am Ister­ber­ge.
2) TACITUS DE MORE GERMANORUM kann nicht

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te, Ver­meh­rung des Gel­des, Armut u. d. m. die edlen Fami­li­en sehr ver­min­der­ten.

 

§. 114.

Der Graf von Bent­heim gab 1372 der Wit­we Koken­tyds ein Haus und einen Gar­ten auf u. bey dem Kirch­ho­fe zu Velt­hau­sen, wie auch zwey Mal­ter guten Rocken aus dem Herr­schaft­li­chen Hau­se Wold­kot­te beym Wal­de im Kirch­spie­le Velt­hau­sen, wobey sie die Frei­heit haben soll­te, sol­ches Korn jähr­lich zwi­schen Michae­lis und Mar­ti­ni Zeit­le­bens ent­we­der auf dem Kirch­ho­fe zu Feld­hau­sen, oder in der Stadt Neu­en­haus, oder auch aus dem Herr­schaft­li­chen Hau­se zu Bra­men, zu heben; wel­ches aber nach ihrem Able­ben an die Herr­schaft Bent­heim zurück fal­len soll­te.

Fried­rich von Haver­go und Ber­nard de Gogre­ve Kna­pen bekan­ten dem Gra­fen von Bent­heim, oder mit sei­ner Geneh­mi­gung, dem Johann von Müns­ter, fünf­zig alte gül­de­ne Schil­de schul­dig zu seyn, und sol­che auf St. Johann im Som­mer auf dem Schlo­ße zu Schüt­torf zu beza­len, unter Stra­fe der Aus­pfän­dung wegen des Haupt­stuh­les und des erlit­te­nen Scha­dens. Also nicht wegen der in den geist­li­chen Rech­ten ver­bo-

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zu sorg­fäl­tig gele­sen wer­den; auch MÖSER Osna­brü­cki­sche Geschich­te.

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tenen Zin­sen, woge­gen man sich Ein­künf­te aus Gütern aus­zu­be­din­gen wus­te, so daß die Nach­welt oft nicht weiß, ob von Ver­käu­fen oder von Ver­set­zun­gen die Rede war. Der­glei­chen Schuld­schein stel­le­te 1373 Johann von Bruch­terbe­ke Kna­pe dem Gra­fen über hun­dert alte Schil­de gut von Gol­de und Gewich­te eid­lich aus; mit dem Ver­spre­chen, daß er, wenn er sie in bestim­ter Zeit nicht wie­der abbe­zahl­te, zu Schüt­torf in ein gemei­nes Wirts­haus rei­ten, und dar­aus nicht kom­men wür­de, bis sei­ne Schuld ent­rich­tet und eine Urfe­de geleis­tet hät­te, sol­ches nicht ver­übeln zu wol­len. Des­glei­chen der Rit­ter Hunold von Plet­ten­brach über hun­dert und zwan­zig gül­de­ne Schil­de, der aber im Miß­za­lungs-Fal­le in eine ehr­sa­me Her­ber­ge, und wenn dann noch meh­re­re Näch­te ohne Beza­lung ver­stri­chen, mit Johann von den Scor­ben­ber­ge, Jür­gen Lof, Drees von Bre­den­nol­le, Fried­rich von Ver­ne, Wer­ne­ke Nop­pen­tris und Ber­told von Plet­ten­brach, ins Schloß zu Schüt­torf rei­ten woll­te.

 

§. 115.

Auch der Graf Otto zu The­ken­ebürgh, Lüb­bert von Oven­stro­te oder Aven­st­rot und Die­te­rich von Bramhor­ne bekann­ten dem Gra­fen von Bent­heim zwey­hun­dert alte gül­de­ne Schil­de schul­dig zu seyn, wel­che die­ser ihnen aus Ver­wandt­schaft und

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Freund­schaft vor­ge­stre­cket hät­te, und wenn sie dies­se inner­halb der bestim­ten Zeit nicht wie­der bezahl­ten, und durch des Benth. Gra­fen Boten an den Pfört­ner zu Bever­ger­ne sei­ne Mah­nung gesche­hen wäre, so woll­ten auch Sie ihr Ein­la­ger zu Schüt­tor­pe bis zu erfolg­ter Zalung hal­ten. Simon von Dedem, Mat­thä­us von Sceonen­oel­de und Johann von Cövor­de bekan­ten 1375 ent­we­der dem Herrn Otto v. Bent­heim Dorn­pro­bst zu Pader­born, oder ihrem Ohei­me Ecbert von Nort­hor­ne I) zwey und zwan­zig Mark Müns­teri­scher Pfen­nin­ge schul­dig zu seyn; und wenn sie sol­che in bestim­ter Zeit nicht wie­der abbe­zahl­ten, so woll­ten sie ihren Ein­rit [sic!] in Scut­tor­pe hal­ten und dort bis zur erfolg­ten Zalung blei­ben; wobey, wie gewöhn­lich ein oder mehr Pfer­de geset­zet wur­den 2). Graf Otto zu Teck­len­burg stel­le­te in Gegen­wart zwei­er Zeu­gen Lubert von Oven­st­rot und Johann von Bes­sa­ten [Bes­ten] einen Revers aus, daß Er sei­nem lie­ben Oheim Graf Bern­hard von Bent­heim vier­hun­dert alte gül­de­ne Schil­de schul­dig wäre, und daß Er, wenn Er sie in bestim­ter Frist, auf gesche­he­ne Anmah­nung an der unters­ten Pfor­te zu Tek­ken­burg, nicht abbe­za­let hät­te, sein Ein­la­ger mit sechs Pfer­den zu

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I) So gabs Herrn von Otmars­heim, das Haus Otmars, wovon die Fabel einen König mach­te.
2) Rit­ter­wort, PAROLE DU CHEVALIER.

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Schüt­tor­pe hal­ten woll­te; könn­te Er mit sei­nem eige­nen Lei­be nicht in Schüt­tor­pe ein­rei­ten, so soll­ten es zwey gute Män­ner mit sechs Pfer­den und vier Knech­ten in eine ehr­sa­me Her­ber­ge thun.

 

§. 116.

Der Graf Ber­nard von Bent­heim belehn­te 1380 den Hen­rich von Wul­len mit dem Hofe zu Epe, mit der Müle und Mülen Woh­nung, mit dem Hau­se zur Haren und  dem Hau­se Hin­riking im Kirch­spie­le Epe, auch mit dem Hau­se Sco­winch im Kirch­spie­le Ensche­de. Vom Hau­se Laer im Bent­hei­mi­schen ist es wol zu ver­ste­hen, daß Egbert von Sal­ve, der von die­sem Hau­se dem benach­bar­ten Uet­rech­ti­schen Hoch­stif­te Obe­rys­sel wie­der Scha­den zuge­fü­get hat­te, sich mit dem­sel­ben auf Bedin­gun­gen ver­söhn­te, daß er von die­sem sei­nem Hau­se aus das Hoch­stift nicht anders bekrie­gen woll­te, als wenn er sechs Mona­te vor­her den Magis­tra­ten der Städ­te Deven­ter und Zwol­le die Feh­de ange­kün­di­get hät­te, daß er auch die Burg Laer ohne vor­he­ri­ge Ansa­ge nicht ver­kau­fen oder sonst ver­äu­ßern woll­te I)

 

§. 117.

Der Graf von Bent­heim kauf­te von Her­man von Gode­li­chem I) die Gerech­tig­keit eines Haupt-

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OVERYSSELSCHE CHRONYKE in DUMBAR ANALECT TOM II PAG 315.

2) Godels Haus, die Mar­ke Goli­kamp.

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hofes, näm­lich das Holz­ge­richt I) im Oster­wal­de. Zeu­gen waren: Ecbert der Rich­ter, Her­man von Gode­li­chem des Ver­käu­fers Sohn, und Johann Rol­ves.

Im Jah­re 1382 ver­kauf­te der Graf eine vol­le Waar­schaft oder Mar­ken-Gerech­tig­keit aus sei­nem Gute Mas­se­li­ne in der Bau­er­schaft Ghet­lo im Kirch­spie­le Uel­zen, an die Kalen­de 2) Herrn in Twen­te, wel­che die­se Waar­schaft auf ihre Erbe Hin­rik in der Oster­wyk in der Bau­er­schaft Uel­zen ver­leg­ten.

Der Müns­teri­sche Dom­berr Hen­rich von Büren ver­setz­te mit Con­sens des decs Dom­ca­pi­tels dem Gra­fen von Bent­heim für eine Schuld von hun­dert guten alten gold. Schil­den 3), wenn die­se nicht in bestim­ter Zeit abge­tra­gen wur­de, sei­nen Wohn­hof oder Curie in Müns­ter, um sich in Miß­za­lungs-Fal­le

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I) Wo die Wal­dun­gen auf­hör­ten, wur­den aus Holz­ge­rich­ten wie­der Mar­ken­ge­rich­te.
2) Die in Mar­ken­sa­chen mit zu kal­len oder zu spre­chen, eine Waar­stim­me oder Waar­tal hat­ten.
3) Die ers­ten Maler waren Schil­der der rit­ter­li­chen Schil­de. Aue gol­de­nen und sil­ber­nen Schil­den wur­den Gold­gül­den und Sil­ber­gül­den, wenn die Gel­dri­sche u. Obe­rys­se­li­sche Rit­ter­schaf­ten doch noch gol­de­ne Rit­ter schla­gen lie­ßen.

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an der Mie­te die­ser Curie zu erho­len. Die­ses Schuld­ner han­del­te hie­bey als ein Geist­li­cher, der kei­ne rit­ter­li­che Cau­ti­on mit Pfer­den und Ein­la­ger mehr stel­len konn­te, da er der welt­li­chen Gerich­tets­bar­keit nicht unter­wor­fen war; der Aus­druck: Pen­si­on, wozu die Mie­te die­ses Hau­ses die­nen soll­te, führ­te almä­lich auf die Idee der Zin­sen.

 

§. 118.

Jung hat unter sei­ne Bent­hei­mi­sche Urkun­den einen Ver­kauf der Geschwis­ter Awic gen­ant Zin­gra­ven unter ihrem Geschlechts Vor­mun­de, ihres Erbes Gro­ße Jör­de­ving in der Bau­er­schaft Lüt­te Kirch­spie­les Olden­zel an Peter Borchgre­ving, wol ohne beson­de­re Absicht mit abdrü­cken laßen. Allein er füh­ret zur sichern Ver­mu­tung, daß die­se Geschwis­tern das Haus Sing­ra­ve beses­sen haben, geist­lich im Klos­ter Olden­zel gewor­den sind, und Sing­ra­ve die­sem Klos­ter ver­macht haben, wel­ches die­ses Gut her­nach an den Gra­fen von Bent­heim ver­kauf­te I). Die Geschwis­ter Awic gen­ant Zin­gra­ven ver­kauf­ten übri­gens jetzt jenes Erbe vor dem Land-Rich­ter Goli­ken von Woel­de zu Olden­zel und Kur­ge­nos­sen Wil­helm Rorinch, Her­man Scharfp [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Schaep] 2),

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I) Im Ver­glei­che des Gra­fen Ernst Wil­helm von Bent­heim, und Adolph Hen­rich von Raes­feld Herrn zu Lage über die Tho­ren­schen Güter, vom Jah­re 1651 kom­men Sing­ra­ver Zehn­ten vor.
2) Zu Dam.

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Wil­helm von Bever­woer­de, Are­nd Grub­be I), Hei­no von Awic.

Scha­de, daß in so vie­len Güter Ver­käu­fen die­ser Zeit die Sum­me nicht aus­ge­drückt ist, wofür sie ver­kau­fet wor­den, son­dern nur im Alge­mei­nen gesagt wird: für eine Sum­me, die wol bezahlt wäre.

 

§. 119.

Johann von Ves­ten [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier “Bes­ten” hei­ßen] gen­ant de Pape stel­le­te 1385 einen Revers aus, daß er jene hun­dert Mark I] [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis han­delt es sich hier um die Fuß­no­te 2]], die er auf dem Hau­se zu Gra­ves­tor­pe aus­ste­hen hät­te; zu einem Burg­leh­ne emp­fan­gen hät­te, mit dem Bedin­ge, daß wenn Mat­thä­us von Gra­ves-

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I) [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis fehlt hier der Hin­weis: “Zu Her­in­k­have, so jetzt ein Gut derer von Bön­ning­hau­sen”.]

I) [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis han­delt es sich hier um die Fuß­no­te 2]] Die Mar­ken oder gemei­ne Grün­de, Ver­sam­mel­plät­ze der Bau­er­schaf­ten wur­den Mar­ken der Städ­te und dar­auf mit Mar­ken gehan­delt, im Müns­teri­schen gibts noch dop­pel­te Mar­ken, Mar­ken und hal­be Mar­ken, oder zwey Gul­den, Gul­den und hal­be Gul­den Stü­cke; Ham­bur­gi­sche Mar­ken u. d. m. — Das IUSNUNDINARUM wel­ches die Herr­schaft Stein­furt mit der KAISERLICHEN Frey­graf­schaft Rüschau erhielt, schloß also ein völ­li­ges Goge­richt ein. Die blo­ßen Frey­graf­schaf­ten waren schon so wich­tig für die Lan­des­herrn, daß die Fürst­bi­schö­fe von Uet­recht sie auch zwarn vom Kai­ser erhiel­ten, aber durch die Stän­de des Ober­stif­tes Obe­rys­sel genö­ti­get wur­den, sie wie­der abzu­schaf­fen. Racers Obe­rys­sel­sche Gedenk­stü­cke und Ande­re.

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tro­pe oder sei­ne Erben das Haus zu Gra­ves­tor­pe wie­der ein­lö­se­ten, er, Johann von Bes­ten, oder sei­ne Erben die­se hun­dert Mark wie­der auf ein Burg­lehn in der Graf­schaft Bent­heim bele­gen, und davon den Graf von Bent­heim hul­di­gen soll­ten, wie ein Burg­man nach Rech­ten ver­pflich­tet wäre. Ein unter­rich­ten­des Bei­spiel der Bent­hei­mi­schen Geschich­te der ver­schie­de­nen Arten von Leh­nen; das Heer­ge­wet­te eines sol­chen Geld­leh­nes war wol eine Art von Zins. Hen­rich von Müns­ter ver­kauf­te 1386 mit Ein­stim­mung sei­ner Frau und sei­nes Soh­nes an Ber­nard Gra­fen zu Bent­heim die Was­ser­mü­le im Kirch­spie­le und in der Bau­er­schaft Zol­tes­ber­ge in dem Gerich­te zu Rene, mit allem ihren Zube­hör für eine ihm wol bezahl­te Sum­me Gel­des.

 

§. 120.

Im näm­li­chen Jah­re ver­mach­te der Graf mit Bey­rath sei­nes Bru­ders Kers­ti­an, sei­nes Vet­ters Are­nds von Güters­wyk, auch ande­rer Freun­de und Anver­wand­ten, sei­ner Gema­lin Ber­net­te Zeit ihres Lebens jähr­lich vier­zig Mark Gel­des Müns­teri­schen Wert­hes, zu ihrer Ver­bes­se­rung, der­ge­stalt, daß die eine Hälf­te auf Johan­nis im Som­mer, aus der Gru­ten Accise zu Schüt­torf, die ande­re Hälf­te aber auf Mar­ti­ni aus der Grut zu Neu­en­haus ent­rich­tet wer­den, jedoch die­ses Geld nach der Grä­fin Able­ben an die Herr­schaft Bent­heim

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zurück fal­len soll­te. Alles ohne Nacht­heil der mit sei­nem Schwa­ger Ludolph Herrn von Stein­furt vor­hin geschlos­se­nen Ver­trä­ge.

 

§. 121.

Unter Bey­stim­mung sei­nes gedach­ten Bru­ders und aller sei­ner Erben ver­ord­ne­te der Graf, wie der Rocken, Haber, Gers­te und das Geld des von ihm dem Klos­ter Mari­en­ro­de sonst Wit­mär­schen gen­ant, geschenk­ten gro­ßen und klei­nen, oder gro­ben und schma­len Zehn­tens auf dem Rhein­schen Ber­ge unweit Rhei­ne ver­tei­let wer­den soll­te; eine auf­zu­neh­men­de Klos­ter­frau soll­te auch ein Mal­ter guten Rocken ins Klos­ter brin­gen; über­haupt ist die­se Urkun­de eine Art eines Sta­tus des Stif­tes Wit­mär­schen.

 

§. 122.

Unter Geneh­mi­gung sei­nes mehr erwähn­ten Bru­ders und aller sei­ner Erben, und mit Berat­schla­gung der Schef­fen I) von Schüt­tor­pe gab der Graf unter sei­nem und der Schef­fen Stadt­sie­gel den Schmie­den zu Schüt­torf 1387 einen Gil­de­brief fol­gen­den Inhal­tes: Nie­mand soll­te das Schmie­de Hand­werk trei­ben, der nicht Bür­ger zu

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I) Die Städ­ti­schen Ange­le­gen­hei­ten zogen die Städ­te zu den Land­ta­gen.

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Schüt­tor­pe wäre und die Gil­de gewon­nen hät­te, wofür er zum Lich­te beym Mari­en­bil­de ein Pfund Wachs und eine hal­be Mark Müns­terisch geben soll­te; der zeit­li­che Graf zu Bent­heim soll­te davon zwey Schil­lin­ge, die Schef­fen I) von Schüt­torf eben soviel, und die Schmie­de-Gil­de eben so viel haben; wenn ein Schmidt einen Gesel­len annäh­me, soll­te die­ser dem Marien­lich­te ein Pfund Wachs geben, wofür sein Meis­ter gut sagen soll­te. Trei­be Jemand in Schüt­torf das Schmie­de-Hand­werk, ohne in der Gil­de zu seyn, und es wür­de ihm von dem Gil­de­meis­ter ver­bo­ten, so soll­te er, so oft die­ses geschä­he, dem Marien­lich­te ein Pfund Waches und dem Gra­fen, den Stadts­chef­fenn und der Schmie­de­gil­de eine hal­be Mark unter sie in drey­en Por­tio­nen zu ver­tei­len, ver­bro­chen haben. Ein­je­der Schmidt, der von der Gil­de wäre, soll­te sein Gut auf sei­ne äch­ten Kin­der ver­er­ben kön­nen 2).

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I) Die Schef­fen in den Städ­ten schöpf­ten das Recht, wie die Mar­ken­ge­nos­se­nen in den Mar­ken.
2) Die Zunft­ge­rech­tig­keit in den Städ­ten und in Städ­ten ähn­li­chen Fle­cken und Dör­fern war, was Mar­ken-Gerech­tig­keit in den Mar­ken war; wer kein Mar­ken oder Stadt­ge­nos­sen war, war ein Eigen­hö­ri­ger des Guts oder Lan­des-Herrn, die sie für ihre Abga­ben an Sterb­ge­fäl­len u. s. w. schütz­ten, alle Frem­de waren ver­däch­ti­ge Vaga­bun­den, Wild­fän­ge, Zigeu­ner seit dem fol­gen­den Jahr­hun­dert oder Egipter. Picart Dren­ti­sche Chro­nyk.

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Wenn ein Meis­ter Schmit oder sein ers­ter Gesel­le auf eine von den Gil­de­meis­tern beru­fe­ne Ver­samm­lung der Gil­de nicht erschie­ne, der ver­brä­che ein hal­bes Pfund Wachs. Ein Frem­der soll­te mit sei­nem Schmie­de­werk nicht län­ger als einen Tag in Schüt­torf aus­ste­hen.   Woll­ten die Gil­de­meis­ter einen Gil­de­sch­maus anstel­len, so soll­te jeder Zunft­ge­nos­se mit sei­ner Ehe­gat­tin dabey erschei­nen, der aus­blie­be, soll­te eben so viel dazu geben, als die dabey erschie­nen; dabey mög­te so viel auf­ge­hen, als sie gut fän­den, ohne die Lan­des­herr­li­che Ungna­de zu befürch­ten I). Die Copei des Ori­gi­nals die­ses Gil­de­brie­fes ist durch den Schüt­tor­fer Stadt-Secre­tär R. T. Gempt bescheini­get.

 

§. 123.

Der Graf von Bent­heim wur­de 1388 vom Gra­fen Nico­laus von Teck­len­burg, des Gra­fen Otto Soh­ne und des­sen Oheim Bal­du­in und des­sen Soh­ne Ludolf von Stein­furt, zum Ohmann oder Ober­mann erwä­let, wenn Johann Haken Cords Sohn und Hen­rich Haken Lude­kes Sohn die unter ihnen etwa ent­ste­hen kön­nen­den Irrun­gen in Güte nicht ver­mit­len, oder in Recht ent­schei­den könn­ten. Wobey der jun­ge Graf von Tecken­eburg und der Dy-

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I) Ande­re Zei­ten, ande­re Sit­ten; auf den fol­gen­den Wand­ta­gen [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Land­ta­gen] wur­de über die Aus­s­schwei­fun­gen sol­cher Mahl­zei­ten gekla­get, und dage­gen Lan­des­herr­lich ver­se­hen.

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nast von Stein­furt zugleich ein Freund­schaft­bünd­niß schlo­ßen und sich wech­sel­sei­ti­gen [sic!] Bei­stand, selbst von Sei­ten des jun­gen Gra­fen von Teck­len­burg wider sei­nen Vater, eid­lich ver­spra­chen, jedoch nur wenn sie von Andern ange­foch­ten wür­den, auch gelo­be­ten, in Bünd­nis­sen mit andern ihre Freund­schaft stets vor Augen hal­ten zu wol­len. Dann erteilt der Graf von Bent­heim 1394 dem Johann den Duys­ter Hen­richs Soh­ne in Gegen­wart sei­nes Burg­man­nes Hen­rich von den Toer­ne sei­nes Amt­man­nes I) Johann Roloves 2) des Her­man von Gode­lin­chem Coops Soh­nes und sei­nes Lehn­man­nes Ort­wyn de Böse, die Beleh­nung im Mannstatt mit dem Zehn­ten über das Gut Com­pel­wik im Kirch­spie­le Beke, so wie sei­ne Vor­fah­ren die­se Zehn­ten bis­her von der Herr­schaft Bent­heim zu Leh­ne getra­gen hät­ten, gab auch die­sen Zehn­ten der Frau des Duys­ter zu ihrer lebens­läng­li­chen Leib­zucht. Johann de Duys­ter stell­te dar­auf den Lehns Revers aus, daß er die­sen Zehn­ten als ein Bent­hei­mi­sches Lehn besä­ße, unterm Sie­gel des Hen­rich Brant, weil er sein Sie­gel nicht bey sich hät­te.

 

§. 124.

Das Got­tes­haus Frens­we­gen ent­stand im Jah­re 1394 auf fol­gen­de Art: Ever­hard von Eze

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I) Minis­te­ria­len.
2) Rol­ofs Sohn ohne Fami­li­en Name.

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wur­de in sei­nem Wit­wer­stan­de geist­lich und Pfar­rer zu Alme­lo, war zugleich ein berühm­ter Magis­ter in der Arzen­ey­kunst, womit er vie­len Armen u. Kran­ke half, bis er 1404 den ers­ten April starb und in der Kir­che zu Alme­lo begra­ben wur­de. Er hat­te anfäng­lich in dem berühm­ten Insti­tu­te des Ger­har­dus Magnus oder Ger­hard Gro­te, oder viel­mehr des Flo­renz des Flo­ren­ti­ni­schen Hau­ses zu Deven­ter, wel­ches eine Con­ge­gra­ti­on von Welt­geist­li­chen war, die das ehe­ma­li­ge gemein­schaft­li­che Leben der Cano­ni­ken wie­der ein­füh­ren woll­ten, sei­ne Bil­dung erhal­ten, war jedoch dem Ger­hard Gro­te nicht geneigt, wur­de aber her­nach ein gro­ßer Freund des­sel­ben. Da aber die­ses Insti­tut vie­le Schul- und Armen Anstal­ten für unver­mö­gen­de Stu­die­ren­de traf, nahm sich auch der Päbst­li­che Bot­schaf­ter in den Nie­der­lan­den, der Car­di­nal Cusa des­sel­ben an, wovon die Cusa­ni­sche so gen­an­te Bör­se in Deven­ter den Namen hat. Noch mehr Anse­hen erhielt die­se neue Stif­tung, da die sogen­an­ten Fra­ter­herrn in Deven­ter, Müns­ter u. s. w. eigent­lich Colo­nien des Flo­ren­ti­ni­schen Hau­ses zu Deven­ter waren.

Nach dem Mus­ter des Flo­ren­ti­ni­schen Hau­ses und der Fra­ter­her­ren such­ten immer meh­re­re Welt­geist­li­che in grö­ße­ren oder klei­nern Con­gre­ga­tio­nen, zusam­men zu leben, wobey die Art und Wei­se, wie der berühm­te Kir­chen­leh­rer Augus­tin, als Hip­po­ni­scher Bischof mit den Geist­li­chen sei­ner Kir­che  zu-

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sam­men gele­bet hät­te, immer mehr befol­get wur­de. So hat­te nun auch gedach­ter Pfar­rer zu Alme­lo Eber­hard von Eze vier Haus­geist­li­che oder so gen­an­te Brü­der vom gemei­nen Leben bey sich, Namens Hen­rich Kyn­des­hof von Deven­ter, Her­po von Lip­pe, Her­man Plit­ten­ber­rich und Johann von Jülich. Die­se ver­lang­ten nach einer noch mehr klös­ter­li­chen Ein­rich­tung, und wur­den dar­in durch ihren geist­li­chen Haus­va­ter den gedach­ten Pfar­rer von Eze zu Alme­lo, wie auch durch den Pfar­rer Hen­rich Krüll zu Schüt­torf I), durch den Bür­ger zu Schüt­torf Johann Mon­nick und durch Rem­bert von Goer Bür­ger zu Zwol­le unter­stüt­zet. Denn die­se kauf­ten für sie vom Gra­fen Ber­nard von Bent­heim das Erbe Enol­ding im Kirch­spie­le Nord­horn im Vren­des­we­ge zu ihrer geist­li­chen Nie­der­la­ßung. Die­ses Gut fin­gen jene vier Brü­der um Licht­mes­se oder den zwei­ten Febru­ar 1394 an, zum Klos­ter ein­zu­rich­ten, erhiel­ten den ers­ten Mai die Geneh­mi­gung ihres Insti­tuts durch den Müns­teri­schen Bischof Otto von Hoja, durch das Dom-Capi­tel und den Archi­dia­con, wor­nach im Adven­te auf des h. Apos­tels Tho­mas Tage oder den ein und zwan­zigs­ten Decem­ber des näm­li­chen Jah­res ihr klei­nes Bet­haus auf jener Stel­le, wo jetzt die stei­ner­ne Kir­che steht, vom Müns­teri­schen Weih­bi­sch­ofe und Gene­ral Vicar Weno­mar vom Mino-

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I)  Der vor­mals Kapel­lan des Pfar­rers Ever­hard von Eze zu Alme­lo gewe­sen war.

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riten Orden ein­ge­wei­het wur­de, der auch jene vier Brü­der ein­klei­de­te, wor­un­ter Hermnn Plet­ten­ber­rich zum ers­ten Pri­or von den drey­en Andern erwä­let wur­de.

Die­se ers­te­re Frens­we­ger Brü­der I) mus­ten anfäng­lich für sich unter der Inspec­tion ihres Bisch­ofes leben, weil ihre Stif­ter ihnen nicht erlau­ben woll­ten, daß sie sich Klös­tern oder Prä­la­ten ande­rer Bist­hü­mer unter­ge­ben soll­ten, im sechs­ten Jah­re aber bega­ben sie sich ein­stim­mig zum Winds­hei­mer Gene­ral­ka­pi­tel. Da nun die­ses Klos­ter in wah­rer Armut ange­fan­gen und unter eini­gen Prio­ren so bestan­den hat­te, wähl­te es einen Bru­der aus dem berühm­ten Haupt­klos­ter Win­des­heim eine Mei­le von Zwol­le, Namens Hen­rich Loe­der von Osna­brück, zu sei­nem Pri­or, und unter die­sem Obe­ren wur­de die­ser Wald bey Nord­horn, in West­pha­len, Fries­land, Sach­sen und am Rhein durch sei­ne geist­li­chen Inspec­tionen berühmt 2).

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I) Es gesel­le­ten sich bald sovie­le zu ihnen, daß schon unter dem ers­ten Pri­or eini­ge Frens­we­ger Geist­li­che, wor­un­ter Her­man Zelen, eine neue Con­gre­ga­ti­on zu Gaas­donk bey Goch im Kle­vitschen stif­te­ten. LINDEBORN HIST. SIVE NOT. EP. DAV. PAG. 328.
2) Johann Busch in der Chro­nik von Wins­des­heim. — Tho­mas von Kem­pen, dem das Werk von der Nach­fol­gung Chris­ti zuge­eig­net wird, in der Chro­nyk des Klos­ters Agne­ten-Berg bey Zwol­le, in der gro­ßen Chro-

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Wie dann auch das vor­ma­li­ge Bene­dic­ti­ner Non­nen­klos­ter zu Esin­ge in Ost­fries­land mit Frens­we­ger Augus­ti­nern unter eben gedach­ten Pri­or 1444 besetzt wur­de und Arnold Kre­veld zum ers­ten Obern erhielt. I)

 

§. 125.

Was der Graf Ber­nard von Bent­heim für das Got­tes­haus Frens­we­gen that, das ist in fol­gen­den Docu­men­ten ent­hal­ten: Der Graf ver­kauf­te 1394 mit Geneh­mi­gung sei­nes Bru­ders, des Müns­teri­schen Dom­probs­ten und des Dynas­ten Are­nd von Güters­wik, Ane bens []sic!] der Herr­schaft Bent­heim für eine Sum­me Gel­des, die ihm wohl beza­let wäre, das Erbe und Haus Ein­ol­ding 2) im Kirch­spie­le Nord­horn, in dem Vren­des­we­ge 3), mit Torf, mit Zwei­gen, mit Was­ser, mit Wei­den, mit aller­hand Nutz­nie­ßung, mit altem und

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nyk des Gene­ral Capi­tels Winds­heim des Johann Busch. — LINDEBORN HIST. SIVE NOTITIA EP. DAVENTR PAG. 431.

I) OUDHEDEN EN GESTICHTEN VAN GRONINGEN EN GRONINGERLAND, MITSGADERS VAN HET LAND VAN DRENT. S. 174, wo aber S. 166 Nord­horn in Grö­nin­ger­land mit Nord­horn in der Graf­schaft Bent­heim ver­wech­selt wird.
2) Ein altes Ding, ein altes gewar­tes Erbe mit Mar­ken­ge­rech­tig­keit.
3) Der Weg der durch die Mar­ke Frenstorf oder Frens­trup gieng.

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neu­en Zube­hör, an Everd von der Eeze, Kirch­herrn zu Alme­lo, Hen­rich Krull, Kirch­herrn zu Schutt­or­pe, Johann Mon­ni­cke Bür­ger zu Schutt­or­pe und Rem­bert von Goer Bür­ger zu Swol­le, in der Absicht, daß Herr Everd und Heer Hin­rik vor­gen­ant mit ihren Gesel­len auf die­sem Erbe, zur Ehre und zum Lobe Got­tes und Mari­en sei­ner lie­ben Mut­ter, ein Klos­ter bau­en soll­ten, dar­in die guten Cano­ni­ci Regu­la­res Augus­ti­ner-Ordens und Ande­re, die sich dem geist­li­chen Leben wid­men woll­ten, Gott die­nen soll­ten. Dazu soll­ten der Graf und sei­ne Erben nicht hin­der­lich, son­dern mit aller Macht beför­der­lich seyn. Wie Er, Graf Ber­nard von Bent­heim, mit­telst die­ses offe­nen Brie­fes, die­ses Gut und Klos­ter mit allem sei­nen Zube­hör, für sich und sei­ne Nach­köm­lin­ge, von Schat­zun­gen und Diens­ten, vom Kuh­e­schla­ge oder Schat­zung, von Not­h­bit­ten I) befreye­te. Auch soll­te kein zeit­li­cher Graf von Bent­heim weder unterm Namen einer Beleh­nung, noch einer Prä­sen­ta­ti­on oder Erin­ne­rung die völ­li­ge Wahl­frei­heit eines Obe­ren die­ses Klos­ters durch die Brü­der ver­hin­de­ren oder beschweh­ren. Dann gab der Graf dem zu errich­ten­den Klos­ter noch die Zie­gen­trift in Vren­des­wel­le, wel­ches eine beson­de­re Gerech­tig­keit war, da zu vie­le Zie­gen den dama­li­gen Wal­dun­gen scha­de­ten. Alles das

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I) Lan­des­herr­li­che Sub­si­di­en.

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wur­de mit den Sie­geln des Gra­fen Ber­nard von Bent­heim, sei­nes Bru­ders, des Dom­probs­ten Chris­ti­an zu Müns­ter, und des Dynas­ten Arnolds von Güters­wik, als Aner­ben der Herr­schaft Bent­heim befes­ti­get. Die Aecht­heit der Copie die­ser Urkun­de ist durch den Notar Bol­do­win von Ran­den I) bescheini­get.

 

§. 126.

Die­se Befrey­un­gen mach­te das Erbe Ein­ol­ding zur Hove­sa­te Frens­we­gen, und von da bis zur Land­tags-Fähig­keit im neu­ern Ver­stan­de, so bald die burg­män­ni­sche Ver­fas­sung auf­hör­te, indes­sen die Guts­herrn Ver­samm­lun­gen ihren Werth behiel­ten, war ein von selbst  ent­ste­hen­der Fort­schritt. Um alles indes­sen mit einem Male zu erschöp­fen, was Graf Ber­nard für Frens­we­gen that, so befreye­te Er 1395 den zehn­ten Novem­ber für sich, sei­ne Erben und Nach­köm­lin­ge der Brü­der und des Con­ven­tes Erbe und Gut Mari­en­wol­de 2) mit sei­nem zukünf­ti­gen Zuwach­se in der Graf­schaft Bent­heim von Schat­zung, Dienst und Kuh­schlag. Dann ver­lieh Er 1404 den drit­ten Mai den Geist­li­chen und ehr­ba­ren Herrn Pri­or und Con­ven­te der Regu­la­ren des Klos­ters zu Mari­en­wol­de gele­gen bey Nort­hor­ne in dem

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I) Das Haus Ran­de bey Deven­ter.
2) Vor­mals Enol­ding.

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Vren­des­we­de, einen ewi­gen Zie­gen­gang im Oster­wol­de, auch die Mar­ken­ge­rech­tig­keit in die­sem Wal­de, zu Holz, zu Fel­de, zu Was­ser, zu Wei­de und zu jeder Vieh­trift und Not­h­durft, erb­lich, ewig und stets. Die zeit­li­chen Gra­fen von Bent­heim soll­ten das Klos­ter in Aus­übung die­ser Gerecht­sa­me nicht nur nicht hin­dern, son­dern es auch wider alle und jede Stöh­rung dar­in durch Ande­re, recht­lich schüt­zen. Dann gab der Graf 1418 das kaum ent­stan­de­ne Augus­ti­ner Frau­en­klos­ter oder so gen­an­te Begy­nen Haus im Wig­bol­de Schutt­or­pe, bey des Herrn Bit­ters Ste­ge daselbst unter die geist­li­che Auf­sicht des Hen­richs von Loe­der Pri­o­rs des Klos­ters Mari­en­wol­de bey Nort­hor­ne. Jenes Schütt­qr­fer Frau­en­klos­ter, wor­in sich die Frau von Kep­pel gebohr­ne v. Voth begab, als ihr Mann sein Gut Wed­de­ren unweit des alten Voets­hau­ses bey Bil­der­beck in eine Kar­taus bey Dül­men im Müns­teri­schen ver­wan­delt hat­te I), leg­te den Grund zu der Ver­sam­lung im Klos­ter Nies­sink 2) in der Stadt Müns­ter, das noch unter Frens­we­ger Inspec­tion steht.

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I) SCH EN [unser­lich!] ANALES PADERBORNENSES.
2) DO MEN SCHREF DUSEND CCCC UND XLIIII (1444) QUEMEN DRE SÜSTAREN VAN SCHUTTORPE, UN DER NAMEN WEREN ERMEGERT VAN BÜREN, ALHEIT VAN KEPPELEN UND LOCKE VAN NYENHUS, DESSE WONEDEN TO NYSINK. DE ERSTE MODER WAS ALHEIT VAN KEPPELEN.

Chro­nyk des Klos­ters Nies­sink, durch gü-

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Es wur­de sonst auch Mari­en-Gar­ten, das Sus­te­ren- oder Beynen­haus in Schutt­orf gen­ant, ging aber im fol­gen­den Jahr­hun­dert der Refor­ma­ti­on ein. Der Name Wig­bold oder Weich­bild, der hier der Stadt Schüt­torf gege­ben wird, drückt eben ihre städ­ti­sche Gerech­tig­keit aus, da sie eine pri­vi­li­gir­te Stät­te und Feld­mar­ke war, in deren Bezir­ke oder Wyk jeder Burg­mann, Bür­ger und Gil­de­ge­no­ße eine recht­li­che Zuflucht oder Wyk hat­te.

Ueb­ri­gens wird auch der Graf Ber­nard von Bent­heim für den Stif­ter des Got­tes­hau­ses Frens­we­gen gehal­ten, da Er dem­sel­ben den Scoten­kamp und eine Fische­rey geschen­ket haben soll; Er war wenigs­tens ein gro­ßer Wohlt­hä­ter des­sel­ben, soll sich auch viel zu Frens­we­gen auf­ge­hal­ten haben, ob es gleich noch nicht erwie­sen ist, daß Er sich dort ein­klei­den ließ, obschon Er den Bey­na­men Pater Bernd I) erhielt, und sein krie­ge­ri­scher Cha­rac­ter durch sei­nen häu­fi­gen Auf­ent­halt zu Frens­we­gen, wenn nicht durch sein hohes Alter von mehr als neun­zig Jah­ren,  sehr gemil­dert wur­de.

 

§. 127.

Zufol­ge der Chro­nyk des Frens­we­ger Pri­o­rs

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tige Mit­tei­lung des Frens­we­ger Herrn Cano­ni­ci und Nies­sin­ger Rec­tors von Cooth.

I) LINDEBORN HIST. SIVE NOTITIA EPISCOPATUS DAVENTRIENSIS PAG. 431.

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im sieb­zehn­ten Jahr­hun­dert, Johann von Vroon­ho­ven, der damals der acht­zehn­te Pri­or war, in, der Sam­lung des Micha­el Kuen Prä­la­ten des Klos­ters Wen­gen zu Ulm, Klös­ter­li­cher Schrift­stel­ler, wor­in der Graf Ber­nard von Bent­heim als ein tap­fe­rer Kriegs­held, nicht aber als ein roher Rit­ter die­ser Zeit geschil­dert wird, war Er in jün­ge­ren Jah­ren mit bey den Feh­den des Her­zo­ges von Bra­bant wider den Her­zog von Gel­dern an der Maaß, so wie sei­ne Gema­lin Ber­net­ta von Stein­furt sehr schön und allen ange­nehm war; der Pfar­rer Hen­rich Krull zu Schüt­torf, der ehe­mals Kapel­lan beym Pfar­rer Ever­hard von der Eze zu Alme­lo gewe­sen war, stel­le­te dem Gra­fen vor, daß sie bey­de ihre Lebens­art wol ver­be­ßern mög­ten, daß er gesin­net wäre, sich in eine Ein­sam­keit zu bege­ben, wel­ches der Graf ihm miß­riet und ihm die Anle­gung eines Klos­ters anpries.

So wäre Frens­we­gen ent­stan­den, wor­in sich die­ser Schüt­tor­fer Pfar­rer, nach­dem es drei­ßig Jahr bestan­den hat­te, end­lich selbst begab, auch ihm alle sei­ne Güter wid­me­te und 1423 starb I). In die­ser Chro­nyk wird aber Hen­rich Kin­des­hof unter den vier ers­ten Klos­ter­geist­li­chen als Pri­or ange­ge­ben, da er dem Herr­mann von Plet­ten­berg

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I) Folg­lich im  ers­ten Jah­re sei­ner Auf­nah­me in Frens­we­gen, und im drei­ßigs­ten der Ent­ste­hung die­ses Got­tes­hau­ses.

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bald nach­ge­fol­get seyn kann. Unterm Prio­rat die­ses Hen­rich Kin­des­hof, der anders­wo Kir­hof gen­ant wird, ent­stand wenigs­tens zu erst der Frens­we­ger Kirchthurm I).

 

§. 128.

Die ers­te Anstalt war in einem so wüs­ten Wal­de, daß die Stif­tung hät­te ein­ge­hen müßen, wenn sie nicht auch an dem Hau­se Güters­wyk Wohlt­hä­ter gefun­den hät­te, wovon der Graf von Bent­heim Ever­win der Ers­te dem Klos­ter die Stei­ne aus dem Bent­hei­mer und Gil­de­häu­ser Stein­brü­chen zukom­men ließ.

Des­sen Vater Arnold Dynast von Güters­wyk, Schwes­ter­sohn des Gra­fen Ber­nard v. Bent­heim, der täg­lich das Abster­ben des­sel­ben, und sei­ne eige­ne Regie­rung erwar­ten konn­te, besuch­te auch Frens­we­gen, sei­nes dama­li­gen weni­gen Reit­zes ohn­ge­ach­tet, sehr oft, und pfleg­te den dasi­gen Geist­li­chen zu sagen: Er wünsch­te, daß sein Sohn Ever­win die Jah­re hät­te, daß Er selbst regieren.könte, so woll­te Er lie­ber bey Ihnen ver­blei­ben und mit ihrem Gemü­se für lieb neh­men.

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I) Die Schrift des Rudolfs Dier von MüCen [sic!], eines Bru­ders vom gemei­nen Leben der dle­ri­ken, [sic!] vom Magis­ter Ger­hard Gro­te, Herrn Flo­renz, und vie­len andern andäch­ti­gen Brü­dern. in DUMBAR ANALECT. TOM. I.

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Ster­bend sag­te Er den Sei­ni­gen: wenn sie sei­ne Lei­che nicht nach Frens­we­gen ver­set­zen woll­ten, so soll­ten sie sel­bi­ge auf einen Weber­stuhl bin­den und so in die Vech­te wer­fen, damit sie da hin­ab flö­ße. Auch sein Sohn Ever­win der Ers­te sag­te noch als Erb­graf dem freund­li­chen Pater Wal­ram zu Frens­we­gen, wenn er Pri­or wür­de, so woll­te der Erb­graf in Zukunft fürs Klos­ter sor­gen. Er hielt als regie­ren­der Herr Wort, und wur­de im Tode, wie sein Vater zu Frens­we­gen begra­ben.

 

§. 129.

Einen gro­ßen Wohlt­hä­ter hat­te Frens­we­gen auch an Johann von Beve­ren und sei­ne zwei­te Frau Ger­trud von Bever­vör­de. Die­ser Johann Beve­ren, Fried­richs von Beve­ren Sohn, war zu Fol­ge sei­ner zu Coes­feld 1680 durch den Buch­dru­cker Johann Georg Todt gedruck­ten Lebens Beschrei­bung, Burg­mann zu Bent­heim, und das ers­te Mal mit Sophia einer Schwes­ter des Ber­nard von Asbeck, der auch Pas­tör­ken hieß, ver­mä­let, wel­cher Ber­nard von Asbeck wie­der die Schwes­ter des Johann von Beve­ren zur Gema­lin hat­te, und bei­de Schwes­tern waren auf einem Tage geheu­ra­tet. Johann von Beve­ren ver­lor sei­ne Frau aber nach weni­gen Jah­ren, und ver­mä­le­te sich ander­weit mit Ger­trud von Bever­vör­de, des­sen Mut­ter eine Toch­ter des Flo­renz Voet gewe­sen

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war I). Die­se zwei­te Frau hat­te einen sol­chen Ein­fluß auf den Cha­rac­ter ihres Man­nes, Johann von Beve­ren, daß er sich in das Klos­ter oder die Cano­nie Win­des­heim begab, wo er im Rufe der Hei­lig­keit 1408 starb; sei­ne Gema­lin aber wur­de im Klos­ter Diepen­ve­en bey Deven­ter geist­lich. Die­se Ver­än­de­rung des Johann von Beve­ren, die auch durch eine ihm zuge­sto­ße­ne Krank­heit ver­ur­sa­chet ward, wovon er wie­der genas, war uns so auf­fal­len­der, da er vor­her dem Auf­wan­de und dem Spie­le erge­ben war; er pfleg­te sich in zwei­er­ley Far­ben, weiß und grün zu klei­den, so daß er einen wei­ßen und einen grü­nen Schuh, einen wei­ßen und einen grü­nen Stie­fel trug, so wie sei­ne Pfer­de-Geschir­re die­se zwey Far­ben hat­ten. Dem Klos­ter Frens­we­gen, wor­aus er wol nach Win­des­heim ver­setzt wur­de, ver­mach­te er Alles, was er hat­te; unter andern sie­ben Erben mit ihren alten Häu­sern oder Bibzüch­tern, [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Leib­züch­tern] und jähr­lich zwölf Müd­de Korn Zwol­scher Maa­ße aus den Gü-

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I) Ein auf Ver­lan­gen der Müns­teri­schen Rit­ter­schaft durch den Gogra­fen zum Sand­wel­le Johann Fried­rich Dyck­hof den drey­zehn­ten Decem­ber 1730 aus­ge­stel­le­tes, auf dem Hau­se Bögels-Camp befind­li­ches, Attest bescheini­get, daß im vor­mals Neu­hof­schen her­nach Bever­vör­de Wer­ries­schen Burg­mans­ho­fe  zu Horst­mar in den Glä­sern in einer Rei­he die Wap­pen von den Fami­li­en Müns­ter, Lan­gen, Asbeck, Voet wären,

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tern des Rudolph von Coe­ver­den, auch den Zehn­ten von sechs Häu­sern in Gil­de­haus, näm­lich Hoigel, Lom­mens­hus, Wes­ter­hof, Efet­tink, Ele­kinc und Deze­elt.

 

§. 130.

Zu Frens­we­gen, wo die Glä­ser in der Kir­che und im Kreutz­gan­ger man­che Anti­qui­tät ent­hal­ten, hat man sonst von der Bent­hei­misch gräf­li­chen Fami­lie fol­gen­de Nach­rich­ten. Im Jah­re 1400 Sep­temb. I. starb die ede­le Frau Anna Grä­fin von Bent­heim gebor­ne von Egmond I). Im Jah­re 1403, Tages vor dem Fes­te der Mär­ty­rer Gor­di­an und Epi­ma­chus, starb der edle Herr Arnold von Güters­wyk, Erbe des Herrn Ber­nard Gra­fen von Bent­heim, Stif­ters die­ses Klos­ters. 1420 auf Ger­truds Tag ver­schied die ede­le Frau Mech­tild von Güters­wyk Grä­fin von Bent­heim 2). 1421 den fünf­ten Tag nach dem Fes­te Simon und Judas Apos­to­len starb der edle Herr Ber­nard Graf von Bent­heim. Die Frens­we­ger Nach­rich­ten sa-

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I) In wel­cher Jahr­zahl aber ein Irthum, da Johann von Lei­den in sei­ner Egmon­di­schen Chro­nyk Sei­te 113 in der Aus­ga­be von Anto­ni­us Mathä­us sagt: Anna von Egmond, Gema­lin Ber­nards des zwey­ten Gra­fen von Bent­heim, hät­te 1461 den Gra­fen Ever­win ihren Nach­fol­ger in der Regie­rung gebo­ren.
2) Gebor­ne von Stein­furt.

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gen von die­sem Gra­fen, daß Er sei­ne letz­ten Lebens­jah­re meist mit klös­ter­li­chen Uebun­gen daselbst zuge­bracht, daß Er die Geist­li­chen an der Tafel über sich sit­zen laßen, daß Er mehr als hun­dert sil­ber­ne Mar­ken an Arme und Pil­grim­me gege­ben, daß Er täg­lich zwölf Arme gespei­set, bis Er 1421, ein und neun­zig Jahr alt auf dem Schlo­ße Bent­heim an einer Art Blat­tern starb und in der Kir­che zu Frens­we­gen vor dem hohen Alta­re begra­ben wur­de, wohin in fol­gen­den Zei­ten vie­le Lei­chen aus der gräf­li­chen Fami­lie zu Bent­heim ver­set­zet wur­den.

 

§. 131.

Zur fer­nern Geschich­te des Gra­fens Ber­nard von Bent­heim gehö­ret, daß Er 1398, auf Ansu­chen des Johann von Beve­ren, das Burg­lehn an dem Stein­ho­fe auf den Rich­te­ring­hof I) ver­leg­te. Des Gra­fen Vet­ter Arnold Dynast von Güters­wyk, wie auch die Dynas­ten von Baten­burg und Bron­khorst zu Bor­ke­lo wur­den mit andern Gro­ßen in die Feh­de gezo­gen, wel­che der Burg­graf Rein­old von Koe­ver­den ans dem Hau­se Bor­ke­lo wider den Fürst­bi­schof Fried­rich von Blan­ken­heim zu Uet­recht führ­te, und hal­fen ihren Ver­wand­ten vom Bisch­ofe gute Frie­dens-Beding­nis­se erkämp­fen. Johann de Beer ver­kauf­te sein Erbe zu Schau­wen oder Schau­winch nebst dem Kamp­fe und allein Zu-

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I) Schul­te­ten, Schul­zen-Hof.

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behör bele­gen am Dor­fe und im Kirch­spie­le Velt­hau­sen, an Herrn Wes­sel Rol­ves I), noch vor dem Rich­ter zu Uel­zen Arnold Grub­ben und sei­nen Kör­no­ten Wil­helm de Hove­mann und Everd de Scho­me­ker.

Der Römi­sche König Wen­zel belehn­te 1398, auf Ansu­chen des Edlen Ludolphs von Stein­furt, sei­nes und des Reichs Lie­ben Getreu­en, den Weinecken Vin­kinck zu Stein­furt mit dem Frey­ge­rich­te zu Laer unweit Stein­furt.

 

§. 132.

Der Graf Ber­nard von Bent­heim belehn­te den Hen­rich von dem Torr­ne 1399, mit allen sotha­nen Leh­nen, als er mit Rech­te von Ihm und von der Herr­schaft Bent­heim zu Leh­ne hal­ten soll­te, und auf sol­che Art, wie sei­ne Vor­äl­tern die­se von den gräf­li­chen Vor­fah­ren zu hal­ten pfleg­ten. Ohne Arg­list. Zeu­gen waren: Are­nd von Dedem, Ort­wyn de Boze, Her­man von Gho­de­lin­chem. Dann mach­te der Graf den Hen­rich von dem Torr­ne für alle sei­ne in den Gerich­ten der Herr­schaft Bent­heim lie­gen­de Güter rich­te­frey 2), wie vom Kuh­e­schla­ge, jedoch soll­ten die­se Frei­hei­ten sich nicht

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I) Rolfs Sohn, man rate den Fami­li­en Namen.
2) Befreye­te sei­ne Güter von der Juris­dic­tion der Unter­ge­rich­te.

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wei­ter, als auf sei­ne Lei­bes-Erben erstre­cken, dabey wur­de den herr­schaft­li­chen Amt­leu­ten, Die­nern und Knech­ten bedeu­tet, die­se Frei­hei­ten nicht zu krän­ken, wid­ri­gen Fal­les soll­ten die Gra­fen sol­ches inner­halb vier­zehn Näch­ten ver­bes­sern.

 

§. 133.

Des Gra­fen Ber­nards Gehül­fe in der Regie­rung in sei­nem hohen Alter, Arnold von Güters­wyk, sei­ner Schwes­ter Hade­wig und Eber­wins von Güters­wyk Sohn, der aber nie­mals Graf von Bent­heim wur­de, son­dern vor sei­nem Oheim starb, befreye­te 1400, den Hen­rich von dem Tor­ne nicht nur in Anse­hung sei­ner bent­hei­mi­schen Güter von der nie­dern Gerichts­bar­keit und von der Kuh­e­schat­zung, son­dern auch von der Fol­ge des Glo­cken­schla­ges und von der Bier-Accise im Dor­fe Uel­zen I). Aber wie war es gekom­men, daß der Erz­bi­schof Otto zu Bre­men den Edlen Mann Herrn Bernd von Got­tes Gna­den Gra­fen zu Bent­heim sei-

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I) Die­se Bier-Accise und die Gerichts­bar­keit hat­ten sei­ne Vor­fah­ren bekannt­lich an die Gräf­lich­keit ver­kau­fet, wäre die­ses nicht gesche­hen, und die Fami­lie von Thor­ne nicht aus­ge­stor­ben, so wäre der Thurm zu Uel­zen viel­leicht so unab­hän­gig gewor­den, als der Thurm zu Lage. Mit dem Klo­cken­schla­ge wur­den die Lan­des­diens­te ange­kün­di­get, wie ehe­mals mit dem Waf­fen­ge­schrey in Mar­ken: “To Wopen.”

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nen und sei­nes Stif­tes edeln Mann I) mit den Wild­fors­te 2) in der Brech­te bei der Burg zu Bent­heim 1401 so damit belehn­te, als wie des Gra­fen Vater und sei­ne Brü­der den von sei­nen Vor­fah­ren und sei­nem Stif­te emp­fan­gen und gehal­ten hät­ten oder soll­ten?

 

§. 134.

Der Graf ver­kauf­te mit Zustim­mung sei­nes Bru­ders Chris­ti­an und Vet­ters Are­nd von Güt­ters­wyk an Chris­ti­an von dem Toer­ne das Gut zum Schot­brin­ke mit allem Zube­hör, nebst der Zebe­l­in­ger gro­ßen Maa­ße oder Wie­se in der Bau­er­schaft Zuden­dar­pe im Kirch­spie­le Schüt­torf, mit dem Bedin­ge, daß zur Umzäu­nung die­ses Gutes und die­ser Wie­se jähr­lich das Holz oder Dör­ner vom Gra­fen und von sei­nen Nach­fol­gern könn­te gefra­get wer­den; nach Ver­lauf von zwölf Jah­ren soll­te Er oder Einer sei­ner Nach­fol­ger die­ses Gut und Wie­se für fünf­zig Mar­ken Müns­teri­schen Gehal­tes jähr­lich acht Tage vor und nach Mar­ti­ni wie­der kau­fen kön­nen, ohne daß die­ses Recht ver­jäh­ren könn­te. Zeu­gen waren

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I) Lehn­mann.
2) Forst oder Jagd-Gericht­bar­keit unter vor­mals Kai­ser­li­chen, jetzt Lan­des­herr­li­chen Ban­ne, ist bekannt­lich ganz was anders und ein weit Grö­ße­res, als hohe und nie­de­re Jagd, oder auch Wild­bah­ne.

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die aus der Stif­tung des Klos­ters Frens­we­gen bekan­ten Hen­rich Crul Kerk­her to Schutt­or­pe u. Johann de Mon­ninch I), wie auch Johann Role­ves. Auch belehn­te der Graf den Fried­rich v. Beve­ren in Dienst­manns­statt mit einem ihm vom Ger­hard von Essen 2) auf­ge­tra­ge­nen Hau­se und Burg­leh­ne zu Bent­heim, wel­ches die­ser von sei­nem Ael­ter­va­ter Are­nd von Schon­evel­de erer­bet hat­te; die Frau von Beve­ren bekam es zur Leib­zucht. Zeu­gen waren: Are­nd von Güter­zwich, Her­man von Ghoede­lin­che, Ort­win u. Hei­ne Gebrü­der de Bösen und Johann Role­ves.

 

§. 135.

Bernd von Brand­lecht emp­fing 1401 von Johann Voe­the, Johanns Soh­ne, das Gut Loo­hus in der Bau­er­schaft Suden­dorp im Kirch­spie­le Brand­lecht in Mannstatt zu Leh­ne und leis­te­te ihm auch die Lehns­hul­di­gung, so wie er einen Revers dar­über unter sei­nem von Brand­lech­ti­schen Sie­gel aus­stel­le­te.

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I) Auch eine vor­ma­li­ge Burg­manns Fami­lie zu Haselün­ne.
2) Essen zu Schwa­nen­borg an der Yssel bey Vorch­ten, heu­ra­te­te an Ense zur Scheer zwi­schen Coe­ver­den und Grams­ber­ge, Ense zu Schwa­ne­burg an Hövel zu Hekern, an Ben­tink zu Lan­ge­ri­sche, Wol­da u. Bre­ckel­kamp. Der Teut­sche Orden zog eine Linie Essen nach Preus­sen, Lief­land, Schwe­den.

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Da in die­ser Urkun­de vom drey­zehn­ten Decem­ber 1401, Suden­dorp zum Kirch­spie­le Brand­lecht, in jener vom zwan­zigs­ten Jän­ner 1401 aber, wo in der Graf Ber­nard von Bent­heim das Gut Schot­brink in Suden­dor­pe an Chris­ti­an von dem Toer­ne ver­kauf­te, zum Kirch­spie­le Schüt­torf gerech­net wur­de, so war in der Zwi­schen­zeit aus­ser der Schloß­ka­pel­le wol die Dorf und Pfarr­kir­che zu Brand­lecht ent­stan­den. Rein­olds Burg­graf von Coe­ver­den Herr von Brunk­horst zu Bor­keio ver­kauf­te 1402 den vier­ten August dem Fürst­bi­sch­ofe Fried­rich von Blan­ken­heim zu Uet­recht gewi­ße Güter mit Aus­nah­me jener im Kirch­spie­le Emmin­chem, zu Laer­wol­de und zu Esche­brüg­ge.  Zeu­gen waren der Herr Rei­nald von Gel­der und Jülich, Graf zu Züt­phen, Gis­bert von Baten­burg zu Anhalt, [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Anholt] Gis­bert von Brunk­horst, der Herr von Geemen, Hen­rich von Wysch, Johann von Büren u. d. m. I).

 

§. 136.

Der Graf von Bent­heim mach­te 1403 die bis­he­ri­gen Mann­leh­ne, den Olden Hof zu Her­din­gen 2) im Kirch­spie­le Uel­zen, und Ghos­se-

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I) Sieh die Urkun­de bey der OVERYSSELSCHE CHRONYCKE in DUMBAR ANALECT. TOM. II. P. 370.
2) Gar­ding­hau­sen eine Colo­nie von Har­din­gen.

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nynk zu Essche im Kirch­spie­le Nyen­hues [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis fehlt hier: zu] Dienst­mans Gütern und belehn­te damit in Dienst­mans­statt den Her­man von Gode­lin­gen Copes Sohn. Zeu­gen waren Johann Voet de Olde, Hin­rik von den Thor­ne und Ort­wyn de Borse. [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Boe­se]

So war Neu­haus ein Kirch­spiel gewor­den und Uei­zen es, wie Velt­hau­sen geblie­ben. Kaum gedach­ter Ort­wyn de Boe­se ver­kauf­te 1404, unter Geneh­mi­gnng des Gra­fen Ber­nard, wie unter des­sen, und sei­nem eige­nen Sie­gel, den Rath­leu­ten der guten hei­li­gen Anne in der Kir­che zum Gil­de­haus, zum Bes­ten der guten hei­li­gen Anna, drey Stü­cke Lan­des, die zu Ele­k­ink gehör­ten, und auf Hoyeder Esche unter dem Gil­de­haus I) gele­gen wären, zweye davon hie­ßen S. Annen Stü­cke, den Namer [sic!] des drit­ten wüs­te man nicht; und das wie­der für eine wohl bezahl­te Sum­me Gel­des.

Wenn die­se mehr vor­kom­men­de Ort­wyn de Böse Vor­fah­ren der Fami­lie Nord­wyn gewe­sen wären, aber woher der Hoyaer Esch und der Bann­kamp zu Gil­de­haus, da sich der Bent­hei­mer Forst wohl über Gil­de­haus hin­aus erstre­cket hat­te.

Der Graf ver­mach­te mal wie­der in einer latei­ni­schen Urkun­de, da es eine Kir­chen­sa­che betraf,

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I) Vor des Küs­ters Kamp bey der Stie­ge zwi­schen dem Hoyeder Esche und dem Bann­kam­pe.

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dem Alta­re der h. Jung­frau Catha­ri­ne und des h. Beich­ti­gers Anto­ni­us in der Kir­che zu Neu­en­haus ein Stück Land, das Unland gen­ant, gele­gen zwi­schen dem Lan­de Bos­horst gen­ant und der Burg zu Neu­en­haus, zur Unter­stüt­zung die­ser Kir­che in ihrer Armuth I).

 

§. 137.

Die im Jah­re 1404, am vier­ten Tage nach Johan­nis des Täu­fers Fes­te oder den acht und zwan­zigs­ten Juny zwi­schen dem Gra­fen Ber­nard von Bent­heim, als Vor­mun­de des Soh­nes sei­nes Schwes­ter­soh­nes, oder sei­ner Schwes­ter Klein­soh­nes, Ever­wyns des Dynas­ten von Güters­wyk und zukünf­ti­gen Gra­fen Ever­wyns des Ers­ten von Bent­heim, und dem Dynas­ten Ludolf von Stein­furt als Vater sei­ner Toch­ter Met­te, wegen der zukünf­ti­gen Ver­mä­lung der­sel­ben mit dem gedach­ten Mün­del des Gra­fen von Bent­heim geschlo­ße­ne Ehe­be­re­dung ist ein wich­ti­ges Staats­stück der Graf­schaft Bent­heim, und daher einer nähern Erwäh­nung werth.

Der Graf von Bent­heirn ver­sprach dar­in: sein Vet­ter Ever­wyn soll­te Erbe der Herr­schaft Bent­heim seyn, wenn Er selbst von sei­ner, Gema­lin

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I) Die Ver­set­zung der Velt­häu­ser Kir­che nach Neu­en­haus woll­te bekant­lich nicht gelin­gen.

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Ber­net­te von Stein­furt kei­ne Erben bekä­me. Die­se Anwart­schaft sei­nes Vet­ters auf die Herr­schaft Bent­heim woll­te Er vor sei­nen Burg­män­nern I), Bür­gern 2) und Unter­sa­ßen 3) feyer!ich [sic!] bezeu­gen, wel­che nach sei­nem unbe­erb­ten Tode sei­nem Vet­ter Ever­win, als ihrem Erb­herrn, mit Vor­be­halt ihrer Rech­te, hul­di­gen und ihm dar­über Urkun­de aus stel­len soll­ten. Der Dynast Ludolf von Stein­furt ver­sprach sei­ner Toch­ter Met­te zum Braut­schat­ze zwei­tau­send Rhei­ni­sche schweh­re gute Gul­den, oder glei­chen Werth dafür mit­zu­ge­ben, so wie zu Müns­ter gän­ge und gebe wäre, wovon dem Gra­fen schon tau­send sol­che Gul­den ent­rich­tet wären, wofür der Graf das Schloß zu Neu­en­haus in der Herr­schaft Ben­them [sic!] mit des­sen Ein­tünf­ten zwi­schen den bei­den Pfor­ten des Wich­bol­des 4) Neu­en­haus, mit der Müle und mit den Herr­schaft­li­chen Ein­künf­ten über der Din­kel nach der Twen­te zu 5), mit Aus­nah­me die dazu gehö­ri­gen Grut und

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I) Die dama­li­gen Gehei­men- auch Jus­tiz- u. Domä­nen­rä­the der Gra­fen für ihre Burg­sit­ze und Güter.
2) Magis­trä­te der Städ­te Schüt­torf, Nord­horn, Neu­en­haus.
3) Besit­zer der frey­en Lehn­gü­ter.
4) Jetzt steht die Burg bey der Stadt, wobey auch die Bau­er­schaf­ten BINNEN, Borg und Buten­borg.
5) So war Lage dama­le in Twen­te, wovon her­nach.

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Accise wie auch der Leen­wa­re zum Nyen­hus I), die nach Bent­heim gehör­te, dem Ludolf von Stein­furt für Ihn und sei­ne Erben ver­set­zet hät­te. Mit dem Ver­stan­de jedoch, daß Alle, die kei­ne Burg­män­ner zu Neu­en­haus wären, dem Ludolf von Stein­furt, laut beson­de­rer zwi­schen ihm und dem Gra­fen von Bent­heim errich­te­ten Ver­trä­ge hul­di­gen soll­ten. Wenn Ever­win oder Met­ta vor Vol­zie­hung der Ehe stür­be, so soll­te die Pfand­schaft auf Neu­en­haus so lan­ge statt haben, bis der Dynast Ludolf von Stein­furt wegen des bezahl­ten Braut­schat­zes sei­ner Toch­ter ver­hält­niß­mä­ßig wie­der befrie­di­get wäre, wie auch so lan­ge, bis sei­ne Toch­ter, wenn der Bräu­ti­gam ehe­n­der ster­ben soll­te als sie, eine dem Braut­schnt­ze ange­mes­se­ne Leib­zucht (Wit­tum) erhal­ten hät­te. So bald die Ehe zwi­schen Ihnen aber volz­o­gen wäre, woll­te der Braut Vater Neu­en­haus des Ver­ban­des ent­le­di­gen. Wenn Neu­en­haus wäh­rend der Pfand­schaft Zeit dem Ludolf von Stein­furt oder sei­nen Erben abge­won­nen wür­de, oder sonst durch Unglück ver­lo­ren gin­ge, so woll­ten der Graf Ber­nard von Bent­heim und sein Vet­ter Ever­win alles Mög­li­che anwen­den, es ihm wie­der zu ver­schaf­fen. Soll­te der Vater der Braut ohne män­li­che Erben ver­ster­ben, so soll­te sie Erbinn der Herr­lich­keit Stein­furt seyn; und hät­te sie dann Schwes­tern, so soll­ten die­sel­ben mit einer durch bei­der­sei­ti­ge Ver-

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I) Der Nien­häu­ser Burg­män­ner.

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wand­ten zu bestim­men­de Abfin­dung befrie­di­get wer­den; stür­be sie dann aber ohne Erben von ihrem jet­zi­gen Bräu­ti­gam, so soll­te Stein­furt an ihre nächs­ten Ver­wand­ten ver­fal­len. Dann wur­de in die­sem Ehe-Con­trac­te, da Ehe­stif­tung auch wohl Frie­dens­stif­tung ist, wegen der zwi­schen Bent­heim und Stein­furt strit­ti­gen Brech­te, die jetzt zum Thei­le im Müns­teri­schen liegt, aus­ge­macht: daß der Graf von Bent­heim unfrucht­ba­res I) Holz dar­in kön­te fäl­len, daß Ludolph von Stein­furt dar­in jagen könn­te, so lan­ge Ever­win und Met­te leb­ten, der abfäl­li­gen Zwei­ger wegen aber soll­te es zwi­schen der Herr­schaft Bent­heim und der Herr­schaft Stein­furt so gehal­ten wer­den, wie vor Errich­tung die­ser Ehe­par­ten 2).

Ein Anfang [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Anhang] die­ser Ehe­be­re­dung war eine Ver­si­che­rung des Gra­fen Ber­nard von Bent­heim und Ever­wins von Güters­wyk zum Bes­ten der Dynas­tin Locke von Stein­furt, daß sie, wenn ihre Toch­ter Met­ta nach Abster­ben ihres Vet­ters [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Vaters] Ludolph von Stein­furt, Erbin der Herr­schaft Stein­furt wer­den mög­te, zur Sicher­heit des ihr bestimm­ten Wit­tu­mes die Burg und Stadt Stein­furt so lan­ge in Pfand­schaft behal­ten soll­te, bis sie ihre Leib­zucht erhal­ten hät­te, vor wel­cher Zeit der Graf Ber­nard und Ever­win von Güters­wich als­dann kei­ne Hul-

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I) Abgän­gi­ges.
2) Wo sie wohl gemein­schaft­lich waren.

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digung von den Burg­män­nern, Bür­gern, Unter­sa­ßen und Schlö­ßern der Herr­schaft Stein­furt neh­men woll­ten.

Ludolf Herr zu Stein­furt ver­si­cher­te den gan­zen Inhalt des Ehe­con­trac­tes sei­ner Toch­ter Met­te mit Ever­win von Güters­wyk im näm­li­chen Jah­re 1404, den vier­ten Tag nach Michae­li oder den drit­ten Octo­ber eid­lich aufs Neue, stel­le­te auch zu meh­re­rer Sicher­heit Hen­rich von Solms Herrn zu Otten­stein I), Her­mann von Müns­ter Dom­herrn zu Müns­ter, Egbert von Grams­ber­gen 2), Ever­hard von Wylp, Egbert von Alme­lo 3) und Wol­ter von Covor­den 4) unter Ein­rits und Ein­la­gers Ver­pflich­tung zu Schüt­torf, eines jeden mit zwey­en Pfer­den und einem Knech­te, zu Bür­gen, wel­ches die­se annah­men.

Die­se ist nun die Ers­te unter so vie­len Erb­ei­ni­gun­gen der Häu­ser Bent­heim und Stein­furt, wor­aus bald nur ein Haus erwuchs, wor­auf die so oft wie­der­hol­te Kai­ser­li­che Bestä­ti­gung und Beleh­nung zur gesam­ten Hand der Häu­ser oder viel­mehr Lini­en Bent­heim-Bent­heim und Bent­heim-Stein­furt in bei­den Graf­schaf­ten Bent­heim und Stein­furt einer Rei­he von Kai­sern erfolg­te. Da-

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I, 2, 3) Dynas­ten.

4) Wol­ter von Stel­ling­werf Burg­graf von Coe­ver­den. PICARDT DRENTISCHE CRONYK.

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bey ist es ganz was auf­fal­len­des, daß in der Fol­ge die jün­ge­re Linie in Bent­heim, die älte­re hin­ge­gen in Stein­furt suc­ced­iren mus­te, bis die­ses Unrecht in unsern Tagen durch Erlö­schung der jün­gern Linie wie­der geho­ben wur­de, wovon in der Fol­ge.

 

§. 138.

Das Anse­hen des beta­ge­ten Gra­fen Ber­nard von Bent­heim, wovon es in frü­hern Jah­ren gehei­ßen hat­te, daß sei­ne Hand, wie die eines andern Isma­els, wider Alle, und Aller Hand wider Ihn wäre, so wie man noch ande­re Sprich­wor­te von Ihm, wie von sons­ti­gen Hel­den die­ser Zeit hat­te, war in sei­nem hohen Alter in allen benach­bar­ten Staa­ten noch so groß, daß auch Bür­ger­meis­ter und Rath der Sadt [sic!] Grö­nin­gen 1404, den sechs­ten Novem­ber in einem feyer­li­chen Diplo­me bezeu­ge­ten: Daß zwi­schen Ihnen und dem Fürst­bi­sch­ofe zu Uet­recht Fried­rich von Blan­ken­heim eine Ver­söh­nung gesche­hen sey; weil jedoch noch Ver­schie­de­nes, und son­der­lich der Punkt wegen der Hul­di­gung zu ver­glei­chen stün­de, so mög­te, falls die Schie­des-Rich­ter dar­über nicht einig wer­den könn­ten, der Graf Ber­nard von Bent­heim die Sache als Oder­mann schlich­ten. Obwohl der Graf in Bezie­hung auf älter­li­che Kai­ser­li­che Befeh­le ent­schie­den hat­te, daß die Stadt Grö­nin­gen dem Fürst­bi­sch­ofe von Uet­recht hul­di­gen soll­te, kam es doch

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wie­der zwi­schen bei­den Par­tie­en zum Krie­ge. Der Graf von Bent­heim ver­kauf­te 1407, vor dem Rich­ter Her­man zum Busch­haus [Ton Buschues] zu Büren I] und Kur­ge­nos­sen Ort­win de Böse und Hen­rich de Hilg­he an den Pries­ter Brand von der Wel­len [zu Brand­lecht] den gro­ßen und klei­nen Zehn­ten im Kirch­spie­le Bran­tel­get in der Bau­er­schaft Her­se­dar­pe, aus dem Hofe zu Bran­tel­get, aus des 2] alten Küs­ters Hau­se, aus des neu­en 3) Küs­ters Hau­se, aus dem Velt­hau­se, aus der Wede­me 4), aus dem Klo­te­kamp, aus Richard­ink, aus dem Hofe zu Her­se­dar­pe, aus dem Frey­en Hau­se, aus Wil­l­emink, aus Bor­chards Kot­ten, aus Esser­ink, aus Wost­ink, aus Busch­haus 5) aus Gherd­ink, aus dem Kot­ten zu Vischer­ink, und aus dem Hil­li­ken Kor­ten. Befes­ti­get mit des Gra­fen und des Rich­ters eige­nem, nicht Gerichts Sie­gel 6).

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I] Ein gräf­lich Bent­hei­mi­sches Gericht im Müns­terischn.
2] Des Hau­ses Brand­lecht.
3] Des Dor­fes Brand­lecht.
4] Weih­gut, Pfarrey.
5] Viel­leicht das Haus des Rich­ters zu Büren.
6] Die Rich­ter waren nach Art der vor­ma­li­gen Mar­ken-Rich­ter, noch Guts­herrn, Beerb­te, Ber­ne- oder Bie­der­män­ner, die Trans­por­te meh­re­rer in ver­schie­de­nen Gerich­ten und Län­dern gele­ge­ne Güter gescha­hen noch nur vor einem Gerich­te; Brand­lecht gehört zum Gerich­te Nord­horn.

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§. 139.

Das Stift Mari­en­ro­de zu Wit­mär­schen, das noch einen Probst und eine Prio­rin, Bene­dic­ti­ner Ordens, kei­ne Abtissn hat­te, ließ sich das ihm von den Bent­hei­mi­schen Gra­fen Bal­du­in und Otto ver­lie­he­ne Patro­nats-Recht zu Schüt­tor­pe, vom Pabs­te Gre­gor dem Zwölf­ten 1408 bestä­ti­gen; so wie das jetzt vier und zwan­zig Jahr bestehen­de Got­tes­haus Frens­we­gen zu Mari­ent­wald bey Nort­horn 1418, alle sei­ne Recht­sa­me und Frey­hei­ten vom Pabs­te Mar­tin dem Fünf­ten con­firm­iren ließ. Wie berühmt die­ses Got­tes­haus Frens­we­gen schon in drei­ßig Jah­ren wei­ner Exis­tenz gewor­den war, das läßt sich auch dar­aus abneh­men, daß es nach 1424 die Geist­li­chen des Haupt­klos­ters Win­des­heim auf­nahm, die wegen Beob­ach­tung des Palast­li­chen Jute­r­diets ver­trie­ben waren, womit das Hoch­stift Uet­recht wegen der strit­ti­gen Bischofs Wah­len Rudolphs von Diep­holz und Sued­ers v. Kulen­burg belegt war I).

 

§. 140.

Der Graf Bern­hard von Bent­heim und Hen­rich Herr zu Geh­men Rit­ter errich­te­ten 1408 zu Ahaus, in Gegen­wart des Müns­teri­schen Fürst­bi­sch­ofes Otto Gra­fen von Hoja, der den Bent­hei­mi­schen Gra­fen lie­ben Oheim nennt, eine Ehe-

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I) DUMBAR ANALECT. TOM. I.

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stif­tung zwi­schen des Herrn von Geh­men, Sohn Johann von Geh­men, und Jung­fer Aleid, wei­land Jun­kers Are­nd von Güters­wyk Toch­ter, u. Schwes­ter Ever­wyns von Güters­wyk, Aner­bens der Graf­schaft Bent­heim, wobey fest­ge­stel­let wur­de, daß die Braut zwei­tau­send Rhei­ni­sche Gul­den Müns­teri­scher Wehr­ung [sic!] zum Heu­ra­ts-Gute haben, auch im Fal­le ihr Bru­der Ever­wyn von Güters­wyk mit Tode abgin­ge, folg­lich die Graf­schaft Bent­heim auf sei­ne bey­de Schwes­tern, Hede­wig und die­se Aleid ver­fie­le, jene, gegen gewis­se und von der Graf­schaft Bent­beim unab­hän­gi­ge Abgif­ten, die Graf­schaft unzert­heilt erhal­ten, jedoch nach ihrem Abster­ben ohne Lei­bes Erben, auf Aleid ver­er­ben soll­te. Zur Sicher­heit des Braut­schat­zes wur­den alle Erbe, Leu­te und Güter ver­pfän­det, wel­che Jun­ker Are­nd von Güters­wyk nach­ge­las­sen hät­te, und die sei­ner nach­ge­las­se­nen Wit­we, der Braut Mut­ter, nicht ver­leib­züch­tet oder ver­wit­tu­met wären I). Die­se Ehe­pac­ten erneu­er­ten 1409 der Graf Bern­hard von Bent­heim als Vor­mund sei­ner Schwes­ter Kinds­kin­der Ever­wyn, Mech­teld und Aleid von Güters­wyk, mit gedach­tem Ever­wyn von Güt­ters­wyk eines, und Hen­rich und Johann, Vater und Sohn von Geh­men, andern Thei­les, wor­in noch bestimmt ward: daß das Wit­tum der Jung­fer Aleid in ihrem Wit­wen­stan­de zwey­hun­dert Rhei­ni­sche Gul­den seyn

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I) Von der Grafsch. Gür­t­ters­wyk her­nach.

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soll­te, wenn sie nicht lie­ber ihren Braut­schatz zurück neh­men woll­te.

Merk­wür­dig ist, hie­bey wie­der der Aus­druck in bey­den Instru­men­ten die­ser Ehe­be­re­dung, daß, wenn die ältes­te Schwes­ter Hede­wig mit ihrer jün­gern Adel­heid, bestim­ter Braut des Herrn zn Geh­men, beym unbe­erb­tem Abgan­ge ihres Bru­ders Ewer­wyn, sich wegen der Abfin­dung der jün­gern Schwes­tern von der Herr­schaft Bent­heim, nicht ver­tra­gen könn­te, als­dann bei­de Schwes­tern nach dem Rech­te, was ihnen I) Gott und die h. Kir­che ver­lie­hen hät­ten; sich in den Gütern der Herr­schaft Bent­heim thei­len könn­ten, so wie bey unbe­erb­tem Todes­fal­le Bent­heim von der ältern auf die jün­ge­re Schwes­ter ver­er­ben soll­te. So strit­ten damals Cano­ni­sche und Römi­sche Rechts­be­grif­fe noch mit Teut­schen Gewohn­heits­rech­ten, beson­ders in Rück­sicht sol­cher Län­der, die ehe­n­der ange­st­am­te Gebie­te gro­ßer Häu­ser, ehe­n­der Herr­schaf­ten, als Reichs-Aem­ter oder Graf­schaf­ten u. s. w. waren, so lan­ge sol­che nicht zu Reichs­leh­nen erho­ben wur­den.

Ueber die Erb­fol­ge in gewis­se Bent­hei­mi­sche Leh­ne errich­te­te Graf Ber­nard noch eine Ver­ord­nung, nach­dem Er 1413 dem Frie­de­rich von Beve­ren die Beleh­nung mit dem Hofe zu Var­wer-

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I) Ist er ein Sohn, so ist er auch ein Erbe. Galat. 4.

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ke und mit dem Kal­ve­camp in der Bau­er­schaft I) Neder­lo im Kirch­spie­le Schüt­tor­pe in Dienst­manns­statt ertei­let hat­te, wobey Hen­rich Herr zu Geh­men, Hei­ne von den Laer, Johann Voet der Jun­ge und Ort­wyn de Bose Zeu­gen waren.

Jene Lehns-Ver­ord­nung des Gra­fen Ber­nard von Bent­heim vom drit­ten Tage nach drey Köni­ge, oder vom neun­ten Jän­ner 1414, wel­che die Fami­lie von Elver­feld zu Lan­gen nach Jungs Bericht besit­zet, ent­hält fol­gen­des:

Die Burg­män­ner, ihre täg­li­che Knech­te oder Leu­te soll­ten vorm Gerich­te nicht belan­get wer­den, außer in Fäl­len, wo es For­de­run­gen für Essen und Trin­ken beträ­fe 2], oder wo ein Tod­schlag oder Läh­mung der Glie­der statt gehabt hät­te, son­dern die Burg­män­ner soll­ten von vier­zehn Näch­ten zu vier­zehn Näch­ten, bis zu sechs Wochen, vor dem Gra­fen 3) ihre Knech­te oder ihre Leu­te aber von vier­zehn Näch­te zu vier­zehn Näch­ten gela­den wer­den. Bekä­men ihre Knech­te oder ihre Leu­te mit Wor­ten oder mit Schlä­gen unter

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I) Neer­la­ge.
2) Magen­aß im Land­rech­te von Obe­rys­sel.
3) Oder des Gra­fen Burg­gra­fen mit andern Burg­män­nern als Kur­ge­nos­sen und PARES CURIA, [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: CURIAE] PAIRS DE FRANCE, das Ober­haus im Eng­li­schen Par­la­ment. Nach die­sem Mus­ter wur­de das spä­te­re Hof­ge­richt ange­ord­net.

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ein­an­der Hän­del, so soll­te zuvor der Arzt dar­über Kund­schaft geben, und da nach soll­te die Ver­be­ße­rung mit Gut oder mit Rech­te gesche­hen I); Todt­schlag und Läh­mung aus­ge­nom­men. Sonst müs­te der Graf über sie nicht rich­ten 2); außer über sol­che, die unter Ihm wohn­ten 3). Sie soll­ten über­haupt als sol­che Leu­te betrach­tet wer­den, wovon man Nichts wie­der neh­men, oder ihnen Nichts wei­ter zufü­gen könn­te, als was der Graf mit den Burg­män­nern 4) gut gefun­den hät­te. Wür­den die Burg­män­ner mit einer Feh­de oder mit einer andern Gewalt über­fal­len, so dürf­ten sie sich aus den gräf­li­chen Schlö­ßern so lan­ge weh­ren, bis der Graf ihnen zu Hül­fe käme. Aus dem Bent­hei­mer Wal­de könn­ten die Burg­män­ner ihr Bau- und Brenn­holz neh­men; wüch­se Mast dar­in, so könn­ten sie fünf­zig Schwei­ne und einen Behr dar­in trei­ben. Drey­mal des Jah­res müs­te der Graf ein Holt­ding im Wal­de auf der rech­ten Stel­le hal­ten 5), nach der Mar­ke (Bent-

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I) Nach der Schweh­re der Wun­de Geld­brüch­te oder Ver­lust des Burg­manns­recht.
2) Durch sei­ne Unter­ge­rich­te.
3) Durch das Mar­schal-Truch­ses­sen Amt am Hofe.
4) Die das Urteil fin­den, schöp­fen hel­fen: Die Burg­män­ner waren, was die Dom­ca­pi­teln in geist­li­chen Staa­ten, eine Fami­lie mit den Guts­herrn. Daher in neu­ern Zei­ten nicht alle Hove­sa­ten Land­stän­de.
5) Wo der schö­ne Holz­ge­richts­stuhl steht.

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heim) Wil­le­kür und Recht, und einem Jeden wie­der­fah­ren las­sen, was Urteil und Recht wie­sen, wonach der Wald I] ver­tei­let wer­den müß­te. Alles Dienst­manns­gut und jedes Burg­lehn, die sie von der Herr­schaft Bent­heim zu Leh­ne trü­gen, erb­ten auf das nächs­te Leib so wohl weib­li­chen als männ­li­chen Geschlech­tes, so wohl in abstei­gen­der, als in der Sei­ten Linie, und damit soll­ten sie dann der Graf und sei­ne Erben und Nach­kömm­lin­ge beleh­nen.

Ent­stün­den eini­ge Irrun­gen zwi­schen dem Gra­fen und den Burg­män­nern, so soll­ten die Burg­män­ner 2] mit ihrer gan­zen Macht die­sel­ben mit Freund­schaft oder mit Recht bin­nen sechs Wochen ent­schei­den. Hie­mit soll­ten die Burg­män­ner und ihre Leu­te an ihren sons­ti­gen Rech­ten unver­kür­zet seyn und blei­ben.

Die­ses merk­wür­di­ge Stück war nur eine Auf­zäh­lung der vor­züg­lichs­ten Burg­manns­rech­te, um sie der Ver­ges­sen­heit zu ent­zie­hen, ert­heil­te er kei­ne neue, da der Graf in der Ein­lei­tung sagt: Er hät­te die Burg­män­ner bey die­sen Rech­ten gefun­den. Das dar­an hän­gen­de Sie­gel ist wahr­lich das so gen­an­te grö­ße­re Sie­gel, da es an Grö­ße alle Sie­gel der vori­gen Urkun­den über­trift. Der Schild mit den neun­zehn Bent­hei­mi­schen gol­de­nen Pfen­nin­gen liegt in einem Rau­me von run­den und

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I) VERUTHEREN, ver­aü­ßern [sic!].
2) Mit dem Gräfl. Burg­gra­fen.

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vier­ecki­gen Kugeln, wol Stein­mas­sen der Berg­fes­te Bent­heim, wor­auf die Graf­schaft gegrün­det wur­de, wel­che den Stür­men der Jahr­hun­der­te trotz­te. Ber­nards Nach­fol­ger Ever­wyn von Güters­wyk bestä­tig­te die­ses Bent­hei­mi­sche Burg­manns­recht 1422, Ber­nard der zwey­te 1461, Arnold der Ers­te 1531, Ever­win der Drit­te 1558.

 

§. 142.

Im näm­li­chen Jah­re 1415, schenk­te Graf Ber­nard dem Her­mann Rat­hard­hyn­ge I), der Pries­ter wur­de, fol­gen­de Güter: Wil­kens Haus, Vedel­bo­gen jetzt Lipen-Haus gen­ant, im Kirch­spie­le Bent­heim; fer­ner: Berg­haus und Crul­les­kamp im Kirch­spie­le Gil­de­haus, eine Mark-Gel­des jähr­li­cher Gül­de aus dem Gar­ten bey Schüt­tor­pe gen­ant Rem­berts Gar­ten, wel­chen Gar­ten der Herr Johann de Ble­ke I) unter hat­te und davon die­sen Aus­gang ent­rich­te­te. Gedach­ter Her­man Rat­har­dyn­ge soll­te auch die gräf­li­che Tafel haben, und dafür einen neu­en gestif­te­ten Altar in der Schloß­ka­pel­le zu Bent­heim, zur Ehre Got­tes, Mari­en sei­ner lie­ben Mut­ter, des hei­li­gen Johan­nes Evan­ge­lis­ten und des guten hei­li­gen Anto­ni­us bedie­nen.

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I) Wenn die­ser ein Vor­fahr des ehe­ma­li­gen Ort­mars­ser Rich­ters und der Fami­lie Rater­ink gewe­sen wäre, die mit den Fami­li­en zur Eich und Hel­ter ver­wandt war?
2) Der Blei­che, wahr­schein­lich ein Geist­li­cher HERR.

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Dann belehn­te der Graf ihn förm­lich damit, da alle Ver­lei­hun­gen in Leh­ne ein­ge­klei­det wur­den.

Allein aus der Ehe der Jung­fer I) Adel­heid von Güs­ters­wyk mit dem Dynas­ten Johann von Geh­men war Nichts gewor­den. Ihr Bru­der Ewer­wyn zukünf­ti­ger Graf von Bent­heim schloß daher 1415 ihre Ehe­de­redung mit ihren [sic!] neu­en Bräu­ti­gam Johann Dynast von Keu­len­burg und Werth. Die Braut soll­te drei­tau­send gute schwe­re ober­län­di­sche Rhei­ni­sche Gul­den Braut­schatz oder glei­chen Werth in Gold nach Müns­teri­scher Wehr­ung, und als Wit­we drey­hun­dert sol­cher Gul­den zur Leib­zucht und eine anstän­di­ge Woh­nung bin­nen dem Weer­de haben; wofür die Guters­wy­ker Güter in Dins­la­cke und über der Maaß ver­pfän­det seyn soll­ten.

Die­ser Johann von Cülen­burg, ein Rit­ter von Jeru­sa­lem oder vom gelob­ten Lan­de, hat­te des vori­gen Prä­ten­den­ten der Jung­fer Aleid von Güters­wyk, Johann von Geh­men Schwes­ter zur Gema­lin gehabt ohne Kin­der, und ward von sei­nem betag­ten Schwa­ger abge­schickt, für ihn sei­ne Braut abzu­ho­len, die­se erwie­der­te ihm: war­um Er von

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I) Jung­fer, Jung­frau hat bis tief ins sieb­zehn­te Jahr­hun­dert und noch oft zu Anfan­ge des acht­zehn­ten die näm­li­che Bedeu­tung mit Fräu­lein beym hohen und nie­dern Adel, so waren Stifts-Jung­fern zu Wiet­mär­schen u. d. m. Auch Mag­den.

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Jan van Geh­men sprä­che, er soll­te vor sich selbst spre­chen I). Dar­auf nahm Cülen­burg sie hin­ter sich auf sein Pferd und führ­te sie auf sein Schloß zu Werd. Die­se dem nai­ven Nie­der­län­di­schen Cha­rac­ter die­ser Zeit ent­spre­chen­de Geschich­te will Jung nicht glau­ben, so sehr sie auch im Rit­ter­geis­te die­ser Zeit liegt, da Cülen­burg über die­se Beu­te stolz seyn konn­te, das Fräu­lein von Güters­wyk auch wol sei­ne Nei­gung zu ihm ent­deckt hat­te, ehe sie sich erklär­te. Sued­er von Külen­burg, der die­sen Vor­fall in sei­ner Geschich­te sei­nes mäch­ti­gen Hau­ses selbst beschrie­ben 2), konn­te zu sei­ner Zeit so viel weni­ger etwas Unziem­li­ches dar­in fin­den, da die Klos­ter­frau­en von Rheins­burg, eine Abtey für Fürs­tin­nen und Grä­fin­nen, beson­ders aus dem Hol­län­di­schen Hau­se, wie für rit­ter­bür­ti­ge Fräu­leins, damals ganz unschul­dig des Nach­mit­tags in welt­li­chen Klei­dern hin­ter den Rit­tern auf den Pfer­den saßen, so lan­ge man kei­ne Kut­schen kann­te 3).

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I) WAT WIL GY VAN JAN GEMEN KALLEN? KALT VAN U SELVEN.
2) SUEDERI DE CÜLENBURCH EX DYNASTIS DE CULENBURCH ORIGINES CULENBURGICAE IN ANTONII MATTHAEI ANNALECTIS TOM. III. PAG. 628.
3) Noch Kai­ser Karl V. knieete auf öffent­li­cher Heer­stra­ße vor der Abtis­sin v. Rheins­burg und nann­te sie, ihr die Hand küs­send, Sei­ne hoch­ge­bie­ten­de Frau, da Sie doch sei­ne Unter­ta­nin war.

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§. 143.

Graf Ber­nard von Bent­heim bezeug­te 1416 daß Klaus von Beve­ren den Altar der hei­li­gen drey Köni­ge in der Pfarr­kir­che zu Bent­heim, mit Ein­stim­mung des Pfar­rers, mit zwey­en Mar­ken, die jähr­lich aus allen sei­nen Gütern, wo die auch gele­gen, geho­ben wer­den könn­ten, wie auch mit einer jähr­li­chen Mar­ke und mit zwey­en Mal­tern Rocken jähr­lich aus Hol­ken Hau­se, im Kirch­spie­le Gil­de­haus, wie mit einem Mal­ter aus Vren­k­ink im Kirch­spie­le Büren, beschen­ket hät­te. Wel­chem der Graf noch jähr­lich zwey Mal­ter Gers­te aus dem gräf­li­chen Hofe Kol­de­hof am Fuße des Ber­ges zu Bent­heim bei­fü­ge­te, womit Er den Probst Ger­hard Pezen zu Mari­en­do [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Mari­en­ro­de] in Wiet­mär­schen belehn­te; wel­ches Stift also unter die Rei­he der Vasal­len und her­nach unter die der Lan­des­stän­de ver­set­zet wur­de. Die­se Schen­kung wur­de 1417 erneu­ert und durch den Müns­teri­schen Fürst­bi­schof bestä­ti­get. Dem Johann Snoye erteil­te der Graf 1417 die Beleh­nung mit dem Erbe Mey­ern­ich in der Bau­er­schaft Bonyn­chen im Kirch­spie­le Dedin­chem, in Dienst­man­nes­statt, laut eines durch die­sen Johann Snoye unter sei­nem Sie­gel aus­ge­stel­le­ten Rever­ses. Wohl Eins der ältes­ten Nach­rich­ten des vor­her nach Ort­mars­sum ein­ge­pfar­re­ten Kirch­spie­les Dene­kamp, in des­sen Kir­che ein spä­te­rer Graf von Bent­heim, als Besit­zer des Hau­ses Sing­ra­ve eine Vica­rie stif­te­te 1).

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I) LINDEBORN HISTORIA SIVE NOTITIA EPISCOPATUS

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§. 144.

Eine im Jah­re 1417, Son­ta­ges nach Peter und Paul geschlo­ße­ne Ehe­stif­tung zwi­schen Ludolf Herrn von Stein­furt, und Kune­gun­de ältes­ter Toch­ter Wai­land Gisel­berts Dynas­ten von Brunk­horst zu Bor­ke­lo, ist um des­to merk­wür­di­ger, weil dabey unter Andern fest gestel­let wur­de, daß, wenn aus die­ser zwei­ten Ehe des ver­wit­we­ten Dynas­ten Ludolphs von Stein­furt ein Sohn erzielet wür­de, die­ser die Herr­schaft Stein­furt, mit Aus­schlie­ßung Met­ten von Güters­wyk, Ludolfs von Stein­furt ältes­ter Toch­ter ers­ter Ehe, erer­ben soll­te. Der Braut wur­den sonst zwey tau­send fünf hun­dert Rhei­ni­sche Gold­gul­den oder glei­cher Werth in Gol­de nach Müns­teri­scher Schät­zung, zur Aus­steu­er, wie auch eine jähr­li­che Nut­zung von vier­hun­dert sol­chen Gul­den, und eine anstän­di­ge Woh­nung in der Stadt Sten­vor­de zur Leib­zucht oder zum Wit­tu­me, nebst andern Vor­tei­len, in bestim­ten Fäl­len ver­schrie­ben, zu deren Sicher­heit der Herr von Stein­furt das Schloß Gro­nau ver­setz­te.

Heu­ra­ts­stif­ter waren von Sei­te der Braut, der Graf Klaas von Teken­eburg, Hen­rich Herr zu Wische, Otto von Büren, Wil­helm und Otto von Brunk­horst zu Bor­ke­lo, Brü­der der Braut; und von Sei­te des Bräu­ti­gams: Ludolf von Lüdin­chu-

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DAVENTRIENSIS PAG. 448.

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sen, Hen­rich von Müns­ter und Engel­bert von Mechelen I). Gedach­ter Otto von Bron­khorst zu Bor­ke­lo wur­de im fol­gen­den Jah­re 1418, mit Agnes jüngs­ter Toch­ter Hen­richs von Sol­mis zu Otten­stein ver­lo­bet. Die­se bekam das Gut in Twen­te, das Gut zu Rekene in der Herr­lich­keit Bor­ke­lo, das Haus zu Lech­ten­vor­de, dao Gut Alten u. s. w. Heu­ra­ts­stif­ter waren: Klaas Graf zu Teken­eburg, Otto von der Lecke Herr zu Hede­le, Arnold Sti­cke von Lech­ten­horst und Lam­bert von der Hove.

Jene ander­wei­te Ver­mä­lung sei­nes Schwie­ger­va­ters Ludolfs von Stein­furt, und sei­ne Ver­bin­dung mit dem bedeu­ten­den, in der Gel­dri­schen Geschich­te so berühm­ten Hau­se Bron­khorst, war dem Ever­win von Güters­wyk und sei­nem Groß-Oheim, Gra­fen Ber­nard von Bent­heim, wol nicht ange­nehm, wie dann auch eine Ver­want­schaft Ever­wyns mit sei­ner Gema­lin Met­ta von Stein­furt im vier­ten Gra­de, noch ein Stein des Anstos­ses war, den jedoch eine Päbst­li­che Dis­pens. 1418 hob, wobey aber der Frey­frau von Güters­wick eine, dem Bisch­ofe von Müns­ter anheim gestell­te Genug­t­hu­ung, wegen des gege­be­nen Aer­ger­nis­ses auf­er­legt wur­de, da sie die­se Ver­want­schaft gewußt hät­te.

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I) Wil­helm von Mechelen Fürst­bi­schof von Uet­recht von 1296 bis 1301.

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§. 145.

Gedach­ter Eber­win v. Güters­wick war vom betag­ten Bent­hei­mi­schen Gra­fen Ber­nard, sei­nem Groß-Ohei­me, schon 1419, zum Gehül­fen in der Regie­rung ange­nom­men, da sie Bei­de einen Ver­kauf ver­schie­de­ner Län­derey­en durch Hen­rich zu Sche­ve­lo I), an Johann Gle­nen 2) vor dem Rich­ter zu Schüt­tor­pe Hen­rich Bür­de­wyk gen­ant Pot­mues, und Kur­ge­nos­sen Stip­pen­bern­de 3) und Hen­rich Sche­cken, zeit­li­chen Schöp­fen zu Schüt­torf bestä­ti­gen. Der Schüt­tor­fi­sche Rich­ter gebrauch­te sein Eige­nes, noch kein Gerichts-Sie­gel dabey.

Jene Län­derey­en aber waren: Das Haber- und Heu­land, das zu Hap­pen Erbe gehör­te und bele­gen wäre im Mekel­en­bro­ke zwi­schen des Kirch­herrn zu Schüt­torf Land, und einem andern Stü­cke Land, das nach Wen­deln Erbe gehör­te, und an der einen Sei­te, an des Herrn Bit­ter Wie­se, nn der ande­ren, an Sche­ve­les Wie­se, an Eilerd­ink und an des Kru­sen-Land stie­ße; die­ses Haber- und Heu­land wur­de aus der Mar­ke Zame­ren 4) umzäunt und umwal­let; wenn die­ses Mekel­en­brok nicht besä­et, noch beheu­et wür­de, so könn­ten sechs Kühe auf die Gemein­heit getrie­ben wer­den.

Unter Genehm­hal­tung sei­nes Schwie­ger-

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2) in den vori­gen Urkun­den noch Ede­le.

) [sic!] Bernd Sttpen.

4) Zamer­rot ent­stand in Zeme­ren.

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soh­nes Ever­wyn von Güters­wyk, und des­sen Gema­lin, sei­ner Toch­ter Met­ta, schenk­te Ludolf von Stein­furt sei­nem Kapel­lan, dem Pries­ter Johann Nye­hu­se, wegen des­sen ihm in sei­ner Krank­heit bewie­se­ne gute Diens­te, den Mülen­kamp bey Sten­vor­de bey der neu­en Müle, den Bosi­ko­len Gar­ten bey gen­an­tem Kamp, am Rocken Kamp, und den Gar­ten bey der Mülen­stie­ge, wel­chen Wan­dag von den Sche­ren von ihm zu Leh­ne getra­gen hät­te. Die­se Schen­kung ist datirt 1419, auf des hei­li­gen Wil­le­brords [erstenJ Bischofs I] zu Uet­recht Tage, oder den sie­ben­ten Novem­ber. In sol­chem Andenken war das jetzt noch ein Jahr­hun­dert bis zum acht und fünf­zigs­ten Fürs­ten, und ein und sechs­zigs­ten Bisch­ofe bestehen­de Hoch­stift Uet­recht damals so vie­ler Ver­bin­dun­gen wegen noch in der bald zur Graf­schaft erho­be­nen Herr­schaft Stein­furt Müns­teri­scher, ehe­mals Uet­rech­ti­scher Diö­ces.

 

§. 146.

Der ein und neun­zig­jäh­ri­ge Graf Ber­nard der Ers­te von Bent­heim geneh­mig­te noch 1421, auf Egi­dii Tag oder den ers­ten Sep­tem­ber einen Ver-

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I] Der ers­te und die drey letz­ten Bischö­fe von Uet­recht waren Erz­bi­schö­fe. Die Pro­fan-Geschich­te weiß näm­lich von kei­nen wei­te­ren Bischö­fen von Uet­recht, so bekant die­se auch in der neu­en Kir­chen-Geschich­te und in den Jan­se­ni­schen Irrun­gen sind.

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kauf eines vor Nyen­hues zwi­schen Ludolphs von Gra­ves­tor­pe und Lube­lyes Gär­ten gele­ge­nen Gar­tens, durch den zwar­te Peter an Johann Wern­sink, und ver­schied den fünf­ten Tag nach Simon und Judas, oder den zwei­ten Novem­ber dies näm­li­chen Jah­res auf dem Schlo­ße Bent­heim, und wur­de in der Kir­che zu Frens­we­gen vor dem hohen Altar begra­ben. Er muß, da so vie­les von ihm seit der Stif­tung die­ses Got­tes­hau­ses 1394, bis zu sei­nem Todes­ja­re bekant ist, sei­ne meis­te Zeit daselbst nicht zuge­bracht haben. Er beschloß aber den Mann­stamm der Gra­fen von Bent­heim aus dem Hau­se der Gra­fen von Hol­land, nach­dem der­sel­be bey­na­he dreh hun­dert Jah­re Bent­heim beherr­schet hat­te, und hin­ter­ließ die­se Graf­schaft dem noch fort blü­hen­den Güters­wyck­schen Hau­se. Die hol­län­di­sche Linie war bereits 1299 erlo­schen, nach­dem aus der­sel­ben Wil­helm der zwei­te 1248, Römi­scher König gewor­den war, und nach der gewöhn­li­chen Suc­ces­si­ons Meto­de [sic!] gro­ßer Häu­ser hät­te die Bent­hei­mi­sche Linie in Hol­land und See­land fol­gen müs­sen; und dann wür­de die­ses Haus das ihm so nahe ver­wand­te Egmon­di­sche im Besit­ze von Gel­dern, Züt­phen, Büren u. s. w. geschüt­zet und das Schick­sal der Ver­ei­nig­ten Nie­der­lan­de, wie eines gro­ßen Thei­les West­pha­lens bestim­met haben. Ein Die­te­rich von Ben­them kömt noch 1307, als Probst zu S. Mari­en in Uet­recht vor, wel­ches Col­le­gi­at­stift mit denen in Alt-Müns­ter oder Sal­va­tor, S.

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Peter und S. Johann in Uetrcht [sic!] glei­che Rech­te mit der Dom­kir­che hat­te I).

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I] OUDHEDEN EN GESTICHTEN VAN KENEMERLAND I. Sei­te 307.

Arnold Dynast von Krai­en­hem [Krä­hen­heim] Herr zu Grob­ben­donk und sei­ne Gema­lin Johan­na von Stein­vort stif­te­ten 1414, das Klos­ter bey Grob­ben­donk.

OUDHEDEN EN GESTICHTEN VAN DEVENTER I. Sei­te 131.

Johann von Scho­on­vorst Vicomte von Mont­jue [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Mon­tioie] Herr von Kra­nen­donk, Eind­ho­ven und Diepen­beck, Gene­ral Gou­ver­neur von Bra­bant und Vor­mund der min­der­jäh­ri­gen Her­zö­ge Johann und Phil­ip, Söh­ne des ver­stor­be­nen Her­zo­ges Anton von Bur­gund und Bra­bant, und sei­ne Gema­lin Johan­ne von Rut­fort stif­te­ten 1419, das Klos­ter Hage bey Eind­ho­fen, wozu die Stif­tung des Klos­ters bey Herend­aal oder Herrn-Tahl durch sei­nen Vet­ter Arnold von Crai­en­sen [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Crai­en­hem] und des­sen Gema­lin Johan­na von Stein­furt ihn ermun­tert hat­te, wel­cher mit sei­ner Stein­fur­ti­schen Gema­lim nebst dem Gra­fen Wil­helm von Sain als Herrn von Sankt Aga­ta Rode mit sei­ner Gema­lin, und Arnold von Fran­ken­berg, als nächs­te Erben jene Stif­tung geneh­mig­ten. OUDHEDEN EN GESTICHTEN VAN s’HER­TO­GEN­BOSCH Sei­te 556.

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VIERTE ABTHEILUNG

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Neue­re Geschich­te.

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Bent­hei­mi­sche und Stein­fur­ti­sche Gra­fen aus dem Hau­se Güters­wyk.

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§. 147.

Graf Ever­wyn der Ers­te.

Stamm­va­ter der Gra­fen von Bent­heim und Stein­furt und her­nach auch von Teck­len­burg-Rhe­da.

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So kam dann Graf Ever­win der Ers­te aus dem Hau­se Güters­wyk, ein Sohn Arnolds, und wahr­schein­lich einer Dynas­tin von Stein­furt, wie Jung glaubt, womit aber strei­tet, daß Er die Ver­want­schaft mit sei­ner Gema­lin Met­te I] oder Mech­teld von Stein­furt nicht gewußt haben soll­te, wie aus oben ange­führ­ter Päbst­li­cher Dis­pen­sa­ti­on erhel­let, zur Regie­rung der Graf­schaft Bent­heim, da sein

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I] Eigent­lich Mar­ta.

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Vater Arnold ein Sohn der Hede­wig, Schwes­ter des letz­ten Gra­fen Ber­nards von Bent­heim, und Ever­wins von Güters­wyk gewe­sen war. Er erhielt sei­ner Gema­lin Met­te von Stein­furt wegen, bey Erlö­schung des Stein­fur­ter Manns­stam­mes in der Per­son sei­nes Schwie­ger­va­ters Ludolphs von Stein­furt auch die bald zur Graf­schaft erho­be­ne Herr­schaft Stein­furt, bekam aber mit sei­ner Stein­fur­ti­schen Gema­lin kei­ne Kin­der; wor­an Er nach deren Abster­ben sich ander­weit mit Gis­ber­ta aus dem Hau­se Brunk­horst, einer Toch­ter Toch­ter [sic!] müt­ter­li­cher Sei­te Hen­richs Gra­fen von Solms zu Otten­stein ver­mä­le­te, und da mit zwei Söh­ne, Ber­nard den Zwey­ten Gra­fen von Bent­heim, und Arnold Dynas­ten von Stein­furt erzielete, wovon Jener den Stamm der Gra­fen von Bent­heim , die­ser den der Gra­fen von Stein­furt für erst fort­setz­te; wenn her­nach die Stein­fur­ti­sche Linie Bent­heim, und die Bent­hei­mi­sche Stein­furt bis auf den heu­ti­gen Tag, nach dem Bei­spie­le der Her­zog­lich Säch­si­schen Häu­ser, und des Chur­hau­ses Sach­sen, bekam.

 

§. 148.

Hier ver­die­net nun das Haus Güters­wyk, Güters­wich, Gro­t­ers­wyc, Goters­wyk, auch Gru­ters­wic, wie es vor Alters geschrie­ben wur­de, eine Erwäh­nung. Die­ses Haus gehö­re­te ehe­mals unter die Reichs unmit­tel­ba­re Dynas­tien oder

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Herr­schaf­ten. Der Sitz der­sel­ben war im heu­ti­gen Her­zog­tu­me Cle­ve, eine hal­be Mei­le von Wesel, wo die Aem­ter und Land­ge­rich­te Dins­la­cken und Got­ters­wi­cker­ham und Got­ters­wick noch bekannt sind I). In einer Schen­kung des Köni­ges Hen­richs des Zwei­ten an die Kir­che zu Deutz vom Jah­re 1003 kom­men Güter zu Mer­r­hem, Stock­hem und Güters­wick vor. Ever­wyn von Got­ters­wyk ist unter den Zeu­gen einer Urkun­de Kai­sers Otto des Vier­ten 1002, wor­in den Gra­fen Hen­rich von Sein die Hälf­te des Schlos­ses Sas­sen­berg ein­ge­räu­met wird. In ver­schie­de­nen im Archi­ve zu Cle­ve auf­be­wahr­ten, lei­der noch nicht gedruck­ten Urkun­den des drey­zehn­ten und vier­zehn­ten Jahr­hun­derts wer­den die Her­ren von Güters­wyk Ede­le 2) genannt, ihre Töch­ter an Gra­fen ver­mä­let, wel­che die Dynas­ten Vet­tern nen­nen. Ever­hard von Gro­t­ers­wyc kömt in einem Diplo­me des Gra­fen Die­te­rich von Cle­ve 1318 vor. Her­man Graf von Lim­burg gab

1329 sei­ne Toch­ter Rycar­de an Ever­win von Goters­wick. Des­sen Sohn war wahr­schein­lich Ever­win von Guters­wich Rit­ter 3), der 1370 als Zeu­ge in der Bent­hei­mi­schen Geschich­te vor­kam, und wohl der Gemahl Hade­wigs, Schwes­ter des

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I) Büsching Geo­gra­phie.
2) Im Mit­tel­al­ter ein Prä­die­at der Reichs-Unmit­tel­ba­ren.
3) Bekant­lich trach­te­ten auch gekrön­te Häup­ter nach der Rit­ter­li­chen Wür­de.

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Bent­hei­mi­schen Gra­fen Ber­nard, und Groß­va­ter des Gra­fen Ever­wins von Bent­heim und Dynas­ten von Stein­furt war. Die­ser Groß­va­ter des Gra­fen von Bent­heim erhielt nebst Die­te­rich u. Johann, Edelen Her­ren und nach­he­ri­gen Gra­fen von Lim­burg, wie auch mit Gos­win Steck 1350 zu Wesel den Ehren­wein. Im Jah­re 1370 ver­kauf­te Er mit Wil­len sei­nes Soh­nes Are­nd oder Arnold, Vaters des Gra­fen von Bent­heim und Dynas­ten von Stein­furt, die Güter Cru­den­burg, Ber­ge und Hün­xe, wel­che von Johann von dem Ber­ge, Dynas­ten zu des Herrn Berg oder ‘SHe­ren Berg [sic!] ange­kauft waren, an Her­mann Steck, auch unterm Sie­gel sei­ner Gema­lin Grä­fin Hade­wig von Bent­heim. End­lich wur­de von der Rei­che­herr­schaft Gott­er­wycht 1467, wie von andern unmit­tel­ba­ren Reichs-Gebie­ten vom Reichs­ta­ge eine Hül­fe wider die Tür­ken mit den Wor­ten gefor­dert: “Die Gra­fen von Bent­heim, Stein­furt und Got­ters­wycht zu Pfer­de zehn, zu Fuß zwan­zig.” Schon im sechs­zehn­ten Jahr­hun­dert kam übri­gens der grö­ße­re Theil der Herr­schaft Güt­ters­wyk ans Col­le­gi­at­stift zu Rees, da die Herrn die­ser mit­tel­mä­ßi­gen Herr­schaft Sie wohl nicht sehr mehr ach­te­ten, seit dem Sie Gra­fen von Bent­heim, Stein­furt u. s. w. gewor­den waren. So ver­lor unter so vie­len Andern das Erz­haus Oes­ter­reich sei­nen gräf­li­chen Stamm­sitz Habs­burg. Der Rest der Dynas­tie Güters­wyk ver­lor sei­ne Unmit­tel­bar­keit, wie unzä­li­ge ande­re

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Dynas­tien, Graf­schaf­ten, Reichs­städ­te, Reichs­un­mit­tel­ba­re Stif­ter, Klös­ter und deren mehr, u. kam mit Cle­ve unter Preus­si­sche Hoheit, wor­un­ter sie jetzt eine Medi­at Herr­schaft ist, erst des Herrn von Loen, dann des Gra­fen von Lot­tum.

 

§. 149.

Wür­den übri­gens jene Cle­vi­sche Urkun­den bekann­ter,  man wür­de zwei­fels­oh­ne eine Ver­want­schaft des Güt­ters­wy­ki­schen Hau­ses mit jenen aus­ge­stor­be­nen Dynas­ti­schen u. s. f. Häu­ser ent­de­cken, wel­che mit den gräf­li­chen Hol­län­di­schen, Gel­de­ri­schen, Cle­vi­schen, u. d. m. Häu­sern aus dem gemein­schaft­li­chen Stam­me der der­ma­li­gen Gra­fen von Tris­terb­ant [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Teis­terb­ant] ent­spro­ßen sind. So war zum Bei­spie­le Johann der Eilfte Dynast von Arkel oder Gorinch­eim jetzt Gor­cum mit Erm­gard Toch­ter Ottos Gra­fen von Cle­ve und Mar­ga­re­ta von Vir­ne­burg Frey­frau von Dins­la­ken im vier­zehn­ten Jahr­hun­dert ver­mä­let I]. In jenen Ehe­pac­ten der Toch­ter Her­mans von Lim­burg, Ricar­de, mit Ever­win von Goters­wich Ue-

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I) DE VITA ET REBUS GESTIS DOMINORUM DE ARKEL, in ANT MATTHAEI ANALECTIS. TOM. V PAG 225.

Noch 1606 war ein Ludolf von Güters­wyk Com­men­deur des Teut­schen Hau­ses zu Rhe­nen.

OUDHEDEN EN GESTICHTEN VAN UETRECHT III. Pag. 106.

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berg­roß­va­ter des Gra­fen von Bent­heim, vom Jah­re 1329, wel­che im Bent­hei­mi­schen Archi­ve befind­lich ist, ver­sprach der Vater sei­ner Toch­ter und den aus ihr zu erzie­len­den Kin­dern die damals ansehn­li­chen ste­ten jähr­li­chen Ein­künf­te von vier­hun­dert Pfund Tour­nais, wofür sich unter Andern Frie­de­rich Dynast von Weve­licho­ven mit­telst Ein­la­gers in Rüre­mund ver­bür­ge­te, so daß hier drey mit dem heu­ti­gen Gesamt­hau­se Bent­heim ver­wan­te Fami­li­en: Güters­wyk, Lim­burg und Weve­ling­ho­ven vor­ka­men. Die Toch­ter die­ses ers­ten Gra­fen Ever­win von Bent­heim aus dem Güters­wyk­schen Hau­se, Locke oder Char­lot­te wur­de 1429 mit Wil­helm Dynast von ‘SHe­ren­berg ver­mä­let, und ihr zum Braut­schat­ze, bey Erman­ge­lung männ­li­cher Erben des Hau­ses Bent­heim, das Schloß und die Stadt Stein­furt, oder auch die Sum­me von sechs tau­send Rhei­ni­schen Gul­den ver­schrie­ben. Aus die­ser Ehe ent­spro­ßen unter andern Kin­dern Mech­teld ver­mält 1459 mit dem Gra­fen Niklas von Teken­eburg, wobey ihr zur Sicher­heit ihres Braut­schat­zes von sechs tau­send fünf hun­dert Rhei­ni­schen Gul­den, das Haus und Amt Lin­gen ver­set­zet wur­den; und Oswaid, gebo­ren den letz­ten Jän­ner 1442, bei des­sen Tau­fe der Her­zog Arnold von Egmond zu Gel­der, Graf Ever­win von Bent­heim und Maria von Bur­gund, Gema­lin Her­zogs Adolph von Cle­ve, Paten waren. Die­ser Oswald wur­de 1486 durch den Kai­ser Frie­de­rich den Drit­ten zum Gra­fen,

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und sei­ne Dynas­tie Berg oder ‘SHe­ren Berg des Herrn Berg zur Reichs­graf­schaft erho­ben, heu­ra­te­te 1456 Eli­sa­beth, jüngs­te Toch­ter des Gra­fen Vin­cent von Mörs und der Anna von Bai­ern I).

 

§. 150.

Jung beschließt sei­ne Geschich­te der Graf­schaft Bent­heim mit der Nach­richt und Bemer­kung: daß, so wie die Graf­schaft Bent­heim im zwölf­ten Jahr­hun­dert an Herrn aus den Häu­sern Braun­schweig, Lüt­zel­burg und Hol­land gekom­men wäre, wie dann die Hol­län­di­schen Gra­fen selbst von Bil­lun­gi­schen Her­zo­gen des alten Her­zog­th­ums Sach­sen her­stam­me­ten, so hät­te sich Graf Ever­win der Zwei­te von Bent­heim, Gou-

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I] SLICHTENHORST GELDERSCHE GESCHIEDENESSEN I. BOEK. 81 BLADZYDE.

Mein Ueber­groß­va­ter Leo­nard von Raet Drost zu ‘SHe­ren­berg. Laut Patents. Des­sen Sohn Alex­an­der ver­heu­ra­tet mit Catha­ri­na von Sta­ver­den, Toch­ter Wil­helm Jacobs von Sta­ver­den und Mech­teld Voet von BögelsCamp und dadurch Erbe von bei­den Häu­sern, des­sen Sohn Johann Cas­par Chur-Köll­ni­scher Käm­me­rer und Müns­teri­scher Oberst­lieu­ten­ant ver­heu­ra­tet mit Julia­ne Ben­tink von Bre­ckel­kamp, so nahe ver­want mit Ben­tink zu Wol­da.

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ver­neur von Fries­land 1489 mit Inge­bur­ga Toch­ter des letz­tern Her­zo­ges Ulrich von Meck­len­burg Star­gard ver­mä­let 2), wovon im Bent­hei­mi­schen Archi­ve noch der “Revers der Her­zo­ge von Meck­len­burg Magnus und Bal­tha­sar, Gebrü­dern, wegen des Braut­schat­zes, wel­chen die Prin­zes­sin Inge­borch von Meck­len­burg an Gra­fen Ewer­win zu Bent­heim gebracht hat,” vor­han­den, und so hät­te Graf Arnold von Bent­heim und Stein­furt 1561 Mag­da­le­na Toch­ter Her­zo­ges Ernst von Lüne­burg geheu­ra­tet, wovon die den fünf­ten Novem­ber 1560 zu Zel­le geschlos­se­nen Ehe­pac­ten auch im Bent­hei­mi­schen Archi­ve beru­hen, wodurch es dann gesche­hen wäre, daß das durch Ger­trud von der Pfalz im zwölf­ten Jahr­hun­dert mit dem Wel­fi­schen Hau­se alli­ir­te Haus Bent­heim, im sechs­zehn­ten Jahr­hun­dert aber­mals mit dem­sel­ben ver­wandt gewor­den wäre.

Wenn Jung indes­sen nur sei­ne Bent­hei­mi­sche Geschich­te bis auf unse­re Zei­ten fort­ge­setzt hät­te, wozu er so sehr im Stan­de war, da er frey­en Zutrit zum Bent­hei­mi­schen Archi­ve hat­te— .

 

§. 151.

Jener Ver­mä­lung des Gra­fen Ever­wins des

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2) Eine Toch­ter aus die­ser Ehe die Grä­fin Chris­ti­na von Bent­heim war Abtis­sin zu Wiet­mär­schen. S die Stamm­ta­fel bey HACHENBERG TUBANTUS REDIVIUS. Von Hrn. F. von Bees­ten.

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Zwei­ten, von Bent­heim mit Inge­bur­ga von Meck­len­burg, wie eini­ger andern Bent­hei­mi­schen Bege­ben­bei­ten, geschieht auch im Geschlecht-Regis­ter der Fami­lie von Dedem Erwäh­nung I).

Simon von Dedem, Are­nd sein Sohn, und Lise von Bever sei­ne Frau, Abköm­lin­ge der von Dedem vom Hau­se Essche gen­ant Uding­hoff in der Graf­schaft Bent­heim über­ließ an die neue Kir­che zur hei­li­gen Anna in Gil­de­haus 1369 auf Bar­ba­ra oder den vier­ten Decem­ber, wie an den Gra­fen Ber­nard von Bent­heim, ihr Haus und Gut Ver­wol­den in der Bau­er­schaft Ves­ten­berg [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Wes­ten­berg] Kirch­spie­les Gil­de­haus, vorm Gerich­te zu Schutt­or­pe. Herr Her­mann von Nort­hor­ne, ein Pries­ter bekan­te 1375 auf der Jung­frau­en Mag­ge­de [heil. Mag­da­le­na] Tag vorm Gra­fen Ber­nard von Bent­heim, daß er den Simon von Dedem, des­sen Soh­ne Arnold und Erben zwei Mal­ter Rocken aus dem Hofe zu Wyferd­ink in der Bau­er­schaft und im Kirch­spie­le Uel­zen wie­der käuf­lich über­tra­gen hät­te.

Her­man und Are­nd von Dedem Gebrü­der, ver­spra­chen 1455 auf St. Veits Tag oder den fünf­zehn­ten Junii mit andern Burg­män­nern der Graf­schaft Bent­heim zum Behu­fe Ber­nards und Arnolds Gra­fen von Bent­heim und Herrn zu Sten-

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I) Gro­ße Hol­län­di­sche Ency­clo­pä­die im Anfan­ge [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Anhan­ge] nach dem Buch­sta­ben Z.

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den Ger­hard von Kep­pel tau­send Ober­rhei­ni­sche Gul­den schul­dig zu seyn, wovon gedach­te Gra­fen ibre Burg­män­ner qui­ti­ret hät­ten. Arnold von Dedem der Alte besie­gel­te mit andern Burg­män­nern und den Städ­ten Schüt­torp, Nort­horn und Nie­hus an der Bent­hei­mi­schen, wie die Burg­män­ner und die Stadt Sten­vort mit Wib­bolt von Gro­nau I) an der Stein­fur­ti­schen Sei­te die Bent­heim Stein­fur­ti­sche Erb­ver­ei­ni­gung der bei­den Gra­fen Ever­wyn von Bent­heim und Ever­wyn von Stein­furt, im Jah­re 1487 Mon­ta­ges nach Ocu­li (den drit­ten Son­tag in der Fas­ten). Graf Ever­win von Bent­heim ver­sprach 1490 Frei­ta­ges nach Scho­las­ti­na Tag in einer besie­gel­ten Urkun­de, dem Arnold von Dedem den Alten und andern Burg­män­ner der Graf­schaft Bent­heim dafür schad­loß hal­ten zu wol­len, daß sie mit dem Gra­fen den Leib­zuchts (Wit­tums) Brief besie­gelt hat­ten, den der Graf den Gebrü­dern Heid­ma­gnus und Bal­ta­sar Fürs­ten zu Wen­den [Meck­len­burgJ und Gra­fen zu Schwe­rin-Ros­tock, und Frau­en Inge­borg, Grä­fin zu Bent­heim, sei­ner freund­li­chen lie­ben Haus­frau gege­ben hat­te. Bal­ta­sar von Dedem wohn­te mit andern Burg­män­nern der Graf-

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I) Wahr­schein­lich kei­ne Per­son, son­dern das Weich­bild oder Wig­bold Gro­nau, so weit das­sel­be inner­halb des Burg­gra­bens bey der Burg liegt, denn der äuße­re Fle­cken ist sehr neu. Man sehe Hobe­lings Beschrei­bung des Hoch­stif­tes Müns­ter.

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Graf­schaft Bent­heim 1566 den fünf­ten Junii dem Land­ta­ge zu Sten­vort bey, wor­auf über die Vor­mund­schaft und Erzie­hung des min­der­jäh­ri­gen Gra­fen v. Bent­heim am Fürst­lich Gülich­schen Hofe, berat­schla­get wur­de.

Con­rads von Dedem und Gerb­rechts von Hei­den Töch­ter Catha­ri­na und Anna Stifs­jun­fern zu Wiet­mär­schen I). Con­rad von Dedem Sohns Sohn der vori­gen auf Land­ta­gen der Graf­schaft Bent­heim 1594 den fünf und zwan­zigs­ten März und eilf­ten Decem­ber.

 

§. 152.

Jung beschließt sei­ne Bent­hei­mi­sche Geschich­te mit einem Krie­ge, den der Graf Ewer­win der Ers­te von Bent­heim aus dem Hau­se Güters­wyk noch bei Leb­zei­ten sei­nes Groß-Oheims des Gra­fen Ber­nards des Ers­ten, vom drey­ßigs­ten Novem­ber 1417 bis 1418 mit dem Fürst­bi­sch­ofe von Uet­recht Frie­de­rich von Blan­hen­heim [sic!] führ­te, und der für den Gra­fen unglück­lich aus­fiel.

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I) Ursu­la von Mer­feld Abtis­sin zn Wiet­mär­schen im sechs­zehn­ten Jahr­hun­dert im Stamm­tä­fel­chen der Fami­lie von Mer­feld bey Kind­lin­ger Müns­teri­sche Bey­trä­ge, Ers­ter Band. Ers­te Tafel.

Auch aus der Fami­lie von Twi­ckel Obe­rys­se­li­scher Linie war dort eine Abtis­sin.

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Um sich nun die­ses Gegen­stan­des wegen nicht bey den Nie­der­län­di­schen Geschicht­schrei­bern und Chro­ny­ken, die auch Jung ange­füh­ret hat, auf­zu­hal­ten , so bewei­sen die vom Dok­tor Racer in sei­ner spä­ter als Jungs Bent­hei­mi­sche Geschich­te her­aus­ge­ge­be­nen Obe­rys­se­li­schen Gedenk­stü­cken bey­ge­brach­ten Urkun­den, die Wahr­heit der von Heda in sei­ner Geschich­te der Bischö­fe von Uet­recht von Dum­bar in sei­nen Analec­ten, von Revi­us in sei­nem Ver­klär­ten Deven­ter aus dem Gil­de­buch der Deven­tri­schen Tuch­händ­ler, von der ver­mehr­ten Chro­nyk Johans von Beka in den Analec­ten des Anto­ni­us Mat­thä­us, von der Obe­rys­sel­schen Chro­nyk in Dum­bars Analec­ten, die mit dem Jah­re 1553 auf­hört, erzä­le­ten Haupt­sa­che. Was aber eigent­lich zu die­ser Feh­de Ver­an­las­sung geben, das ist wohl in der Chro­nyk des Got­tes­hau­ses Frens­we­gen allein nur ent­hal­ten. Nach die­ser ver­hin­der­te der bischöf­lich Uet­rech­tis­sche Burg­graf zu Coe­ver­den, Wol­ter von Stel­ling­werf I), zum Scha­den der gräf­lich Bent­hei­mi­schen Müle zu Neu­en­haus, und zum Bes­ten der Müle zu Lage den frey­en Lauf des Din­kel­flus­ses, und woll­te hie­von aller güti­gen Anmah­nun­gen unge­ach­tet nicht abla­ßen; nun fiel der Graf oder viel­mehr Erb­graf Ever­win von Bent­heim, und die Frens­we­ger Chro­nyk setzt hin­zu, auch sein Schwie­ger­va­ter der Dynast von Stein­furt in Dren-

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I) Picard Dren­ti­sche Chro­nyk, S. 397.

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te und Twen­te ein, nahm beson­ders Oot­mats­sum hart mit und brach­te die dar­in erober­te Beu­te nach Neu­en­haus. Die Uet­rech­ti­schen zogen dar­auf nach Neu­en­haus, und nah­men die­se Burg und Stadt, jedoch erst nach einer sechs Wochen lan­gen Bela­ge­rung ein, obschon das dama­li­ge gan­ze Ober­stift oder der Yssel dabey auf­ge­bo­ten war.

 

§. 153.

Was nach die­ser Feh­de zwi­schen dem Fürst­bi­sch­ofe von Uet­recht und dem Erb­gra­fen von Bent­heim ver­han­delt wor­den, das beur­tei­le man nun aus fol­gen­den Urkun­den: In der Ers­ten ver­spricht Ever­wyn von Güters­wyk 1418 den sechs und zwan­zigs­ten Mai dem Uet­rech­ti­schen Bisch­ofe Frie­de­rich von Blan­ken­heim acht tau­send Rhei­ni­sche Gul­den zum Ersat­ze des I) Rau­bes, Bran­des und Scha­dens, die Er und die Sei­ni­gen dem Bisch­ofe an sei­nen Län­dern, Leu­ten und Unter­sa­ßen in Twen­te auf Andre­as Tag, oder den drey­ßigs­ten Novem­ber, ver­ur­sa­chet hät­ten, zu ent­rich­ten; für wel­che Sum­me Er sein Haus zu Neu­en­haus 2) mit sei­ner hohen und nie­dern Herr-

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I) Ein in allen Söhn­brie­fen des Mit­tel­al­ters vor­kom­men­der Aus­druck.
2) Das er bey Leb­zei­ten des Gra­fen von Bent­heim ohne Lan­des­ho­heit bekant­lich schon besaß.

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lich­keit (Gericht­bar­keit) mit dem Kirch­spie­le Uel­zen, mit dem Bier Accise alda, und mit allem Rech­te und Zube­hör, so wie der Edle Ludolph Herr zu Sten­for­de, sein Schwie­ger­va­ter, und Er selbst die bese­ßen hät­ten I) dem Bisch­ofe zu sei­nem Gebrau­che und Besit­ze ver­pfän­de­te, bis obi­ge Sum­me abge­lö­set seyn wür­de, wel­che Ablö­sung jedoch vor den ers­ten fünf Jah­ren nicht statt haben soll­te; nach Ver­lauf die­ser fünf Jah­re aber soll­te die Lose jähr­lich vier­zehn Tage vor oder nach Petri Stuhl­fe­yer gesche­hen kön­nen, wenn außer den acht tau­send noch drei­hun­dert Rhei­ni­sche Gul­den Repa­ra­ti­ons Kos­ten des Hau­ses Neu­en­haus, nach Erpro­bung die­ser Kos­ten, ent­rich­tet wür­den. Doch soll­ten die Ansprü­che des Rem­bert von Goor am Bier Accise zu Uel­zen dadurch nicht ver­kür­zet wer­den. Besie­gelt mit dem Güters­wyk­schen Sie­gel 2).

 

§. 154.

Glei­chen Inhal­tes ist die Urkun­de des erwähn­ten Fürst­bi­sch­ofes vom näm­li­chen Dato; nur noch mit dem Zusat­ze: daß acht Tage nach­her, wann obge­dach­te Geld­sum­me zu Züt­phen in der Wech­sel­bank erlegt seyn wür­de, die ver­pfän­de-

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I) Man sehe oben die Ehe­pac­ten.
2) RACER Nr. 8 der Urkun­den aus dem Archt­ve der Pro­vinz Uet­recht.

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ten Güter, so wie sie oben beschrie­ben, wie­der frey soll­ten zurück gelie­fert wer­den. Besie­gelt mit den Sie­geln des Fürst­bi­sch­ofes, des Dom­ca­pi­tels, der Stif­ter Alt­müns­ter, Peter, Johann und Mari­en zu Uet­recht, und der Städ­te Uet­recht und Amers­fort an einer, Deven­ter, Cam­pen und Zwol­le an der andern Sei­te der Yssell. Der Bischof nen­net den Dynas­ten Ever­wyn von Güters­wyk und Erb­gra­fen von Bent­heim wie­der­holt sei­nen Vet­ter, und wur­de nach dem Berich­te der sehr glaub­wür­di­gen Frens­we­ger Chro­nyk, für sei­ne Per­son, sehr unger­ne in die­se Feh­de ver­wi­ckelt I). Bei­de Urkun­den sind vor dem Hau­se Lage unterm frey­en Him­mel aus­ge­stel­let, wie aus der Urfe­de des Dynas­ten von Güters­wyk vom näm­li­chen Tage erhel­let, wor­in Er anfüh­ret, daß so lan­ge obi­ger Ver­satz währ­te, Er weder wider die zeit­li­chen Bischö­fe von Uet­recht, noch wider die Ein­ge­ses­se­nen des Kirch­spie­les Uel­zen, oder sonst wider Schutz­ge­nos­se­ne des Bisch­ofes kei­ne Feind­se­lig­kei­ten bege­hen wür­de; nach Ver­lauf der Ver­satz Zeit aber soll­te ihm die­se Urfe­de zurück­ge­ge­ben wer­den.

 

§. 155.

Hier­auf fol­get im Uet­rech­ti­chen Archi­ve unter der Rubric: Diver­so­ri­um des Bisch­ofes Frie-

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I) FACTUM EST ENIM, UT EPISCOPUS TRAJECTENSIS TANTIS MALIS QUAMVIS INVITUS IMPLICARETUR.

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drich von Blan­ken­heim, ein Ver­zeich­nis derer Raths-Per­so­nen und Bür­ger, wel­che die­sem Fürst­bi­sch­ofe zu Neu­en­haus die Hul­di­gung leis­te­ten, wie Er dort war, näm­lich die Schef­fen: Gerd die Dap­per, Alert die Wyn­camp, Peter Scholt, Her­man Hei­li­ge Hant; und fol­gen­de Bür­ger: Bernt Ten Lochues, Mei­nert Ten Lochus, Gert Ten Bul­te, Johann die Bre­te­ler I) Gert die Slui­ter, Gert die Cock, Johann Rei­ning , Her­man die Smit, Johann die Dob­be­ler, Johann van Bulde­ren , Hen­rik Gele­werst, Hen­rik die Daet­se­ler , Her­man die Kaer­man, Johann die Moel­ner, Johann die Brab­an­sche, Gert die Gru­ter, Albert Snokel, Hin­de­man die Schrö­der, Lab­bert die Cuin­re, Lam­bert Mil­len, Wes­sel die Cock, Gert Lob­be­lye, Hen­ri­cus Ten Oer­de, Hen­ric Lob­be­lye. Dann fol­gen­de so genann­te Schlykfreye, oder Aus­wer­ti­ge, die als Bür­ger auf­ge­nom­men waren, mit dem Bedin­ge, die Wege u. Brü­cken von Schlyk oder Dreck zu säu­bern, wie es Racer erklä­ret: Bru­no Klüm­per, Lam­bert die Zwede, Lam­bert Meyne­ring, Hen­ric Her­te­ring; die­ser war abwe­send.

Dann fol­get der Bestal­lungs-Brief des Wol­ter von Coe­oer­den vom näm­li­chen Tage, und sein Revers, daß er das Haus zu Neu­en­haus mit der

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I) Ehe­mals Burg­mann, wie Pese, bei­de jetzt Fami­li­en in Olden­zel.

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Stadt dar­an I) gele­gen hohen und nie­dern Herr­lich­keit, mit Zin­sen, mit dem Kirch­spie­le Uel­zen, und dem Bier Accise alda, als ein getreu­er Amt­mann und Cas­te­lan oder Burg­graf des Hoch­stif­tes Uet­recht bewah­ren woll­te 2). Simon von Schu­len­burg 3); Godert von Lan­gen 4), Johann die Rode und Sued­er von Lage 5) ver­bür­ge­ten sich für sei­ne Treue. Alles unter Eide, Hand und Sie­gel. Der Fürst­bi­schof von Uet­recht Fried­rich von Blan­ken­heim nennt den Dynast Ever­wyn von Güters­wyk und Erb­gra­fen von Bent­heim und Stein­furt bestän­dig sei­nen Vet­ter. Auch in sei­ner mit sei­nem, und der Städ­te Deven­ter, Cam­pen, Zwol­le Sie­geln ver­se­he­nen Urkun­de vom Jah­re 1418 auf Boni­fa­ci, wor­in bestim­met wird, daß, wenn die Neu­en­hau­ser Pfand­schaft wie­der abge-

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I) Ehe­mals zwi­schen bei­den Pfor­ten der Stadt, sieh oben.
2) Die­ser Wol­ter von Stel­lings­werf war auch Uet­rech­ti­scher Burg­graf zu Coe­ver­den Ursach der Feh­de. Sieh oben.
3) Das Haus Schulm­burg unweit Alme­lo und Wier­den.
4) Ger­hard von Lan­gens von Oster­hof bey Rys­sen besaß 1607, der Abtis­sin Hof gen­ant Molt­hof in Lüt­te Kirch­spiels Olden­zel als Bent­hei­mi­sches Lehn; Ger­hard von Rede, zu Saes­feld 1614 das Erbe Holt­kamp in Dül­re im näm­li­chen Kirch­spie­le in näm­li­cher Eigen­schaft.
5) Von Lage her­nach.

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löset wür­de, sechs tau­send Rheinei­sche Gul­den in der Schatz­kam­mer der Kir­che zu Deven­ter, zu des Bisch­ofes und der Land­schaf­ten Sal­land und Twen­te Behuf, depo­nirt, zwei­tau­send aber den Schef­fen der Stadt Olden­saa­le, zur Ver­tei­lung unter die­je­ni­gen, wel­che durch den Dynas­ten von Güters­wyk in Twen­te Scha­den gelit­ten hät­ten, gege­ben wer­den soll­ten; drei­hun­dert soll­ten zur Ver­bes­se­rung der Burg Neu­en­haus ver­wen­det wer­den.

 

§. 156.

Der nun­meh­ri­ge regie­ren­de Graf Ewer­wyn von Ben­themt und Herr zu Stein­furt war mit des Bisch­ofes zu Uet­recht Fried­richs van Blan­ken­heim Nach­fol­ger Rudolph von Diep­holz so sehr ver­bun­den, daß Er dem Her­zo­ge Are­nd von Gel­dern aus dem Hau­se Egmond 1427 des Frei­ta­ges nach dem Son­ta­ge in Mit­fas­ten, wann man in der hei­li­gen Kir­che sin­get: Lät­are, unter sei­nem Sie­gel, das auch sei­ne Knech­te gebrauch­ten, dem Her­zo­ge zu wis­sen that, daß Er Ewer­wyn Graf zu Bent­heim und Herr zu Sten­vor­de, sein, sei­ner Land­schaf­ten, Leu­te, Städ­ten und Unter­sa­ßen, die man wegen Sei­ner befeh­den mög­te und zu befeh­den pfleg­te, Feind seyn woll­te, um der Ungna­de und des Unwil­lens wegen, die Er gewen­det hät­te und noch wen­de­te auf den ehr­wür­di­gen Herrn, Herrn Rol­of von Diepholt, Pos­tu­lir­ten zu Uet­recht, sei­nen lie­ben Herrn, und des­sen Rit-

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ter­schaf­ten, Städ­te, Land­schaf­ten und Leu­te des Stif­tes Uet­recht, Er ent­sag­te Ihm daher mit­telst die­ses Brie­fes, und Er und sei­ne Knech­te woll­ten hie­mit ihre Ehre wider Ihn gleich­wohl bewah­ret haben. Des Gra­fen Knech­te I) Her­mann Kule, Hen­rik von Wylack, Johann von Müns­ter, Gerd von Hewe­ne, Gerd von den Sche­ne­re, Tho­mas Puli­cen, Kers­ti­an von de Duenou­we genannt Spechues, Coep von Gode­lin­chem, Wil­lem Peeck, Gert Oest­hoff, Rem­bolt von Las­ter­husen, Fred­ric die Dücker, Rolef Sta­el, Hin­ric von dem Bra­me, Claes von den Bele, Johann und Egbert Brü­der Bas­tar­de 2) von Bent­heim, Coep Busch, Johann die Vet­te, Gerd Hale­wat und Johann Horn, tha­ten dem Her­zo­ge unterm Sie­gel ihres Herrn und Gra­fen von Bent­heim am näm­li­chen Tage zu wißen, daß Sie den Edlen Jun­ker Ever­wy­ne Gra­fen zu Bent­heim u. Herrn zu Sten­for­de lie­ber hät­ten als Ihn, und woll­ten um Seinent­wil­len sei­ne Fein­de seyn, und sei­ner Lan­de, Leu­te, Städ­te und Unter­sa­ßen. die [sic!] man auf Ihn befeh­den mög­te, und zu befeh­den pfleg­te, und ent­sag­ten Ihm mit die­sem Brie­fe, und sie ihre Knech­te [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: sie und ihre Knech­te] woll­ten des­sen gleich­wohl

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I) Von die­sem Gra­fen, der sol­che Knech­te hat­te, stam­men die Gra­fen von Stein­furt und Rhe­da ab.
2) Hat eine dop­pel­te Bedeu­tung, auch daß sol­che Herrn nicht von der regie­ren­den Fami­lie, nicht vom Haupt­stam­me waren.

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ihre Ehre gegen Ihn und Alle die Sei­ni­gen wohl­ver­wah­ret haben I).

 

§. 157.

Im näm­li­chen Jah­re schloß der Graf von Bent­heim und Dynast zu Stein­furt des Sonn­abends nach Judi­ca mit dem näm­li­chen Fürst­bi­sch­ofe zu Uet­recht Rudolph von Diep­holz und mit den Städ­ten Deven­ter, Kam­pen und Zwol­le ein Bünd­nis über die mit dem Her­zo­ge von Gel­dern gemein­schaft­lich zu füh­ren­de Feh­de auf Kos­ten des Stif­tes Uet­recht oder der Yssel, wenn dem Gra­fen die Last zu schwehr fie­le, wobey der Graf den Fürst­bi­schof Hen­rich von Mörs zu Müns­ter, und des­sen Hoch­stift aus­nahm. Wegen Neu­en­haus, das noch nicht ein­ge­lö­set war, hieß es dar­in, wenn der Graf oder sei­ne Erben Neu­en­haus wie­der ein­lö­sen woll­ten, so soll­ten vier tau­send Rhei­ni­sche Gul­den mit dem Bedin­ge nach­ge­las­sen wer­den, daß der Graf oder sei­ne Erben und Nach­köm­lin­ge Neu­en­haus zu ewi­gen Zei­ten vom Stif­te Uet­recht zu Leh­ne tra­gen soll­ten. Wobey noch aus­ge­macht wur­de, daß wenn Neu­en­haus dem Hoch­stif­te Uet­recht abge­won­nen, und also dem Gra­fen von Bent­heim oder sei­nem Nach­fol­gern nicht gelie­fert wer­den könn­te, als­dann

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3) Die­se Feh­de zwi­schen dem Fürst­bi­sch­ofe von Uet­recht und Her­zo­ge von Gel­der wur­de durch einen Ver­trag been­digt.

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nach einer bestimm­ten Frist dafür vier­tau­send Rhei­ni­sche Gul­den ent­rich­tet wer­den soll­ten.

Das wur­de mit fünf Sie­geln, des Fürst­bi­sch­ofes von Uet­recht, des Gra­fen von Bent­heim und Herrn zu Stein­furt, und der drey­en Städ­te Deven­ter, Kam­pen Und Zwol­le befes­ti­get I). In einer andern Urkun­de 2) vom Jah­re 1429 des Son­ta­ges nach des hei­li­gen Pon­ti­a­nus Tage ver­spricht der Graf Ever­wyn zu Bent­heim und Herr zu Sten­vor­de für sich und sei­ne Erden, in guter Treue, in eines rech­ten Eides statt, dem ehr­wür­di­gen Herrn, Herrn Rol­of von Dey­pholt, Pos­tu­lat zu Uet­recht, und sei­nen Nach­kom­men Bischö­fen zu Uet­recht, und den ehr­ba­ren Schef­fen und Rath der Städ­te Deven­ter, Cam­pen und Zwol­le, daß wann der ehr­wür­di­ge sein lie­ber Herr, oder sei­ne Nach­kom­men, Bischö­fe zu Uet­recht auf die­se Sei­te der Yssel kom­men, und Ihn oder sei­ne Erben dann mit sei­nes lie­ben Herrn und der erwähn­ten Städ­te Brie­fen an den Pförts­ner sei­nes Schlo­ßes zu Bent­heim, oder an Ihren selbst­ei­ge­nen Mund ermah­net [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: ermah­nen] wür­den, daß sie dann inner­halb vier­zehn Näch­ten her­nach zu Deven­ter kom­men woll­ten, und emp­fan­gen da das

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I) Die 158te Urkun­de bei Jung, wovon das Ori­gi­nal im Bent­hei­mi­schen Archi­ve.
2) Bei Racer, wovon das Ori­gi­nal auf dem Hau­se Twi­ckel bei Del­den, so ehe­mals ein Bischöf­lich Uet­rech­ti­scheo Amts­haus, wie Lage, war.

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Nie­hus zu einem Stifts­lehn von Uet­recht, wie die­ses in Vor­zei­ten ver­brie­fet und gedin­get wäre.

Ohne Arge­list.

 

§. 158.

Gedach­ter Fürst­bi­schof über­trug dem Gra­fen, sei­nem lie­ben Oheim 1433 am Mitt­wo­chen nach Mar­ga­re­ten Tage das damals wich­ti­ge Drost­amt Twen­te mit der nicht mehr vor­han­de­nen Burg zu Ensche­de, wor­auf schon sie­ben Büch­sen Kraut [Pul­ver] Stein Arm­brüs­te waren. Die­ses dem Gra­fen zu Har­den­berg ver­lie­he­ne Drost­amt befaß­te damals mit der höhern Gericht­bar­keit zugleich eine Art von Auf­sicht über die Fürst­bi­schöf­li­chen Domä­nen und Gefäl­le und den Land­rent­meis­ter davon, wie auch über das Kriegs­we­sen in Twen­te, bei etwa­igen nament­lich in der Bestal­lung gemel­de­ten Feh­den mit dem Fürst­bi­schof zu Müns­ter und Her­zo­ge von Gel­dern 1].

 

§. 191. [sic!]

Noch gab der Graf dem Bisch­ofe 1440 am Sonn­abend zu Mit­ta­ge auf St. Gal­len Abend [Tags vor St. Gal­len] einen Söhn­brief wegen

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1] Ein Drost von Twen­te muß­tes in Obe­rys­sel eine Hofe­sa­te haben, man sin­det da Güters­wyk­sche Wap­pen unter den Wap­pen der Obe­rys­se­li­schen Rit­ter.

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der Geschich­te, die Johann von Asb­ecke mit Unter­sa­ßen des Hoch­stif­tes Uet­recht soll­te gehabt haben I].

Der Graf Ever­win von Bent­heim und Herr zu Stein­furt hat­te 1446 die Ver­ei­ni­gung der Müns­teri­schen Stifts­ge­no­ße­nen und Stän­de, wie 1447 ihr Con­cordat mit dem Fürst­bi­sch­ofe errich­ten hel­fen 2], als mehr erwähn­ter Fürst­bi­schof Rudolph von Diep­holz zu Uet­recht 1951 [sic!] den acht­zehn­ten Mai zu Deven­ter der Abtis­sin und dem Con­ven­te des dama­li­gen adli­chen Klos­ters und jet­zi­gen Stif­tes Ter Hün­nep die Ver­si­che­rung erneu­er­te, die Er 1433 am Mon­ta­ge nach Peters Ban­den, in Gegen­wart sei­ner und des Hoch­stif­tes Män­ner, des Edelens Ever­wyn Gra­fen zu Bent­heim, Johann von Buchorst 3] Simon von

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I] Die Ver­söh­nung unter Gegen­wär­ti­gen geschah mit einem Soen oder Kuße, in Nach­ah­mung des Frie­dens­kus­ses, OSCULUM PACIS, der Geist­li­chen in der­Kir­che, wie alle Gra­de der Rit­ter­schaft, von MILES Rit­ter, Famu­lat Kna­pe,[lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Famu­lus, Kna­pe] nach den Gra­den der Hier­ar­chie ein­ge­rich­tet waren; die Ver­söhn­ten tru­gen die näm­li­che Klei­dung, wovon Ein­tracht, schlie­fen in einem Bet­te, wovon die gro­ßen Betstel­len.
2] KINDLINGER Müns­teri­sche Bei­trä­ge I Band 33te und 36te Urkun­de.
2] [sic!] Herr der Herr­lich­keit Zallick unweit Cam­pen.

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der Schu­len­burg, Herm­nan von Cuyn­re, Seger von Rech­te­ren, und Ande­rer, bereits ertei­let hät­te; daß Ber­ne­ka­ten ein Lehn­gut, aber kein schatz­ba­res Gut wäre.

§. 160.

Eben gebach­ter Johann von Buchorst war mit Can­rad [sic!] Graf von Diep­holz Dom­probst zu Osna­brück und Probst zu Deven­ter 1447 auf Johan­nis Ent­haup­tung Tag Schie­dens­rich­ter eini­ger Irrun­gen zwi­schen mehr erwähn­ten Fürst­bi­sch­ofe von Uet­recht und Gra­fen von Bent­heim und Herrn zu Stein­furt gewe­sen, damit ihre inni­ge Freund­schaft, wie es in ihrem Aus­spru­che heißt, nicht gestö­ret wür­de.

Die Land­weh­re zu Ade­kes­herg soll­te der Bischof so wohl als der Graf in Stand hal­ten, bis daß die Gren­ze dort näher bestimt wäre. Der Amt­mann zu Lage und die Ein­ge­ses­se­nen der Frei­heit Lage soll­ten den Gra­fen von Bent­heim auch Torf­ste­cken lagen, mit Vor­be­halt des Rech­tes eines Jeden. Bis aus­ge­mach­ter Sache soll­te der Bischof kei­ne Stauw oder Slacht in der Din­kel ober­halb Lage legen I] son-

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I] Hie­durch wird die Frens­we­ger Chro­nyk bewäh­ret, daß dadurch die vori­ge Feh­de ent­stan­den wäre: EST QUIDEM FLUVIUS INTER UTRASQUE DUORUM DOMINORUM TERRAS DEFLUENS, QUI

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durch die Mar­ke und Pfarrey Uel­zen eine Bache nach sei­ne Müle zu Lage lei­ten, ohne Ver­wahr- oder Ver­hin­de­rung des Gra­fen. Der Bischof soll­te sei­ne in der Graf­schaft woh­nen­de Leu­te I] in allen Kir­chen der Graf­schaft durch Kir­chen­spra­chen 2] ent­bie­ten kön­nen; des glei­chen der Graf in den Kir­chen des Hoch­stif­tes. Der Bischof soll­te auf einem zu bestim­men­den Tage, an einem zu bestim­men­den Orte sei­ne tre­f­li­che Freun­de schi­cken, die mit dem Gra­fen die bischöf­li­chen Leu­te recla­mi­ren soll­ten, wel­che aus der Herr­schaft Lage ent­wi­chen, oder dar­aus genom­men u. ver­hemli­chet wäre, so wie der Graf sei­ne im Stif­te Uet­recht befind­li­che Leu­te zurück­for­dern könn­te; wie dann die­se Umwech­se­lung der Leu­te auf Erben bei­den Herrn in der Graf­schaft, nament­lich belie­bet wur­de.

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DINKELE DICITUR, QUEM SPECIALITER PRO SUO DOMINO AC JURISDICTIONE EX ANTIQUO, QUOD ET VETERUM RELATIONE HOMINUM ATTESTATUR, COMES DE BENTHEM PRO TEMPORE SIBI APPROPRIAVIT ET APPROPROAT; HUJUS RIVULI ASSEUETUM DECURSUM WOLTERUS DE COVORDIA OBTURARE ET AD SUUM COMMODUM REDUCERE SUPER MOLENDINUM IN LAGE, IN DETRIMENTUM COMITIS, CUJUS MOLENDINUM IN NOVA DOMO AGIT, PERNITIOSE CONABATUR. So wenig hat­te Lage Rega­li­en des Was­sers u. s. w.

1] Auf den nach­he­ri­gen Land­tags­fä­hi­gen Domä­nen.
2] Ehe­mals Mar­ken Spra­chen, Hecke Spra­chen u. s. w. Abkün­di­gun­gen in den Kir­chen.

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Der in die­ser Urkun­de als Ver­mit­ler zwi­schen dem Bisch­ofe zu Uet­recht, und Gra­fen zu Bent­heim und Herrn zu Stein­furt, vor­kom­men­de Dom­probst zu Osna­brück und Probst zu Deven­ter, Con­rad von Diep­holz, Vet­ter des Uet­rech­ti­schen Bisch­ofes Rudolph von Diep­bolz, soll­te zu Fol­ge des zwi­schen dem Päbst­li­chen Botsf­chaf­ter in den Nie­der­lan­den, Kar­di­nal Cusa, und dem gedach­ten Fürst­bi­sch­ofe ent­wor­fe­nen Pla­nes, wovon der Graf von Bent­heim der Ver­trau­te war, Fürst­bi­schof zu Müns­ter, gegen eine Aus­le­brung an Wal­ram von Mörs, wer­den, wor­über es zu Thåt­lich­tei­ten zwi­schen den Müns­teri­schen und Obe­rys­se­lern kam, die auf einer Zusam­men­kunft bei­der­sei­ti­ger Abge­ord­ne­ten zu Schüt­torf ver­mit­telt wer­den soll­ten, wor­auf aber die Müns­teri­schen aus Furcht vor den Gra­fen von Bent­beim nicht erschie­nen. Jedoch höre­ten die­se Unru­hen mit dem Tode des Uet­rech­ti­schen Fürst­bi­sch­ofes Rudolphs von Diep­holz 1455 auf I).

 

§. 161.

Um end­lich alle Urkun­den des zwei­ten Stü­ckes der Obe­rys­se­li­schen Gedenk­stü­cken des Dok­tors Racer, von. No. 6 ein­schließ­lich, bis No. 20 ein­schließ­lich, wel­che das benach­bar­te Westpba­len be-

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I) BRUMAN RES TRANSISALANAE N DUMBAR ANALECTIS, TOM. II. Pag. 189.

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tref­fen, und die Alle, außer den Weni­gen, wobei es bemer­ket ist, aus dem Lan­des-Archi­ve der Pro­vinz Uet­recht genom­men sind, zu erschöp­fen, so wur­de 1487 den acht­zehn­ten August zu Vol­lenhoe eine Strei­tig­keit zwi­schen Mat­thä­us von Schon­evelt anders Graes­torp, und den Bau­ern der Mar­ke Lan­ge­loe Kirch­spie­les Hax­ber­gen über die dor­ti­ge Vie­he­trift und sons­ti­ge Ange­le­gen­hei­ten, wor­über der­sel­be von den Bau­ern gar gefan­gen genom­men und dem Fürst­bi­sch­ofe von Uet­recht Her­zog David von Bur­gund aus­ge­lie­fert wur­de, in des­sen Gegen­wart zu Vol­lenho­ve dahin ver­mit­telt, daß der Herr von Schon­evelt gen­ant Grastorp eine Urfe­de schwö­ren mus­te, die­se Gefan­gen­neh­mung an dem Bisch­ofe von Uet­recht so wenig, an Sei­ner Gna­den Leu­ten, Die­nern, Amt­män­nern, Unter­sa­ßen, Städ­ten, Bür­gern, noch sonst Jeman­den des Hoch­stif­tes rächen zu wol­len, sonst soll­te er die Lan­gel­der Bau­ern, weil sie nicht Alle gegen­wär­tig wären, durch Ver­mit­te­lung des Teutsch Ordens Com­man­deurs Fried­rich von Beve­ren zu Oet­mars­hem, und Diet­richs von der Schu­len­burg zu Frie­den stel­len; sons­ti­ge strit­ti­ge Punc­te wur­den ent­schie­den. Der Jun­ker Ever­win I] Graf zu Bent­heim Fürst­bi­schöf­li­cher Rath, wie Er genannt wird, und die Raths Freun­de der Stadt (Vol­lenho­ven) errich­te­ten unter Andern die­sen Ver­gleich, wie inson-

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I) Der ZWei­te.

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der­heit der Ede­le Ever­win Graf zu Ben­th­heim sich für den Mat­thä­us von Schon­evelt genannt Graes­torp ver­bür­ge­te, daß er dem ihm Auf­er­leg­ten nach­le­ben wür­de. Sons­ti­ge Zeu­gen waren: Der Fürst­bi­schof von Uet­recht, David von Bur­gund, Magis­ter I); Ludolph von dem Vene Dom­de­chant zu Uet­recht, Johann von Diepholt Dom­scho­las­ter; Meis­ter Johann von Zyl Cano­ni­cus zu Deven­ter; Herr Frie­de­rich von Beve­ren Com­man­deur zu Oet­mers­hem; Herr 2) Wil­helm v. Buchorst; Rolef von Bever­voer­de Hofe­meis­ter; Derk von der Schu­len­burg Cas­tel­lan zu Lage; Sei­ger von Voerst von Zal­land; Ger­rit von Wel­vol­de (Wele­feld) in Twen­te; Johann Sti­cke Amt­mann (Drost) zu Blan­ken­burg (jetzt Hax­ber­gen); Ger­rit (von) Mulert Rent­meis­ter von Zal­lant; Her­man Mie­se Schul­ze (Drost) zu Vol­hoe; Jacob von Itter­sum Schul­ze oder Land­rich­ter zu Hol­ten. Dann die Raths­freun­de der Städ­te Deven­ter, Cam­pen, Zwol­le und Groe­nyn­gen, näm­lich Car­ce­lis von Aller , Meis­ter

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I) Der geist­li­chen Rech­te; die gelehr­ten Wür­den strit­ten schon mit der Rit­ter­schaft um den Vor­zug, dar­auf folg­te das neue­re Mili­tär.
2) Herr wegen der Herr­lich­keit Zal­lik, der jün­ge­re Graf Ever­win oder Ever­win der Zwei­te von Bent­heim war aber noch Junk­herr oder Jun­ker, weil Er noch nicht wehr­haft, noch nicht Rit­ter war.

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[Magis­ter, Doc­tor] Her­man Lude­l­of, Ber­told v. Wil­sen, Johann von Vene, Evert Star­ker, Lub­bert Tjas­sen, Zweder Kater, Her­man Ael­man.

 

§. 162.

Nur gedach­ter Graf Ever­win von Bent­heim der Zwei­te, stel­le­te den Sonabend nach Maria Emp­fäng­niß 1490 dem Uet­rech­ti­schen Bischof David von Bur­gund, einen Revers aus, daß durch den neu­en vom Kai­ser dem Gra­fen ver­lie­he­nen Zoll zu Neu­en­haus die Ein­ge­se­ße­nen des Hoch­stif­tes nicht mehr als sonst beschweh­ret wer­den soll­ten; auch soll­ten sei­ne bischöf­li­che Gna­den nach vier Jah­ren unter­su­chen, ob durch die­sen neu­en Zoll auch durch Sol­che, die sei­ne Unter­sa­ßen nicht wären, an sei­nen Zöl­len und Excy­sen I] eini­ger Nach­teil ver­ur­sa­chet wäre 2]. Die Frey­scheff­sen des hei­li­gen Reichs Der­rik Noer­dinck und Egbert Kocks tha­ten 1181 [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: 1481] den fünf­zehn­ten Jän­ner dem Ber­end Pal­le Frey­gra­fen der Edelen lie­ben

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I] Excy­se und Abcy­se oder Accis ist einer­lei, von EXCINDERE und ABSEINDERE. Etwas von den Waa­ren abschnei­den, abneh­men, IN NATURA oder in Geld.
2] Auch half der­sel­be 1497 den Müns­ter­schen Bischof Gra­fen Con­rad von Riet­berg den Frie­den mit Gra­fen Edzard von Ost­fries­land ver­mit­teln. DRIVERS Beschreibnnsg und Geschich­te der vor­ma­li­gen Graf­schaft Vech­te.

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Jun­ker von Bent­heim und Sten­vor­der 3] des frey­en Stuh­les zu Lair zu wißen, daß Johann und Her­man von Buk­horst und Jakob Scharp [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Schaep] ihre Vor­la­dung zur Ver­ant­wor­tung wider Jacob von Kep­pel nicht anneh­men könn­ten, son­dern sich vor einem land­läu­fi­gen Rich­ter sei­ner Bischöf­li­chen Gna­den zu Uet­recht, als ihres recht­mä­ßi­gen Lan­des­herrn stel­len wür­den, wofür Sie Frey­schef­fen sich hie­mit mit ihren Sie­geln ver­bür­ge­ten 4].

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3) Beweis der Ver­bin­dung bei­der Län­der, in bei­den regier­te ein Ever­win II, deren Groß­va­ter Ever­win der Ers­te , Graf v. Bent­heim und Herr von Stein­furt gewe­sen war.
4) Das Ori­gi­nal die­ses in Racer Overys­sel­sche Gedenk­stük­ken abge­druck­ten für die Geschich­te des Mit­tel­al­ters merk­wür­di­gen, Docu­men­te ist auf dem Hau­de Stu­we­der. [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Stu­we­ler]

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ANHANG.

Zum Beschlu­ße die­ser Peri­ode, und der ehe­ma­li­gen Ver­hält­ni­ße der Gra­fen von Bent­heim zu den im fol­gen­den Jahr­hun­dert ver­schwin­den­den Fürst­bi­schö­fen von Uet­recht noch Etwas von der heu­ti­gen Herr­lich­keit Lage.

Das bischöf­lich Uet­rech­ti­sche Amt­haus Lage, ursprüng­lich der Sitz des geist­li­chen Gerichts über die heu­ti­ge Nie­der­graf­schaft Bent­heim, dann auch des Rent­am­tes übers die in der­sel­ben gele­ge­nen bischöf­li­chen Domä­nen, ward, wie Twi­ckel, bischöf­li­chen Amt­män­nern, Burg­gra­fen oder Cas­tel­la­nen zur Ver­wah­rung über­ge­ben, die seit der Erb­lich­keit der Leh­ne gleich­na­mi­gen Fami­li­en den Ursprung ver­lie­hen, wovon die Fami­lie von Twi­ckel noch im Müns­teri­schen blüht, das Fami­li­en Wap­pen von Lage aber noch unter denen der vor­ma­li­gen Obe­rys­se­li­schen Rit­ter­schaft bekannt ist. Die Nähe der Bent­hei­mi­schen Neu, enhaus [sic!], wie der Thur­ni­schen zu Uel­zen, und der

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zu Coe­ver­den, Alle kei­ne Freun­de der ihnen gefähr­li­chen nahen Macht der ent­fern­ten Fürst­bi­schö­fe zu Uet­recht, trug wohl das Ihri­ge dazu bei, daß sich Lage vom Hoch­stif­te unab­hän­gig mach­te. Bischof Johann von Arkel kauf­te 1349 mehr, als sei­ne Vor­fah­ren ver­lo­ren hat­ten, näm­lich außer der Burg einen dabey ent­stan­de­nen gro­ßen Fle­cken und eine Herr­lich­keit an der Din­kel, von Her­man von Lage und sei­ner Frau Eli­sa­beth von Diest, wie auch von ihrer Toch­ter, der Frau von Eyle. Man sehe die Docu­men­te in des Dum­bar Analec­ten I). Man fin­det zwar nicht, daß der Bischof ver­sprach, die­se Herr­lich­keit ewig und erb­lich beim Stif­te zu las­sen, so wie wegen der Herr­lich­keit Blan­ken­burg, jetzt Hax­ber­gen statt hat­te, indes­sen behiel­ten die nach­fol­gen­den Bischö­fe, wie auch der Kai­ser Karl der Fünf­te, sie noch im Besitz, und lie­ßen sie durch einen Drost regie­ren, der zugleich Drost der eben­falls ein­ge­kauf­ten Herr­schaft Diepen­heim zu seyn pfleg­te; so kom­men 1545 Gerd von Rede, Drost zu Lage und Diepen­heim, Klaas von Bever­for­de, Drost von Blan­ken­burg und Hax­ber­gen, und Goo­ßen von Raes­feld als Drost von Twen­te vor.

In dem Trans­por­te des Gutes Sing­ra­ve durch das Non­nen­klos­ter zu Olden­zel an an den Edlen und Wol­ge­bo­ren, ver­mö­gen­den Herrn Ever-

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I) Tom. 2, Sei­te 269.

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win Gra­fen zu Ben­them und von Sten­for­den, vom Jah­re 1516 Mon­ta­ges nach Urba­ni Pabs­tes und Mär­ty­rers, vor dem dama­li­gen Drost und Obers­ten Rit­ter [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Rich­ter] von Twen­te, Johann von Twi­ckelo zu Bögels-Camp, und sei­nen Kur­ge­nos­sen Ger­hard Ten Ham­me Rich­ter zu Olden­zel, und Herrn Grub­be, Admi­nis­tra­tor des Gerichts Oot­mars­sen, unter der Regie­rung des Fürst­bi­sch­ofes zu Uet­recht, Fried­richs Mark­gra­fen von Baden, wer­den die Las­ten gen­ant, wel­che auf dem Gute Sing­ra­ve haf­te­ten, und dar­un­ter: “Fünf gol­de­ne Rhei­ni­sche Gül­den jähr­lich als ein Zins auf Mar­ti­ni an den Rent­meis­ter oder Inha­ber des Hau­ses Lage, zum Behu­fe des Fürst­bi­sch­ofes von Uet­recht zu beza­len, wofür zu Fol­ge der dar­über zu errich­te­ten Docu­men­ten das Haus Sing­ra­ve von der Lehn­waa­re befrey­et (allo­di­fi­zi­ret) wor­den wäre. Die­se Urkun­de steht in einer sehr sel­ten gewor­de­nen Streitund Druck­schrift des Gra­fen Ernst Wil­helm von Ben­them wider Ger­hard von Slo­et als Käu­fer des Gutes Sing­ra­ve I).

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I) CORT EN BONDIGH DEBATH VOOR D’HOOGWELGEBOREN GRAEF EN HEER ERNEST WILHELM GRAEVE TOT BENTHEM ENZ. OP EN TEGENS SEKER GEINTITULEERT FUNDAMENTEEL, DOG CORT VERTOOGH DES HEEREN GERHARD SLOOT TOT DEN OLDENHOF ETC. WEGEN DE COOP DES HUISES SINGRAVEN, MET DE ADELYKE GERECHTIGHEYT ENDE GOEDEREN VAN DIEN. TOT DEVENTER GEDRUCKT BY ENOCH DE VRIES, STDSDRUKKER WONENDE IN DEN POL-STRAAT ANNO 1662.

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Die Gra­fen von Bent­heim hat­ten näm­lich theils wegen schwehr­er Irrun­gen mit dem benach­bar­ten Hau­se Bögels­kamp, schon unter der Spa­ni­schen Regie­rung, wor­über noch ver­schie­de­ne Nach­rich­ten, unter Andern auch des berühm­ten Bent­hei­mi­schen Geschicht­schrei­bers und Canz­lers Arnold Gis­bert Pagen­ste­cher I) vor­han­den sind, theils des­we­gen, weil Rit­ter­schaft und Städ­te, die Staa­ten von Overys­sel, dem Gute Sing­ra­ve, dem sie, den Gra­fen von Bent­heims zu Ehren, die Land­tags­fä­hig­keit und sons­ti­ge Frei­hei­ten, in der Hof­nung ert­hei­let hat­ten, daß die Obe­rys­se­li­schen Domän­gü­ter in der Graf­schaft des­to beßer behan­delt wer­den mög­ten, kei­ne völ­li­ge Immu­ni­tät, und der Tra­di­ti­on nach auch kei­ne eige­ne Gra­fen­bank unter der Obe­rys­se­li­schen Rit­ter­schaft, wider die Lan­des­ver­fas­sung ertei­len woll­ten, kei­ne Freu­de an dem Besit­ze des Gutes Sing­ra­ve, sei­ner ein­träg­li­chen Was­ser­mü­le an der Din­kel u. sons­ti­ger Vor­tei­le 2) ohn­ge­ach­tet. Graf Ernst Wil­helm von Bent­heim, der durch sei­ne Annah­me der Catho­li­schen Reli­gi­on die Land­tags­fä­hig­keit ver­lor, ver­kauf­te es daher an den Land-Rent­meis­ter von Twen­te Ger­hard von Slo­et zu Olden­hof, gerieth aber mit ihm in einen schweh­ren Pro-

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I) Sein Manu­script über die Bent­hei­mi­sche Geschich­te ist aller ange­wand­ten Mühe ohn­ge­ach­tet nicht zu fin­den.
2) Spä­ter auch das Bran­te­weins Mono­pol.

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ceß, weil er behaup­te­te Sing­ra­ve zu theu­er gekau­fet zu haben. Ein Pro­ceß, der theils vor dem Adli­chen Land­ge­richt Oot­mars­sum und des­sen Rich­ter Rein­hard von Klos­ter, theils in der Appel­la­ti­on oder Kla­rin­ge vor den Staa­ten betrie­ben, und in bei­den Instan­zen meist zum Vor­tei­le des Gra­fen von Bent­heim ent­schie­den wur­de.

Der Keim zu jenen Obe­rys­se­li­schen Domä­nen in der Graf­schaft Bent­heim, wor­auf die Land­tags­fä­hig­keit beruht, war 1406 durch Errich­tung der Abtey Zip­kelo mit gele­get wor­den, wozu unter Andern Hein­rich von Grams­ber­ge sei­nen Anteil an der Wüs­te Zip­kelo her­gab I). Eine in der größ­ten Armut und mit den größ­ten Schwie­rig­kei­ten errich­te­te Abtei, die aber ihre Besit­zun­gen bis in der benach­bar­ten Nie­der­graf­schaft Bent­heim ansehn­lich erwei­ter­te, jedoch bei der schon im fol­gen­den Jahr­hun­dert erfolg­ten Reli­gi­ons-Ver­än­de­rung zu den Domä­nen geschla­gen wur­de 2). Mit den Bent­hei­mi­schen Gütern

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I) LINDEBORN HISTO. SIVE NOT. EPISCOP. DAVENTRIENSIS PAG. 387 SEQ.
2) So wie das im näm­li­chen Jah­re ent­stan­de­ne Klos­ter Alber­gen zwi­schen Oot­mars­sen und Alme­lo, erst durch Welt­geist­li­che vom gemein­schaft­li­chen Leben, aber bald durch Augus­ti­ner, wie das kei­ne fünf Stun­den davon ent­fern­te Got­tes­haus Frens­we­gen, unter gemein­schaft­li­cher Winds­hei­mi­scher Con­gre­ga­ti­on.

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der vor­ma­li­gen Abtey Zip­kelo wur­den die Bent­hei­mi­schen Besit­zun­gen der vor­ma­li­gen Fürst­bi­schö­fe von Uet­recht ver­eini­get.

So viel die wei­te­re Geschich­te der Herr­lich­keit Lage betrift, wel­che man im sieb­zehn­ten Jahr­hun­dert unter der Bent­hei­mi­schen Lan­des­stand­schaft I) antrift, so wur­den unter der Regie­rung Kai­sers Karls des Fünf­ten 1531 der Drost von Lage und Mar­schall Adri­an von Rede und der Bür­ger­meis­ter Johann von der Vecht der Stadt Cam­pen von den Obe­rys­se­li­schen Rit­tern und Städ­ten nach Brüs­sel zum Kai­ser deput­i­ret, um ver­schie­de­ne Lan­des Ange­le­gen­hei­ten zu berich­ti­gen, unter Andern aber dem Kai­ser vor­zu­tra­gem dat, Huis to Lag­he in Twent op de Fron­tie­ren der Graefschap van Ben­them 2) aus wel­chem Hau­se die Land­schaf­ten täg­lich beschüt­zet und regie­ret wür­den, bäten Rit­ter­schaft und Städ­te, behör­lich repa­ri­ren, und mit so viel Per­so­nen beset­zen zu laßen, womit es ver­wah­ret wäre, auch mit Geschütz und Kraut [Pul­ver] nach Erfor­dern zu ver­se­hen. Der Kai­ser erwie­der­te: Er wür­de hier­in ver­se­hen und ordon­ni­ren zur

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I) Die Land­tags­re­ces­se sind zu Frens­we­gen.
2) Im fol­gen­den sieb­zehn­ten Jahr­hun­dert, wor­in Picardt leb­te, lag Lage in der Graf­schaft Bent­heim. Picardt Dren­ti­sche Chro­nyk Sei­te 374.

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Ver­si­che­rung sei­ner Land­schaf­ten I). Allein der Spa­ni­sche König Phil­ip der Zwey­te ver­pfän­de­te in sei­ner Geld­noth in sei­nem schweh­ren Krie­ge mit den Nie­der­lan­den, auch die Herr­lich­keit Lage 1576 an Diede­rich von Ket­te­ler Herrn zu Assen 2], dem Er die Beleh­nung dar­über erteil­te. Diede­richs von Ket­te­ler Sohn Wil­helm ver­erb­te sie auf sel­ne Toch­ter Grä­fin von Croi und Reux, wel­che sie nebst ihren andern Gütern 1642 an Johann von Raes­feld Herrn zu Twi­ckel Drost von Twen­te ver­kauf­te, dem die Overys­se­li­schen Staa­ten, Rit­ter­schaft und Städ­te die Beleh­nung damit erteil­ten, nach­dem sie das Pfand­lehn in ein Erd­lehn [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier “Erb­lehn” hei­ßen] ver­än­dert hat­ten; des­sen Sohn Adolph Hen­rich von Raes­feld Herr zu Twi­ckel, ver­mä­let mit Ama­dea von Flo­dorf, ver­erb­te sie auf sei­ne Toch­ter Adria­na Sophia ver­mä­let mit dem Gra­fen von Was­sen­aar Obdam, wel­che Fami­lie sie noch besitzt. Jetzt wer­den von die­ser, weder zum Teut­schen Rei­che, noch zur Repu­blik der Ver­ei­nig­ten Nie­der­lan­de, oder Bata­vi­schen Repu­blik, gehö­ren wol­len­den Herr­schaft fünf­zig Gül­den und acht Stü­ber hol­län­disch an die Pro­vinz Obe­rys­sel für deren Schutz jähr­lich beza­let, wel­che die­se hin­wie­der an den Schul­meis­ter zu Lage jähr-

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I) 38te Urkun­de in Racer Overys­se­li­sche Gedenk­stü­cken.
2) Denk­lich in Dren­te, oder im Müns­teri­schen.

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lich ent­rich­tet. Von der Ver­wüs­tung und Wie­der­her­stel­lung des dor­ti­gen Schlo­ßes, wovon noch bedeu­ten­de Ueber­bleib­sel von sei­ner ehe­ma­li­gen Stär­ke zeu­gen, hat Heda I) Etwas, das aber nur zur Geschich­te der Fürst­bi­sch­ofe [sic!] von Uet­recht gehö­ret. Die Ver­äu­ße­rung der Herr­lich­keit Lage von Obe­rys­sel hat­te wohl die Fol­ge, daß dass bis­her mit dem Drost­am­te Lage ver­ei­nig­te Drost­amt Diepen­heim mit dem Drost­am­te Hax­ber­gen, ehe­mals Blan­ken­burg, ver­eini­get wur­de und den letz­te­ren Namen bekam.

Da die­se Herr­lich­keit Lage von Büsching in sei­ner Geo­gra­phie ganz ver­ge­ßen, oder viel­mehr dem Teut­schen Rei­che wohl nicht bekannt ist, so wenig als im West­phä­li­schen Frie­den einer Abtre­tung der ehe­mals zum Hoch­stif­tek Uet­recht geh­öd­ri­gen Amt­man­ney Lage Erwäh­nung gesche­hen ist, so ver­die­nen hier noch vier Ver­trä­ge der Gra­fen Ernst Wil­helm von Bent­heim mit Adolph Hen­rich von Raes­feld Herrn der von der Graf­schaft Bent­heim umge­be­nen Herr­lich­keit Lage ange­führt zu wer­den, wor­in von der Sou­ve­rä­ni­tät der­sel­ben gar nicht erwäh­net wird, die auch der Graf von Bent­heim ohne Cons­enz Kai­sers nud [sic!] Reichs nicht auf­op­fern konn­te. In der ers­ten zu Neu­en­haus den zehn­ten Octo­ber 1651 errich­te­ten Urkun­de heißt es: Zur Weg­räu­mung der

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I) Sei­ten 259, 286.

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bis­he­ri­gen Strei­tig­kei­ten zwi­schen dem Gra­fen v. Bent­heim und Herrn von Lage und Twi­ckelo I), Drost von Twen­te, über den bei­der­sei­ti­gen Besitz der Thor­ni­schen Güter, deren Exem­tio­nen 2), Pri­vi­le­gi­en und Gerech­tig­kei­ten, tre­te gedach­ter von Raes­feld die­sel­be Lehn­und Allo­di­al­gü­ter, so wie sol­che wai­land Johann von Raes­feld in der Graf­schaft Bent­heim beses­sen hät­te, und er jetzt besä­ße, dem Gra­fen von Ben­t­helm fur sich und sei­ne Erben ab. Näm­lich Höl­linck in Gete­lo, Schul­ze Meier­ink in den Uel­ser Bau­er­häu­sern, Sörik und Bus­mann in Hard­ink­hausen, Höl­link zu Wil­sum, Drum­me in Tin­hol­te, Hart­ger und Brüp­pink zu Hil­ten, Gört­man zu Har­din­gen, Con­erd­ink, Rörink, Nie­hof, Moman und Hof­stede zu Hal­le, Bor­cherd­ink in Bin­nen­borg, Reves­ter, Veld­ink, Spiel­man, Him­mel­dink in Buten­borg, die Rüter­s­tede mit der Waa­re, Fische­rey und hal­be Maa­ße von Fischer Albert, Lich­ter­ink Esch und den Brink­gar­ten zu Uel­sen, Heis­man und Bucht bey Neu­en­haus; Kör­ners, Els­mans, Snö­rinks, Rab­bers und Baden Zehn­ten; auch die Walm­er­in­k­häu­ser Güter, als

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I) Win­kelo [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss er hier “Twi­ckelo” hei­ßen] war von jeher und ist noch ein media­tes Haus bey Del­den in Obe­rys­sel.
2) Schlie­ßen kei­ne Lan­des­ho­heit ein, die von Thorn besa­ßen nur eine Medi­at Herr­lich­keit in der Graf­schaft Bent­heim, im Gerich­te Uel­zen.

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Olthus, den Aus­gang aus dem gro­ßen Laer zu Gra­ves­torp, Alfer­ink zu Scher­horn, Beer­link zu Klei­ne Rin­ge Sing­ra­vens und Saal­zehn­ten, nebsts den Holz­ge­richs­ten zu Wil­sum, Gete­lo, Har­din­gen und Itter­beck I). Und zwar unter die­sen Gütern die vier Erben Koner­ink, Rorick, Nie­hof und Moman, mit Aus­schlie­ßung der bei­den Wei­den oder Zuschlä­gen in und bei Lage, und ihres Holz­ge­rich­tes in Har­din­gen. Tausch­wei­se gegen die vier gräf­lich Bent­hei­mi­schen Erben in Breck­ling­heim, nament­lich den dor­ti­gen Schul­zen­hof mit dem Holz­ge­rich­te, Möl­len­dyk, Veld­mann und Rot­man, mit Vor­be­halt der Pfand­schaft des Jun­kers Ben­tink 2) auf dem Schul­ten­ho­fe. Alle übri­ge Güter aber für die Sum­me von acht und zwan­zig tau­send ein­hun­dert Rtlr. 3), in vier bestimm­ten Ter­mi­nen bin­nen Lage zu

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I) Aus Holz­ge­richt ent­stand Mar­ken­ge­richt bey Abnah­me des Hol­zes, sagt Möser. Ob auch Torf­ge­richt? Die­ses ist das verä­ner­te Holz­ge­richt.
2) War ADRIAN WILHELM Ben­tinck zu Bre­kel­kamp ver­heu­ra­tet mit Anna Hade­wich von Ense von Schee­re und Schwa­nen­burg, deren Sohn Riquia Ignaz ver­mä­let mit Maria Anna von Wes­ter­holt, deren Toch­ter Julia­na Ben­tink mei­ne Mut­ter.
3) Hol­län­disch; denn die­se Ver­trä­ge sind in der Hol­län­di­schen Spra­che errich­tet, u. in den Bent­hei­mi­schen öffent­li­chen Cas­sen

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beza­len. Zur bei­der­sei­ti­gen Sicher­heit, bis zur Erfül­lung des Ver­spro­che­nen, als auch aller Ansprü­che der Ver­wand­ten und Cre­di­to­ren, wie auch der Pro­vinz Obe­rys­sel I) soll­ten so wohl die vier benan­ten gräf­lich Bent­hei­mi­schen Erben in Twen­te, als das Gut Sing­ra­ve und die Erben Bran­de­hof und Sto­cke (auch im Twen­te) gericht­lich ver­pfän­det wer­den, jedoch soll­te der Graf von Bent­heim die­se Let­ze­ren ver­kau­fen kön­nen, wenn der Herr von Lage mit dem dar­aus gelö­se­ten Kauf­gel­de befrie­di­get wür­de, auch soll­te der Graf die Pfand­schaft des Jun­kers Ben­tinck auf das Schul­ten Erbe in Bre­kel­kamp zur Ver­falls­zeit der­sel­ben abtra­gen. Der Graf soll­te den rück­stän­di­gen Kauf­schil­ling mit sechs und einem Vier­tel vom Hun­dert ter­min­lich ver­zin­sen, und zu meh­rer Sicher­heit der Herr von Lage so lan­ge im Besit­ze der ver­kauf­ten Güter blei­ben, auch sich an den Gräf­li­chen, so wohl Bent­hei­mi­schen als Obe­rys­se­li­schen Gütern erho­len kön­nen, so auch der Graf an den Raes­fel­di­schen; die über die Thor­ni­schen Güter spre­chen­den Urkun­den soll­ten mit dem­sel­ben über­lie­fert wer­den u. s. w.

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wird nach sol­chen Reichs­tha­lern, oder drit­te­halb Gül­den gerech­net.

I] Die­se hat­te das Pfand­lehn schon in ein Erb­lehn 1642 vor dem West­phä­li­schen Frie­den 1648 ver­än­dert, so kam Lage aus dem zum Rei­che gehö­ri­gen Uet­rech­tisch Obe­rys­se­li­schen unter die Bent­hei­mi­sche Hoheit.

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In einem andern am näm­li­chen Tage und am näm­li­chen Orte aus­ge­fer­tig­ten Docu­men­te wur­den die bis­her von Lagi­scher Sei­te bestimt ange­ge­be­nen, von Bent­hei­mi­scher Sei­te aber für unbe­stimt gehal­te­nen Gren­zen des Bezir­kes Lage, auf der Sei­te nach Neu­en­haus fol­gen­der Gestalt fest­ge­set­zet: Vom Zau­ne des Bey­fan­ges an auf Fischers Glu­pe, von da auf Kal­ve­rin­gers Alte Waa­re, auf den bösen Busch, auf den Stein gegen Mei­ers Ware, wei­ter über die Yla­ge, auf Brook­mans Waa­re, bis da, wo der alte Pfal gestan­den hät­te, wei­ter hin­ter Unst­e­ding, langs der Bache, wo das Gericht gestan­den, und so zurück auf den Byfang, wobey Sei­ne Hoch­gräf­li­che Gna­den auf den gemei­nen Grund zwi­schen die­sem Dis­tric­te ver­zich­te­ten, den Ein­ge­se­ße­nen der Mar­ke Har­din­gen aber das Pfal­bau­ern­Recht [sic!] und die Plag­gen­mä­hung im Goor vor­be­hiel­ten, hin­ge­gen soll­ten jene weni­gen von Unst­e­ding oder von Lage außer­halb der Gren­zen etwa gele­ge­nen Län­derey­en hin­füro, wie ehe­mals, von Bent­hei­mi­schen Las­ten befrey­et blei­ben; Maat­man I) aber soll­te von sei­nen Län­derey­en in der Graf­schaft so viel beza­len, als Bucht von sei­nen Län­derey­en in

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I) Maat­man liegt auf der Gren­ze des Bent­hei­mi­schen Gerich­te Uel­zen und des Twen­ti­schen Gerichts Bot­mars­sen [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier “Oot­mars­sen” hei­ßen], des­sen zum Zei­chen hängt in der Mit­te des Hau­sen ein Haal, will aber nur die Gerichts­bar­keit sei­nes Guts­herrn Lage erken­nen.

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Twen­te ent­rich­te­te. Mit der Fische­rey auf dem Töge [Zug] bey Brüg­giek, soll­te es, wie vor die­sem, gehal­ken wer­den. Wei­ter wur­de dem Hrn. von Raes­feld das Pfal­bau­er­recht 1] in den benach­bar­ten Mar­ken, wie äuch die freye Scha­fe­trift in den Mar­ken Hal­le und Har­din­gen zuge­stan­den. Auch soll­te der Herr von Raes­feld mit dem min­des­ten Nacht­hei­le Sei­ner Hoch­gräf­li­chen Gna­den, mit Bera­tung mit den gräf­li­chen Amt­leu­ten, einen Ueber­fall zur Beför­de­rung des Fisch­gan­ges unterm Bey­fang 2] legen mögen; fer­ner berech­tigt seyn, im Gete­ler Vene für sich nach Belie­ben, für die Laa­gi­schen Ein­ge­ses­se­nen aber, jähr­lich ein­hun­dert und fünf und zwan­zig Fuder Torf ste­chen zu laßen, wozu ein gewis­ser Bezirk soll­te ange­wie­sen wer­den. Auch soll­te der Herr Raes­feld, wegen des Hau­ses Lage, die Jagd im gan­zen Gerich­te Uel­sen, in den Gerich­ten Veld­hau­sen und Embli­camp dies­seits der Vech­te, in der Ent­fer­nung eines ziem­li­chen Cano­nen Schus­ses von Neu­en­haus aus­süben. Der Lagi­sche Mülen­gang soll­te in Zukunft nicht ver­hin­dert, son­dern frey­ge­la­ßen wer­den, des Endes soll­te in Brook­mans Waa­re eine Plan­ke [höl­zer­ne klei­ne Schleu­se] geset­zet wer­den mögen, jedoch ohne Nach­teil des Was­ser Lau­fes zur Neu­en­hau­ser Mü-

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I] Ein Pfal­bau­er ist in meh­re­ren angren­zen­den Mar­ken begü­tert und berechtige[t].
2] Bey­fang ist bekann­lich die Gren­ze eines Gerichts.

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le, sonst soll­te der Neu­en­hau­ser Mül­ler sie wie­der auf­zie­hen kön­nen I). Wenn die­ser Herr von Lage, oder sei­ne Nach­kom­men die Herr­lich­keit Lage ver­lie­ren wür­den, so soll­te ein zeit­li­cher Graf von Bent­heim an die­sem Ver­tra­ge nicht wei­ter gebun­den seyn.

In einer drit­ten am näm­li­chen Tage und Orte aus­ge­stel­le­ten Urkun­de ver­spricht die­ser Herr von Lage für sich und sei­ne Erb­fol­ger, daß ein zeit­li­cher Graf von Bent­heim, ohne Prä­ju­diz der Pro­vinz Obe­rys­sel, ein Näher­recht haben soll­te, wenn die Herr­lich­keit Lage, mit Cons­enz gedach­ter Pro­vinz jemals wür­de ver­äu­ßert, und von den Gra­fen von Bent­heim als­dann so viel, als von einem Andern dafür gege­ben wer­den. Im Jah­re 1662 den ein und zwan­zigs­ten Novem­ber schlo­ßen der hoch­ge­bor­ne Graf und Herr, Herr Ernst Wil­helm, Graf zu Bent­heim, Teklen­burg, Stein­furt und Lim­burg, Herr zu Rhe­da, Weve­ling­ho­fen, Hoja, Alpen und Hel­fen­stein, Erb­vogt zu Cölln, und der Hoch­e­del­ge­bor­ne und gestren­ge Herr Adolph Hen­rich von Raes­feld, Herr zu Lage und Twi­ckelo, Drost des Lan­des Twen­te, auf dem Schlos­se Bent­heim, noch einen Ver­trag des Inhal­tes: daß Johann Mei­ners, der vom Gra­fen

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I) Die heu­ti­ge stei­ner­ne Schleu­se bey Neu­en­haus ist ein merk­wür­di­ges Werk.

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von Bent­heim und vom Herrn zu Lage zum gemein­schaft­li­chen Rent­meis­ter der frey­en Tor­ni­schen Güter ange­set­zet war, aber den Dienst des Gra­fen ver­la­ßen hät­te, so lan­ge die­se Güter ver­wal­ten soll­te, bis der Graf den völ­li­gen Kauf­schil­ling dafür ent­rich­tet, und die Pfand­schaft des Jun­kers Ben­tink auf den Schul­ten­hof und die Maa­ße [Wie­se] zu Breklich­eim von tau­send und fünf­zig Reichs­tha­lern [hol­län­disch] zu Sechs von Hun­dert abge­tra­gen hät­te. Alle in Zukunft zwi­schen der Graf­schaft Bent­heim und Herr­lich­keit Lage ent­ste­hen kön­nen­de Strei­tig­kei­ten soll­ten nicht­ge­richt­lich abge­ur­tei­let, son­dern durch Schie­des-Rich­ter ent­schie­den wer­den I) Die­se Ver­trä­ge wur­den von bei­den Con­trahi­ren­den besie­gelt und unter­schrie­ben und zwar von der Einen nur mit den Wor­ten: Adolph Hen­rich van Raes­feldt, wie auch von sei­ner Frau: Ama­den van Flo­dorf.

Hät­te sich die­ser Herr von Lage als einen sol­chen Sou­ve­rän betrach­tet, des­sen Gebiet weder zum Teut­schen Rei­che, noch zu Jenem der ver­ei­nig­ten Nie­der­lan­de, oder viel­mehr nur der Pro­vinz Obe­rys­sel, gehör­te, so wäre die­se leis­tet

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I) Von die­sen sonst bekan­ten Ver­trä­gen sind auch Exem­pla­re auf dem Hau­se Bögels­kamp.

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Clau­sel, daß alle zukünf­ti­ge Strei­tig­kei­ten zwi­schen der Reichs-Graf­schaft Bent­heim und sei­ner Herr­lich­keit, nicht gericht­lich ent­schie­den, son­dern ver­mit­telt wer­den soll­ten, über­flüs­sig gewe­sen, da der Herr von Lage in sol­chem Fal­le weder den Reichs- noch den Gräf­lich-Bent­hei­mi­schen Gerich­ten, so wenig, als denen der Gene­ral-Staa­ten oder der Staa­ten von Obe­rys­sel unter­wor­fen war. So viel sei­ne und sei­ner Nach­fol­ger per­sön­li­che Eigen­schaft betrift, so gehör­ten und gehö­ren sie nicht zum Teut­schen hohen Adel; noch auch zu der in West­pha­len nicht existi­ren­den Reichs-Rit­ter­schaft. Die zwar in ihren Pro­vin­zia­len Ver­hält­nis­sen in ihrer Pro­vinz, und gegen die Staa­ten ande­rer Pro­vin­zen der Ver­ei­nig­ten Nie­der­lan­de sou­ve­rä­nen Staa­ten von Obe­rys­sel, waren mit den Depur­tir­ten der Staa­ten ande­rer ver­ei­nig­ten Nie­der­län­di­schen Pro­vin­zen unterm Namen der Gene­ral-Staa­ten zwar eine sou­ve­rä­ne Macht mit den andern Mäch­ten Euro­pens, und so auch mit dem Teut­schen Rei­che, im West­phä­li­schen Frie­den 1648 gewor­den, allein die blo­ßen Obe­rys­se­li­schen Staa­ten woll­ten und konn­ten 1642 kein unmit­tel­ba­res Reichs­ge­biet Lage im Umfan­ge der Reichs Graf­schaft Bent­heim, geschwei­ge kei­ne neue Sou­ve­rä­ni­tät in Euro­pa dar­stel­len. Hät­ten die Obe­rys­se­li­schen Staa­ten das Pfand­lehn des Spa­ni­schen Köni­ges Phil­ips des Zwei­ten, als Herrn von Obe­rys­sel, nicht 1642 in ein Erb­lehn ver­än­dert, so wäre Lage mit Obe­rys­sel in Rück­sicht gegen

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ande­re Euro­päi­sche Mäch­te und gegen das Teut­sche Reich und die Graf­schaft Beneheim, unter die Hoheit der Gene­ral-Staa­ten gekom­men, da sie sich aber kei­ne Hoheit über Lage vor­be­hiel­ten, son­dern nur ein Schutz­recht oder eine ehe­ma­li­ge Vog­tey, so mus­te Lage zur Hoheit der es umge­ben­den Reichs-Graf­schaft Bent­heim und zur Sou­ve­rä­ni­tät Kai­sers und Reichs zurück tre­ten, da es ehe­mals zum Gebie­te der Fürst­bi­schö­fe von Uet­recht und zwarn deren Ober­stif­tes Ober der Yss­sel gehö­ret hat­te. Die Herrn von Lage fühl­ten das auch wohl, da eben die­ser A. H. oder Adolph Hen­rich von Raes­feld die Bent­hei­mi­schen Lan­des-Con­corda­ten unter der Regie­rung eben die­ses Gra­fen Ernst Wil­helm von Bent­heim den sechs­ten Mai 1680 als Bent­hei­mi­scher Land­stand, wor­in er kei­ne ande­re Hove­saat, als Lage besaß, mit unter­schrieb. So hat­te vor Errich­tung jener Ver­trä­ge über die Herr­lich­keit Lage, sein Vater Johann von Raes­feld dem Land­ta­ge 1635 von wegen der Herrn Staa­ten von Obe­rys­sel ENDE VOR MY PARTICULIER, Laut sei­ner Unter­schrift, wie sein Sohn, nach Errich­tung die­ser Ver­trä­ge bey­ge­wohnet. Allein schon unter der Regie­rung die­ses Gra­fen Ernst Wil­helms ent­spann sich eine Ket­te von Ver­drüß­lich­kei­ten in der gräf­lich Bent­heim-Stein­fur­ti­schen Fami­lie, dar­auf folg­te der zwar zeit­li­che I) aber nun schon

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I) ADDO und wie­der ein­lös­li­che.

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über ein hal­bes Säcu­lum dau­ren­de Ver­satz der Graf­schaft Bent­heim an Chur-Hano­ver, und die­se neue Bent­hei­mi­sche Regie­rung kann­te die wah­re Beschaf­fen­heit der Medi­at Herr­lich­keit Lage nicht, indes­sen wider Reichs und Lan­des Rega­li­en kei­ne Ver­jäh­rung, zumal in einem Fal­le statt haben kann, wobey wenn es eine Pri­vat-Sache beträ­fe, jeder recht­li­che nur erdenk­li­che Titel u. der in Teutsch­land, wenn gleich nicht in Obe­rys­sel, erfor­der­li­che unun­ter­bro­che­ne gute Glau­be erman­geln.

Im Jah­re 1683 wur­de die Herr­lich­keit Lage durch Rit­ter­schaft und Städ­te die Staa­ten von Obe­rys­sel, als Nach­fol­ger der vor­ma­li­gen Fürst­bi­schö­fe von Uet­recht, und deren spä­te­rer Stell­ver­tre­ter des Kai­sers Karls des Fünf­ten u. des Spa­ni­schen Köni­ges Phil­ip des Zwei­ten, wegen der ehe­ma­li­gen Obe­rys­se­li­schen Recht­sa­me in der­sel­ben ange­spro­chen, die ver­wit­we­te Frau von Raes­feld zu Lage gebohr­ne von Flo­dorf, die Urhe­be­rin der Kir­che zu Lage, wel­che bis­her nach Uel­zen ein­ge­pfar­ret war, wie ihre Inschrift an die­ser Kir­che I) bewei­set, ließ aber in einer an jene Obe­rys­se­li­sche Staa­ten gerich­te­ten

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I) Hät­ten die Fürst­bi­schö­fe von Uet­recht Lage als ein unmitt­ei­ba­res Gebiet beses­sen, sie hät­ten gewiß in ihrem eige­nen Lan­de eine Kir­che gestif­tet.

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Deduc­tion bewei­sen, daß Lage in der Graf­schaft Bent­heim läge, und durch die Präscrip­ti­on oder Ver­jäh­rung eine freye und sou­ve­rä­ne Herr­schaft wäre, wor­über die Pro­vinz Obe­rys­sel kei­ne Hoheits-Rech­te über­haupt, zumal kei­ne Schat­zun­gen aus­zu­üben hät­te. Die Staa­ten von Obe­rys­sel wur­den durch die­se Deduc­tion 1] bewo­gen, Lage in sei­nem dama­li­gen und jet­zi­gen Zustan­de, in so weit unan­ge­foch­ten zu las­sen. Einem jeden nach­den­ken­den Leser die­ser Deduc­tion und deren drei und zwan­zig Bey­la­gen leuch­tet es aber bald ein, daß durch die­se Deduc­tion Lage zwar den hol­län­di­schen Meer­schlund Cha­ryb­dis, aber nicht den Bent­hei­mi­schen Stein­fel­zen [sic!] Scyl­la ver­mie­den hat, wor­über der Römi­sche Reichs-Adler schwebt, des­sen Flü­gel die ehe­ma­li­gen Fürst­bi­schö­fe von Uet­recht und Herrn von Lage über­schat­te­ten.

Ueb­ri­gens ent­hal­ten die Bey­la­gen die­ser Deduc­tion die Geschich­te der Herr­lich­keit Lage; so sind unter A eini­ge Extra­c­ten aus der soge­nann-

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I) DEDUCTIE EN KLAAR VERTOOG VOOR DE WELGEBOREN VROUW AMADEN GEBOREN VAN FLODORF, DOUAIRIERE VAN RAESFELT, VROUW VAN TWICKELOE EN LAGE, RAKENDE DE WARE GESCHAPENHEIT, NATURE EN WESEN VAN D’HEERLYKHEIT LAGE, MITSGADERS DESSELFS RECHT EN GERECHTIGHEID, ALS MEDE DESSELFS ONDERDANEN ENDE ONDERHOUDENDE [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: ONDERHORENDE] GOEDEREN. TE DE DEVENTER BY ENOCH DE VRIES STADSDRUCKER. A. 1683. auf 78 Sei­ten in Quar­to.

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ten Gref­fie der Staa­ten von Obe­rys­sel, wor­aus erhel­let, daß Elbert von Eil und sei­ne Frau Jut­ta von Lage 1340 mit ihren Kin­dern Die­te­rich, Mar­ga­re­ta und Eli­sa­beth, ihr Recht an Lage an den Uet­rech­ti­schen Fürst­bi­schof Johann von Arkel für sieb­zehn­hun­dert Mark ver­kauf­ten, die Ael­tern der erwähn­ten Frau von Lage Her­man von Lage und Eli­sa­bet von Diest ver­kauf­ten das­sel­be dem näm­li­chen Fürst­bi­sch­ofe 1346 für fünf­tau­send Pfund. Es wer­den dabey gen­ant: Das Haus zu Lage und alles Gut, es sey Lehn oder eigen, mit Was­ser und mit Wei­de, mit Korn und mit Zwei­gern, mit Män­nern und Burg­män­nern, mit aller­hand Nut­zun­gem. Als vor­ma­li­ge Obe­rys­se­li­sche Dros­ten zu Lage kom­men vor: 1365 Rein­old von Coe­ver­den, Rit­ter und Amt­mann zu Lage, 1478 Die­te­rich von der Schu­len­burg Drost zu Lage, 1484 Cor­ne­li­us von Schu­len­burg, 1495 Jacob von Itter­sum Cas­tel­lan I] zu Lage und Rent­meis­ter von Twen­te, 1502 Johann von Itter­sum Jacobs Sohn, 1515 Johann von Itter­sum Wolfs Sohn, 1518 Adri­an von Ree­de. Dann wird in die­sem Extra­c­te bemerkt: daß das Drost­amt Lage mit den Dro­st­äm­tern Hax­ber­gen oder Hox­ber­gen und Die­wen­heim [lt. Druck­feh­ler­ver­zeich­nis muss es hier hei­ßen: Diepen­heim] ver­eini­get wor­den wäre.

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I) Jeder Wirth heißt Cas­te­lein, weil in Wirths­häu­sern Burg­frie­de und Sicher­heit gegen das Faust­recht seyn muß­te.

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In der Bey­la­ge B über­läßt der Spa­ni­sche König Phil­ip der Zwei­te, als Herr des vor­ma­li­gen Hoch­stif­tes Uet­recht Ober der Yssel I] 1576 am sechs­ten Junio das Haus zu Lage mit der hohen, mit­lern und min­dern Gericht­bar­keit 2] wie auch den Hof zu Lage, wel­cher in der Bau­er­schaft oder Mar­ke Har­din­gen zu Hei­de und Wei­de gewaa­ret wäre, fer­ner das Erbe Ons­t­e­ding in der näm­li­chen Mar­ke, das Erbe Hese­link in Grastorf, Maat­haus in Breck­lin­chem, den gewaar­de­ten Kör­ter Ter Bur­cht in Grastorf, den schma­len Zehn­ten in Gode­li­chem, den gro­ben und schma­len Zehn­ten von Rab­bers­ding, auch vom Erbe Elsink in Gode­li­chem; die Län­de­rei­en und Aecker des Hau­ses Lage, den Fische­teich, die Ran­zio­nen, den Chys oder Accis, die Hüner und die Rech­te Holz zu fäl­len und Torf zu ste­chen, auch eine Müle errich­ten zu mögen, end­lich das Holz­ge­richt und Trei­be­recht von drei­ßig Schwei­nen mit einem Behr in den Bau­er­schaf­ten Har­din­ge, Wil­sen, Itter­beck und Gete­le, an Die­te­rich von Ket­te­ler in Pfand­schaft, für die Sum-

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I) Stand in sol­chem Ver­hält­nis­se zu den Bischö­fen von Uet­recht, wie das Her­zog­t­hum West­pha­len, das Fest Reck­ling­hau­sen zu Chur-Köln, das Uet­rech­ti­sche Dom­ka­pi­tel war kein Land­stand in Obe­rys­seL
2) Ursprüng­lich in geist­li­chen, Bischöf­li­chen Sachen.

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me von vier­zehn­tau­send zwei­hun­dert acht und sieb­zig Karls oder hol­län­di­schen Gül­den so fort zu beza­len, woge­gen die jähr­li­chen Ein­künf­te die­ser Güter fünf­hun­dert vier und neun­zig Gül­den betrü­gen. Zur Wie­der­auf­bau­ung des ver­fal­le­nen Hau­ses zu Lage und zur Errich­tung einer neu­en Müle soll­te der Pfand­be­sit­zer zwei­tau­send Gül­den in Rech­nung brin­gen kön­nen; das auf­wach­sen­de Holz und die Abga­ben für Frey­brie­fe an Eigen­hö­ri­ge soll­ten für den Konig blei­ben, wovon der Pfand-Inha­ber das Haus Lage mit Zube­hör zn Leh­ne tra­gen soll­te. Die Lose soll­te inner­halb acht und zwan­zig Jah­ren nicht statt fin­den kön­nen.

Unter der Bey­la­ge C belehnt der König den 22 Mai 1590 den Die­te­rich von Ket­te­ler mit dem Hau­se zu Lage mit der hohen, mitt­lern und nie­dern Juris­dic­tion und Herr­lich­keit Aus­drü­cke, die kei­nes Weges eine Exem­ti­on die­ser Herr­lich­keit Lage von der Sou­ve­rä­ni­tät des Tent­schen Reichs, wozu alle davon abge­ris­se­ne Stü­cke, gemäß der Kai­ser­li­chen Wahl-Capi­tu­la­tio­nen zurück gebracht wer­den sol­len, und von der Hoheit der sie umge­ben­den Reichs-Graf­schaft Bent­heim befas­sen, in deren Gebie­te noch die meis­ten Lagi­schen Per­ti­nenz­i­en gele­gen sind.

Unter D erlaubt der König dem Diet­rich v. Ket­ler zu Assen, Pfand­herrn zu Lage LIGGENDE BY

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DE TWENTE LAND VAN OVERYSEL IN DE GRAFSCHAP VAN BENTHEM zur Repa­ra­ti­on des Hau­ses und der Müle zu Lage noch zwölf­tau­send Gül­den zu ver­wen­den, da in die­sen Zei­ten (1591. 12 Decb.) die Auf­recht­erhal­tung der König­li­chen Rech­te Kos­ten erfor­der­te, beson­ders da der, Graf von Bent­heim die meis­ten Lagi­schen Recht­sa­me gebrauch­te oder vor­ent­hiel­te.

SUB E beleh­nen Rit­ter­schaft und Städ­te Staa­ten von Obe­rys­sel 1635 den 11 Jul. den Gra­fen Eustach von Croi und Reux und sei­ne Gema­lin Theodo­ra Maria Ger­trud von Kett­ler Frau zu Assen, zu Fol­ge der dem Groß­va­ter der Letz­tern, Die­te­rich von Ket­te­ler zu Assen ver­lie­he­nen Pfand­schaft mit dem Rech­te und der Pfand­schaft der Herr­lich­keit Lage und unter­ge­hö­ri­gen Güter.

In der Bei­la­ge F ertei­len die Staa­ten von Obe­rys­sel dem Johann voa Raes­feld Dros­ten von Twen­te 1642 den vier­ten Mai die Beleh­nung mit der Herr­lich­keit Lage und unter­hö­ri­gen Güter zu einem Erb­lehn nach Obe­rys­se­li­schen Lehn­re­chen.

Im West­phä­li­schen Frie­den 1648 wur­den die Gene­ral-Staa­ten der ver­ei­nig­ten Nie­der­lan­de erst als eine Sou­ve­rä­ne Macht in Euro­pa aner­kannt, die Staa­ten der ein­zel­nen Nie­der­län­di­schen Pro-

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vin­zen wie Obe­rys­sel, waren nie­mals Sou­ve­rä­ne in Rück­sicht aus­wär­ti­ger Mäch­te, konn­ten u. woll­ten also wohl eine Beleh­nung, wie jeder Lehn­herr ertei­len, aber kei­ne Exem­ti­on von der Hoheit des Teut­schen Reichs und der unmit­tel­ba­ren Reichs­graf­schaft Bent­heim fixie­ren, da die vori­gen Fürst­bi­schö­fe von Uet­recht, der Kai­ser Karl der Fünf­te und der Spa­ni­sche König Phil­ip der Zwei­te die Medi­at Herr­lich­keit Lage unter Bent­hei­mi­scher Lan­des­ho­heit, wie die noch übri­gen Bent­hei­mi­schen Güter beses­sen hat­ten, wor­auf die Obe­rys­se­li­sche und heu­ti­ge Bata­vi­sche Land­tags­stim­me auf den Bent­hei­mi­schen Land­ta­gen noch beru­het.

Unter G ver­kau­fen der Graf Eustach von Croi und Reux und sei­ne Gema­lin T. G. M. v. Kett­ler 1643 Jul. 21 auf der Com­man­de­rie zu Oet­mar­schen an Johann von Raes­felt Drost von Vel­len­hoe die Herr­lich­keit Lage und vier Erben im Kirch­spie­le Uel­zen für den bis­he­ri­gen Pfand­schil­ling und noch sechs­tau­send Gül­den, außer einer Ver­eh­rung an die Frau Grä­fin.

Die Bey­la­ge H ent­hält gar eine Pro­te­sta­ti­on des Gra­fen Arnold zu Bent­heim, Teck­len­burg und Stein­furt vom Jah­re 1579 wider die Auf­rich­tung eines Pran­gers oder Kaaks durch Die­te­rich von Kett­ler zu Lage, “da die­ses der wohl­her­brach­ten Bent­hei­mi­schen ordi-

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nari Juris­dic­tion und hoher Obrig­keit zuwi­der, da obge­dach­tes Lage ohne Mit­tel in dem Bezirk der Graf­schaft Bent­heim, Kir­cb­spiel Uel­sen und Bau­er­schaft Har­din­gen gele­gen und der­sel­bi­gen ordent­lich Ober und Herr­lich­kei­ten ohn Mit­tel unter­wor­fen, und von Anfang nie kei­ne Juris­dic­tion Ober oder Herr­lich­keit, son­der­lich in Cri­mi­nal-Sachen gehabt, viel­we­ni­ger exer­cirt, gebraucht und her­ge­bracht, oder das Exem­pel und Nach­wei­sung an Gal­gen, Raden, Pran­ger, oder eini­gen andern Theil, dadurch Brauch, Uebung, Recht und Gerech­tig­keit eini­ger recht­li­chen Coer­ti­on oder pein­li­chen Stra­fe und Gerich­te ange­zei­get, erwie­sen und dar­gethan wer­den könn­te, noch jemals vor­han­den, und das also der von Kett­ler berüm­te und ange­maß­te Juris­dic­tion, und dar­auf ver­meint­lich gesetz­te Pran­ger uner­find­lich, unbe­weis­lich und anders nit, dan eine mut­wil­li­ge wider­recht­li­che Neue­rung, dadurch Sein Gna­den an Irer von Kai­ser­li­cher Majes­tät emp­fan­ge­nen Rega­li­en, Obrig­keit und ordi­na­ri Juris­dic­tion), PRO QUA MILITAT JURIS PRAESUMTIO, zum hohes­ten ver­letzt und ver­kürzt sey, und daß Sein Gna­den dar­in kei­nes Wehrs noch­mals gehe­len, son­dern sich dage­gen alle gebü­ren­de Mit­tel und Hül­fe der Rech­ten, und was sons­ten den­sel­ben zu Hand­ha­bung uralter und wol­her­brach­ter Gerech­tig­keit in Recht gebü­ren und not­rüf­lich sein mag, vor­be­hal­ten haben will. Wie im Glei­chen Sein Gna­den sich nicht bege­ben, son­dern hie­mit reser­virt

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haben wol­len, was gemel­ter Kett­ler als Unterthan und Lehn­mann mit sol­cher ange­rich­te­ter hoch­be­schwer­li­cher Neue­rung, auch sons­ten hin u. wie­der in der Graf­schaft Bent­heim zuge­füg­ten Gewalt und That­hand­lun­gen, mit andern Unge­bür­ni­ßen also wider sei­ne gebühr­li­che Obrig­keit u. Lehn­herr geübt com­mi­tirt und ver­wir­ket, an Ortern und Enden sich das gebürt, ordent­lich und recht­lich zu pro­se­qui­ren u. s. w.

SUB J und K sind Kla­gen des Die­te­rich von Kett­ler zu Assen und Lage, daß der Graf von Bent­heim 1581 ein Floß­werk hät­te in Stü­cken hau­en las­sen, obschon der König­li­che Stat­hal­ter Graf von Renn­eberg auf die Wie­der­her­stel­lung des­sel­ben gedrun­gen hät­te. Daß der Lagi­sche Jäger, weil der­sel­be auf den tie­fen Wäs­sern zu Breck­li­chem am neun­ten März 1587 gefi­schet hät­te ins Gefäng­nis zu Bent­heim geset­zet wäre, wo er bis zum drit­ten Mai hät­te sit­zen, und bey sei­ner Befrey­ung eine Urfe­de schwö­ren und das Fang und Schließ­geld beza­len müßen, aller Abmah­nun­gen des König­li­chen Stat­hal­ters Ver­du­go und sei­ner, von Ket­le­ri­schen, ein­ge­leg­ten Cau­ti­on ohn­ge­ach­tet.

Unter L ist eine CLAUSULA CONCERNENS des Ver­tra­ges zwi­schen dem Gra­fen Ernst Wil­helm von Bent­heim und Adolph Hen­rich von Raes­felt vom 21 Mai 1680 über die Lagi­schen Gren­zen, mit den Wor­ten: ENDE 500 VOOTTS SUIDWAARTS

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LANGES DIE LIMYTEN VON TWENTE, MITS DAT ALDAER TUSSCHEN HET LAEGSCHE ENDE TWENTSCHE DIE BREETE VAN TWINTIG ROEDEREN RHYNLANDS VOOR BENTHEMS TERRITOIR OVERBLYVE, HET ZY DAT DE GROND BESLAGEN OFT ONBESLAGEN ZY

Hier­in wird das Bent­hei­mi­sche mit dem Zusat­ze Tee­ri­toir ange­füh­ret, das Lagi­sche aber nicht, so wenig wie das Twen­ti­sche, wel­ches unter Obe­rys­se­li­scher Hoheit.

Unter M und N  sind Zeug­ni­ße meist Lagi­scher Ein­woh­ner oder Eigen­be­hö­ri­gen, daß aus dem Lagi­schen Bezir­ke Nichts an Schat­zung an Obe­rys­sel und die Graf­schaft Bent­heim beza­let wer­de. Des­glei­chen unter R S T und V wobey es auf­fal­lend ist, daß sich der Rich­ter, Her­man von Ges­se­ler in sei­nen Zeu­gen Ver­hö­ren unter R und S über die­sen Gegen­stand vom 13 Aug. 1682 und 16 Jän­ner 1683 nicht Rich­ter v. Lage, son­dern ein­mal Rich­ter der Thor­ni­schen Güter, dann der frey­en Thor­ni­schen Güter schreibt, wel­che in der Graf­schaft Bent­heim im Kirch­spie­le Uel­zen vor­züg­lich lagen und die gräf­li­chen Bent­hei­mi­schen Domä­nen so sehr ver­grö­ßer­ten.

Unter O P und Q sind Bruch­stü­cke von Ver­hand­lun­gen zwi­schen dem Köni­ge Phil­ip dem Zwei­ten von Spa­ni­en und sei­nen Domä­nen Räthen einer, und dem zeit­li­chen Besit­zern des Be-

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zir­kes Lages ande­rer Sei­te. Im Ers­ten begeh­ret Theo­dor von Kete­ler in Fran­zö­si­scher Spra­che Ver­si­che­rung des­sen, was sei­ner ver­stor­be­nen Mut­ter gebohr­nen Grä­fin von Renn­eberg 1556 wegen der Herr­lich­keit Lage in der Graf­schaft Bent­heim ver­spro­chen wor­den wäre; LA TERRE ET SEIGNENRIE DE LAEGE, LA JURISDICTION DE LAQUELLE NE S’EXTEND QUE D’UN QUART DE LIEU, APPARTENANTS A VOSTRE MAJESTE, SITUEE au milieu de la Com­té de Ben­them; wel­che Herr­lich­keit sich nicht über eine Vier­tel­stun­de erstreck­te. Im Zwei­ten ist die­ses Ver­spre­chen des Köni­ges an die Wit­we des Goßen von Ket­ler gebohr­ne Grä­fin Cor­ne­lia von Renn­eberg ent­hal­ten, ihr die Herr­lich­keit Lage im Kirch­spie­le Uel­sen bey Neu­en­haus mit aller hohen und nie­dern Gericht­bar­keit, mit Jagd und Fische­rey, mit der Müle über­las­sen zu wol­len, und zwar in einem Obe­rys­se­li­schen Erb­leh­ne nach Obe­rys­se­li­schen Rech­ten. Ohne von Gebot und Ver­bot I), als Kenn­zei­chen der Unmit­tel­bar­keit Etwas zu erwäh­nen. So viel die Sou­ve­rä­ne­tät des Teut­schen Reichs betrift, wird die­sel­be wohl aus­drück­lich vor­be­hal­ten, da der König ver­spricht, die Rati­fi­ca­ti­on des Kai­sers und Reichs zu ver­schaf­fen. GELOWEN WY PHILIPPUS KONINK X. FÜR ONS, UNSE ERVEN ENDE NAKOMELINGEN, GEMELTE KOPERSCHEN, HAERE ERVEN OFTE AC-

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I) AD. Aus­schlies­sung der Appel­la­ti­on u. s. w.

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TIE DAERVAN HEBBENDE, TOT ALLEN TYDEN SOE DICK I) DES NOOT GEBÖRT, bewil­li­gungs Brie­ven van der Roem­scher Keis­erly­ke Mayes­teit ende den hei­li­gen Ryck te erlan­gen. Zur Sicher­heit des­sen ver­bür­get der König unter Andern sei­ne Herr­schaft Lin­ge. Ueb­ri­gens sind die Ver­satz Sum­me und die Bent­hei­mi­schen mit ver­kauf­ten Güter aus Obi­gem bekannt, nur wird deut­li­cher außer­halb des Hau­ses Lage noch der Hof und das Erbe Lage 2), beim Hau­se Lage und die Kör­ter­stät­te Ter Brucht rich­ti­ger Bucht, so wie auf den Land­char­ten, gen­ant. Noch kom­men die Erben Ekhof oder Kem­mel­ink, Bad­ink, Kose und Nien­hus, Alle in der Bent­hei­mi­schen Bau­er­schaft Her­din­ge und die Hüner unterm Namen Fast­nacht Hüner dar­in vor. Das drit­te die­ser Docu­men­te ist ein König­li­cher Befehl 3) an die Finanz­rä­the, daß sie Sei­ne König­li­che Majes­tät über die eigent­li­che Bewand­niß des Bezir­kes Lage unter­rich­ten soll­ten.

Aber­mals unter Q wird zum Bewei­se, dass der dama­li­ge Obe­rys­se­li­sche Lehns­ne­xus des Bezir­kes Lage kei­ne Obe­rys­se­li­schen Hoheit über den­sel­ben befas­se, eine Gräf­lich Bent­hei­mi­sche Beleh­nung durch Obe­rys­sel mit eini­gen Bent­hei­mi-

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I) Oft.
2) Der ers­te Bestand­teil der Herr­lich­keit.
3) AD. vom 29. Nov. 1587.

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schen Per­ti­nenz­i­en ange­füh­ret, wor­über Obe­rys­sel den­noch kei­ne Hoheit anma­ße, so wenig, als über das von Obe­rys­sel lehn­rüh­ri­ge Lin­gi­sche. Jene Bei­la­ge lau­tet: EXTRACT UIT HET REGISTER DER LEENEN VAN OVERYSSEL. ZWOLLE DEN 24 JANUARY 1668. PRAESENTIBUS DE HEER STADTHOUDER VAN LEENEN, DE HEER VAN SALLIK. PARES CURIAE HENRIK BENTINK TOT WERKEREN, JACOBUS VRIESEN SECRETARIS. MET LEDIGER HAND BELEEND HERR ERNST WILHELM GRAVE TOT BENTHEM, TECKLENBURG, STEINFORT EN LIMBURG, HEER TOT RHEDA, WEVELINKHOVEN &C. DOOR DESSELFS VOLMAGTIGTER DOCTOR JOAN HERMAN KERKERINK BY PROCURATIE DEN 12 HUJUS ONDER DES GEMELTEN HERR GRAEFS, MET DAT NYENHUIS ENDE MET ALLEN SYNEN TOEBEHOREN, TOT ZULKEN RECHTEN; ALS SYNE VOORVADEREN DAT SELVE ALTOOS VAN DESE PROVINCIE VAN OVERYSSEL TOE LEENE ONTVANGEN ENDE GEHOLDEN HEBBEN. ITEM NOCH BELEENT MET DEN HOF TO ESSCHE, ENDE TOESSINK GELEGEN IN DEN KERSPEL VAN VELTHUISEN, BUIRSCHAP ESSEHE, GELYK GEMELTE HEERE GRAEFS VADER, ARNOLD JOOST, GRAVE TOT BENTHEM &C. DEN 29 APRIL 1629 DAARMEDE IS BELEENT GEWORDEN. PRO EXTRACTU HENRICK QUEISEN.

Den Beschluß der Bei­la­ge macht end­lich SUB Y ein Extra­ct aus den Obe­rys­se­li­schen Domän­be­rech­nun­gen vom 16 März 1683, wor­in der Ver­gleich des Herrn von Raes­felt mit dem Hrn. Gra­fen Ernst Wil­helm von Bent­heim über Lage

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lehn­herr­lich geneh­mi­get, das der Fami­lie von Ket­ler vom Spa­ni­schen Köni­ge erteil­te Erb­lehn zer­nich­tet und Sol­ches der Fami­lie von Raes­felt ein­ge­räu­met, der Pro­vinz Obe­rys­sel aber das vor­be­hal­te­ne Recht am wach­sen­den Hol­ze in der Herr­lich­keit Lage, und die Wie­der­ein­lö­sung der­sel­ben gegen Erstat­tung des Pfand-Schil­lings zu sechs­zehn­tau­send zwey­hun­dert acht und sieb­zig Gül­den, mit Ein­schluß der zur Repa­ra­tur des Hau­ses und der Müle ver­wen­de­ten zwey­tau­send Gül­den, vor­be­hal­ten wird.

Es braucht hie­bey wohl nicht erin­nert zu wer­den, daß die­ses Alles von Lehn Guts und Gericht­li­chen Recht­sa­men unter Reichs und Bent­hei­mi­scher Hoheit zu ver­ste­hen war, da selbst die mit dem Teut­schen Rei­che ver­ei­nig­ten vor­ma­li­gen Fürst­bi­schö­fe von Uet­recht kei­ne ande­re Recht­sa­me nebst der bischöf­li­chen Juris­dic­tion oder geist­li­chen Gerichts­bar­keit in Lage aus­übe­ten, so wie die spä­ter soge­nann­ten Dros­ten von Lage Burg­gra­fen oder Cas­tel­la­nen I) des Hau­ses Lage waren, wor­in die Bischö­fe von Uet­recht nach dama­li­ger Sit­te eine bewaf­ne­te Macht hat­ten, wel­ches mit der Lan­des-Hoheit eines andern ver­ein­bar­li­cher war, als das heu­ti­ge Besat­zungs-Recht in ei-

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I) Die auch Amt­män­ner gen­ant wur­den und die Bischöf­li­chen Gefäl­le im Bent­hei­mi­schen erho­ben.

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nem frem­den Gebie­te. Der Fle­cken Lage bil­de­te sich übri­gens erst beim Hau­se und gehör­te zum Bent­hei­mi­schen Kirch­spie­le Uel­zen.

So viel end­lich jene der Pro­vinz Obe­rys­sel vor­be­hal­te­ne Lagi­sche Recht­sa­me betrift, die jene Con­tro­vers mit der Lagi­schen Herr­schaft eigent­lich ver­an­laßt hat­ten, so wur­den Sol­che von Letz­te­rer abge­fun­den, wozu schon die Ein­lei­tung zu Ende des eben gedach­ten Docu­ments gesche­hen war mit den Wor­ten: SULLEN DE VRYKOPEN, WEDERWISSELEN EN PROVENUES VAN’T HOLT SEDERT DIEN TYD GEVALLEN, ALS BUITEN I) DE PANDSCHAP GERESERVEERT EN VERVOLGENTS IN DEN VERMEINTE VERANDERINGE VAN PANDSCHAP IN EEN ERFLEEN NIET VERVAT, TEN PROFYTE VAN DE PROVINTIE ALNOCH MOETEN WORDEN INGEBRACHT EN GEVALIDEERT.

Auch das Obe­rys­se­li­sche Lehn­recht an Lage nahm da mit ein Ende, und Lage wur­de ein Allo­di­al oder sogen­an­tes Son­nen­lehn, wovon Obe­rys­sel auch zu Fol­ge die­ser den Obe­rys­se­li­schen Staa­ten oder Regen­ten zuge­eig­ne­ten und über­ge­be­nen Deduc­tion, und einer mehr als hun­dert­jäh­ri­gen Obser­vanz, Nichts wei­ter als jähr­lich fünf­zig Gül­den und achts Stü­ber erhebt, die dem Schul­meis­ter zu Lage zurück gege­ben wer­den.

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I) Außer.

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Hie­bei hat es Obe­rys­sel, nach­dem es sich durch die­se Lagi­sche Deduc­tion von des­sen Ver­hält­ni­ße zu ihm hat­te unter­rich­ten las­sen; feyer­lich bewen­den las­sen, und Lage trat in sei­ne vor­ma­li­ge vom allem aus­wer­ti­gen Ver­ban­de befreye­te Mit­tel­bar­keit zum Teut­schen Rei­che und zur Graf­schaft Bent­heim zurück, so wenig auch die Bent­hei­mi­schen inne­ren Strei­tig­kei­ten und der Han­nö­ver­sche Ver­satz der Graf­schaft Bent­heim auf die­se klei­ne Gren­ze­cke des Reichs und des Bent­hei­mi­schen den­ken lie­ßen.

Ende des ers­ten Theils.

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